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Speedmaster72

Uhren-Guru

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Saturday, January 11th 2020, 12:19pm

Heute in der Tageszeitung

Schöne Darstellung und Erklärung, wie ich finde.

-Gesendet mit Tapatalk-

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Wednesday, February 19th 2020, 8:10am

Ich hab‘s mir schon gedacht:

Männer sind anders krank https://epaper.luzernerzeitung.ch/index.…cd1b949fde7c84c

Gruss

Christian :hatoff:

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Friday, May 8th 2020, 10:06am

Wen‘s interessiert: Aus der „Zuger Zeitung“ vom 08.05.2020:

„Leises Ende der einstigen Luxusmesse
Die kommende Ausgabe der Baselworld ist abgesagt. Das Nachfolgeprojekt ist in Planung.

Gemessen am einstigen Luxus und Aufwand, den die Baselworld in ihren besten Zeiten ans Rheinknie brachte, geht die berühmteste Uhrenmesse der Welt fast schon leise zu Ende. Mit einer simplen Mitteilung teilte die MCH Group gestern mit, dass sie nach der wegen Corona abgesagten Baselworld 2020 auch die Ausgabe 2021 einstellt. Allerdings aus einem etwas anderen Grund: Der Messe sind inzwischen die prominentesten Aussteller davongelaufen.

Erst ganz am Schluss der Mitteilung heisst es deutlich, dass die Baselworld, wie man sie kannte, definitiv nie mehr stattfinden wird. Dies ist nunmehr der Vollzug dessen, was Ueli Vischer, Verwaltungsrat der MCH Group, bereits gegenüber dieser Zeitung gesagt hatte.

Der Streit um 2020 wird damit abgeschlossen

Gleichzeitig beendet die MCH Group den Streit wegen der abgesagten Ausgabe 2020. Dabei ging es um die Abrechnung der Leistungen. Grosse Uhrenfirmen zeigten sich mit dem vorgeschlagenen Modus der Rückzahlung beziehungsweise Anzahlung auf die Ausgabe 2021 nicht einverstanden. Im Zuge dessen gaben mehrere der Messe bislang treu gebliebenen Marken ihren Austritt aus dem Ausstellerfeld bekannt: Patek Philippe, Rolex, Tudor, Chanel, Chopard, Hublot, Zenith und Tag Heuer werden von nun an Teil einer neuen Uhrenmesse in Genf sein.

Nun ist man sich immerhin in Bezug auf die Abrechnung der abgesagten Baselworld 2020 einig geworden: Die von der MCH Group nicht weiter ausgeführte Rückzahlungsmodalität sei vom Komitee einstimmig gutgeheissen worden und würde von weiteren Industrieverbänden gestützt. «Jetzt können wir uns ganz auf die Zukunft konzen­trieren», sagte Bernd Stadlwieser, CEO der MCH Group. Was nun eben auch eine Zukunft ohne Baselworld bedeutet. Das Aus der Luxusmesse wurde in Basel bereits lautstark beklagt. Hotellerie und Gastronomie rechnen mit Millionenausfällen.

Jetzt soll es neue Formate für eine Luxusmesse geben

Die MCH Group wird das Feld der Uhren- und Luxusmessen allerdings nicht kampflos an Genf preisgeben. «Wir sind daran, mit den Ausstellern und Besuchern die Bedürfnisse und Möglichkeiten neuer Plattformen abzuklären», so Baselworld-Direktor Michel Loris-Melikoff. Bis im Sommer wolle man über mögliche Folgeformate entscheiden.

Andreas Schwald“

Gruss

Christian :hatoff:

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Saturday, June 27th 2020, 12:16pm

Wen’s interessiert: Aus der „Zuger Zeitung“ vom 27.06.2020:



Das grosse Sterben von Uhrenmarken



Die Coronakrise beschleunigt bestehende Trends – bis zu 100 Schweizer Uhrenmarken könnten verschwinden.

