harte Schale, weicher Kern... (756)

  • Hallo zusammen,

    erinnert Ihr euch noch an den Bericht über den Crash-Test zweier Sinn-Uhren (900 und 756) bei der DEKRA? Ist auf der Sinn-Page noch zu lesen bzw. das Video dort zu sehen.
    Ich muss kurz ausholen:
    Eigentlich weiß ich gar nicht, was mit meiner 756 S UTC passiert sein soll. Ich weiß nur, dass ich Anfang Dezember 2006 mal mit Wucht an einen Stahl-Türrahmen angeeckt bin. Da war nur ein kleiner Lackrest vom hellen Türrahmen auf meinem schwarzen Gehäuse zu sehen 8) und die Uhr tickte munter weiter.
    Tja, rund drei Wochen später am zweiten Weihnachtsfeiertag "kullerte" dann ein loses Teil im Gehäuse herum. Ich war geschockt und habe mich sehr geärgert über die Qualität, die ich leider seit dem Neukauf im April 2006 schon öfter bemängeln musste (Entspiegelung, Drücker, Zeiger, Einschlüsse...).
    Die immerhin 1500 €- Uhr sollte tatsächlich eine Schraube locker (!) haben wie der Kundendienst nun feststellen musste ("Die Rotorschraube ist gebrochen und die Unruhspirale dezentriert.").
    Und ich zweifle ein wenig an meinem Verstand (der im Studium einer Ingenieurwissenschaft durchaus auch Festigkeitslehre, Werkstoffkunde, Konstruktion u. ä. mitbekommen hat). Sollte besagter Türrahmenhaken ursächlich gewesen sein für das spontane Versagen? Verabschiedet sich die Konstruktion im Inneren 3 Wochen später beim harten Weihnachtsbratenessen...?
    Ich gebe zu, es ist nun schwer nach zu vollziehen was genau zu dem Fehler geführt hat. Aber was mich in diesem Zusammenhang am meisten stört, ist die Tatsache der überdurchschnittlich aufwendigen Werbung um die Robustheit eben dieser Modellreihe 756 (siehe o. g. DEKRA-Zertifikat).
    Ich hoffe Ihr habt da etwas mehr Glück.

    In diesem SINNe ,
    Gruß
    Timo :?

    thinkIng.!

  • Ärgelich, TM.

    Aber wie das mit einer Serie so ist. Es kann 1000 mal gut gehen und dann trifft es eine Uhr.

    Hilft Dir vielleicht nicht, aber ein Beispiel: Uhrenmagazin testet Taucheruhren, Breitling bis 200 ATM eigentlich dicht, aber Glas bricht. :shock: :shock:

    Glasbruch bei Breitling !! Man kann zanken streiten und anderer Meinung sein, was die Marke und deren Aura betrifft. Aber Gehäuse, Armbänder und Schließen ist "Breitling-Land". Die schicken sogar Stahlkugeln auf Ihre Gläser um sie im eingebauten Zustand zu testen.

    Hilft aber der gebrochenen Breitling im Test garnichts.

    So sehe ich dies bei Dir. Da hat man Vertrauen, kennt sogar Chrashtests mit dem Modell (Wobei das in meinen Augen eher dem Marketing als einer präzisen Aussage dient) und dann soetwas. Da helfen Dir vielleicht nur Beispiele einiger Besitzer, die da von härterem Wegstecken ihrer 756-er berichten können.

    Kopf hoch, alles wird gut.

    Wikinger

    Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.

  • Das ist natürlich ärgerlich und hätte eigentlich bei sowas nicht passieren dürfen.
    Aber ich kann dich beruhigen.Bei Unfällen, die die Uhr nicht überlebt,
    wirst du wahrscheinlich dann auch tot sein.
    :lol:

  • Zitat von Wikinger


    Aber wie das mit einer Serie so ist. Es kann 1000 mal gut gehen und dann trifft es eine Uhr.


    So ist es bedauerlichweise. Eigentlich düfte kein Auto schon nach wenigen Kilometern liegen bleiben - trotzdem beweisen die Pannenstatistiken, daß selbst exklusive Luxuslimousinen bereits mit z. T. lächerlichen Defekten ausgeliefert werden und nach ein paar hundert oder tausend Kilometern prompt warnblinkenderweise auf dem Seitenstreifen stehen.

    Mit meinen mechanischen Tickern habe ich schon etliche Male gegen alle möglichen harten Gegenstände (Türrahmen, Baugerüste etc.) angeschlagen, und hatte außer ein wenig Nachgang bei meiner Mühle M12 noch nie irgendwelche Probleme.

