Gehäuseaufbereitung

  • Hallo zusammen,

    wer kann mir sagen, wo man für einen angemessenen Preis eine ordentliche Gehäuseaufbereitung bekommt? Meine TagHeuer Serie 2000 hat die üblichen Gebrauchsspuren, also keine tiefen Kratzer etc. Ich würde sie aber gerne in neuem Glanz erstrahlen lassen.

    Gruß

    watchwatcher


    Nicht kurz ist die Zeit, die uns bleibt, sondern lang ist die Zeit, die wir ungenutzt verstreichen lassen.

  • Markus Beitrag zur Gehäuseaufbereitung eines Alu-Gehäuses hat mich dazu veranlasst, dieses Thema mal aus dem Keller zu holen und den Selbstverstümmlern unter uns mal ein paar Tips zur eigenen Gehäuseaufbereitung von Stahlgehäusen zu geben. Die Beschreibung erfolgt in Reihenfolge aufsteigend nach Schwierigkeit. Die Fotos zeigen die im Beitrag genannten Werkzeuge und Materialien.

    Zunächst einmal folgendes: Dieser Beitrag behandelt nicht die (wie bei Markus zu sehen war) vollständige Restauration bei ausgebautem Uhrwerk und demontiertem Glas, sondern soll die Beseitigung "kleiner Kampfspuren" ohne Ausbau des Werkes oder des Glases aufzeigen. Das Band sollte natürlich schon abgebaut werden (bei Massivbändern gelten die selben Arbeitsmethoden wie bei Gehäusen).

    Erster Schritt: welchen Schaden habe ich angerichtet?

    - oberflächliche Kratzer oder tiefe Macken?
    Die Bearbeitung tiefer Macken kann (für ein gutes Ergebnis) so nicht durchgeführt werden und ist daher nicht Thema des Beitrages.
    Für oberflächliche Kratzer folgt Schritt 2:

    - Das Glas (egal ob Kunststoff, Glas oder Saphir) muss peinlich genau abgeklebt werden mit widerstrandsfähigem Abklebeband, ebenso wird mit Krone und ggf. Drücker verfahren (Wer hier schlampt, bereut es!).

    - Welche Oberfläche habe ich? Sinn kennt drei Stahl-Gehäuse-Oberflächen: poliert, satiniert (strichmattiert) und perlgestrahlt.
    Nach der Oberflächenart wähle ich das entsprechende Werkzeug.

    - Poliert: je makelloser eine Oberfläche poliert ist, desto eher sieht man Kratzer. Die Beseitigung ist allerdings nicht sehr schwierig. Je nach Tiefe des Kratzers wird zunächst mit Schleifpads der Fa. 3M (gibt es in 3 Gradationen: Mittel, Fein, Superfein Maße: 10 x 10 cm) in passender Gradation (je tiefer, desto grober) vorgeschliffen. Hierbei muss darauf unbedingt geachtet werden, dass man keine "Kuhlen" schleift. Am besten man schleift einige Millimeter über den Kratzer hinaus. Wenn der Kratzer verschwunden ist, hat man nun eine recht matte Oberfläche. Diese wird nun mit Elephantenhaut (das kleine braune Stück auf dem Foto) geglättet. Ersatzweise geht auch grobe Dippo-Paste (Tube), die auf ein weiches Stück Schaumstoff (auf dem Foto gelb) aufgebracht wird (NICHT DIE PASTE AUF DAS GEHÄUSE AUFTRAGEN). Nach dieser Handarbeit folgt die Bearbeitung mit der Maschine (Ich benutze hierzu eine drehzahlregelbare flexible Welle der Marke Pferd -kein Witz, dass Ding heisst wirklich so-, ein Dremel tuts aber wohl auch) und dem Filzeinsatz. Mit dem drehenden Filz (Drehzahl so um die 6000 U/min) geht man in die feste, feine Poliermasse (auf dem Foto grün) und dann auf die Oberfläche (vorsichtig, Oberfläche wird warm). Nun wird solange poliert, bis nichts mehr zu sehen ist. Die abschliessende Säuberung erfolgt mit einem weichen tuch, welches man mit Isopropanolalkohol (auf dem Foto nicht abgebildet, da ich die Flasche ausgetrunken habe) anfeuchtet (nicht absaufen lassen).

