Beiträge von Watch the watchmen

    Manchmal braucht eine Uhr sechs Jahre, bis eine Einsatzgeschichte öffentlich wird. Warren Halliwell, Senior Content and Campaign Manager bei Casio UK, hat WatchPro von einem zweiwöchigen Aufenthalt mit malaysischen Spezialkräften im südostasiatischen Dschungel berichtet. Dort sei er gewesen, um Angehörige der Einheit in die Handhabung der damals neuen G-SHOCK Mudmaster GG-B100 einzuweisen und zu beobachten, wie sich die Uhren unter dortigen Bedingungen verhielten. Angehörige des britischen Militärs seien ebenfalls dabei gewesen.

    Das ist mehr als die übliche Geschichte von einer Uhr, die für ein paar Fotos mit Soldaten in den Wald getragen wird. Was genau dahinterstand, bleibt allerdings offen: Weder die malaysische Einheit noch die britischen Teilnehmer werden benannt, und eine unabhängige oder amtliche Dokumentation der Aktion ist nicht auffindbar. Ob es sich um eine vom Militär veranlaßte Erprobung, eine Produktschulung mit praktischer Erprobung oder etwas dazwischen handelte, läßt sich aus Halliwells Aussage nicht ableiten.

    Zwei Wochen Dschungel

    Halliwell beschreibt den Zweck recht konkret: „I was there to train them on the then-new MUDMASTER GG-B100“. Zugleich habe er aus erster Hand sehen können, wie die Uhren unter extremen Bedingungen funktionierten. Zeitlich läßt sich der Aufenthalt auf Anfang 2020 eingrenzen.

    Interessanter als das Etikett „Special Forces“ ist seine Beobachtung zur Umgebung. Auf anderer Ausrüstung habe sich im feuchten Dschungel Bewuchs gebildet, der Feuchtigkeit hielt und Korrosion begünstigte. Die G-SHOCKs hätten dagegen weder Korrosion noch Fehlfunktionen gezeigt. Das ist die Aussage eines unmittelbar beteiligten Casio-Mitarbeiters und keine unabhängig dokumentierte Versuchsauswertung – aber ein konkreter Feldbefund.

    Und er paßt zur Konstruktion der GG-B100. Ihr 92 Gramm schweres Gehäuse verwendet karbonfaserverstärktes Resin als tragende Struktur. Der Carbon Core Guard schützt das Modul; Filter an den Drückern sollen das Eindringen von Staub und Schlamm verhindern. Dazu kommen Stoßfestigkeit und 20 bar Wasserdichtigkeit.

    Für den Dschungel ist daran weniger der Name „Carbon Core Guard“ interessant als die konstruktive Logik: Feuchtigkeit, Schlamm und Schmutz treffen auf Drücker, Dichtungen, Gehäusefugen und unterschiedliche Materialien. Die GG-B100 setzt dem eine weitgehend korrosionsunempfindliche Kunststoffverbundkonstruktion und geschützte Bedienelemente entgegen. Metall verschwindet nicht vollständig aus der Uhr, unter anderem besteht der Boden aus Edelstahl, aber das Konzept paßt ziemlich genau zum beschriebenen Einsatzumfeld.

    Robuste Uhr, vernetzte Zusatzfunktionen

    Die GG-B100 kombiniert digitalen Kompaß, Höhen-/Luftdruckmesser, Thermometer und Beschleunigungssensor. Diese Funktionen stehen direkt an der Uhr zur Verfügung. Anders sieht es bei Mission Log und Teilen der Standortfunktionen aus: Die Uhr besitzt kein eigenes GNSS, sondern nutzt über Bluetooth GPS-Daten eines Smartphones.

    Für eine militärische Einordnung ist diese Trennung wichtiger als die lange Funktionsliste. Die GG-B100 kann als eigenständige Uhr samt Sensorik betrieben werden; wer GPS-basierte Aufzeichnung und entsprechende Standortfunktionen nutzen will, nimmt dagegen Smartphone und Funkverbindung in die Funktionskette auf. Robuste Hardware und taktisch unproblematische Elektronik sind zwei verschiedene Fragen.

