Wozu dient die Unterlage beim Uhrarmband der Bundeswehr?
Soll der direkte Kontakt der Uhr mit der Haut vermieden werden und wenn ja, warum?
Wozu dient die Unterlage beim Uhrarmband der Bundeswehr?
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- Sonstige
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athlone -
11. Juni 2008 um 10:16
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Zitat von athlone
Wozu dient die Unterlage beim Uhrarmband der Bundeswehr?
Soll der direkte Kontakt der Uhr mit der Haut vermieden werden und wenn ja, warum?Gute Frage. Ich kann mir vorstellen, das dies mit dem Material der Uhr zusammenhängt (Nickel-Abgabe an die Haut) und den festen Bandstegen. Wenn man Knierim liest, sieht man, dass in früheren Zeiten das Uhrband wegen der festen Bandstege "durchgezogen wurde", so dass die Haut gar nicht mit dem Metall in Berührung kam. Vielleicht wurden mit der Erfindung der losen Bandstege die Nickelallergien (die Metall-Entwicklung war noch nicht bei "Nickelfrei" angelangt) damit bekämpft, dass man diese Unterlagen nahm. Und diese sind halt bis heute geblieben. Die nickelreichen Gehäusematerialien und festen Bandstege sind Geschichte, die Unterlagen bleiben. Wie die Alkohol-Steuer. Die kaiserliche Marine ist Geschichte (zur Finanzierung wurde die Alkoholsteuer erfunden), die Steuer bleibt.
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Gerade die originalen Bund-Bänder sind aber für feste Federstege gemacht.

Meine bisherigen Recherchen in verschiedenen Foren zu der Eingangsfrage haben eine Reihe interessanter, aber keine schlüssige Erklärung gebracht:
- Stoßdämpfung
- Feuer-/Wärme-/Kälteschutz
- Verhinderung von Metallkontakt (Tradition aus der prä-Stahluhrenboden-Zeit) mit dem Handgelenk
- guter Sitz am handgelenk (erstaunlich gut, wie ich bei einer Probe feststellte)Ich tendiere zu Nr. 3, bin aber für jeden Wissenszuwachs offen.

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Hmmm,
da hat man seit Jahren so'ne Uhr in der Sammlung und dan so eine (berechtigte Frage).
Ich tendiere auch den "Tragekomfort" hervorzuheben. Wer z.B. mal ne Uhr mit Stahlarmband bei großer Hitze am Arm hatte wird schnell feststellen: wenn man schwitzt und die Uhr nicht 100%ig eng sitzt "rutschen" gerade die schweren Militäruhren gerne hin und her.
Leder "saugt" sich dagegen bis zu nem bestimmten Grad am Handgelenk fest. Je mehr Leder, desto "fixierter" ist die Uhr wohl.Als 2. Grund denke ich an Materialschonung. Staub und Schweiß, welche direkt an den Gehäusedeckel gelangen könnten vielleicht eine "schmirgelnde" Verbindung eingehen - welche jedoch heutigen Mitiläruhren nicht mehr soviel anhaben dürften. Der Elitesoldat kann ja bei nem Einsatz kaum Zeit für ne Uhrenreinigung mit Zahnbürstchen einplanen, da bildet sich schnell ne schwarze Dreckkruste am Gehäusedeckel... Naja - nur sone Idee...
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Zitat von boen
Als 2. Grund denke ich an Materialschonung. Staub und Schweiß, welche direkt an den Gehäusedeckel gelangen könnten vielleicht eine "schmirgelnde" Verbindung eingehen - welche jedoch heutigen Mitiläruhren nicht mehr soviel anhaben dürften. Der Elitesoldat kann ja bei nem Einsatz kaum Zeit für ne Uhrenreinigung mit Zahnbürstchen einplanen, da bildet sich schnell ne schwarze Dreckkruste am Gehäusedeckel... Naja - nur sone Idee...Ja, das erscheint auch logisch. Tragekomfort halte ich für eher unwahrscheinlich, da Komfort (jeglicher Art) und BW-Ausstattung nicht so recht passen will.
Crusader: du hast natürlich recht, die Unterlagen wurden für feste Bandstege gemacht. Aber wozu den jetzt sowas? Irgendwie ergibt das keinen so rechten Sinn.
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Zitat von Chronometres
Crusader: du hast natürlich recht, die Unterlagen wurden für feste Bandstege gemacht. Aber wozu den jetzt sowas? Irgendwie ergibt das keinen so rechten Sinn.Die Tutima-Dienstuhren haben zwar keine festen Stege im engeren Sinne, aber man muss sie mit dem Hammer herausklopfen ... also zumindest nahe dran.
Ansonsten ist mein Eindruck aus dem Studium verschiedener Militärspezifikationen dass es oftmals einfacher ist, Dinge weiterzutradieren, wie sie immer schon gemacht wurden, auch wenn der ursprüngliche Grund weggefallen oder nicht mehr bekannt ist.
Ist aber eigentlich auch im Zivilleben so: noch immer wird Fisch nicht mit dem Messer geschnitten, obwohl der ursprüngliche Grund (geschmacksabsonderung des ursprünglich verwendeten Stahls für die Schneide) heute nicht nehr gegeben ist ... aber die Zivilisten haben dieselbe Verhaltensweise als zivilisatorische "Etikette" re-invented, während das Militär sich mit dem "Kommisskopf" begnügen muss.
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Zitat von Crusader
Ansonsten ist mein Eindruck aus dem Studium verschiedener Militärspezifikationen dass es oftmals einfacher ist, Dinge weiterzutradieren, wie sie immer schon gemacht wurden, auch wenn der ursprüngliche Grund weggefallen oder nicht mehr bekannt ist.Ja sag ich doch (s. Beitrag vom 11.06. -Alkoholsteuer-)!