    Ich stimme allerdings zu. Den sogen. Crashtest halte ich eher für Marketing, Andere Hersteller dürften da nicht schlechter abschneiden, denn sie verwenden ja die gleichen Uhrwerke. ;)

  • Die Uhr hat ein sehr hartes und unnachgiebiges Gehäuse. Bei einer Kollision mit einem Türrahmen gleicher Beschaffenheit ist der "Bremsweg" extrem kurz und daher die sehr kurzzeitig auftretenden Beschleunigungen enorm. Da kann es immer mal passieren, dass was kaputt geht. Wäre schöner, wenn nicht, aber die Stoßsicherheit nach DIN ist bei weitem kein Freibrief.
    Bin gespannt, was Sinn sagt.

    --
    Schöne Grüße aus Berlin

    Andreas aka eosfan

  • Hallo zusammen!

    Was die Frankfurter dazu sagen? Na besagtes destruktives Schadensbild aus dem Inneren, dass Material-/Herstellungsfehler nicht feststellbar sind und dass sie die Kosten kulanterweise übernehmen.

    Ich war in dem Moment als ich das Fehlverhalten bemerkte zunächst so verärgert, dass ich eine Wandlung herbeiführen wollte. Diese wurde mir allerdings nicht gewährt. Es ist ja schließlich nicht so einfach, sollte wirklich die Kollision ursächlich sein? Evtl. Materialfehler? Oder aber die Kombination aus beidem? Und dann 3-4 Wochen nach meinem "Crash-Test" ???

    Was das Marketing betrifft ist mir völlig klar, dass da jemand mächtig auf den Putz kloppt. Mich ärgerts trotzdem, auch wenn rein physikalisch einiges gegen mich sprechen mag.

    Angeblich soll ich Sie zu Anfang der nächsten Woche wieder in Händen halten dürfen, nach dem hoffentlich letzten Aufenthalt in Ffm bis etwa 2010...

    Alles in allem für mich recht unerfreulich, der bis dato technisch hoch anmutende Name "Sinn Spezialuhren zu Frankfurt am Main" hat für mich ein wenig an Stärke verloren (auch unter dem Aspekt meiner vorherigen Komplikationen mit der Entspiegelung, Glasdichtung, Zeiger, Drücker, und Partikeln; und die UX hat auch schon erste Tragespuren auf dem Glas...). Soweit erstmal meine Meinung.

    Schönen Abend allerseits,

    Gruß
    Timo

    thinkIng.!

  • "und dass sie die Kosten kulanterweise übernehmen. "

    ...passt doch! - "...mehr sag ich besser nicht dazu..."

    ...doch: SINN ist Top und kümmert sich um ihre Kunden - das zeigt auch dieser Vorfall! :thumbright:

    Gruss Andi

  • Passt sicherlich, andere Hersteller hätten vielleicht anders reagiert. Aber ich sehe den Tatsachen nun nicht mehr durch die "rosa Brille" ins Auge.

    thinkIng.!

  • Also ich hab da auch mal was erlebt... Als ich mein ertes Auto neugekauft habe hatte ich änliches! Ganz glücklich stand ich mit 33.500 DM beim Honda Händler um die Ecke. Ein Honda CRX 1,6i VTI (ein 2 Sitzer Targa in knall rot), bezahlt, kurze Einweisung und ab gings auf nach Hause... Mein Vater erläuterte mir mehr mals nicht den Motor so hoch drehen zu lassen. 3000 Umdrehungen mehr auf den ersten 1.000 km durfte ich nicht... Hanauer Kreuz roch es schon komisch ! Hanau dampfte es schon sanft und kurz vor einer Tankstelle in Hanau fing er den Feuer...nach 56 km und maximal 2.000 Umdrehungen :)

    Versicherung zahlte nur Zeitwert 1.500 DM weniger und Honda wußte von nichts!

    Es kann immer schlimmer kommen
    :)


  • Na, ich würde sagen, da hat sich SINN wirklich sehr kulant gezeigt. Wäre Dir das mit einer "Luxusuhr" aus einer der "glorreichen" Schweizer Uhrenschmieden passiert, und Du hättest denen gesagt, daß Deine Uhr eine Stahlzarge "geküsst" hat, hätten sie Dir das gute Stück auch wieder instandgesetzt. Die Rechnung dafür hätte Dich allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit blaß werden lassen, also sei froh, daß es eine Uhr von SINN war.