    Was die malaysischen Soldaten tatsächlich nutzten, sagt Halliwell nicht. Ebensowenig wissen wir, wie viele Uhren verwendet wurden, welche Belastungen vorgegeben waren oder ob Ergebnisse systematisch dokumentiert wurden. Einen Beleg für eine anschließende Beschaffung, offizielle Ausgabe oder militärische Freigabe gibt es bislang ebenfalls nicht.

    „Mit malaysischen Spezialkräften im Dschungel verwendet und dort nach Aussage eines Beteiligten ohne Fehlfunktion“ trägt die Quellenlage. Mehr sollte man daraus nicht machen.

    Was zwei Wochen beweisen – und was nicht

    Gerade in dieser begrenzten Aussage liegt der technische Reiz der Geschichte. Die GG-B100 wurde nicht lediglich mit einer abstrakten Robustheitsbehauptung beworben, sondern offenbar von Soldaten über zwei Wochen in einer Umgebung benutzt, für deren Probleme ihre Konstruktion tatsächlich ausgelegt ist. Halliwells Bericht liefert dazu einen positiven Befund.

    Über die Lebensdauer sagt er wenig. Auch die Mudmaster besitzt Dichtungen, Batterie und elektronische Komponenten mit endlicher Lebensdauer; Casio nennt für die CR2025 unter den zugrundegelegten Nutzungsbedingungen ungefähr zwei Jahre. Zwei problemlose Wochen im Dschungel sind deshalb weder ein Lebensdauertest noch eine definierte Korrosionsprüfung. Sie sind genau das, was Halliwell beschreibt: praktische Nutzung unter widrigen Bedingungen.

    Einordnung

    Das neue WatchPro-Interview macht aus der GG-B100 keine offiziell eingeführte Spezialkräfteuhr. Es dokumentiert aber die Aussage eines unmittelbar Beteiligten, daß Casio die damals neue Mudmaster rund zwei Wochen zu malaysischen Spezialkräften brachte. Das ist substantieller als eine bloße Marketinginszenierung; welchen offiziellen Status die Aktion hatte, bleibt unbelegt.

    Technisch ist der Befund plausibel: Carbon Core Guard, schlammgeschützte Drücker, 20 bar Wasserdichtigkeit und die Materialwahl passen zum beschriebenen Umfeld. Gleichzeitig zeigt die Smartphone-Abhängigkeit einiger erweiterter Funktionen, daß die Eignung der robusten Uhr nicht automatisch auf jede Funktion des Gesamtsystems übertragbar ist.

    Die vielleicht interessanteste Pointe liegt deshalb darin, daß Casio hier kein „MIL-SPEC“ braucht. Der belastbare Kern ist kleiner: Ein Casio-Mitarbeiter wies malaysische Spezialkräfte in die GG-B100 ein, die Uhren wurden zwei Wochen im Dschungel benutzt, und nach seiner Aussage funktionierten sie dort ohne Korrosion oder Fehlfunktion.

    Für eine Mudmaster ist das eigentlich die interessantere Werbung.

    Kleiner Tip zur Suchfunktion:

    Die Eingabe von Operatoren wie OR oder | funktioniert bei unserer Forumsuche nicht.

    Wer nach mehreren Begriffen suchen möchte, von denen mindestens einer vorkommen soll („ODER“-Suche), setzt vor jeden Suchbegriff ein >.

    Beispiel:

    >Hybrid >Leuchtkeramik

    Damit findet die Suche Beiträge mit „Hybrid“ ODER „Leuchtkeramik“.

