• Ein Beitrag hier im Forum zur Baselworld mit anschließender tränenreichen (ich habe geweint) Beschreibung der Krönchen-Neuerungen haben mich bewogen, die Frage nach der Preisgestaltung zu stellen. Welche Person bestimmt die Preise eines solch unbeschreiblichen, wenn gleich geschmacklich differenzierten, technischen Wunderwerkes?

    Die Kunst einer oder mehrerer Personen über viele zu herrschen, ist alt, häufig instabil und quer durch die Geschichte sehr beliebt. Amerika beispielsweise praktiziert es täglich. Mit einer Priese Phantasie keimt aus funktionierender Hegemonie schnell der Wunsch, die Weltherrschaft zu übernehmen (ich denke auch hier in der Anstalt -wie Pinkie and the Brain- ständig darüber nach, wie ich die Weltherrschaft an mich reißen kann).

    Ich stelle mir das mit den Preisen so vor: Es ist 9 Uhr morgens in einem steril anmutendem Glaspalast am Rande eines Schweizer Nestes. Auf dem Parkplatz wundervolle, individuell einheitlich schwarz lackierte Fahrzeuge namhafter europäischer Hersteller. Keine unter 5 Meter lang.
    Im Inneren dieser abgeschirmten Pilgerstätte der Eitelkeiten totenstille Flure, kalte Böden, emotionslose Kunst und massive Türen, die den Plebs vom Hegemon trennen. Er sitzt an seinem großen Tropenholz-Schreibtisch (dafür allein würde Greenpeace ihn am liebsten steinigen) und blickt Hände reibend aus dem von außen verspiegelten Panoramafenster. Gleich wird er sich Gedanken machen, wie er sein neues Manufakturwerk preislich einordnen wird. Dieses neue Flaggschiff der Kollektion, basierend auf einer gestohlenen Idee eines italienischen Weiberhelden. Schließlich geht es um dieses bahnbrechende Kleinod, dessen gebläute Schrauben im Gegensatz zum Vorgängermodell nun um einen Fliegenschiss weiter nach rechts oder links oder in eine Richtung, die wir noch gar nicht kennen, versetzt wurden.
    Er öffnet die oberste Schublade seines Mahagoni-Altars und entnimmt ihm ein in Skorpion-Leder eingeschlagenes Kistchen aus Yeti-Knochen. Im Inneren befindet sich ein antiker Würfelbecher aus gebrandmarktem Leder. Er entwendet dem Becher gierig einen aus menschlichem Knochen geschnitzten Würfel. Der Würfel zeigt Zahlen von 10 bis 60. Er gibt den Würfel mit leicht zittriger Hand zurück und kippt den Becher um.
    Der Würfel schlägt laut auf die Tischplatte, der Becher wird hastig nach oben abgehoben. Ein Schauer durchläuft den Hegemon und er lacht bellend, laut, guttural.
    Die Leuchtstoffröhren des gesamten Gebäudes versagen für die Dauer eines Wimpernschlages ihren Dienst, Dosenmilch wird schlecht und schwangere Sekretärinnen bekommen eine Zwischenblutung. 40% teurer soll es werden als das Vorgängermodell, alea jacta est.
    Der Hegemon ist laut Antonio Gramsci ein Mensch, der im Wesentlichen die Fähigkeit beherrscht, eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen. Fang schon mal an zu sparen, Sklave.

    (Quellennachweis: Dr. Peter Müller Buch und Kunstverlag, WL 4/07)

    Gruß Gero

  • Köstlich, Gero, einfach köstlich! :D

    Mir sind ebenfalls die Tränen die Wangen heruntergelaufen - und zwar vor Lachen. :lol:
    [size=7](Daß mir fast auch noch das Wasser an den Beinen heruntergelaufen wäre, verschweige ich lieber.)[/size]

  • Einfach nur TOP!!!! :thumbup:

    bis später... ICEMAN

    ...bekennende Poliertuchmuschi... :o:

