Verschraubte Drücker, Drücker unter Wasser

  • Was passiert eigentlich wenn... (keine Sorge, das würde ich keiner Uhr antun!)

    ...ein Chrono unter Wasser bedient wird, dessen Drücker verschraubt (also in diesem Falle nicht mehr verschraubt) sind? - Also was genau passiert mechanisch-physikalisch (wie auch immer man das ausdrücken mag) - welche Unterschiede bei den Abdichtungen gibt es und inwiefern würde Wassereinbruch durch Dichtungen verhindert, wenn die Drücker nicht verschraubt sind?

  • Hallo Spencer ( :) wurde gerade an eine meiner Lieblingssendungen meiner Kindheit erinnert)

    Ich hab ne 203 Jubi und meine Freundin ne 203 St.
    Die 203 St haben wir vor zwei Wochen erst gekauft, und als wir die "Einweisung zur Bedienung" im Füldchen bekommen haben, wurde folgendes gesagt:

    Die Krone ist Dicht wenn sie verschraubt ist.
    Die Drücker sind auch Dicht, wenn sie nicht verschraubt sind.
    Die Verschraubung sei hier in erster Linie zum Schutz und nicht zur Abdichtung.

    Aber ich würde die Drücker auch nicht unter Wasser bedienen.

    Gruß Steffen

    "Whisky is liquid sunshine." -George Bernard Shaw :whisky:

  • Servus,

    die Drückerverschraubung ist nur eine Bedienungssperr um zu verhindern, das der Chrono versehentlich betätigt wird. Wird ein Drücker unter Wasser betätigt, dann kann Wasser an den Dichtungen vorbei gedrückt werden, weil sie sich ja minimal verformen.

    Viele Grüße,
    Thomas

  • Nicht so ängstlich, es passiert tatsächlich nichts. Ich habe schon ziemlich oft die Drücker verschiedener 103 und 356 unter Wasser betätigt und niemals Probleme mit Wassereinbrüchen gehabt. Das ist das wirklich Schöne an Sinn-Uhren: Sie benötigen keine besonders schonende Behandlung und funktionieren trotzdem hervorragend!

    Gruß Gero

  • Thomas hat mit den genannten Uhren schon Recht. Diese Uhren haben ein sehr gutes Dichtungssystem. Dies haben Sinn-Uhren aber auch. Das kann ich -wie gesagt- aus der Praxis bestätigen. Ich verlange meinen Freizeituhren eine Menge ab, daher trage ich auch Sinn-Uhren. Natürlich sieht man meinen Uhren dies an, aber trotz aller Macken und Strapazen funktionieren sie unter Bedingungen, die ich anderen Uhren nie zumuten würde.
    Die Bedenken der Theoretiker (das sind meistens Männer, die 49 Stellungen kennen, aber keine Frau) kann ich bei fast allen Sinn-Uhren nicht teilen. Die sind wirklich so gut wie ihr Ruf.

    Das sage ich aus Überzeugung, und nicht weil ich für Sinn-Lobhudelei bezahlt werde.

    Gruß Gero

  • Also um die ganzen Antworten mal SINNerfassend zusammenzufassen:

    Die Verschraubung der Drücker hat vorrangig den Zweck des Schutzes vor ungewollter Bedienung. Werden Drücker nicht verschraubt, sind sie weiterhin (zumindest unter einigermaßen normalen Bedingungen ~ Schwimmbad, Spülen....) Wasserdicht. Theoretisch kann beim betätigen dieser Drücker unter Wasser an den Dichtungen vorbei Wasser ins Gehäuse gelangen/vorbei gedrückt werden. In der Praxis haben sich Sinn Uhren als robust genug für solche "Unterwasser"-Einsätze herausgestellt - ohne Beschädigungen der Uhr bzw. des Werkes.
    Die meißten Chronos sind nicht für die Bedienung unter Wasser vorgesehen, halten dies jedoch meißtens aus. Nur einige wenige Uhren wie die U1000 sind auch bei größerer Belastung wie z.B. beim professionellen Tauchen unter Wasser beschädigungsfrei zu bedienen.


    Hab ich das so richtig verstanden?? :roll:

  • Im Fall eines "Wasserschadens" wird der Hersteller jegliche Garantie ablehnen, wenn nachgewiesen werden kann, daß es die Drücker unter Wasser betätigt wurden.

