Technik außerhalb des Werkes



  • Siehe auch: Gehäuseaufarbeitung - Do it yourself!

  • Ich greife die Frage der Preispolitik von Sinn in Bezug auf die Glaswahl am Beispiel der 356 hier mal auf. Die Preisliste sagt aus, dass eine 356 mit Aufrüstung auf Saphirglas inkl. Umbau bei Bestellung mit 290,-€ Aufpreis, der nachträgliche Einbau mit 340,-€ berechnet wird.

    Ich möchte hierzu mal einen Ausflug in die Uhrenglas-Technik machen:
    Es gibt das Saphirglas (geschnitten aus einer Saphirkristalstange mit entsprechendem Durchmesser), das Mineralglas (schnödes, normales Glas) und das Kunststoffglas (Plexiglas und Hesalit, aus Platten durch Warmvervormung erzeugt, sowie Acrylglas, aus Granulat in Form gespritzt). Das Saphirglas wird mit Epoxidharz in einen am Gehäuse eingefrästen rechtwinkeligen Glasfalz mit einem Übermaß von ca. 0,1mm (Platz für den Kleber) eingeklebt (Nachteil: der Kleber "altert" und wird "müde". Ein Spalt -z.B. durch einen Schlag- von 1/1000mm, und die Dichtigkeit ist Geschichte). Das Mineralglas wird mit der sog. Glasdichtung meistens mit der Einpress-Methode mit einem Stempel in die Glasfalzfräsung gepresst (Nachteil: es ist enorm schwierig, den zwischen Gehäuse und Glas sitzenden -sehr aufwendig geformten- Dichtring 100% plan aufliegen zu lassen). Kunststoffglas hingegen wird innen mit einem Metallsprengring versehen (Aufgabe des Rehaut ist es, diesen zu verdecken) und mit der Eigenspannung in einen Glasfalz mit Unterschnitt (nicht rechtwinkelig, sondern nach oben verjüngt) so montiert, dass sich das Glas durch die Eigenspannung (unterstützt durch den Sprengring -wäre dieser nicht vorhanden, kann das Glas beim Zusammendrücken reissen) in die Ausdrehung "hineinzieht".

    Bei der Bestellung einer 356 kann von Sinn der notwendige Umbau direkt bei der Fertigung geschehen, bei der nachträglichen Bestellung hingegen muss auch der Umbau des Glasfalzes durchgeführt werden; einfacher "Austausch" von Acryl auf Saphir durch Glaswechsel genügt hier nicht. Daher wirken die Saphirgläser bei den Sa-Modellen nicht nur grösser, sie sind es auch! Sinn könnte die Saphirgläser auch genau so gross wie die Acrylgläser machen, dann wäre aber die nachträgliche Umrüstung nicht möglich. Eine Umrüstung von Saphir auf Acrylgas ist durch den geänderten Glasfalz nicht möglich.

    Als kleiner Nachtrag: Wenn ihr nicht genau wisst, welches Glas ihr an der Uhr vor euch habt, dann hilft folgender Test:

    Reibt mit der Oberseite eines Fingernagels über das Glas. Rutscht der Fingernagel wie über Eis, ist es Saphirglas, spürt ihr einen Reibungswiderstand, ist es Minersalglas, und fühlt es sich "quitschig" an, ist es Kunststoffglas. Keine Angst, mir ist nicht langweilig...!

    Zitat von Uhrologe

    Das Herstellungsverfahren von Acrylglas und Plexiglas ist identisch.

    Plexiglas IST Acrylglas (Eingetragene Marke der Firma RÖHM).


    Zur Politur von Acrylglas:

    Zitat von Crusader

    Ich mache das immer mit einem Produkt namens Polywatch (ist dasselbe Zeug, was man zum Polieren von Handydisplays nehmen kann) und Watte, und dann viel reiben.

    Gruß Gero

  • Hier nun der versprochene Beitrag zur Bandbefestigung.
    Feste Bandstege werden nicht behandelt.

    Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Arten der Bandbefestigung:

    Als erste möchte ich auf die Federstegbefestigung eingehen:

    Die Qualität der Federstege ergibt sich aus:

    - dem Durchmesser der Stifte und der Mittelstege (je größer, desto stabiler),
    - der Länge der Stifte im Eingriff am Bandhorn (je länger, desto besser -evtl. durchbohrte Bandhörner),
    - der Länge der Feder (je kürzer, desto höher der Eingriff der Stifte in den Mittelsteg -Stabilität-)
    - der Eingrifflänge in den Mittelsteg (je tiefer, desto stabiler)

    Es gilt hier, einen bautechnischen Kompromiss zwischen der Federlänge und dem Eingriff in den Mittelsteg zu finden. Je länger der Eingriff in das Bandhorn ist, desto mehr Federweg muss vorhanden sein. Das bedingt eine längere Feder mit einem kürzeren Eingriff in den Mittelsteg. Je länger der Eingriff in den Bandsteg, desto kürzer die Eingrifflänge in den Mittelsteg.

