Frage zur Uhrenbestellung: Feinregulierung

  • Hallo Sinn Liebhaber,

    auch wenn ich noch keine Sinn besitze, habe ich eine Frage an Euch.
    Wenn man eine neue bei Sinn bestellt, kann man für 70 Euro eine Feinregulierung bestellen.
    Lohnt sich die Investition und was wird genau gemacht? Was meint Ihr.
    Für Antworten bin ich sehr dankbar.

    Grüße

    Tomi 8)


    HD989: Thread-Titel präzisiert

  • Die Option der Feinregulierung ist m.E. nach nicht mehr verfügbar. Sie wurde (soweit mir bekannt) mit dem Wegfall der Chronometeroption ebenfalls gecancelt.
    Die Feinregulierung hat auch nur bei Chronometerwerken und der Qualitätsstufe "Chronometre" einen Sinn, da die Lagefehler bei allen anderen Werken, wenn sie nur auf der Zeitwaage korrigiert werden, dass Ergebnis beim Tragen nicht wirklich halten.
    Chronometerwerke sind erheblich stabiler im Bereich der Lagefehler ( vgl. auch: Gangabweichung , Gibt's das? (Gangabweichungen abhängig vom Benutzer) ).

    Gruß Gero

  • Zitat:
    „Die Chronometerqualität eines mechanischen Uhrwerks wird zum Teil durch besondere Verarbeitungsqualitäten bestimmter Uhrwerkkomponenten, zum Teil durch aufwendige Regulation der Uhr hergestellt. Für Sinn-Uhren verwenden wir die jeweils höchste Ausführungssqualität der schweizer Werkehersteller. Solche Werke können prinzipiell als Chronometer einreguliert werden. Auf Wunsch werden unsere Uhren feinreguliert, d.h. in Chronometerqualität aber ohne Zeugnis ausgeliefert. Wir bieten Chronometerzeugnisse wegen des unverhältnismäßig hohen Aufpreises in der Regel nur auf Anfrage an.“
    Quelle: Sinn-Heimseite.

    Scheinbar wird die Feinregulieug sowie ein Chronometerzeugnis nach wie vor angeboten, nur wird es nicht mehr so publik gemacht.

    Ich bin mittlerweile soweit, dass ich diese 70€ investieren würde. Eigentlich gehört eine gescheite Regulierung zur Serienausstattung.
    Was ich schon mehrfach gefragt, aber nie verstanden habe: Ist die Chronometerqualität und die Top-Ausführung, also ohne Chrono-Zeugnis, technisch ein und dasselbe??? Ich finde die Formulierungen so verwirrend :whistling: ?(
    Bitte einfach nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten.... :)

    Liebe Grüße

    :alexhai:


    Alex

    Alles bleibt gut

  • Ich habe mir die Feinregulierung im Herbst 2008 bei meiner 857 gegönnt. Jedoch habe ich keinen für mich erkennbaren Nutzwert feststellen können. Anfangs lief die Uhr im Bereich +2 s Abweichung. Permanent getragen habe ich die Uhr seit Weihnachten 2008, im Frühjahr habe ich dann zweimal nacheinander zur besseren Ölverteilung die Uhr "leerlaufen" lassen. Im Laufe der Zeit "verlor" die Uhr immer mehr Zeit, so dass ich sie im September 2009, mittlerweile bei ca. -8 s angekommen, habe (im Depot) nachregulieren lassen. Sie kam dann auf ca. +3 bis 5 s, verliert seitdem aber wieder Zeit; zur Zeit bin ich bei 0 bis - 1 s Abweichung täglich - wobei auf der Zeitwaage in verschiedenen Lagen die Frequenz mit 28800 und die Amplitude mit 236 Grad angezeigt werden. Der langen Rede kurzer Sinn - den Aufpreis für die Feinregulierung hätt´ich mir m. E. sparen können...(was ich bei meiner neuen 103 - die übrigens super läuft - auch getan habe)...

    Gruss,

    Christian

    Niveau ist keine Creme und Stil nicht das Ende eines Besens.