Niklaus Vontobel

Am 28. Juni jährt sich der Todestag von Nicolas Hayek Senior zum zehnten Mal. Der Jahrestag des Retters der Schweizer Uhrenindustrie fällt in eine schwere Krisenzeit für die Branche. Es fehlt nicht an Warnern, die unheilvolle Vorzeichen zu erkennen glauben. Sie sehen eine Uhrenindustrie, die dringend eine neue Erlöserfigur braucht.

«Ich hasse es, das zu sagen, aber ich glaube, die Uhrenindustrie wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren um bis zur Hälfte verkleinern.» So sagte es ein Berater in einer Expertendiskussion, stellvertretend für viele Kritiker. Bereits beherrsche die elektronische Smartwatch den Markt in der Preisklasse von bis zu 700 Dollar. Derzeit tobe der Krieg in der nächsthöheren Klasse. Der «Senior Digital Marketing Consultant» lässt finster durchklingen: Auch diesen Krieg verliert die Schweizer Uhrenindustrie mit ihren mechanischen Uhrwerken.

Das schlimmste Jahr in über fünf Jahrzehnten

Ein Gefühl des industriellen Niedergangs wabert schon länger in der Branche. Nun kommt die Coronakrise hinzu. Die Uhrenexporte brechen dieses Jahr ein. Es wird das schlimmste Jahr in über fünf Jahrzehnten.

Die Frage ist nur noch: Gibt es einen Rückgang von 25 Prozent, wie es Bank-Vontobel-Analyst René Weber erwartet (siehe Grafik rechts)? Oder kommt es, wie es der Uhrenverband für möglich hält: Minus 30 Prozent? Wie sieht die Schweizer Uhrenindustrie aus, wenn die Krise vorbei ist? In die Debatte mischt sich auch Uhrenanalyst Weber. Seine Einordnung der Dinge hat zwar auch dunkle Züge. Doch findet laut ihm die Branche aus der Krise, ohne dass ein zweiter Erlöser den Weg weisen müsste.

Von aktuell 600 Marken, die heute die Schweizer Uhrenlandschaft prägen, könnten 50 bis 100 Marken verschwinden. In diesem Szenario von Weber wäre die Uhrenindustrie nach der Krise nicht mehr die Gleiche. Dennoch wäre der Wandel nicht so dramatisch, wie es die Zahlen vermuten lassen würde. Weber sagt: «Keine der Topmarken ist betroffen. Gefährdet sind die kleinen Marken.»

Den Kleinen wird zum Verhängnis, dass sich ein bestehender Trend beschleunigt: Kleine Detailhändler werden noch kleiner – oder müssen aufgeben. Die grossen Händler beschränken sich auf wenige Marken, tendenziell auf die grossen globalen Ikonen. So verdient der Händler «Watches of Switzerland» fast die Hälfte des Geldes mit einer einzigen Marke: Rolex. In dieser globalisierten Welt der Grossen wird es für die Kleinen schwieriger. Es hat weniger Verkäufer für ihre Uhren und damit auch weniger Käufer.

Die Futurologen lagen schon einmal bös daneben

Wie verändert das neue Coronavirus die Uhrenindustrie? In der Debatte gibt es auch Agnostiker. Uhrenhistoriker Pierre-Yves Donzé kritisiert «Futurologen», denen die Bescheidenheit fehle, um zuzugeben: «Dass sie die Antwort nicht kennen.» Mit einer Prise Boshaftigkeit erinnert er an Finanzanalysten, die im Herbst 2013 mit viel Überzeugung empfahlen: Kaufen Sie die Aktien der Swatch Gruppe! Damals kostet die Aktie noch 580 Franken. Aktuell sind es weniger als 200 Franken.

