Gehäuseboden Sinn 856

  • Hallo,

    habe gerade von Olaf einen sehr interessanten Testbericht der 856 (Höchstwertung!) erhalten - nochmals vielen Dank, Olaf - und musste lesen, dass die 856 (wie die 656 auch) nicht eine zusätzliche untere Magnetfeldabschirmung aus weichmagnetischem Material haben sondern der Gehäuseboden selbst aus diesem Werkstoff bestehen soll. Dieser Werkstoff sei allerdings nicht tegimentierbar, so dass also die Uhr nicht komplett tegimentiert sein dürfte. Hierzu zwei Fragen:

    Könnt Ihr das bestätigen?

    Ist der "weichmagnetisiche" Stahl weicher als der "normale" Edelstahl bzw. wodurch unterscheiden sich diese beiden Materialien in der Praxis?

    Ich hatte diese Frage schon mal in Bezug auf die 656 gestellt. Die 656 war für mich als Puristen zunächst der Favorit, ich bin dann aber deshalb (Boden aus weichmagnetischem Material) und wegen der (kompletten?) Tegimentierung der 856 auf diese gekommen.
    Beim Ansehen in natura ist mir übrigens auch noch aufgefallen, dass sich der Boden und das übrige Gehäuse der 656 farblich unterscheiden: Der Boden ist dunkler bzw. grauer. Stimmt das oder war ich da farbenblind? Bei der 856 ist mir das übrigens (habe beide Uhren zur gleichen Zeit begutachtet) nicht aufgefallen.

    Vielleicht noch eine letzte Frage: Besteht ein so deutlicher Unterschied zwischen tegimentiertem Gehäuse und normalem Edelstahlgehäuse? Immerhin sind doch die meisten Uhren "nur" aus Edelstahl.

    Es grüßt ein wieder mal total verunsicherter watchwatcher!

    Gruß

    watchwatcher


    Nicht kurz ist die Zeit, die uns bleibt, sondern lang ist die Zeit, die wir ungenutzt verstreichen lassen.

  • Ja, der bei der 856 verschraubte Gehäuseboden ist anders als das restliche Gehäuse. Es gibt einen deutlichen Unterschied in der Farbe und im Gegensatz zum absolut Kratzfesten Gehäuse und Armband bekommt der Boden schnell Gebrauchsspuren, wenn man die Uhr auf dem Armband ablegt. Das konnte ich auch schon bei meiner 656 beobachten, es stört mich aber nicht, weil man das eh nicht sieht, wenn man die Uhr um hat.
    Ich nehme an, dass der Boden durch den Weicheisenanteil wesentlich weicher als das sehr harte, weil tegimentierte Gehäuse ist. Das wäre zumindest eine gute Erklärung für die Kratzer. Nach einem halben Jahr mit der 856 und viel Wristtime bin ich von der Uhr und der Tegimentierung absolut überzeugt. Ich habe noch nie eine Uhr fallen gelassen und hier würde die Tegimentierung auch nicht vor Spuren schützen, aber so ziemlich jede Uhr aus Edelstahl (ob 316L oder 904L) ist bei mir eher früher als später verkratzt, vor allem an der Schließe (z.B. Eterna Monterey, Rolex SubNoDate, Omega SMP, Casio Mr. G, etc.), weil die oft mit dem Schreibtisch und der Werkbank in Kontakt kommt, aber auch am Gehäuse durch Kontakt mit Treppengeländer und solchen Dingen. Bei der 856 keine Spur, nichts. Insofern hält die Tegimentierung, was sie verspricht. Einziger Nachteil der Tegimentierung könnte sein, dass sich das Gehäuse nicht mehr so gut aufarbeiten lässt, wenn es wirklich mal was heftiges abbekommen hat.