  • Hallo Gero,
    vielen Dank für deine Antwort. Leider kann ich den Link nicht richtig öffnen, der Zugriff auf die Eta-Seite wird verweigert. Macht aber nix, ich frage jetzt einfach mal weiter.

    Die Top- und Chronometerversion sind also technisch unterschiedlich.

    Im Katalogbuch steht das die 103er ein Werk in Chronometerqualität Hallo Gero,
    danke für deine Antwort, leider kann ich den Link nicht richtig öffnen, der Zugriff auf die ETA Seite wird verweigert. Ich frage jetzt einfach mal weiter.

    Die Top- und Chronometerversion ist also techn. unterschiebesitzt.
    Auf mein Nachfragen bei Sinn ob es ein Chronometer ist, bekam ich die Antwort: „Nein, aber man kann einen daraus machen“

    Da jetzt wohl die 103er die einzige Sinn in dieser besten Ausführung ist, ist sie dann auch die einzige Sinn die ein Chronometerzeugnis bekommen könnte?

    Oder könnten die anderen Versionen Elaboré und Top ebenfalls als Chronometer prüfen lassen?

    Ja oder nein? Sorry für die komische Fragerei, aber ich will auf was bestimmtes raus!

    Liebe Grüße

    :alexhai:


    Alex

    Alles bleibt gut

  • Oder könnten die anderen Versionen Elaboré und Top ebenfalls als Chronometer prüfen lassen?

    Ja oder nein?


    Ja, prüfen lassen kann man diese selbstverständlich.

    Es verhält sich nur einfach so, dass der Hersteller ETA ja an Kunden ausliefert, die gewisse Parameter vorgeben. Wenn ich also zur ETA mit der Vorgabe gehe, dass ich meine Uhr als Chronomteter zertifizieren lassen möchte, kann ETA nur für eine Q-Stufe (Chronometre) die Garantie übernehmen, dass dies auch funktioniert. Wenn nicht, habe ich Anspruch auf Umtausch/Ersatz/oder was auch immer. Wenn ich eine andere Q-Strufe wähle, ist die Prüfung allein mein Risiko, da hier von Seiten des Herstellers keine Eigenschaftszusage in dieser Richtung erfolgt ist.
    Das heißt nicht, dass ein Elabore-Werk nicht die Chronometer-Prüfung schaffen könnte. Es ist nur nicht sehr wahrscheinlich.

    Gruß Gero

  • Aha, so langsam steige ich durch, danke Gero.

    Wenn man denn ein Chronometerzeugnis von Sinn haben will / wollte verbaut/e Sinn dann die Qualitätsstufe „Chronometre“ ? Oder weiterhin die Top-Version?

    Habe ich mit der Q-Stufe „Chronometre“ auch ohne Feinregulierung oder Chronometerzeugnis einen in der Regel stabileren Gang?

    Welche Vorteile hat die Q-Stufe Chronmetre für den Uhrenträger? Oder macht die Chronometreversion nur einen Sinn wenn das Werk auch einreguliert, geprüft und zertifiziert wird?

    Was sind die technischen Unterschiede zwischen der Chronometre- und der Topversion? Am besten in einfachen Worten....

    Liebe Grüße

    :alexhai:


    Alex

    Alles bleibt gut

  • Habe ich mit der Q-Stufe „Chronometre“ auch ohne Feinregulierung oder Chronometerzeugnis einen in der Regel stabileren Gang?
    Ja, da das Werk auch ohne das COSC-Zertifikat technisch das selbe ist. Mit Zertifikat habe ich nur einen Prüfungsnachweis. Die COSC prüft nur und stellt nichts ein.
    Welche Vorteile hat die Q-Stufe Chronmetre für den Uhrenträger? Oder macht die Chronometreversion nur einen Sinn wenn das Werk auch einreguliert, geprüft und zertifiziert wird?


    Das Werk ist ja bereits einreguliert. Es ist nur nicht geprüft und zertifiziert.

    Wenn man denn ein Chronometerzeugnis von Sinn haben will / wollte verbaut/e Sinn dann die Qualitätsstufe „Chronometre“ ? Oder weiterhin die Top-Version?


