Neues Spielzeug: USB-Mikroskop

  • Hallo zusammen,

    ich wünsche allen ein gutes neues Jahr und möchte hier mal Bilder vom Schwingtrieb zeigen. Der (oder das?)Schwingtrieb ist die Chronographenkupplung der Val. 7750-Kaliberfamilie und wurde in den 1880er Jahren von Edouard Heuer erfunden. Im Gegensatz zur bis dahin ausschließlich verwendeten horizontalen Kupplung, bei der das Kupplungsrad komplett verschoben wird, bewegt sich beim Schwingtrieb nur das eine Ende einer Welle mit zwei Zahnrädern. Das feste Ende des Schwingtriebs ist dauernd im Eingriff mit dem Uhrwerk, das bewegliche Ende stellt bei Bedarf die Verbindung zur Stoppuhr her.

    Schwingtrieb eingekuppelt = Chronograph läuft:


    Schwingtrieb ausgekuppelt = Chronograph steht:

    Die Bilder sind von meiner 103 A Sa Hd mit 7760 (Handaufzug) und zeigen das bewegliche Ende des Schwingtriebs. Bei den 7750 wird das Guckloch vom Automatirotor verdeckt.

    Schöne Grüße!

  • bis später... ICEMAN

    ...bekennende Poliertuchmuschi... :o:

  • Schönes Spielzeug, das "tiefe Einblicke" ins Innere des Werks gestattet! :thumbup:

    Absolut faszinierend, da könnte man (= könntest Du!) doch mal eine ganze Serie erstellen. :)

    Gero und ich gehen Dir übrigens gerne zur Hand beim Ausschalen und Zerlegen der Werke, damit Du auch alle wichtigen Stellen durchs Okular betrachten kannst. Das bißchen Zusammenbauen und Einschalen hinterher schaffst Du dann spielend alleine... :D

  • Gero und ich gehen Dir übrigens gerne zur Hand beim Ausschalen und Zerlegen der Werke, damit Du auch alle wichtigen Stellen durchs Okular betrachten kannst. Das bißchen Zusammenbauen und Einschalen hinterher schaffst Du dann spielend alleine..

    Unbedingt! :thumbup:
    Die Schilderung ist absolut korrekt. Erwähnen sollte man nur der Vollständigkeit halber, dass beim Auskuppeln die Welle gekippt wird (ein Ende ist fest im Eingriff). Lt. meinen Unterlagen heißt es übrigens "das" Schwingtrieb (klingt komisch, ich hätte auf "der" Schwingtrieb getippt).

    Gruß Gero

    Einmal editiert, zuletzt von Chronometres (7. Januar 2009 um 21:29)

  • Hallo allerseits,

    auf vielfachen Wunsch hier einige weitere Aufnahmen mit dem USB-Mikroskop. Heute die Verzahnung der horizontalen Chronographenkupplung in einem Lemania 1873:

    Kupplung offen = Stoppuhr steht:

    Kupplung geschlossen = Stoppuhr läuft:

    Man beachte die feineren Zähne des Chronozentrumsrades (unten links - auf ihm sitzt der Stoppsekundenzeiger) und die spitze Zahnform von Chronozentrumsrad und Kupplungsrad (oben rechts - das Rad, das beim Betätigen des Start/Stopp-Drückers geschwenkt wird). Beides dient dazu, Sprünge des Sekundenzeigers beim Einkuppeln zu vermindern. Oben links ist das Sekundenrad, welches mit der normalen Zeitanzeige mitläuft.

    Schöne Grüße!


    ps: Olaf und Gero, lieb von Euch, dass Ihr mir beim Zerlegen meiner Uhren helfen wollt. Aber ich knipse erstmal nur durch die Glasböden :P .

  • Mauduru

    Endlich wird einem ein Automatikwerk mit wirklich tollen Bildern mal näher gebracht und auch beschrieben.

    Tolle Arbeit und vielen Dank dafür. :thumbup:

    bis später... ICEMAN

    ...bekennende Poliertuchmuschi... :o:

  • Hallo an alle,

    heute ist der Bremshebel dran. Er legt sich bei Betätigung des Stoppdrückers an das Chronozentrumsrad (auf dessen Welle der Stoppsekundenzeiger sitzt) und hält dieses fest, so dass man die gestoppte Zeit ablesen kann. Lässt man den Chrono weiterlaufen oder stellt man ihn auf Null zurück, gibt der Bremshebel das Rad wieder frei.

    Bremshebel ist frei = Chrono läuft oder ist auf Null gestellt

    Bremshebel liegt an = Chrono wurde gestoppt

    Die Fotos sind wieder vom Lemania 1873. Hier ist der Bremshebel aus Kunststoff, beim Val. 7750 ist er aus Metall, die Form ist jedoch ähnlich und die Funktion gleich.