    Weitere Begriffe lassen sich einfach ergänzen:

    >Hybrid >Leuchtkeramik >Kaugummiautomat

    Das Ganze läßt sich natürlich auch mit den weiteren Suchoptionen, z.B. der Einschränkung auf einen bestimmten Benutzer, kombinieren …


    P.S. Eine nützliche Ergänzung: -Begriff schließt den exakten Suchbegriff aus, -Begriff* zusätzlich alle Wörter, die mit diesem Begriff beginnen.

    Ru_dihat gerade eine Kombination gezeigt, die ziemlich gut erklärt, was Redux mit der SCOUT ursprünglich vorhatte: Automatik, Digitalmodul und Kompaß gemeinsam an einem Band. Jedes Instrument ist 28 Millimeter breit. Drei mal 28 sind 84 Millimeter – und damit ist die SCOUT für mich dann doch etwas groß.

    Tatsächlich ist sie bewußt klein, modular und als Instrumentensystem gedacht. Für die automatische SCOUT nennt Redux 28 x 33 Millimeter, Grade-5-Titan, 12,75 Millimeter Höhe, Seiko NH05, 40 Stunden Gangreserve und 20 ATM; dazu kommen Digital- und Kompaßmodule.

    Vom zu kleinen COURG zur COURG42

    Redux verfolge ich schon wesentlich länger. Mit Elbert Chu bin ich in Kontakt, seit er die erste COURG vorgestellt hatte. Die 39 Millimeter waren mir zu klein, und auf meine Frage nach einer größeren Fassung stellte er irgendwann eine entsprechende Version in Aussicht. In der Wartezeit kamen seine oft eigenwilligen Newsletter weiter.

    Aus dieser Idee wurde später die COURG42. Redux beschreibt den Schritt heute ähnlich: Viele Nutzer hätten nach einer größeren COURG gefragt, bloßes Hochskalieren sei aber zu wenig gewesen. Die zusätzliche Fläche wurde deshalb für eine zweite, innenliegende Drehlünette genutzt. Die fertige COURG42 mißt 42 x 49 Millimeter, ist 12 Millimeter hoch, besteht aus Grade-5-Titan, besitzt zwei Drehlünetten, 20 ATM und ein Miyota 9015 beziehungsweise 90S5 ohne Datum.

    Meine COURG42 ist längst angekommen und macht genau das, was sie soll. Ich bin mit ihr völlig zufrieden. COURG42

    Zwischen dem Versprechen einer größeren COURG und der ausgelieferten Uhr lag allerdings eine Kickstarter-Geschichte, die wesentlich komplizierter verlief.

    Vier Uhren gleichzeitig waren mindestens drei zuviel

    Am 27. April 2021 startete Redux auf Kickstarter nicht eine neue Uhr, sondern gleich vier Modellfamilien: HONNR, VALOR, SCOUT und COURG42. Die Resonanz war enorm. Bis zum 27. Mai kamen 430.916 US-Dollar von 1.104 Unterstützern zusammen; das Finanzierungsziel hatte gerade einmal 10.000 Dollar betragen. Worn & Wound berichtete schon während der Kampagne positiv über die ungewöhnlich preiswert angebotenen Titanmodelle.

    Die Komplexität lag nicht nur in vier Gehäusen. Dazu kamen verschiedene Zifferblätter, Datum oder No-Date, DLC oder Titan, unterschiedliche Werke und bei der SCOUT mehrere Funktionsmodule. Worn & Wound schrieb damals sinngemäß, man habe bei den Varianten irgendwann aufgehört mitzuzählen. Geplante Auslieferung: Dezember 2021.

    Die Warnung stand rückblickend sogar in der Kickstarter-FAQ. Redux hatte zusätzlich einen ENDUR vorbereitet, legte ihn aber auf Eis, weil bereits vier Modelle gleichzeitig das Reward-System überlasteten.

    Im Mai 2024 räumte Redux selbst ein, daß die Entscheidung für vier neue Modelle mit zu vielen Optionen das Projekt unnötig kompliziert und die Verzögerungen vervielfacht habe. Zu diesem Zeitpunkt liefen bei COURG42 und SCOUT noch zusätzliche QA/QC-Arbeiten: zu lange Kronenwellen bei Teilen der COURG42, ungleichmäßige DLC-Beschichtungen, nachzuarbeitende Gewinde an DLC-SCOUT-Gehäuseböden und zuvor korrigierte Sekundenzeiger der analogen SCOUT.

