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Montag, 21. Mai 2018, 15:01

Dugena Monza

Ich kann nichts wegwerfen. FrecheFratze

Der Grund dafür ist sicher meine Großmutter, die mir immer von den schweren Zeiten während und nach dem 2. WeltKrieg erzählt hat. Entbehrungen haben den Tag bestimmt, alle haben gefroren gehungert und hatten Angst vor dem nächsten Tag.
Als die Amerikaner dann in Hanau angekommen sind, wurde gemauschelt,
gehandelt und zum Beispiel das benutzte Kaffeepulver der Besatzer noch zwei/dreimal aufgebrüht, bevor es die Hühner bekamen.
Meine Mutter aß als Mädchen Zuckerbrot, Himmel und Erd ( wobei sie die Kartoffel und die Äpfel im Feld zusammen suchen musste,
Fleisch gab es kaum.
Essen kann ich überhaupt nicht wegwerfen.
Ich versuche auch immer meinen Teller leer zu essen.
Das ist irgendwie ganz tief in mir verwurzelt.

Wenn die Monteure zu Feierabend in die Firma kommen, und das alte Material mitbringen,
schaue ich, was ich noch gebrauchen könnte... FrecheFratze
Die sind total genervt von mir, weil ich alles genau untersuche, ob was noch „gut“ ist! FrecheFratze
Früher habe ich Eisen gesammelt, und mein Mann wollte mir irgendwann mal zeigen wie man schweißt.
Ich wollte große tolle Skulpturen herstellen. FrecheFratze
Aus alten Wärmetauschern habe ich die Spiralen ausgebaut,
ein paar Kristalle dran und als Windspiel aufgehängt- das war schon ein eyecatcher! : wie geil

So im großen Rahmen mache ich das jetzt nicht mehr.
Aber ich habe eine große Bastelkiste, in die alle möglichen Teile wandern,
mit denen man vielleicht noch mal etwas anfangen könnte.
Und in dieser Bastelkiste habe ich durch Zufall heute eine Uhr gefunden.

Sie stammt aus der Werkzeugkiste eines Monteurs, die irgendwo verschollen seit Mitte der siebziger Jahre unbeachtet in einer Ecke stand. Der Uhr, zwischen Werkzeug ganz unten drin, habe ich damals keine weitere Beachtung geschenkt, sie aber trotzdem gerettet.
Sie kam in die Kiste mit den Uhrenteilen, wovon ich mir vielleicht irgendwann mal einen Anhänger, Ohrringe oder irgendetwas zur Dekoration basteln möchte.
Heute ist mir Uhr in die Hand gefallen, und ich habe sie mir genauer angeschaut.
Ist natürlich total heruntergekommen, das Plexiglas verkratzt und blind ,das Gehäuse ebenfalls mit tiefen Kratzern versehen .
Ich habe sie aufgezogen, gestellt und konnte es nicht fassen wie sie brav und genau sie ihren Dienst tut.
Sie hat sich damit meinen Respekt verschafft. Top1
Ich habe im Netz nach der Monza gegoogelt.
Natürlich ist sie nichts mehr wert aber irgendwie ist sie sehr stylisch und sie tut das, was sie soll!
Ich habe sie so gut es eben ging, poliert, und in einen einigermaßen anständigen Zustand versetzt.
Habe sie etwas getragen, immer noch am Arm, und finde sie mittlerweile echt schön.
Eine Gehäuse-Aufarbeitung werde ich nicht machen lassen, da ist der Aufwand und die Kosten einfach zu groß.
Und ich bin ja auch abgerockte Uhren (142) gewohnt FrecheFratze
Aber meine Mutter würde sie tragen.
Sie gefällt ihr.
Und so kann ich sie weiterhin sehen und mich an dieser tapferen unverwüstlichen alten Dugena Monza erfreuen. :love:


„Vintage-Uhr:
Die Dugena Monza forderte Tissot heraus!
Eine gefragte Besonderheit ist die Dugena Monza.
Der Name deutet auf den Einsatzzweck hin: sportliche Zeitmessung.
Hier braucht sich die nach der Rennstrecke von Monza benannte Uhr nicht hinter den zeitgenössischen Rivalen wie der Tissot PR 516 zu verstecken.

Die Dugena Monza mit ihrem charakteristischen Gehäuse
Die Monza gab es in zahlreichen Varianten: Die klassische Version in Edelstahl ist mit einem Eta-Werk 2783, Datum, und Plexiglas ausgestattet. Optisch deutlich gebrauchte Uhren sind ab etwa 50 Euro auf eBay zu ersteigern.
Die Werke lassen sich meist problemlos überholen, verkratzte Plexigläser können poliert oder bei Sprüngen ersetzt werden.
In den Monza-Modellen mit Stoppfunktion kommen ausschließlich Valjoux-Werke zum Einsatz.
Je nach Variante sind das 7733 (mit 30-Minutenzähler), 7734 (mit Datum), oder 7736 (mit 12- Stunden-Stoppanzeige) verbaut. Mit einer guten Portion Glück sind solche Modelle unter 200 Euro zu erwerben, bei sehr gutem Zustand von Zifferblatt, Gehäuse und Zeigersatz liegen die Preise auch deutlich höher.
Textquelle: watchtime.net“
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Montag, 21. Mai 2018, 15:04

Die Klötzchen sind echt putzig...
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Montag, 21. Mai 2018, 15:20

Schöne Uhr, schöne Geschichte ! : doppelt Daumen hoch

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Montag, 21. Mai 2018, 15:58

Eine tolle Geschichte - da bin ich ganz auf Deiner Seite, Michaela, mir geht's sehr ähnlich - ich starte auch immer diverse Reparatur-Versuche, bevor etwas auf den Müll wandert ... :mggl:
... und ich esse auch immer brave meine(n) Teller leer .... :mampf:


Die Aufbereitung ist Dir ganz großartig gelungen - :respekt: mehr wäre auch nicht gut, sonst verliert die Uhr ihre Identität.