    Im Grunde ist es also nur ein "Spiel auf eigenes Risko." Wie Gero schon schrieb sind die Dichtungen bei SINN i. d. R. mit reichlichen Sicherheitszuschlägen ausgelegt. Wer beim 2. SINN-Treffen im letzten September dabei war, erinnert sich vielleicht noch daran, daß man mit dem SINNschen Druckprüfgerät eine U2 (nominell "nur" bis 200 bar druckfest) mit 300 bar abgedrückt hat. Außer einem (nicht durchgehenden!) Riss im Glas war kein Schaden zu verzeichnen gewesen, das Gehäuse war innen pulvertrocken geblieben. Nun ist mir bekannt, daß die U2 kein Chrono ist. Eine derartige Sicherheitsmarge, wie sie für die U2 einkalkuliert wird, dürfte proportional auch für andere SINN-Uhren gelten.

    Von daher wäre ich bezüglich der Betätigung der Chrono-Drücker unter Wasser vorsichtig optimistisch, so lange die Tauchtiefe (und damit der Wasserdruck) nicht zu groß wird.

  • Olaf wäre "vorsichtig optimistisch". Der Pessimist sagt: "alle Frauen sind schlecht". Der Optimist sagt: "hoffentlich!". Was sagt der vorsichtige Optimist? :D

    Die Sache hat einen Haken: ob man vorsichtig oder unvorsichtig drückt, gedrückt ist gedrückt! Aber Spass beiseite: meiner Erfahrung nach sind die Drücker besser abgedichtet als die Uhr (gilt bei 10 bar). Also sollte man die Drücker nicht mehr betätigen, wenn die Uhr bereits durch die Gehäusedichtung vollgelaufen ist. Bis dahin darf man ruhig mutig sein.

    Diese Tips gelten natürlich nur für ordentlich gewartete Exemplare und extreme Typen wie ich einer bin.

    Gruß Gero

  • Zitat von Chronometres

    Olaf wäre "vorsichtig optimistisch".

    Was soll ich als Moderator denn sonst schreiben? :roll: + :D


    Zitat von Chronometres


    Diese Tips gelten natürlich nur für ordentlich gewartete Exemplare und extreme Typen wie ich einer bin.

    Siehst Du, Gero, genau das wollte ich mit "vorsichtig optimistisch" zum Ausdruck bringen: Die Dichtungen sollten nicht schon steinalt sein, und der Unter-Wasser-die-Chrono-Drücker-betätigende Uhrenträger sollte ggf. beim anschließenden Betrachten des Beschlags unter dem Glas mental noch in der Lage sein, einfach nur milde zu lächeln und sich zu sagen "wieder etwas gelernt - jetzt weiß ich auch, warum man unter Wasser die Chrono-Drücker nicht betätigen sollte." :D

  • Gegenfrage:
    Was stoppt man unter Wasser?
    Eine Taucheruhr hat doch eh eine Lünette. :)

  • Zitat von ulixem


    Was stoppt man unter Wasser?

    Na, wer länger die Luft anhält, mein Sohn oder ich. Bis ich da eine Lünette eingestellt habe, ist die Zeit um und ich weiss nichts! :D

    Nein, aber beim Anbringen von Zeitzündern an Unterwassersprengladungen ist eine Lünette zu ungenau. :twisted:

    Gruß Gero

  • Zitat von ulixem

    Gegenfrage:
    Was stoppt man unter Wasser?
    Eine Taucheruhr hat doch eh eine Lünette. :)

    Im Grunde genommen gar nichts (ok - das mit dem Luftanhalten mal weggelassen :D ; wer zuerst auftaucht hat verlohren, das reicht)
    ist ja zumindest aus meiner Sicht eine rein theoretische Frage, da ich solche Quählereien an Uhren aus Artenschutzrechtlichen/Uhrschutzrechtlichen Gründe prinzipiell ablehne... und weil ich, wie ich an anderer Stelle leider schon einsehen musste, NICHT Mitglied einer Spezialeinheit bin und keinerlei Sprensätze unter Wasser sekundengenau zünden will...