    Das ist ungewöhnlich offene Selbstkritik – und eine ziemlich genaue Erklärung dafür, warum erfolgreiche Finanzierung noch keine erfolgreiche Serienfertigung ist.

    Die Resonanz nach dem Erfolg

    Entsprechend gemischt fiel die spätere öffentliche Resonanz aus: zufriedene Besitzer auf der einen, Berichte über lange Wartezeiten, einzelne Qualitätsprobleme und schwer erreichbaren Support auf der anderen Seite. Daraus läßt sich keine Defektquote ableiten.

    Meine eigene Erfahrung setzt einen anderen Datenpunkt daneben: Die COURG42 hat lange gebraucht, ist aber angekommen, und mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Die Kampagne war deshalb weder glatter Erfolg noch bloßes Scheitern. Das Geld war schnell da. Die Produkte brauchten Jahre.

    Heute stehen HONNR, VALOR, SCOUT und COURG42 tatsächlich im Redux-Programm. Die ursprüngliche Vier-Uhren-Idee ist also materiell geworden – nur wesentlich später als geplant.

    SCOUT: Das interessantere Konzept war immer das System

    Elbert Chu nennt als Ausgangspunkt der SCOUT die Seiko Fieldmaster 1421-0140, auch „Contra“ genannt. Deren Digital- beziehungsweise Kompaßmodul war austauschbar, konnte sich aber lösen. Chu beschreibt, wie ihm bei einer Fahrradfahrt sein Digitalmodul verloren ging; für die SCOUT wollte er dasselbe Grundprinzip so neu bauen, daß das Modul nicht wieder unfreiwillig abgeworfen wird.

    Das System kombiniert analoge Automatik, Digitalanzeige und Kompaß. Die Automatik besitzt Grade-5-Titan, Saphirglas, verschraubte Krone, einseitige Lünette und 20 ATM; das NH05 ermöglicht das kleine Format. Beim Digitalmodul war der Aufwand größer als „Casio-Modul in Titangehäuse“: Redux beschreibt eigene Prototypen, angepaßte Drücker und Piezoelemente sowie den Verzicht auf ein invertiertes Display, weil es aus schrägen Winkeln schlechter ablesbar war.

    Die SCOUT verteilt ihre Funktionen damit auf voneinander unabhängige Instrumente. Fällt die Automatik aus, bleibt der Kompaß ein Kompaß; ist die Digitalbatterie leer, läuft die mechanische Uhr weiter. Dafür muß man entscheiden, welche Module man tatsächlich tragen will.

    Ru_dizeigt, wie die vollständige Kombination am Handgelenk aussieht. Automatik, Digital und Kompaß hintereinander sind technisch schlüssig und optisch ziemlich kompromißlos.

    Rechnerisch bleiben es 84 Millimeter.

    Das Band gehört zur Funktionslogik

    An meiner COURG42 mag ich Redux’ Paratrooper Strap gerade deshalb, weil es dünn ist, als Durchzugsband kaum aufträgt und elastisch nachgibt. Nach dem Einstellen kann der etwas fummelige Verschluß geschlossen bleiben; die Uhr läßt sich einfach über die Hand ziehen.

    Für die vollständige SCOUT-Kombination dürfte ausgerechnet diese Elastizität weniger hilfreich sein. Drei getrennte Gehäuse auf einem gemeinsamen Band sollten sich möglichst wenig gegeneinander bewegen. Redux sieht für die SCOUT ein schwarzes Ballistic-Nylon-G10-Band mit Titanbeschlägen vor – eine formstabilere Lösung.

    Das Paratrooper Strap ist für mich damit ein sehr gutes Band für eine einzelne Uhr, aber nicht unbedingt das richtige für 84 Millimeter SCOUT.