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Montag, 21. Mai 2018, 16:36

Schöne Geschichte und wieder eine Uhr gerettet. : doppelt Daumen hoch : doppelt Daumen hoch : doppelt Daumen hoch Und ich glaub das Armband kenn ich doch.

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Montag, 21. Mai 2018, 17:19

Das ist die Uhr, die mein Großvater die letzten 15 Jahre seines Lebens trug - zu allem und immer. Auf der Arbeit (er war Bussfahrer) beim Schwimmen, eben immer.

Irgendwann, vor vielen, vielen Jahren ist sie bei mir im Schrank gelandet und dort fast versauert. Vor wenigen Jahren ließ ich sie revidieren und aufbereiten , und habe sie meinem Vater als Dauerleihgabe gegeben. Er hatte die Uhr schon fast vergessen und sich wahnsinnig gefreut. Und irgendwann kommt sie zu mir zurück. Hoffentlich nicht zu bald.

Daher habe ich mich über diesen Beitrag wahnsinnig gefreut :-).

Hier meine - verliehene - Uhr:



*
Beste Grüße, Axel

* * * * *
1CH M46 UHR3N – 1N58350ND3R3 V0N 51NN. 157 D45 5CHL1MM? 1CH D3NK3 N31N!!
103 St Sa, 556 Jubi, 756 iii, 856 UTC, 903 St, EZM3, U1, 857 WU

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Montag, 21. Mai 2018, 17:31

Großartig Axel, Danke! Für sowas schreibt man Beiträge : doppelt Daumen hoch
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AndiS

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Montag, 21. Mai 2018, 19:28

Oft denke ich, dass eine gute Uhr glücklicher macht als viele.
Alles verkaufen, um sich auf eine zu konzentrieren ? Geht das?
Vermutlich ja - aber da müsste ich mich ja entscheiden .... :D

Danke für die nette Geschichte, Dir gelingt es Michaela, einem wieder Bodenhaftung zu geben.
Es ist alles noch garnicht so lange her, als es den Leuten hier viel viel übler als uns ging.
In Zeiten exzessiven Konsums und aller-billigsten Nahrungsmitteln (ohne Not) und Zeiten, in denen alles einfach so weggeworfen wird, tut so ein Beitrag wieder mal gut.

Und bei der Marke Dugena kommt auch Melancholie auf. EIne Marke mit verblasstem Ruhm, die früher richtig „was wert“ war.

Eure beiden Uhren sehen an den Bändern toll aus, unglaublich, dass man so viel Geschichte heutzutage für so wenig Geld kaufen kann.

Wobei der echte Wert dieser Uhren immer immaterieller ^^ Art ist.

Auf jeden Fall: Viel Spaß mit Euren Schätzchen, am eigenen oder anderen Arm. Top1
Gruß:
AndiS

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Dienstag, 22. Mai 2018, 08:59

Nicht vergleichbar aber passt ein bisschen:

Diese Uhr hat mein Papa jahrelang getragen.

Schön schlicht und flach:

... warten auf die radikal einfache Uhr
http://www.manager-magazin.de/lifestyle/…-a-1131240.html

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Dienstag, 22. Mai 2018, 09:15

Danke Michaela für die Zeitreise.
Eine Dugena Monza (allerdings als Chrono) war ja 1970 meine erste „große“ Uhr.
Für eine zehnjährigen Jungen war die echt groß.
LG
Michael :hatoff:

Casio, Citizen, CX, Doxa, Ducado, Eberhard&Co, Guinand, H2O, Hanhart, Helberg, IWC, Kemmner, Magrette, Maurice Lacroix, Mühle, NauticFish, Nomos, Omega, Orfina, Philip Watch, Rolex, Sinn, Seiko, Spinnaker, Squale, Steinhart, Transmarine, Traser, Tutima

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Dienstag, 22. Mai 2018, 09:31

Liebe Michaela,

ein in jeder Hinsicht TOLLER Beitrag!!! Ich stamme ja auch noch aus der Generation, die von der Nachkriegsgeneration erzogen wurde und kenne daher den von Dir beschriebenen "Zwang", sorgsam mit allen Ressourcen umzugehen.

Auch ich besitze noch eine alte Dugena aus den 50er Jahren. Sie stammt von meinem Großvater und war die erste Uhr, die er sich nach 10-jähriger Kriegsgefangenschaft in Russland nach seiner Rückkehr 1956 gekauft hat. Leider hat er sie nur kurz getragen, weil er bereits 1959 auf der Fahrt in seinen ersten Urlaub tödlich verunglückt ist. Die Uhr hat aber alles gut überstanden und tickt heute noch mit unfassbarer Genauigkeit, genau wie Eure Monzas. Echte "Ackergäule", die Dugena seinerzeit gebaut hat!

Abgesehen davon finde die Monza auch richtig stylisch, sie passt irgendwie in die heutige Zeit - und nicht nur ans Handgelenk Deiner lieben Mutter! Viel Freude Euch beiden glücklichen Besitzern!

Und dies ist die Dugena meines Großvaters, die inzwischen meine Tochter in vierter Generation mit großer Freude trägt!


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