    Für die Prüfung vor der COSC wird Sinn wohl die Stufe "Chronometre" verwenden. Alles andere wäre kaufmännischer Unsinn, da auch bei nicht bestandener Prüfung die Gebühr an die COSC bezahlt werden muss. Darüber hinaus würde dann die Statistik u.U. schlecht aussehen, da die COSC ja nicht nur eingereichte Uhrwerke, sondern auch nicht bestandene Prüfungen dokumentiert. Wie sähe das denn aus. Da ist wohl am Besten kein Risiko angesagt.

    Was sind die technischen Unterschiede zwischen der Chronometre- und der Topversion? Am besten in einfachen Worten....


    Die Materialien sind bei TOP und Chronometre die gleichen (s. Tabelle auf der ETA-Homepage). Die Abstimmung der Toleranzen bei Chronometre bei der Unruh/Feder/Brücke ist kleiner (daher auch der Austausch bei Chronometern dieser kompletten Einheit), das Werk erhält eine Nummerierung und ETA führt eine Prüfung nach den COSC-Kriterien vor Auslieferung durch. Daher wird auch die Lagetoleranz (trotz gleicher Materialien) in der ETA-Tabelle bei Chronometre kleiner angegeben als bei TOP.

    Um die Verwirrung mal perfekt zu machen: Ein guter Uhrmacher ist durch entsprechende Feinarbeit am TOP-Werk durchaus in der Lage, die werkseitige Q-Stufe Chronometre zu erreichen und sogar zu übertreffen.

    Gruß Gero

  • Ich bin mir sicher, dass so ein vorreguliertes Werk in einer Atmosphäre mit einer Viskosität anders als Luft, stärkere Gangabweichungen haben könnte.

    Laut Wikipedia Tabelle hat Luft 17,1 µPas*s und
    z.B. Argon hat 21,0 µPas*s bei 0°C.

    Das sind 18,6% Unterschied.

    100%iger Stickstoff weicht in der Viskosität nur 2,9% ab. Der hat nämlich 16,6 µPas*s.

    Was meinst Du?

    Bis dann, MoreGo

  • Ohne die technischen Details Deiner Frage genau zu verstehen mache ich es einfach: Der Widerstand für alle Bewegungen des Uhrwerks wird durch die Einhüllung in ein schweres Gas wie Stickstoff oder Argon erhöht. Daher muss das Werk zuvor auf einen stärkeren Vorgang einreguliert werden (bei Argon waren es nach meinem Wissen ca. 8 Sekunden), um dann nach Gasbefüllung genau zu laufen.

  • So jetzt habe ich alles verstanden.... :)

    Die Chronomtre- und die Topversion sind also prinzipiell die gleichen Werke, einzig die Fertigungsqualität ist in der Chronometre Ausführung eine hochwertigere.

    Da ist dieser Satz von der Sinn-Homepage aus dem Technik ABC nicht ganz richtig oder zumindest irreführend:

    Zitat Sinn-Homepage:
    Für Sinn-Uhren verwenden wir die jeweils höchste Ausführungsqualität der schweizer Werkehersteller.“

    Einzig die 103er in den Ausführungen 103Ti Ar / Utc, 103St Sa / Ar / UTC hat wohl die Chronometre-Qualitätsstufe alle anderen die Topversion, da im Katalogbuch geworben wird:

    Zitat Sinn:
    Werk in Chronometerqualität


    Interessant wäre noch: Wie werden die geringeren Toleranzen der Chrono-Version realisiert? Durch eine Nachbearbeitung, andere Herstellung oder durch Ausschuss und dann als Top und Elaborè Werke verkaufen?