    Fazit

    Die SCOUT ist heute interessanter, weil sie nicht mehr nur aus Renderings und Kickstarter-Versprechen besteht. Besitzer zeigen die Module tatsächlich in Kombination; die lange Entstehungsgeschichte gehört trotzdem dazu.

    Die Kickstarter-Kampagne bewies 2021, daß genügend Menschen die Ideen kaufen wollten. Die folgenden Jahre bewiesen, daß vier neue Uhrenfamilien mit zahlreichen Varianten gleichzeitig für eine kleine Marke etwas anderes sind als vier gute Entwürfe auf einer Kampagnenseite.

    Mit der COURG42 ist der Weg für mich inzwischen abgeschlossen: 39 Millimeter waren zu wenig, 42 passen, die Uhr ist da und gefällt. Bei der SCOUT liegt das Problem genau andersherum. Ein einzelnes 28-Millimeter-Instrument ist mir zu klein.
    Drei davon ergeben 84 Millimeter. Klotzen, nicht kleckern.

    Einordnung

    Technische Angaben und Entwicklungsgeschichte stammen überwiegend von Redux; Kampagnensumme, Unterstützerzahl und ursprünglicher Liefertermin aus Kickstarter und zeitgenössischer Berichterstattung. Die Verzögerungen und genannten QA/QC-Probleme werden aus Redux' eigenem Update von Mai 2024 wiedergegeben. Öffentliche Beschwerden zu Qualität und Support sind individuelle Nutzerberichte und keine repräsentative Fehlerquote.

    Ich stelle mir den EZM Acht-Acht als denjenigen Entwurf vor, bei dem die Sinn-Designabteilung einen sehr guten Einfall hat – und die Marketingabteilung anschließend eine außerordentlich lange Sitzung einberuft.

    Optisch wäre er fast zwangsläufig ein leicht verfremdeter EZM 19. Der reale EZM 19 macht die 4 und die 8 zu seinen dominierenden Ziffern; das paßt zu seinem Konzept mit Vierstundenabschnitten für Stabs- und Einsatzarbeit.

    Beim „Acht-Acht“: An der Vier-Uhr-Position steht ebenfalls eine riesige 8. Damit hat das Blatt unten rechts und unten links zwei monumentale Achten, während die übrigen Stunden weiterhin nur Striche sind.

    Das sähe ungefähr so aus:

    Schwarzes Blatt, perlgestrahltes beziehungsweise tegimentiertes Gehäuse, sehr technische Typographie, zwei verschiedenfarbige Leuchtmassen, unverlierbarer Drehring – also äußerlich vollkommen ernstgemeinter Sinn-Instrumentenbau. Und mitten darin diese beiden Achten, bei denen jeder Betrachter nach etwa 0,8 Sekunden denkt: „Moment mal.“

    Und dann kommt die Vermarktung.

    Hier würde es für Sinn heikel. „EZM 88“ wäre in Deutschland als Produktbezeichnung praktisch verbrannt.
    Und selbst die ausgeschriebene Bezeichnung „Acht-Acht“ rettet es nicht.

    Das ist also das seltene Marketingproblem, bei dem sowohl die Ziffern als auch ihre Aussprache in dasselbe Fettnäpfchen führen.

    Darum stelle ich mir die offizielle Sinn-Pressemitteilung ungefähr so vor:

    EZM XX – Der Einsatzzeitmesser für Achtstundenzyklen

    Komplexe Einsatzlagen verlangen eine klare zeitliche Struktur. Zwei besonders hervorgehobene Achtstundenmarkierungen ermöglichen die intuitive Erfassung wiederkehrender Dienst-, Ruhe- und Übergabeintervalle.

    Die doppelte Hervorhebung der Ziffer 8 ermöglicht die unmittelbare optische Erfassung zweier voneinander unabhängiger Achtstundenintervalle. Dadurch kann der Träger sowohl verstrichene als auch verbleibende Einsatzzeit intuitiv einordnen.