    Schöne Grüße!

  • Mauduru

    Was für eine Uhr nimmst da eigentlich ständig unter die Lupe?

    bis später... ICEMAN

    ...bekennende Poliertuchmuschi... :o:

  • Hallo Iceman,

    das Lemania 1873 ist in einer Jean Marcel Chronograph.

    Leider ist die Uhr mit einem Durchmesser von nur 33 mm selbst für meine schmalen Handgelenke absolut untragbar. Aber der Blick durch das Bodenglas entschädigt für alles... :rolleyes: ^^

    Grüße!

  • Hallo allerseits,

    heute mal ein paar Bilder von Nullstellherzen und -hebeln. Sie wurden 1844 von Adolphe Nicole erfunden.

    Beispiel Lemania 1873:

    Der Nullstellhebel ist das von links unten über Mitte oben nach rechts unten geschwungene Etwas. Das Nullstellherz befindet sich im unteren Bildbereich in der Mitte (dunkel) und seine Spitze zeigt Richtung halbzwei. Die dazugehörige Fläche des Nullstellhebels ist am rechten Bildrand zu sehen (fast waagerecht). Bei Betätigung des Rückstelldrückers am Chronographen wird der Nullstellhebel ausgelöst und schwenkt federbelastet im Uhrzeigersinn um einen Punkt oberhalb des Bildausschnitts. Dabei trifft die Fläche auf das Herz und dreht dieses bis zum tiefsten Punkt. In dieser Position steht der Chronographenzeiger auf Null. In der linken unteren Bildecke ist noch eine zweite Nullstellfläche (für einen anderen Zeiger) zu erkennen.

    Beispiel Val. 7750 (7751, 7760 etc.):


    Im unteren Bild sieht man die spezielle Ausführung des Nullstellhebels in der 7750-Kaliberfamilie, den Gugnothebel (von links oben nach rechts unten, bei der Schreibweise bin ich mir unsicher). Seine zwei Nullstellflächen weisen auf dem Foto nach links unten. Er ist wie eine Wippe in der Mitte gelagert und kann sich so beim Nullstellen besser einspielen.

    Schöne Grüße!

  • [font='Tahoma, Arial, Helvetica, sans-serif'][color=#666666][size=10]
    ps: Olaf und Gero, lieb von Euch, dass Ihr mir beim Zerlegen meiner Uhren helfen wollt. Aber ich knipse erstmal nur durch die Glasböden :P .


    Feigling! :D

    Auf jeden Fall ein phantastischer Thread mit tollen Einblicken ins Innere mechanischer Werke. Das ist wirklich ganz großes Kino. :thumbup:

  • Hallo zusammen,

    Euer Lob ist mir Ansporn, deshalb heute mal ein paar Videos. Thema Mitnehmer, Gero kann sicher die offiziellen Bezeichnungen beisteuern, bin halt kein Uhrmacher.

    Wie die Kupplung vom laufenden Uhrwerk zum Sekundenzähler des Chronographen aussehen kann, haben wir ja schon am Beginn dieses Threads gesehen. Stellt sich also die Frage: Wie geht es danach weiter zur Stoppminute? Dazu zwei Beispiele:

    Poljot 3133 (bauähnlich Val. 7734): Mitnehmerzahn

    Val. 7750 und Familienangehörige: Mitnehmerfeder

    Der Mitnehmer sitzt auf dem Chronozentrumsrad (entspricht dem Stoppsekundenzeiger) und kommt einmal pro Minute "auf´n Sprung vorbei", um das Zwischenrad und damit das Stoppminutenrad um einen Zahn (= eine Minute) weiterzuschalten. Das Zwischenrad bewirkt, dass sich die Minuten in die gleiche Richtung drehen wie die Sekunden.

    Schöne Grüße!

  • Mauduru

    Du bist DER Anwärter auf den nächsten Titel!!!
    Ganz großes Kino!!!!

    bis später... ICEMAN

    ...bekennende Poliertuchmuschi... :o:

  • Hallo an alle,

    heute habe ich zwei Videos für Euch, die die Minutenrastung bei der Arbeit zeigen. Sinn der Sache ist, dass der Minutenzählzeiger des Chronographen nach dem Umschalten immer schön auf einem Minutenindex zum stehen kommt.

    Val. 7750

    Poljot 3133

    Im Falle Poljot kann man sehen, was passiert, wenn die Rastfeder nicht genau im richtigen Winkel zum Stoppminutenrad steht: Die eine Seite des "V" ist zu flach und es tritt Selbsthemmung auf. Die Positionierung ist dann ungenau. Wie das von vorne aussieht, zeigt das folgende Bild:

    Schöne Grüße!

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