    Gero, ich bedanke mich für deine Hilfe und deine Geduld :kow:

    Liebe Grüße

    :alexhai:


    Alex

    Alles bleibt gut

  • Bezüglich Chronometer-Zertifizierung bei Sinn ist mir Folgendes bekannt: Werk mit COSC-Chronometer-Zertifikat wurde auf Wunsch verbaut, hatte also schon vor der Montage die COSC-Zertifizierung durchlaufen, da in der Schweiz nur die nicht eingeschalten Werke geprüft werden. Laut Sinn war diese Option bei Bestellung meine 103 im Dezember nicht mehr möglich aufgrund geringen Kundeninteresses. Wünscht man ein Chronometer-Zertifikakt, sendet Sinn die Uhr nach Glashütte zur Sternwarte, wo dann mit derkompletten Uhr eine Prüfung analog der Schweizer Richtlinien durchgeführt wird und ein entsprechendes Zertifikat ausgestellt wird. Dies kostet dann - meiner Erinnerung nach - 350,-€ bei Sinn. Nach entsprechenden Recherchen beim zuständigen Amt für Prüf- und Eichwesen (??), die die "Oberhohheit" über die Prüfstelle in Glashütte hat (Wempe nutzt diese Chronometer-Prüfstelle ja auch, ist aber wohl nicht der Eigentümer) konnte ich die Information erlangen, dass es auch für Privatpersonen möglich ist, dort seine Uhr (Zusendung ohne AB) als Chronometer prüfen zu lassen. Auszufüllen ist ein Fragebogen mit entsprechenden Daten des Werkes (auch Nummer). Der Preis ist jedoch etwas anders als bei Sinn, nur sollte die Uhr dann entsprechend genau einreguliert sein...

    Gruss,

    Christian

    Niveau ist keine Creme und Stil nicht das Ende eines Besens.

  • Hallo an alle,

    zunächst einmal hätte ich nicht gedacht das dieser Beitrag so ins Detail geht. Ich freue mich aber wirklich darüber, weil ich dadurch viel von Euch lernen kann. ( Möchte Euch schließlich nacheifern und mein Wissen über die faszinierende Uhranmarke SINN erweitern )
    Vielen Dank dafür an alle.

    Allzeit gute Gangwerte wünscht

    TOMI :kow:

  • Letztendlich gibt es für mich persönlich nur zwei Lösungen:

    • Chronometer (also Lagenunabhängige Genauigkeit, die sich an den Träger feinregulieren lässt)
    • normale Ausführung ohne Feinregulierung (ein sehr guter Gang wird auch durch eine Feinregulierung nicht erreicht werden können, aber ein paar Sekunden + / - zählen im Leben eh nicht (!))


    Andere Varianten ergeben für mich keinen Sinn. Als ich meine Sinn vor ca. einem Jahr bekommen habe wurden Chronometerwerke schon nicht mehr angeboten. Ich habe die Uhr also ohne genommen und es bis heute nicht bereut. Die Genauigkeit ist nicht herausragend, aber wenn mir ein Abweichnung im Vergleich mit anderen Uhren auffällt wird eben schnell gestellt. Die Zeiten als ich über mehrere Tage den Gang meiner Uhren peinlich genau protokolliert und geprüft habe sind vorbei.

    Ich freue mich lieber an den Uhren mit all ihren Details (Design, Verarbeitung, Mechanik usw.). Die tatsächliche Uhrzeit rückt dabei in den Hintergrund. Auch lese ich die Uhrzeit für gewöhnlich nur grob ab, ein rascher Blick reicht mir. Genau schaue ich nur hin wenn ich gar nicht wissen will, wieviel die Uhr geschlagen hat. :)

  • Interessant wäre noch: Wie werden die geringeren Toleranzen der Chrono-Version realisiert? Durch eine Nachbearbeitung, andere Herstellung oder durch Ausschuss und dann als Top und Elaborè Werke verkaufen?


    Weder noch. Es werden "passende Paarungen" ausgesucht (ähnlich wie bei Lederbändern), die in der Fertigung besonders geringe Toleranzen aufweisen. Diese werden dann zusammengebracht, so dass ein größtmöglicher Isochronismus Gangabweichung gegeben ist. Es entsteht also nur ein weiterer Arbeitsgang zur Q-Stufe TOP.

    Gero, ich bedanke mich für deine Hilfe und deine Geduld


    Nicht dafür!

    Spencer: ja, im Alltag ist die Sekunde eines Chronometers völlig belanglos (Chronometer im Alltag), aber dennoch liebe ich einfach die ungeheure Präzision. Auch wenn sie relativ nutzlos ist.

    Gruß Gero

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