• Liebe Uhrenfreunde,

    hiermit möchte ich eine kleine Serie starten, mit der ich einige interessante Stücke aus meiner Sammlung vorstellen möchte. Diese Serie soll unser aller Uhrenhorizont erweitern und Wissen vermitteln. Los geht's :

    Der Heuer Semikrograph wurde ab 1914 entwickelt. Das Patent wurde am 2. 10. 1916 erteilt, noch im gleichen Jahr begann die Produktion. Warum so schnell werde ich am Schluss des Beitrages erläutern. Zunächst die technischen Details:
    Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Schaltrad Rattrapante mit sogenannten Splittsekunds, 2 Zeiger messen also 2 Zeitabläufe gleichzeitig. Hier also 6 Sekunden und erstmals die 1/ 50 Sekunden. Die Genauigkeit wurde möglich durch eine relativ kleine Unruhe und einer sehr kräftigen Spirale. Die Spirale erreicht mit der Unruhe 180 000 Halbschwingungen pro Stunde. Damit das Uhrwerk nach den Messvorgang nicht in kürzester Zeit ablief, wurde die Unruh über ein Hebelwerk gestoppt und lief beim nächsten Vorgang wieder an.
    Wozu brauchte man 1916 erstmals eine solche Messgenauigkeit ? Nun , zu dieser Zeit war der 1. Weltkrieg auf seinem Höhepunkt, dieser war gleichzeitig erstmals auch ein Krieg der technischen Entwicklungen. So eine Genauigkeit war beispielsweise bei der Einstellung von Zeitzündern oder der Synchronisation von Maschinengewehren in den erstmals auftretenden Jagdflugzeugen erforderlich. Bei letzterem wurde ein Mechanismus erfunden, bei dem das nach vorne schießende Maschienengewehr durch die rotierende Luftschraube des Flugzeuges schießen konnte. So wurde der bis dato sich ebenfalls an Bord befindliche zusätzliche Maschinengewehrschütze eingespart und die Jagdflugzeuge wurden schneller, wendiger und leichter. Der Nachfolger des Semikrograph war dann der Ed Heuer Mikrograph mit einer Messgenauigkeit von 1/ 100 Sekunden .
    Nun die Bilder dazu :

  • Danke dir für diese klasse Nachhilfe zur Zeitgeschichte und deren Messung : doppelt Daumen hoch

    Immer wieder Interessant wieviel "Top-Technik" schon vor über 100 Jahren erdacht war.

    Mehr davon,bin süchtig ;)

    Gruss Lasse

    Schäfchen zählen,pah ich leg mir meine Uhr aufs Ohr :zzz:

  • Danke Lasse. Dann extra für dich meine schönste Uhr. Es handelt sich um eine Spindeltaschenuhr etwa um das Jahr 1800 der Firma Higg und Evans ( bestand 1775 bis 1825 ) aus London. Als Besonderheit hier das sogenannte " Türkische Ziffernblatt " für den türkischen Markt. Da die Rückseite einen militärischen Charakter aufweist nehme ich an, das diese als eine Art Auszeichnungsuhr für den militärischen Bereich gedient hatte. Aber auch im englischen Binnenmarkt waren die Uhren auf Grund ihrer pompösen Ausstattung sehr beliebt.

  • Wow, danke für's Zeigen! : AlterSchwede : wie geil

    Wenn ich so etwas sehe, werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die heutigen Uhrenhersteller "nicht mehr so viel Mühe" geben, wie damals. Klar, die Highend-Modelle gibt es immer noch. Aber gefühlt wird jede ernstzunehmende Komplikation heutzutage mit horrenden Aufpreisen verkauft, die 100 Jahre vorher praktisch jede zweite vernünftige Uhr hatte, die sich auch noch ein normaler Mensch des gehobenen Mittelstands leisten konnte. Heute muss man dafür mindestens 5-stellige Euro-Beträge hinblättern. Klar - kann man so nicht mehr direkt vergleichen, da hat sich die Zeit viel zu sehr geändert und die Umstände waren andere. Dennoch hab ich das Gefühl, dass viele "Innovationen" diverser Hersteller Marketing-mäßig mit Pauken und Trompeten angekündigt werden, die es zu Zeiten schon gab, wo die technischen Möglichkeiten noch weitaus eingeschränkter waren.

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