    Auf eine numerische Modellbezeichnung wurde bei diesem Einsatzzeitmesser bewußt verzichtet.

    Und im Katalog stünde vermutlich mit maximaler Frankfurter Sachlichkeit:

    „Die Gestaltung folgt ausschließlich funktionalen Erwägungen.“

    Darunter drei Seiten technische Erläuterung, warum wirklich, wirklich zwei Achten benötigt werden.

    Noch schöner die Pressekonferenz:

    Journalist: „Hat die Uhr eigentlich schon einen Spitznamen?“
    Sinn: „Nein.“
    Journalist: „Aber zwei große Achten …“
    Sinn: „Nein.“
    Journalist: „Im Sinn-Forum heißt sie bereits-“
    Sinn: „Nächste Frage.“

    Interne Projektbezeichnung: Ἄρρητον.


    SCNR

    Hamilton hat eine neue Khaki Field Mechanical vorgestellt. Technisch wäre fast alles gesagt: mechanischer Handaufzug, klassisches Field-Watch-Konzept, Super-LumiNova. Das allein hätte für eine Meldung kaum gereicht. Zum Glück gibt es Marketing.

    hamilton-khaki-field-mechanical-mw4-verpackung-zigarrenetui-scaled.webp

    Anlaß ist Call of Duty: Modern Warfare 4, in dem Captain Price die Sonderedition trägt. Hamilton sieht darin nicht etwa Product Placement, sondern sein “commitment to authentic storytelling”. Authentizität ist hier allerdings ein dehnbarer Begriff: Die militärische Tradition des Herstellers trifft auf die Biographie einer Computerspielfigur und wird anschließend als reale Armbanduhr verkauft. Das zumindest ist konsequent erzählt.

    Mit “READY WHEN YOU GO DARK” bewirbt Hamilton die Super-LumiNova auf Zeigern und Stundenmarkierungen. Als rein mechanische Uhr ohne GNSS, Bluetooth, WLAN oder Mobilfunk ist die Khaki Field im taktischen und nachrichtendienstlichen Sinne hier tatsächlich hervorragend aufgestellt.

    Genauso durchdacht die Verpackung. Die Uhr kommt in einem Lederetui nach dem Vorbild traditioneller Zigarrenbehältnisse. Für Hamilton ist das „“another recognizable element of Captain Price”. Man darf gespannt sein, welche horologische Funktion seine Mutton Chops in der nächsten Sonderedition übernehmen.

    Die eigentliche Uhr muß man deshalb nicht verspotten. Die Khaki Field Mechanical ist eine etablierte mechanische Field Watch, und Hamilton besitzt tatsächlich eine militärische Uhrengeschichte.

    Vielleicht liegt die eigentliche Pointe ohnehin darin, daß Hamilton heute eine rein mechanische Uhr mit Super-LumiNova durch Captain Price erklären muß: Sie sendet nichts, verrät keine Position, braucht keinen Akku und leuchtet im Dunkeln.

    “Ready when you go dark” war eine Khaki Field schon vorher.

    Watches of Espionage hat am 19. September die technischen Daten seiner ersten eigenen Uhrenkooperation veröffentlicht. Die Marathon x W.O.E. Titanium SAR ist auf 200 Stück limitiert, kostet 2.250 US-Dollar und soll ab 24. September bestellbar sein. Die vorläufig genannte Auslieferung im Januar 2027 hängt laut Anbieter noch vom Produktionsablauf in der Schweiz ab.