  • Hallo Chronometres,

    so lustig deine Geschichte auch klingen mag, ich habe in letzter Zeit immer öfter den Eindruck, dass es wirklich genau so abläuft. Selbst einfache Eta-Einschaler verlangen heute Mondpreise, die m.E. durch nichts gerechtfertigt sind (außer der Tatsache, dass genug Leute bereit sind, diese Preise zu bezahlen). Nur ein Beispiel dafür ist die Fa. Raymond Weil, über die in einem der letzten Chronos berichtet wurde. Die Stückzahlen werden künstlich knapp gehalten, die Preise dafür umso mehr erhöht. Geschäftszahlen erfährt man keine (Familienbetrieb). Die Gewinnspannen müssen utopisch sein. Für normale Unternehmen, die einem Wettbewerb ausgestzt sind und mit Cent rechnen müssen, wie auch für uns einfache Arbeitnehmer, die wir sauer unsere Brötchen verdienen müssen, sind das unvorstellbare Zustände. Und die Firma Sinn ist auf dem besten Wege dahin. :x
    Schade für mich als Mechanik-Liebhaber, aber ich werde an dieser Preisspirale in absehbarer Zeit nicht mitdrehen. :?
    So, das musste mal raus. :oops:

    Schöne Grüße!

  • Zitat von Mauduru


    so lustig deine Geschichte auch klingen mag, ich habe in letzter Zeit immer öfter den Eindruck, dass es wirklich genau so abläuft. Selbst einfache Eta-Einschaler verlangen heute Mondpreise, die m.E. durch nichts gerechtfertigt sind (außer der Tatsache, dass genug Leute bereit sind, diese Preise zu bezahlen).

    Und damit hast Du bereits DIE Rechtfertigung schlechthin: Der Markt hat immer recht! :D

    Wenn Du persönlich vor der Wahl stehst, ein und dasselbe Produkt mit einem hohen (meinetwegen: überhöhten) Ertrag zu verkaufen oder mit einem Ertrag, den man gemeinhin als "angemessen" bezeichnen würde, wie würdest Du Dich denn entscheiden? - Siehst Du, und die Manager der Uhrenfirmen entscheiden genauso. ;)

  • Zitat von Mauduru

    Hallo Chronometres,
    so lustig deine Geschichte auch klingen mag, ich habe in letzter Zeit immer öfter den Eindruck, dass es wirklich genau so abläuft.

    ES HAT EINER ERKANNT! :twisted:

    Gruß Gero

  • Köstlich, Gero Dein Sarkasmus, ist wirklich das Salz in diesem Forum. Ab mit Dir in die Politik, nein nicht in Deutschland, in Brüssel. Aber halt, das geht nicht für einen Politiker hast du zuviel Charakter! :wink:
    Grüße
    Hubert

  • Gerade gelesen und muss sagen: Spitzenmäßig, Gero. :D
    Halt fast genauso………wie im echten Leben. :roll:


    Gruß

    Robert

  • Zitat von Robert


    ………wie im echten Leben. :roll:

    Ja, leider ist Gerhard Polt schon Tod.

    Gruß Gero

  • Zitat von thesaint

    Köstlich, Gero Dein Sarkasmus, ist wirklich das Salz in diesem Forum. Ab mit Dir in die Politik, nein nicht in Deutschland, in Brüssel.

    Brüssel ist m. E. für europäische Politiker das, was Gorleben für Deutschland ist: Endlagerstätte für ausgebrannte Elemente! :D :D :D

    [size=7](Das war jetzt natürlich nicht auf Dich bezogen, Gero! ;) ) [/size]

  • Zitat von HappyDay989

    Brüssel ist m. E. für europäische Politiker das, was Gorleben für Deutschland ist: Endlagerstätte für ausgebrannte Elemente! :D :D :D

    Nicht ganz richtig. Cem Özdemir von den Grünen wurde mit erhobenem Zeigefinger wegen irgendeinem Skandal (war´s die Miles & More - Affäre?) in Berlin abserviert. Und nachdem ein wenig Gras über die Sache gewachsen war, tauchte er plötzlich in Brüssel auf. Merke: Wer sich in der Politik zeitig was zu schulden kommen läßt, wird länger in Brüssel zum doppelten Tarif versorgt. Toll.

    "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." (Alexander von Humboldt)

  • Zitat von bungy3000


    Nicht ganz richtig. Cem Özdemir von den Grünen wurde mit erhobenem Zeigefinger wegen irgendeinem Skandal (war´s die Miles & More - Affäre?) in Berlin abserviert. Und nachdem ein wenig Gras über die Sache gewachsen war, tauchte er plötzlich in Brüssel auf. Merke: Wer sich in der Politik zeitig was zu schulden kommen läßt, wird länger in Brüssel zum doppelten Tarif versorgt. Toll.