    - Satinierter (strichmattierter) Stahl: bei tegimentierter Oberfläche hilft jetzt nur der Diamantradierer (die zwei Stäbe in braun und grün auf dem Foto). Dies sind Gummistifte in denen -je nach Gradation- kleine und grössere Diamantsplitter eingebettet sind. Mit dem groben wird wieder vorgearbeitet und mit dem feinen die Endbearbeitung vorgenommen. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass über den Kratzer hinaus immer in "Strichrichtung" gearbeitet wird (nicht wild hin und her). Das dauert etwas, aber lohnt sich. Bei nicht tegimentierter Oberfläche muss das 3M Pad her. Mittel am Anfang, Superfein als Schlussbearbeitung. Hiermit erziehlt man in recht kurzer Zeit (Schleifen mit viel Gefühl in eine Richtung) absolut spitzenmässige Ergebnisse (für alle, die meine 356 Jubi schon mal in Natura gesehen haben: die ist schon mind. 6 Mal so überarbeitet). Auch hier gilt: Schlussreinigung mit Alkohol (Nervenberuhigung auch, aber mit anderer Marke).

    - Perlgestrahlter Stahl: Das wird schon schwieriger. Die Oberfläche, wird wie in den vorherigen Schritten beschrieben, geschliffen (tegimentierter Stahl wieder mit Diamant, normaler 316L mit 3M). Dann benötigt man eine Strahlpistole mit Hartmetalldüse 0,4mm Öffnung (s. Foto, ich benutze eine umgebaute SATA) und einen Kompressor mit mind. 45 Liter Luftleistung (Abgabeleistung, Ansaugleistung sollte mind. 60 Liter sein) pro Minute bei 6bar Druck. Nun muss die "blankgeschliffene" Stelle mit Glasstrahlmedium (tegimentierter Stahl mit Diamantpulver Grösse 0) in mittelfeiner Gradation vorsichtig gestrahlt werden (Augenschutz, Handschuhe). Dass wars schon. Die Entfernung des Strahlschmutzes von der Oberfläche geschieht zuerst mit Plastik-Ferment (s. Foto -preisgünstigste Methode-) und dann mit Lappen und Alkohol.


    Bei der richtigen Handhabung spart man viel Geld und uhrlose Zeit.
    Übt aber erst an der Uhr des Nachbarn, bevor Ihr die Sinn bearbeitet! :D

    Wenn ihr weitergehende Fragen habt, PN an mich.

    Gruß Gero

  • Super Beitrag :thumbleft: :thumbright:

    A real man is who comes home drunk, covered in lipstick and smelling of
    perfume, then slaps his wife on the backside and says: "You're next, fatty.

  • Für alle, die Titangehäuse ihr eigen nennen:

    Die Bearbeitung erfolgt wie bei perlgestrahltem Stahl mit folgenden Änderungen:

    - anstatt Glas wird Aluminiumoxydpulver (weisses Pulver, sieht aus wie Mehl) Gradation mittelfein mit 8bar aus einer 0,3mm Stahldüse aufgebracht.

    Auch hier gilt: vorher üben!
    Sollte etwas schief gehen, braucht ihr die Uhren nicht zur teuren Entsorgung bringen. Einfach mir schicken, ich opfere mich gerne. :D

    Gruß Gero

  • Und mal wieder ein Super-Beitrag aus Deiner goldenen Feder (oder Tastatur). :thumbup:

  • Zitat von HappyDay989

    Und mal wieder ein Super-Beitrag aus Deiner goldenen Feder (oder Tastatur). :thumbup:

    Laut Sony einer schmutzabweisenden, keimhemmenden High-Tech Kunststofftastatur. Da ist aber wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken! :D

    Gruß Gero

  • Zitat von Chronometres

    [goldenes Keyboard?]

    Laut Sony einer schmutzabweisenden, Keimhemmenden High-Tech Kunststofftastatur. Da ist aber wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken! :D

    Wieso? Sag bloß, Du hast Dich an der Tastatur schon einmal infiziert? :shock:

    (Sorry, irgendwie kann ich heute das Lästern wieder nicht lassen... ;) )

  • Zitat von HappyDay989

    Wieso? Sag bloß, Du hast Dich an der Tastatur schon einmal infiziert? :shock:

    (Sorry, irgendwie kann ich heute das Lästern wieder nicht lassen... ;) )

    Nein, da ich auch die Tastatur unter der Lupe betrachte (die lege ich nur zum Schlafen ab), habe ich jeden Keim einzeln abgemurkst (immer mit dem Finger draufgehauen). :D

    Gruß Gero

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