Bei aller Demut zeigt sich in der Krise oft ein Muster, so Donzé: Vorhandene Trends beschleunigen sich. In der Schweizer Uhrenindustrie ist ein Trend zentral: Seit den 90er-Jahren wird sie immer mehr zum globalen Verkäufer von Luxus. Es überleben wenige globale Ikonen: etwa Omega oder Rolex. Sie werden als Luxusgut vermarktet, sind aber bezahlbar für Hunderttausende. Nischen hat es für superteure Uhren für Superreiche. Darum sieht es Historiker Donzé ähnlich wie Analyst Weber: «Unabhängige Marken, die günstige Uhren verkaufen, waren schon früher in einer heiklen Wettbewerbsposition und haben nun wenig finanzielle Reserven, um die Krise zu meistern.»

Aus dem E-Paper vom 27.06.2020

Gruss

Christian :hatoff:

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Saturday, June 27th 2020, 12:19pm

Noch Bilder zum o.g. Zeitungsbericht:






Gruss

Christian :hatoff:

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AndiS

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Sunday, June 28th 2020, 8:55pm

Christian, danke für den Bericht, das "große Sterben" habe ich vermutet. So wie es hier beschrieben wird, wird das unangenehm real. ;(

In den letzten Jahren entstanden dank Digitalisierung viele neue Brands, hervorragende Chancen für Durchstarter, die wirtschaftliche Lage erlaubte neben Schwarmkapitalbeschaffung auch einen zügigen Absatz über das Netz. Ich befürchte, ohne ausreichende Reserven werden viele wieder so schnell gehen, wie sie gekommen sind.
Aber auch die hier beschriebenen etablierte Marken werden Schwierigkeiten bekommen, und ich glaube auch, dass die Krise die Entwicklung im Markt deutlich beschleunigt.
Starke Marken werden die Gewinner sein, schwache Marken deutlich verlieren. Rolex gehört sicher zu den Gewinnern. Und wie stark die einzelnen Marken sind, werden wir sehen.
Gruß:
AndiS

Alles hat seine Zeit.

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Monday, June 29th 2020, 11:27am

Ich hab zu dem Thema ein passendes Video von "WatchAdvisor" gesehen, welches ich euch ans Herz legen möchte. Ist leider in Englisch, aber selbst für die, die des Englischen nicht so mächtig sind, können sich das Video mal ansehen und zu den Grafiken spulen. Diese finde ich teilweise äußerst überraschend, wie hier zu sehen:


Umsatz 2019 der Schweizer Uhrenmarken in Mio CHF

Ich finde Rolex' Abstand zum Rest wirklich ERSCHRECKEND :bulge: Ich wusste ja, dass da die Krone in einer anderen Liga spielt, aber der Abstand zur GESAMTEN Konkurrenz erklärt dann doch so einige Entscheidungen der Rolex SA...
Auch die Markt-Bedeutung von deutlich höher- und niedrig-preisigeren Marken war mir hier nicht wirklich bewusst.

Wenn ihr mehr wissen wollt, schaut euch wie gesagt das Video an - es ist äußerst interessant!

Besten Gruß,
Daniel

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Monday, June 29th 2020, 12:48pm

Das Video ist spannend !
Im April fallen die Exporte der schweizer Uhrenindustrie um 81% , im gesamten Jahr um 26% (weltweit).
Beeindruckend ist auch der Vergleich der Verkäufe. Dass Rolex eine Ausnahmestellung hat, war mir klar. Aber nicht, dass sie so extrem ist.

Ich habe verstanden: Ich kaufe Rolex. Aber nicht zum Tragen.
Gruß:
AndiS

Alles hat seine Zeit.

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Tuesday, June 30th 2020, 4:03pm

Franck wer?

Gibt's die überhaupt noch?

In Frankfurt haben wie seit gefühlt zwei Jahren einen Laden in bester Lage gemietet aber immer noch nicht eröffnet (aber die Fenster mit "opening soon" beklebt).

Hätte nie gedacht, dass die unter den Top25 (nach Wert) sind ...
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Gordon Bethune

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Thursday, November 12th 2020, 10:17pm

Habe ich heute zufällig entdeckt, ist zwar etwas schwierig
zu lesen, schien mir aber recht interessant bezüglich
des Zustandes der Schweizer Uhrenindustrie...