    Der Schadensverlauf ist übrigens durchaus nachvollziehbar: Du knallst mit der Uhr gegen eine Stahlzarge. Dabei bekommt das Rotorschräubchen (das ist ja wirklich nur ein Schräubchen!) einen kleinen Riss. Durch die Drehbewegung des Rotors wird immer weiter Zentrifugalkraft auf dieses angerissene Schräubchen ausgeübt. Irgendwann gibt das angerissene Material nach und schon kullert der obere Teil der Schraube durchs Gehäuse. Daß auch die Unruhspirale dezentriert ist, paßt ebenfalls ins Schadensbild "schwere Kollision mit hartem Gegenstand".

    Daß auf der Glasaußenseite aufgebrachte Entspiegelungen schnell verkratzen, ist bekannt. Auch "1.800 Vickers" (Härte der Entspiegelung der UX) ist kein Freibrief. Bei Kontakt mit eloxiertem Aluminium kann sogar ein nicht entspiegeltes Saphirglas (geschmolzenes Aluminiumoxid = Al2O3, Härte ca. 2.100 Vickers) verkratzen.

  • Zitat von HappyDay989

    Daß auf der Glasaußenseite aufgebrachte Entspiegelungen schnell verkratzen, ist bekannt. Auch "1.800 Vickers" (Härte der Entspiegelung der UX) ist kein Freibrief.

    Mit der 1800HV-Entspiegelung hatten sich große Hoffnungen auf Seiten der Uhrenträger verbunden, dass der gegensatz "Zerkratzen oder Spiegeln" endlich aufgehoben wäre ... mein natürlich völlig subjektiver Eindruck aus dem ISF ist, dass "Zerkratzen der äußeren Entspiegelung" eher im oberen Drittel der Hitliste der Proleme mit der U-Serie anzusiedeln wäre ...

    Ich spreche allerdings nicht aus persönlicher Erfahrung: Meine Damasko mit, IIRC, nur halb so harter äußerer Entspiegelung war nach eineinhalb Jahren kratzerfrei, aber ich bin auch vorsichtig mit Uhren, wenn ich sie trage. :)

  • Ich kann die Enttäuschung durchaus verstehen, aber mechanische Uhren sind halt trotz aller Werbeversprechen sensible mechanische Geräte. Wer eine Uhr will, die einen Sturz auf die Fliesen genauso gut abkann wie eine Kollision mit dem Türrahmen, die 200m Wasserdicht ist, Chronographenfunktionalität und ein super präzises Uhrwek hat, der sollte zur Casio G-Shock greifen. Was besseres gibt es nicht, wenn man es robust will. Ist leider so.
    Aber insgesamt schön zu sehen, dass sich Sinn kulant zeigt, bei Marken in anderen Preisregionen hätte das vermutlich anders ausgesehen.

    --
    Schöne Grüße aus Berlin

    Andreas aka eosfan

  • Zitat von eosfan


    Ich kann die Enttäuschung durchaus verstehen, aber mechanische Uhren sind halt trotz aller Werbeversprechen sensible mechanische Geräte.


    Man muß sich einfach mal die Dimensionen und Gewichte der in einem Uhrwerk wie dem ETA 2824-2, ETA 2893-2 oder ETA/Valjoux 7750 ins Gedächtnis rufen: ca. 25 mm Durchmesser, 5 - 8 mm Bauhöhe und nur wenige Gramm Gewicht. Dabei bestehen solche Werke aus über 100 Einzelteilen. Bei einer Kollision mit den harten Realitäten eines Fliesenbodens, einer Stahlzarge o. ä. wirken alle Gesetze der Physik eindeutig gegen das Uhrwerk, ähnlich wie bei einem Aufprall eines Kleinwagens gegen einen Schwertransporter. Mit einem Satz: Die größere Masse triumphiert über die kleinere. Dazu kommt noch, daß durch die hohen Anforderungen an das präzise Zusammenspiel sämtlicher Teile eines Uhrwerks ohnehin eine sehr hohe Empfindlichkeit gegen Stöße und Schläge gegeben ist.

    Zitat von eosfan


    Wer eine Uhr will, die einen Sturz auf die Fliesen genauso gut abkann wie eine Kollision mit dem Türrahmen, die 200m Wasserdicht ist, Chronographenfunktionalität und ein super präzises Uhrwek hat, der sollte zur Casio G-Shock greifen. Was besseres gibt es nicht, wenn man es robust will. Ist leider so.