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Zitat von Crusader
[...]noch immer wird Fisch nicht mit dem Messer geschnitten, [...]
Nicht?
Wie nimmst Du denn einen Fisch aus, wenn Du ihn nicht mit dem Messer aufschneidest?

Zum Thema: Ich könnte mir vorstellen, daß der Grund der Lederunterlage folgender war: Früher hatten Uhren keinen Deckel aus rostfreiem Stahl, sondern i. d. R. einen aus Messing. Zudem waren die Dichtungsringe noch nicht so alterungsbeständig und paßgenau wie heute, so daß Hautschweiß ein echtes Problem darstellen konnte: Korrosion des Deckels durch den aggressiven, salzhaltigen Schweiß und Feuchtigkeit, die durch verdunstenden Schweiß direkt ins Gehäuse gelangen konnte und dem Uhrwerk zusetzte.
Natürlich nur meine bescheidenen zwei Euro-Hunderstel...
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Zitat von HappyDay989
Nicht?
Wie nimmst Du denn einen Fisch aus, wenn Du ihn nicht mit dem Messer aufschneidest?

Mein Fisch kommt fertig filetiert und paniert aus der Tiefkühltruhe ... :oops: :wink:
Was die andere Sache betrifft ... weiß denn jemand, ob dieser Armbandtyp im Ursprung fliegeruhrenspezifisch, militäruhrenspezifisch oder wo er zuerst aufgetreten ist?
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Entstanden sind diese Bänder aus dem sogenannten ledernen Kapselbändern.
Sie dienten zur Aufnahme von Taschenuhren, damit man sie am Arm tragen konnte.
Irgendwann ab 1880 gab es die, also zur Frühzeit der Armbanduhr.Dass man Uhrenarmbänder der Einfachheit halber unter dem Gehäuse durchführte, gab es auch schon sehr
früh, sowohl bei Lederbändern, als auch bei Stoffbändern. Eigentlich hat es schon seit der Frühzeit beide
Varianten gegeben, Durchzugsband und die Lösung mit den zwei getrennten Bandstücken.Sowohl zur Zeit des Ersten, wie auch des Zweiten Weltkrieges, waren mehrheitlich Standardbänder und
-befestigungen im Gebrauch. Ich vermute mal, aus den hier schon genannten Gründen hat sich aber
das Durchzugsband / EDIT* UNTERLAGENBAND beim Militär bis heute gehalten und wird deswegen damit
in Verbindung gebracht.Zum Anzug sieht´s ja auch echt sch... aus.