(Quelle: Handelszeitung, Nr. 45 v. 05.11.2020)

Gruss

Christian :hatoff:

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Saturday, April 10th 2021, 12:18pm

Interessanter Bericht aus der „Zuger Zeitung“ vom 10.04.21:




Gruss

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Monday, November 1st 2021, 11:41am

Die Frau, die in London die Zeit verkaufte







An diesem Wochenende ist mit dem Wechsel zur Winterzeit die korrekte Uhrzeit gefragt. Bis 1939 lieferte Ruth Belville sie direkt nach Hause.

Annika Bangerter

Arnold durfte nicht aus dem Takt geraten. Er war Ruth Belvilles treuster Begleiter und die Grundlage ihrer beruflichen Existenz: Arnold war die Uhr der letzten Zeithändlerin Londons. Fast fünfzig Jahre lang lebte sie davon, ihrer Kundschaft die genaue Zeit nach Hause zu liefern. Und dies bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Jeden Montagmorgen brach Bel­ville nach Greenwich auf, spazierte auf den grünen Hügel und synchronisierte ­Arnold im Royal Greenwich Observatory. Das war der Arbeitsort des königlichen Astronomen und galt damals als Zentrum der Weltzeit.

In London zog Ruth Belville durch die Strassen, klopfte bei ihren Abonnentinnen und Abonnenten an, zog Arnold aus ihrer Tasche und wartete, bis die Uhren ihrer Kundschaft mit ihm im Gleichschritt tickten.

Den ungewöhnlichen Lieferservice hat Belville von ihren Eltern übernommen. Ihr Vater, Henry Belville, arbeitete Mitte des 19. Jahrhunderts als Assistent von Hofastronom John Pond. Damals setzte die industrielle Herstellung von Uhren ein, wodurch sich immer mehr Menschen eine leisten konnten. Als Statussymbole sollten sie die Zeit korrekt anzeigen, mussten aber noch von Hand aufgezogen werden.

Privatpersonen, vor allem aber Uhrmacher klopften daher bei Hofastronom Pond so häufig an, dass er 1836 die Beherrschung verlor. Um nicht ständig bei seiner Arbeit unterbrochen zu werden, beauftragte er Henry Belville mit dem Zeitinformationsservice. Jeden Tag sollte er nach London reisen, um den Menschen gegen eine Gebühr die korrekte Uhrzeit anzugeben. «Damals gab es im Zentrum von London keine bessere Möglichkeit, die exakte Zeit zu erfahren. Es gab kein Radio und kein Telefon und auch noch keine Zeitsignale der elektrischen Telegrafie», schreibt Historiker David Rooney, der ein Buch über Ruth Belville verfasst hat.

Astronom Pond drückte Henry Belville für seine Stadtrundgänge einen Präzisionschronometer in die Hand: Eine Taschenuhr, die ursprünglich für den Herzog von Sussex angefertigt worden war. Der Uhrennarr fand sie zu klobig, sie erinnerte ihn an eine Bettpfanne, den Vorgänger der Wärmeflasche.

Belvilles Service wurde zu einem einträglichen Geschäft: Schon bald hatte er 200 Kundinnen und Kunden. Darunter waren nicht nur wohlhabende Privatpersonen und Uhrmacher, die ihre Produkte exakt nach Observatoriumszeit stellen wollten. Es kamen Banken hinzu, die ihre Transaktionen möglichst exakt festhalten wollten.

In der Schweiz variierten die Lokalzeiten von Ort zu Ort

In der Schweiz ist ein solcher Zeitlieferservice nicht bekannt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts stellten die Menschen hierzulande ihre Uhren vor allem anhand von Sonnenuhren. Präzise Angaben waren damit nicht möglich, auch variierten die Lokalzeiten. Zwischen dem Val Müstair GR und Genf lagen 18 Minuten Zeitunterschied. Mit dem Telegrafienetz entstand in den 1850er-Jahren ein neuer Kommunikationsweg, der allerdings eine Vereinheitlichung der Zeit bedingte. 1853 beschloss der Bundesrat, dass die Lokalzeit von Bern für das ganze Land gelten sollte. Auch der Betrieb der Eisenbahn richtete sich danach aus. Doch Telegrafie und Züge machten an den Grenzen nicht Halt: Es brauchte daher ein international einheitliches Zeitsystem, das die Schweiz 1894 übernahm.