    Wenn du in den nächsten Tagen aus deinem Fenster schaust und schwarze Limos mit verspiegelten Scheiben vor deiner Wohnung siehst, weist du, dass du recht hattest.

    Gruß Gero

  • Zitat von Chronometres


    Ja, leider ist Gerhard Polt schon Tod.

    Gerhard Polt lebt. Er feiert am kommenden Mittwoch seinen 66. Geburtstag.

    Schöne Grüße!

  • Zitat von Mauduru


    Gerhard Polt lebt. Er feiert am kommenden Mittwoch seinen 66. Geburtstag.

    Oh, wie erfreulich. :occasion4:
    Na schön, lassen wir ihn leben und betrauern dafür Karl Valentin.

    Diese bayrischen Berichtserstatter verwechsel ich immer! Ich wollt ja keinen absichtlich beerdigen!

    Gruß Gero

  • So oder ähnlich, klasse geschrieben :D :D :D

    Luxusmarken rufen eben Luxuspreise auf. Da wird eben auch die Schmerzgrenze der Käufer ausgetestet.
    Ich denke es gibt einen Break-Even point, wo zwar Superreiche immer noch kaufen, Normalreiche aber zu anderen Marken abdriften würden (z.B. von RLX zu AP, PP oder so...).
    Die Grenze zu finden wo beide (also die Stahlsporty-Käufer und die Platin-Bling-Bling-Käufer) noch zugreifen - die gilt es zu finden.

    Und dafür werden vielerorten sicherlich sehr hoch bezahlte Spezialisten eingesetzt, verspricht das Ergebnis derer Arbeit doch eine Gewinnoptimierung.

    SINN profitiert davon ebenfalls wie ich meine.
    Denn je kräftiger die Häuser wie Rolex, Omega, etc. erhöhen, desto besser geht das auch bei SINN. Denn - wie wir aus dem Uhrenranking wissen - liefert SINN die gleiche Qualität ab wie die Spitzenreiter der TOP-TEN.
    Und damit die Lücke nach oben aber nicht zuuu groß wird, werden auch im Füldchen (schweren Herzens natürlich) die Preise immer wieder der Marktentwicklung angepasst....

    So, oder ähnlich.... :D :D :D

    Gruß,

    Sinny

    Gruss,

    Sinny :peter:

  • Zitat von Sinny

    So oder ähnlich, klasse geschrieben :D :D :D

    Luxusmarken rufen eben Luxuspreise auf. Da wird eben auch die Schmerzgrenze der Käufer ausgetestet.
    [...]
    SINN profitiert davon ebenfalls wie ich meine.
    Denn je kräftiger die Häuser wie Rolex, Omega, etc. erhöhen, desto besser geht das auch bei SINN. Denn - wie wir aus dem Uhrenranking wissen - liefert SINN die gleiche Qualität ab wie die Spitzenreiter der TOP-TEN.
    Und damit die Lücke nach oben aber nicht zuuu groß wird, werden auch im Füldchen (schweren Herzens natürlich) die Preise immer wieder der Marktentwicklung angepasst...

    Nun, zunächst einmal ist es richtig, daß hier offenbar eine Art Schmerzgrenzen-Test stattfindet. ;)

    Daß SINN allerdings die gleiche Qualität abliefert wie Omega oder Breitling (von Rolex mal gar nicht zu reden), kann ich - bei aller Liebe zur Marke aus Frankfurt - so uneingeschränkt nicht stehenlassen. Das Zifferblatt und die Zeiger meiner 856 z. B. hätten es weder bei Omega noch bei Breitling jemals durch eine Eingangskontrolle geschafft, von einer Endkontrolle mal gar nicht zu reden. Die Qualitätsschwankungen bei SINN reichen von mies bis traumhaft, und es ist genau der Umstand, daß es derartige Schwankungen gibt, die es verhindern, daß SINN wirklich als "Luxusmarke" wahrgenommen wird.

    Überdies muß man fairerweise auch sagen, daß die Rohstoff- und Energiekosten ja nicht nur für die normalen Endverbraucher extrem gestiegen sind, sondern eben auch für alle produzierenden und verarbeitenden Betriebe - Uhrenhersteller eingeschlossen. Von daher ist zumindest ein Teil der Preissteigerungen schon gerechtfertigt, auch wenn unsere Einkommen leider nicht in gleichem Maße ansteigen.

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