    Warum leider? Ist doch zumindest gut zu wissen, daß es Uhren gibt, die so ziemlich alles aushalten, was es an "Folter" für einen Zeitmesser überhaupt nur gibt.
    OK, keine G-Shock ist ein Kandidat für den Design-Oscar. ;) Aber wenn's nur darum geht, eine extrem robuste, präzise, zuverlässige und überdies auch preiswerte Uhr zu empfehlen, dann steht die G-Shock sicherlich sehr weit oben auf der Liste. Als Beleg dafür mag man den Umstand heranziehen, daß man sehr häufig G-Shock-Uhren an den Handgelenken von Soldaten oder Mitgliedern von Spezialeinheiten sieht, die sich in jeder Situation auf ihre Uhren verlassen können müssen.

    Zitat von eosfan


    Aber insgesamt schön zu sehen, dass sich Sinn kulant zeigt, bei Marken in anderen Preisregionen hätte das vermutlich anders ausgesehen.


    Genau der Meinung bin ich auch.

    Ich erinnere mich, daß ich in der Newsgroup alt.horology vor etwas über einem Jahr mal von einem verzweifelten Rolex-Käufer gefragt wurde, welche juristische Handhabe er denn nun gegen den Konzi hätte, um die vor wenigen Tagen gekaufte Uhr wieder zurückzugeben. Begründung: Der Konzi hätte ihm gesagt, Rolex baue die zuverlässigsten und präzisesten Uhrwerke und auch die robustesten Uhren. Nun hätte er aber schon nach drei Tagen eine Abweichung gegenüber seiner Funkuhr von zwei Sekunden zu verzeichnen, seine "alte Quarzuhr", eine Breitling Aerospace, sei da erheblich präziser gewesen. Auf meinen Einwand, er solle sich doch bitte mal klarmachen, daß er von einer mechanischen Uhr unmöglich die Sekundenbruchteil-Präzision eines Quarzchronometers wie der Breitling Aerospace erwarten dürfe, reagierte er mit völligem Unverständnis. Den Unterschied zwischen mechanisch und Quarz kenne er nicht, er sei auch nicht darauf hingewiesen worden, und es sei ihm auch völlig egal, wie das Uhrwerk funktioniere, solange es nur genau liefe. Er hätte die Rolex gekauft, weil sie angeblich die beste Uhr der Welt sein sollte, und nun müsse er feststellen, daß dies nicht stimmte. :roll:
    Ich klinkte mich an der Stelle übrigens aus der dann aufkommenden Mechanik-versus-Quarz-Diskussion aus, weil ich aus Erfahrung bereits wußte, daß dies genau so wenig zu einem Ergebnis führen würde wie die periodisch aufflackernden Diskussionen über die eine Uhr, auch als Gralsuhr oder exit watch bekannt. ;)

    Der langen Rede kurzer SINN: Man sollte sich immer kritisch fragen, ob die Erwartungen, die man an eine mechanische Uhr stellt, nicht letztlich unangemessen hoch sind. Das gilt für das Gangverhalten sicherlich ebenso wie für die Anforderungen an Stoßsicherheit und Robustheit.


    Zitat von Crusader


    Ich spreche allerdings nicht aus persönlicher Erfahrung: Meine Damasko mit, IIRC, nur halb so harter äußerer Entspiegelung war nach eineinhalb Jahren kratzerfrei, aber ich bin auch vorsichtig mit Uhren, wenn ich sie trage. :)


    Na schau mal an. Bist Du am Ende gar eine Poliertuch-Muschi?* :lol: :lol: :lol:

    * Poliertuch-Muschi is a trademark of WatchLounge.com :lol:

  • Für die ausführlichen Erläuterungen möchte ich happy day auf jeden Fall danken. Stimmt und kann ich gut nach vollziehen.
    Die rosa Brille habe ich ja nun abgesetzt.

    Siehe auch (Duden - Das Fremdwörterbuch, 8. Aufl. Mannheim 2005 [CD-ROM])

    Il|lu|si|on die; -, -en <lat.-fr.>:

    1. beschönigende, dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt.

    2. (Psychol.) falsche Deutung von tatsächlichen Sinneswahrnehmungen (im Unterschied zur Halluzination).

    3. (Ästhetik) Täuschung durch die Wirkung des Kunstwerks, das Darstellung als Wirklichkeit erleben lässt


    Allerdings bleibt es dabei, dass es auch Uhrenträger gibt, denen nicht immer ein "happy day" mit ihrem Zeitmesser gegönnt ist ;) Und dafür gibt es dann wiederum Sinn.
    Macht Sinn.

    Schönen So,
    Timo

    thinkIng.!

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