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In der Zeitschrift "Deutsche Uhrmacher Zeitung" Ausgabe 1/1896 steht ein Artikel über "Stoffarmbänder mit Uhrkapsel" worin beschrieben wird wie sich durch die Reibung des Stoffbandes am Arm oft Fusseln ins innere der Uhr verirren. Das Versandhaus Stukenbrok in Einbeck bietet eine "Lederform-Unterlage" dagegen an. Wo da der Zusammenhang mit den Lederbändern des Militärs liegt, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
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Zitat von Chronometres
In der Zeitschrift "Deutsche Uhrmacher Zeitung" Ausgabe 1/1896 steht ein Artikel über "Stoffarmbänder mit Uhrkapsel" worin beschrieben wird wie sich durch die Reibung des Stoffbandes am Arm oft Fusseln ins innere der Uhr verirren. Das Versandhaus Stukenbrok in Einbeck bietet eine "Lederform-Unterlage" dagegen an. Wo da der Zusammenhang mit den Lederbändern des Militärs liegt, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
Wie ich bereits geschrieben habe, gab es diese Bandart sowohl mit Stoff-, als auch mit Lederband.
[size=7]Anzeige von 1913, Abbildung aus "Armbanduhren - 100 Jahre Entwicklungsgeschichte", Callwey[/size]Was für Fusseln gilt, gilt auch z.B. für verdunstende Feuchtigkeit, die durch die damals mangelhafte
Abdichtung ins Innere der Uhr gelangen konnte. Wurde hier ebenfalls schon erwähnt.
Heute gibt es keine rationalen Gründe, die für die Verwendung eines solchen Bandes sprechen,
vor 100 Jahren war das völlig anders, aber eben auch nicht in irgendeiner Art und Weise auf den
militärischen Bereich beschränkt.Wie gesagt, die Vermutung liegt sehr nahe, dass es sich dort halt einfach bis heute gehalten hat.
Ein Relikt mit gewissen Vorzügen, mehr nicht. IMHO. -
Nun ja, hier bin ich Laie, wie viele auch. Die hier vorgetragenen Theorien scheinen mir da recht schlüssig.
Vielleicht ist es aber auch viel banaler, als wir glauben.
Ein durchgehender Strap aus einem Stück, der einfach zwischen Gehäuse und Bandstege hundurch gefädelt wird, ist in der Herstellung sowas von simpel - eben nicht zwei Bandteile, die an den Bandstoßenden noch eine Öse für die Stege benötigen. Einfacher geht es nicht und ist daher für die Massenproduktion bestens geeignet und billig. So etwas liebt das Militär, denke ich mir.
Für die "Bandmontage" ist kein Werkzeug erforderlich. Die Bänder sind daher einfach und "im Feld", wenn es sein muss ersetzbar - ohne "Gefummel".Vielleicht hatten die ersten Armbanduhren aber auch keine herausnehmbaren Bandstege. Könnte mir demken, dass die vielleicht erst mit der Zeit gekommen sind. Weg von der plumpen Durchfädelei und hin zu eleganteren Befestigung jeweils an beiden Gehäuseseiten.Nur das Militär hat das dann vielleicht aus den zuvor genannten praktischen Erwägungen nicht übernommen.
Gruß
Gerhard -
Mit einigen Deiner Vermutungen dürftest Du schon ganz richtig liegen.
Welcher Landser konnte schon dauernd zum Sattler rennen, wenn ihm mal wieder ein Band gerissen ist???Aber hier geht es ja um die Geschichte der UNTERLAGENbänder im Allgemeinen, die
der BW im Speziellen und ursprünglich weniger um die Entstehung der Durchzugsbänder.
Unterlagen finden sich an allen Bandvarianten, und ein Durchzugsband benötigt nicht zwingend eine Unterlage!:wink:
Allerdings hatte ich mich weiter oben ja auch schon mal kurz mit den Begriffen verhauen... :oops:
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Zitat von HappyDay989
Nicht?
Wie nimmst Du denn einen Fisch aus, wenn Du ihn nicht mit dem Messer aufschneidest?

Zum Thema: Ich könnte mir vorstellen, daß der Grund der Lederunterlage folgender war: Früher hatten Uhren keinen Deckel aus rostfreiem Stahl, sondern i. d. R. einen aus Messing. Zudem waren die Dichtungsringe noch nicht so alterungsbeständig und paßgenau wie heute, so daß Hautschweiß ein echtes Problem darstellen konnte: Korrosion des Deckels durch den aggressiven, salzhaltigen Schweiß und Feuchtigkeit, die durch verdunstenden Schweiß direkt ins Gehäuse gelangen konnte und dem Uhrwerk zusetzte.
Natürlich nur meine bescheidenen zwei Euro-Hunderstel...
und hier hat Olaf zu 100% recht, die "Lederunterlage" diente ursprünglich rein zur "Materialschonung" in denen von Olaf oben angeführten Gründen.
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Auch wenn ich genau das gleiche denke und auch schon geschrieben habe...
Hast Du rein zufällig irgendwelche BEWEISE bei der Hand???
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!.) Militäruhren haben lange Zeit feste Stege gehabt, wegen der Verlustsicherheit (heute würde man das differenzierter sehen, und die Notwendigkeit, sich im Falle des Hängenbleibens aus eigener Kraft von der Uhr "trennen" zu können, in den Vordergrund stellen).
2.) Uhren mit festen Stegen hatten oft vernähte Armbänder- bei der kürzeren Servicezyklen war das machbar.
3.) Das hier diskutierte Unterlagen-Band war/ist kein Durchzugsband.
4.) Durvchzugsbänder haben den Vorteil, dass man die Schließe ideal am Handgelenk positionieren kann; sie haben also durchaus auch für Zivilisten einen Vorteil.
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Zitat von Christopher
Auch wenn ich genau das gleiche denke und auch schon geschrieben habe...
Hast Du rein zufällig irgendwelche BEWEISE bei der Hand???
Hi, leider keine schriftlichen, aber ich kann auf ein Gespräch mit einem pensionierten Versorgungsoffizier verweisen, welcher als Hobby sich intensiv mit der Geschichte der Militäruhren befasst und dadurch mir dies als Grund genannt hat.
Grüße
Hubert -
Gut. Das reicht mir vorerst für Olafs und meine Annahme.

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