    Vorteile: sehr wartungsfreundlich, schneller Bandwechsel
    Nachteile: Feder rostet, schlechte Qualität schwer zu erkennen, 4 Bauteile


    Als zweites möchte ich die Schraubbefestigung vorstellen:

    Die Qualität der Schraubstege ergibt sich aus:

    - dem Durchmesser des Schraubgewindes und des Steges (je größer, desto stabiler),
    - der Länge des Eingriffs des Gewindes in den Steg

    Auch hier muss ein Kompromiss zwischen dem Durchmesser der Konstruktion und der Stärke des Bandhornes gefunden werden. Zur sicheren Befestigung ist eine Schraubensicherung angebracht. Es gibt zwei Varianten: Die Schraubstege mit zwei Verschraubungen (gleiche Bohrungen in den Bandhörnern) und mit einseitiger Verschraubung (eine größere Bohrung oder zwei gleiche. Hier wird der Mittelsteg direkt bis an den Schraubkopf geführt und das Gewinde verschwindet komplett im Steg). 2 oder 3 Bauteile.

    Vorteil: sieht gut aus
    Nachteile: nicht so wartungsfreundlich


    Die dritte Möglichkeit ist die Befestigung ist die Stift/Hülsenkombination:

    Die Qualität dieser Kombi ergibt sich aus:

    - der Materialstärke beider Komponenten (je größer der Durchmesser, desto stabiler),
    - der Fertigungspräzision

    Hier ist das Verhältnis des bautechnischen Kompromisses am Kleinsten. Die Festigkeit ist aufgrund der Durchführung eines Stiftes durch eine Hülse in gesamter Länge sehr hoch.
    2 Bauteile

    Vorteil: hohe Festigkeit
    Nachteile: Hoher Preis, beim Bandwechsel nur eingeschrängt wiederverwendbar, Wartungsunfreundlich (Spezialwerkzeug)

    Jede Art der Befestigung hat Vor- und Nachteile. Die Qualität entscheidet oft mehr über die Festigkeit als die Bauart. Wenn es in Sachen Stabilität unbedingt einen "Sieger" geben soll, so ist dies m.E. nach die Stift/Hülsenkombination. Aber wie geschrieben: ausgeleierte oder zu dünne Federstege taugen genauso wenig, wie klappernde Schraubstege oder lasche Stift/Hülsenverbindungen.

    Gruß Gero

    Einmal editiert, zuletzt von Chronometres (14. Februar 2009 um 16:28)

  • Beitrag vom Kollegen Mauduru:
    Hallo allerseits,

    angeregt vom Beitrag des Kollegen carlt0301 zur Drückerumrüstung kommen hier mal ein paar Details zu Schraubdrückern. Die Fotos zeigen beispielhaft einen Drücker für eine Sinn 103.

    Der Aufbau

    Der Tubus ist mit dem Gewinde in das Uhrengehäuse eingeschraubt und mit Schraubenkleber gesichert. Am rechten Ende des Tubus sieht man eine Außenverzahnung. Diese passt in die Innenverzahnung des Knopfs und dient als Verdrehsicherung. Das ist erforderlich, damit sich beim Auf- und Zuschrauben der Schraubhülse der Knopf nicht mitdrehen kann. Im Tubus befinden sich außerdem die Dichtungen und die Feder.
    Zwischen der äußeren Gummidichtung und der Feder sitzt eine Druckscheibe, die die Federkraft gleichmäßig auf die Dichtung verteilt.
    Die Dichtungen mit Abstandsring, die Druckscheibe und die Feder sind auf den Stift aufgefädelt und dieser ist mit seinem Gewinde (rechtes Ende) mit dem Knopf verschraubt. Dazu besitzt der Stift am linken Ende einen Schraubenschlitz. Dieses linke Ende betätigt beim Drücken das Uhrwerk.

    Zusammengebauter Drücker (ohne Schraubhülse)

    Gedrückter Drücker

    Die Schraubhülse besitzt an der linken Seite innen einen Bund, der sich beim Aufschrauben des Drückers an das linke Ende des Knopfs anlegt und damit das Verlieren der Hülse verhindert. Die Hülse kann also nur von links und nur vor dem Einbau des Drückers ins Gehäuse montiert werden.

    Aufgeschraubter (entsicherter) Drücker

    Zugeschraubter (gesicherter) Drücker

    Die Sicherungsfunktion der Schraubhülse besteht lediglich darin, die Betätigung des Drückers zu unterbinden, indem sie sich an das Uhrengehäuse anlegt. An der Abdichtung ändert sie nichts.

    Schöne Grüße!

    Gruß Gero

  • Anleitung für alle Oberflächen:

    Selber Perlstrahlen:


    Originalbeitrag Robs
    Originalbeitrag nagbor

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