Ich kaufe nur noch Uhren, die mir rundum gefallen und die ich tragen möchte. Da ich in der Regel nicht sonderlich zimperlich mit den Uhren umgehe sind Gebrauchsspuren und damit auch ein Wertverlust unumgänglich. Deshalb beziehe ich, nachdem mir eine Uhr gefällt, in die Kaufüberlegungen sicher auch den zukünftigen Wert einer Uhr - oder weniger spekulativ den realistischen Wiederverkaufswert - mit in meine Überlegungen ein.
Beispiel 356 SA II:
2009 konnte man die für 1.4k kaufen. Heute würde ich eine aus der Zeit auf 1000€ Verkaufswert taxieren - das wäre also ein deutlicher "Verlust" (ein völlig unpassender Begriff, wo man dafür doch lange so viel Freude an einer Uhr hatte
)
Beispiel 142 B:
2009 gebraucht gekauft + Revision und Aufarbeitung insgesamt etwa für 1.4k machbar.
Heutiger Verkaufswert problemlos 1.5k
Jetzt die spannende Frage:
Wäre das absehbar oder planbar gewesen? Die Antwort lautet: Nein.
Obwohl erstere Uhr mittlerweile neu die 2k Grenze überschritten hat, ist sie zu wenig gefragt, um den Werterhalt über Preissteigerungen zu erfahren. Das könnte sich aber noch ändern, sodass zumindest die ursprünglichen 1.4k wieder zu bekommen wären.
Die 142 hingegen war schon damals gefragt und ist es trotzt der neuen 140 immer noch, vielleicht gerade weil die neuen das doppelte kosten.
Nur wer weiß das vorher? Hätte Sinn das Modell 356 SA II 2010 eingestellt wäre es womöglich jetzt gefragter als es aufgrund der Neuverfügbarkeit ist. Oder niemand würde das Modell mehr kennen und ein Verkauf wäre reine Glückssache. Käufer würden über den letzten Neupreis von 1.5k argumentieren und man hatte Glück noch 900€ zu bekommen.
Worum es mir geht ist, dass manche Entwicklung erahnt werden kann, aber die Auswirkungen können sehr unterschiedlich sein. Ebenso gut könnte die Finanzwelt sich erneut auf den Kopf stellen und auch das kann sich unterschiedlich auswirken. Gehen Umsätze in der Uhren und Schmuck Branche zurück und die Preise stagnieren? Oder behalten bereits gekaufte Uhren gerade durch den Wertverlust des Geldes ihren Realwert?
Bei Rolex geht ja jeder davon aus, dass eine makellose Uhr dank jährlicher Preiserhöhungen ihren Wert behält. Vielleicht werden aber auch zu viele Subs und GMTs vor diesen Hintergrund gekauft und die Fülle verfügbarer Uhren lässt den Wert auf Dauer eher stagnieren? Sicher - eine alte GMT mit Plexiglas ist heute ein gefragtes Sammlerstück, obwohl sie Jahrzehnte gebaut wurde. Die Explorer II "orange Hand" (1655) hingegen wurde nur kurz gebaut, war damals nicht sonderlich beliebt und kostet heute gut und gerne das doppelte einer 1675 GMT.
Worauf soll man also setzen? Auf den eigenen Geschmack, auf etablierte Marken und/oder auf günstigen Kauf? Vermutlich ist eine gesunde Mischung hier der beste Ratschlag.