(Semi-) Manufakturwerke

  • Wieviel ist neu, wieviel ist Plagiat?

    Hat sich eigentlich mal ein "Foren-Techie" mit dem Semi-Manufakturwerk SZ01 ernsthaft auseinandergesetzt? Oder ggf. mit anderen Manufakturwerken, die heute in hochpreisigen Uhren angeboten werden? Der Begriff "Uhrenmanufaktur" adelt einen Uhrenhersteller und scheint in der Branche so etwas wie die Lizenz zum Gelddrucken zu sein, egal wie präzise & zuverlässig eine Uhr letzten Endes damit tickt.

    Bei Manufakturwerken frage ich mich immer, ob hier wirklich das Rad neu erfunden wird oder ob es im Grunde nichts anderes ist als ein "umgestalteter Nachbau" irgendeines alten Klassikers ?( ?

    Oder mal konkret gefragt: Warum baut man nicht einfach ein LEMANIA 5100 nach, modifiziert es an der einen oder anderen Stelle nach dem Stand der heutigen Fertigungstechnik und gut is' ?( ? Beim LEMANIA 5100 ließen sich sicher die Plastikteile hochwertiger ersetzen. Oder existiert für diese alten Uhrwerke tatsächlich noch ein Lizenzschutz?

  • Der Begriff "Uhrenmanufaktur" adelt einen Uhrenhersteller und scheint in der Branche so etwas wie die Lizenz zum Gelddrucken zu sein, egal wie präzise & zuverlässig eine Uhr letzten Endes damit tickt.

    Bei Manufakturwerken frage ich mich immer, ob hier wirklich das Rad neu erfunden wird oder ob es im Grunde nichts anderes ist als ein "umgestalteter Nachbau" irgendeines alten Klassikers ?( ?

    Siehe dazu auch: https://sinn-uhrenforum.de/forum/index.ph…25578#post25578 ;)

    Oder mal konkret gefragt: Warum baut man nicht einfach ein LEMANIA 5100 nach, modifiziert es an der einen oder anderen Stelle nach dem Stand der heutigen Fertigungstechnik und gut is' ?( ? Beim LEMANIA 5100 ließen sich sicher die Plastikteile hochwertiger ersetzen. Oder existiert für diese alten Uhrwerke tatsächlich noch ein Lizenzschutz?

    Nein, ein Patentschutz auf das Lemania 5100 existiert nicht mehr. Man könnte also als deutscher, schweizerischer, japanischer oder auch chinesischer Uhrenhersteller dieses Werk völlig legal lizenzfrei nachbauen. ABER: wie groß wäre denn wohl die Gruppe derjenigen, die bereit wäre, für die Neuauflage einer weit über 30 Jahre alten Konstruktion inkl. Kosten für neue Werkzeuge, Maschinen usw. ein kleines Vermögen (pro Werk vorsichtig geschätzt ein reichlich 3- oder sogar knapp 4stelliger Betrag in €) zu bezahlen? Und da viele der Vorzüge (z. B. die hohe Unempfindlichkeit gegen Zentrifugalkräfte und Stöße) des 5100 eben genau auf dem Umstand beruhen, dass es durch die Verwendung von viel Kunststoff besonders leicht ist, wäre es wohl keine gute Idee, die verwendeten Kunststoffe durch Metall zu ersetzen, weil man dadurch gerade die Vorzüge opfern würde, die dem Werk seine einzigartige Position als das ultimative mechanische Militärchrono-Kaliber verleihen. Außerdem haftet einer Firma, die ein bereits am Markt vorhandenes Produkt einfach nur stumpf abkupfert (oder leicht variiert abkupfert) der Ruf eines Produktpiraten an, selbst dann, wenn es sich rein rechtlich um eine legale Sache handelt, weil z. B. das Patent auf das Produkt längst abgelaufen ist. Und mit einer solch negativen Reputation vorbelastet, werden sich die erforderlichen Preise für das Werk (siehe oben) wohl kaum durchsetzen lassen; das dürfte selbst ohne diese Bürde schon schwer genug werden.

  • ABER: wie groß wäre denn wohl die Gruppe derjenigen, die bereit wäre, für die Neuauflage einer weit über 30 Jahre alten Konstruktion inkl. Kosten für neue Werkzeuge, Maschinen usw. ein kleines Vermögen (pro Werk vorsichtig geschätzt ein reichlich 3- oder sogar knapp 4stelliger Betrag in €) zu bezahlen?

    Ich weiß nicht. Vielleicht gibt es ja bereits modifizierte Plagiate auf dem Markt. Das war ja meine Eingangsfrage. Verhält es sich wie mit einem Rad an einem Auto? Das wurde mit den Jahren größer & breiter, aber es immer noch rund und mit einem Radialreifen bestückt. Die Anordnung gewisser Faktoren (Unruhe, Anker, Kupplung, Gangrad, Zugfeder usw.) sind doch bewährt und vorgegeben. Das ist doch keine Raketenwissenschaft, wo jeder Ingenieur am grünen Tisch von null anfängt, oder? Die Kosten für so einen modifizierten Nachbau (bessere Werkstoffe, Veredelung, vielleicht einzelne Bereiche neukonzipiert wie z. B. Val 7750 auf 60 Min. Totalisator à la SZ02 usw.) sollten geringer als die einer kompletten Neuentwicklung sein, da man doch einen Teil der Entwicklungskosten spart.

    Und unterm' Strich weiß am Ende vielleicht 1 Promille der potentiellen Kunden, wieviel Prozent des Uhrwerkes eine Neuentwicklung darstellt. Daher gaukeln einem ja soviele Hersteller mit Phantasiebezeichnungen vor, eigene Uhrwerke einzupflanzen, z. B. PANERAI.

    Und da viele der Vorzüge (z. B. die hohe Unempfindlichkeit gegen Zentrifugalkräfte und Stöße) des 5100 eben genau auf dem Umstand beruhen, dass es durch die Verwendung von viel Kunststoff besonders leicht ist, wäre es wohl keine gute Idee, die verwendeten Kunststoffe durch Metall zu ersetzen, weil man dadurch gerade die Vorzüge opfern würde, die dem Werk seine einzigartige Position als das ultimative mechanische Militärchrono-Kaliber verleihen.

    Gut, es muß ja nicht alles aus schweren Metall gefertigt sein. Es gibt Alu, Titan oder Kohlefaser als Alternative. Daher hatte ich ja vom "Stand der heutigen Fertigungstechnik" geschrieben.

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