  • Meine 203 Arktis kommt im wohl nicht gewollt im Wasser zum Einsatz,sondern sieht es eher mit Sprudel versetzt im Glas. :D
    Da komme ich zumindest nicht in Versuchung...obwohl schnell mal abgeschnallt,eingetaucht und flott gedrückt.....!?!? :D :D :D

    Zum Glück sind meine U-Modelle keine Chronos und somit komme ich auch nicht in Versuchung... :P

    bis später... ICEMAN

    ...bekennende Poliertuchmuschi... :o:

  • Ich habe in der Zeitschrift Armbanduhren Sept. 05 in dem Artikel "Ich baue Sinn-volle Uhren" ein interessantes Statement von Lothar Schmidt gefunden, in dem er zu den verschraubten Drückern folgendes sagt:

    "...es ist kein Problem, diese Drücker auch ohne Verschraubung bis 100 bar dicht zu machen. Aber ein Taucherchronograph braucht die verschraubten Drücker, damit sich der Käufer visuell von der Ernsthaftigkeit der Konstruktion überzeugen kann. Das bei extrem wasserdichten Taucheruhren so gerne verwendete Heliumventil ist auch ein gutes Beispiel...Es soll ja sicherstellen, dass das bei längerem Aufenthalt in einer Tauchstation in großer Tiefe durch alle Dichtungen hindurch ins Innere der Uhr vorgedrungene Helium-Atemluftgemisch sich beim Auftauchen ausdehnen und entweichen kann, ohne das Glas abzusprengen. Die Dekompressionszeiten beim Auftauchen sind aber so lang, dass das Helium ganz langsam auf dem gleichen Wege entweicht, wie es in die Uhr hineingekommen ist. Dies wurde simuliert und bestätigt vom Tiefseelabor der TU Zürich. Wenn ein Taucher dagegen zu schnell auftaucht ist eine geplatzte Uhr sicher sein kleinstes Problem. Für Sinn-Uhren lehne ich das Ventil ab, weil es ohne Nutzen ist und ein zusätzliches Leckrisiko darstellt."

    Gruß Gero

  • Gerne.

    Ich möchte an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass ich alle Ausgaben von Armband Uhren, Chronos und Uhren Magazin besitze und gerne bereit bin, einen von Forumsmitgliedern gesuchten Artikel zu scannen und per Email zu übersenden. Ihr müsst mir nur möglichst die Ausgabe und den Artikel nennen, da ich nicht immer die Übersicht behalte (s. das 756-Debakel).

    Gruß Gero

  • Zitat von ICEMAN

    Zum Glück sind meine U-Modelle keine Chronos und somit komme ich auch nicht in Versuchung... :P

    Wäre Dein U-Modell ein Chrono, hättest Du auch kein Problem...

    "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." (Alexander von Humboldt)

  • Zitat von Chronometres

    Ich habe in der Zeitschrift Armbanduhren Sept. 05 in dem Artikel "Ich baue Sinn-volle Uhren" ein interessantes Statement von Lothar Schmidt gefunden, in dem er zu den verschraubten Drückern folgendes sagt:

    "...es ist kein Problem, diese Drücker auch ohne Verschraubung bis 100 bar dicht zu machen. Aber ein Taucherchronograph braucht die verschraubten Drücker, damit sich der Käufer visuell von der Ernsthaftigkeit der Konstruktion überzeugen kann. Das bei extrem wasserdichten Taucheruhren so gerne verwendete Heliumventil ist auch ein gutes Beispiel...Es soll ja sicherstellen, dass das bei längerem Aufenthalt in einer Tauchstation in großer Tiefe durch alle Dichtungen hindurch ins Innere der Uhr vorgedrungene Helium-Atemluftgemisch sich beim Auftauchen ausdehnen und entweichen kann, ohne das Glas abzusprengen. Die Dekompressionszeiten beim Auftauchen sind aber so lang, dass das Helium ganz langsam auf dem gleichen Wege entweicht, wie es in die Uhr hineingekommen ist. Dies wurde simuliert und bestätigt vom Tiefseelabor der TU Zürich. Wenn ein Taucher dagegen zu schnell auftaucht ist eine geplatzte Uhr sicher sein kleinstes Problem. Für Sinn-Uhren lehne ich das Ventil ab, weil es ohne Nutzen ist und ein zusätzliches Leckrisiko darstellt."

    ..wenn das wirklich so ist, warum ist dann das Helium-Ventil erfunden worden??

    Gruß aus dem Rheinland
    Peter

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