Ein Konkurrent versucht, die Zeithändlerin in Verruf zu bringen

Telegrafie, Eisenbahn, Industrialisierung: Wie konnte sich der Zeitlieferservice in London angesichts des Fortschritts weiterhin behaupten? Historiker Rooney weist darauf hin, dass 1856, als Ruths Vater starb, die Telegrafie sich durchgesetzt hatte. «Viele der Abonnenten wollten jedoch jenes Mittel weiterhin nutzen, das sie kannten und dem sie vertrauten», schreibt Rooney. Deshalb baten sie Maria Belville, Henrys Frau, mit dem Zeitinformationsservice weiterzumachen. Die Geschichte wiederholte sich, als sie in den Ruhestand ging und 1892 Ruth den Weg nach Greenwich übernahm.

Die einst vom Herzog verschmähte Uhr war damals schon einige Jahrzehnte im Einsatz, doch erst Ruth Belville gab ihr einen Namen: Arnold. Als «Greenwich Time Lady» wurde Bel­ville stadtbekannt. Irritiert beobachteten Konkurrenten, wie ihr Geschäft florierte – allem technologischen Fortschritt zum Trotz. Einer ging zum Angriff über: John Wynne warb 1908 vor Londoner Stadträten vehement dafür, alle Uhren mittels telegrafischen Zeitsignals mit der Greenwich-Zeit zu synchronisieren. Er war Direktor des grössten britischen Privatanbieters telegrafischer Zeitsignale. Belvilles Lieferservice verspottete er und versuchte, sie als Person in Verruf zu bringen: Nur weil sie eine Frau sei, habe sie wohl die Erlaubnis, beim königlichen Hofastronomen die Uhr korrekt zu stellen. Einem Mann wäre dies verwehrt worden, behauptete Wynne.

Die Zeitung «The Times» nahm den skandalträchtigen Vorwurf auf, worauf sich weitere Medien für Belville zu interessieren begannen. Selbst vor ihrem Haus im Städtchen Maidenhead, westlich von London, lauerten ihr Journalisten auf. Voller Angst, dass sie den Zugang zu Greenwich und somit ihr Geschäft verlieren könnte, schrieb sie dem Hofastronomen mehrere Briefe: Sie habe nichts mit der Kontroverse zu tun. Dieser öffnete Belville und Arnold weiterhin die Tür des Observatoriums. Auch bei ihrer Kundschaft konnte ihr die Kampagne nichts anhaben. Im Gegenteil: Die «Greenwich Time Lady» wurde noch populärer. Weitere 30 Jahre lang zog sie mit Arnold durch Londons Strassen.

Historiker Rooney erklärt ihren Erfolg damit, dass Telegrafenverbindungen teuer waren. Zudem fielen sie oft aus; Ruth hingegen tauchte zuverlässig auf, und ihr Service war vergleichsweise günstig. Mit dem Aufkommen der Telefone informierte sie ihre Kundschaft auch telefonisch.

Im Alter von 86 Jahren beendete sie ihr Geschäft mit der Zeit. Eine Nachfolge gab es nicht. Der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen – und wie Rooney schreibt, war es unmöglich, sicher durch die Strassen zu gehen. Drei Jahre später starb Ruth Belville, Arnold fand man neben ihrem Bett. Heute lässt er sich im Science Museum in London besuchen.

Aus dem E-Paper vom 30.10.2021
Zuger Zeitung „Schweiz am Wochenende“

Gruss

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Oskar Matzerath (09.11.2021), AndiS (02.11.2021), tapir (01.11.2021), SoundBoss (01.11.2021), Spongehead (01.11.2021), citizen (01.11.2021), Pferdefrosch (01.11.2021)