    Um es nochmal zusammenzufassen:
    1. Der Gehäuseboden zur magentischen Abschirmung ist bei 656 und 856 vermutlich aus dem gleichen Material. Jedenfalls sieht es so aus und auch die Eigenschaften scheinen identisch zu sein (Magnetresistenz, geringe Härte)
    2. Es ist ein anderes Material als die Gehäusematerialen und es lässt sich nicht tegimentieren.
    3. Laut Sinn ist das Gehäusematerial von 656 und 856 unterschiedlich. Ich habe mal angefragt, ob sich eine tegimentierte 656 realisieren ließe, aber es wurde von einem Techniker verneint, da sich der Stahl der 656 dafür nicht eigne. (Ich habe eine Menge Geld geboten)
    4. Der Stahl für den Deckel ist weicher als der für das Gehäuse. Das gilt sowohl für die 656, als auch für die 856. Es liegt vermutlich am hohen Weicheisenanteil, den man für den Magnetschutz braucht. Der Nachteil der Kratzeranfälligkeit fällt hier nicht ins Gewicht, da es sich um den nicht exponierten Boden handelt.
    5. Die 856 ist nicht komplett tegimentiert, der Boden ist aus einem anderen Material (s.o.), Gehäuse und Armband sind es.
    6. Meinen Beobachtungen nach Unterscheidet sich der Boden farblich sowohl vom Gehäuse der 656, als auch vom Gehäuse der 856.
    7. Beide Gehäuse (656 und 856) sind aus Edelstahl, dass der 856 ist zusätzlich tegimentiert, d.h. es besitzt an der Außenseite eine sehr große Härte, die schnell nach innen hin wieder abnimmt. Die tegimentierten Uhren sind nicht unzerstörbar. Wirken Kräfte, die hoch genug sind, kann es zu Dellen in der Tegimentschicht kommen, die schwer oder gar nicht reparabel sind, allerdings ist die Schicht (auch meiner Erfahrung nach) absolut Kratzfest im alltäglichen Gebrauch und das ist für mich der entscheidende Vorteil. Hier unterscheidet sie sich deutlich von anderen Uhren mit Edelstahl Gehäuse.

    --
    Schöne Grüße aus Berlin

    Andreas aka eosfan

  • @ watchwatcher: Ich verstehe Deine Verunsicherung nicht. Da sendet Dir Olaf einen Testbericht und Du fragst hier im Forum, ob die dort getroffenen Feststellungen jemand bestätigen kann. Ja, wenn Du sogar dem Testbericht keinen Glauben schenkst, wie sollen wir Dir denn dann noch helfen? :wink: :wink: :wink:

    "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." (Alexander von Humboldt)

  • Zitat von bungy3000

    @ watchwatcher: Ich verstehe Deine Verunsicherung nicht. Da sendet Dir Olaf einen Testbericht und Du fragst hier im Forum, ob die dort getroffenen Feststellungen jemand bestätigen kann. Ja, wenn Du sogar dem Testbericht keinen Glauben schenkst, wie sollen wir Dir denn dann noch helfen? :wink: :wink: :wink:

    Jetzt erinnere ich mich. Die Diskussion hatten wir doch hier schon mal:
    http://www.sinn-uhrenforum.de/phpBB2/viewtop…=706&highlight=
    Ich hab' damals schon alles wichtige dazu aufgeschrieben inkl. Quellenangabe. Weiss auch nicht, was watchwatcher jetzt noch bestätigt haben will.

    --
    Schöne Grüße aus Berlin

    Andreas aka eosfan

  • Vielen Dank für Eure schnellen Antworten.

    Eosfan:

    Deine Ausführungen sind super und lassen keine Frage offen, vielen Dank.

    bungy3000:

    Nicht alles, was in Zeitungen/Testberichten steht, ist auch immer richtig. Sogar die Angaben der Hersteller in ihren eigenen Katalogen stimmen nicht immer ganz genau bzw. sind mißverständlich. Du erinnerst Dich vielleicht an die Diskussion hier im Forum: Im Sinn-Katalogbuch steht, dass alle ETA-Uhrenwerke in der höchsten Qualitätsstufe verbaut sind (also "Top" bzw. "chronomêtre"). Tatsächlich wurde dann aber auf Nachfrage bestätigt, dass bei der 656 die Qualität "élaboré" verbaut ist.
    Deshalb meine Nachfrage. Denn im Katalogbuch steht auch bei den tegimentierten Modellen, dass die "Gehäuse" tegimentiert sind. Es geht m.E. nicht klar daraus hervor und sollte daher klargestellt werden, dass der Boden aus einem anderen, nicht tegimentierten Material ist.

    Gruß

    watchwatcher


    Nicht kurz ist die Zeit, die uns bleibt, sondern lang ist die Zeit, die wir ungenutzt verstreichen lassen.

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