    Untitleddesign_2927_3b1728c3-d4fc-4777-adb3-bb80a2943683.png?v=1789500504&width=400

    Eine Medienkooperation mit rotem Schriftzug wäre für sich genommen noch kein Thema.
    Hier ändert sich aber die Technik: Die SAR erhält erstmals ein Gehäuse aus Grade-5-Titan, verzichtet auf Datum und Tritiumröhrchen, bekommt eine neue MaraGlo-Ausführung und verwendet mit dem Sellita SW200-2B ein Werk mit 65 Stunden Gangreserve. Noch interessanter ist ein Satz in der Produktbeschreibung: Nach der gemeinsam mit Watches of Espionage erfolgten Entwicklung des Titangehäuses werde Marathon auch eine reguläre GSAR aus Titan mit Tritiumbeleuchtung herausbringen. Die limitierte Uhr ist damit offenbar Vorläufer einer technischen Änderung der Serienbaureihe.

    Eine SAR, aber keine GSAR in Titan

    Die reguläre 41-mm-GSAR besitzt laut Marathon ein Gehäuse aus 316L-Stahl, 14 Millimeter Höhe, 48 Millimeter Hornabstand, Saphirglas, verschraubte Krone, einseitig drehbare 60-Minuten-Lünette und 300 Meter Wasserdichtigkeit. Im Inneren arbeitet ein Sellita SW200-1 mit Datum; Tritiumgasröhrchen an Zeigern und Stundenpositionen sorgen ohne vorherige Lichtladung für Ablesbarkeit im Dunkeln.

    Marathon beschreibt die SAR-Reihe als nach Anforderungen der kanadischen Regierung für professionelle Search-and-Rescue-Einsätze entwickelt und als bei Angehörigen kanadischer und amerikanischer Streitkräfte verwendet.
    Die W.O.E.-Edition ist davon zu trennen: Sie ist eine kommerzielle Kooperation. Watches of Espionage nennt 39 Millimeter Gehäusedurchmesser, 41 Millimeter für die Lünette, 14 Millimeter Höhe und 48 Millimeter über die Hörner. Gehäuse, Boden, Krone, Lünette und Schließe des FKM-Bandes bestehen laut Produktseite aus Grade-5-Titan.

    Titan verändert mehr als die Farbe

    Watches of Espionage spricht gegenüber 316L-Stahl von ungefähr 40 Prozent Gewichtsersparnis. Ein tatsächliches Gesamtgewicht wird derzeit nicht angegeben; die konkrete Ersparnis am Handgelenk läßt sich deshalb noch nicht beziffern.

    Weniger Gehäusegewicht ist bei langer Tragezeit, beim Schwimmen und an Ausrüstung willkommen, während 300 Meter Wasserdichtigkeit, massive Bedienelemente und gebohrte Hörner erhalten bleiben. Geringeres Gewicht bedeutet allerdings nicht automatisch größere Robustheit des Gesamtsystems. Auch die beworbene Oxidschicht macht Kratzer nicht selbstheilend; sie passiviert die Oberfläche, beseitigt aber keine mechanische Beschädigung.

    Interessant ist deshalb vor allem die Kombination: Marathon überträgt die bekannte SAR-Geometrie auf Titan, ohne aus der Uhr ein filigranes Sondermodell zu machen. Falls die angekündigte reguläre Titan-GSAR folgt, dürfte dieser Schritt wichtiger werden als die Limitierung der W.O.E.-Version.

    Der zweite große Sprung steckt im Werk

    Die normale GSAR verwendet derzeit das SW200-1 mit rund 41 Stunden Gangreserve. In der W.O.E.-SAR arbeitet dagegen das SW200-2B ohne Datum und mit 65 Stunden Gangreserve. Sellita beschreibt das SW200-2 Power+ als überarbeitete Weiterentwicklung des SW200-1.

    65 statt rund 41 Stunden vergrößern das Zeitfenster erheblich, in dem eine abgelegte Uhr weiterläuft. Wer sie am Freitag ablegt, hat eine realistische Chance, sie am Montag noch laufend vorzufinden. Watches of Espionage bezeichnet die verwendete Variante außerdem ausdrücklich als echtes Werk ohne Datum. Beim Ziehen der Krone gibt es damit keine funktionslose Datumsposition.

    Gehäusematerial und Werk ändern sich also tatsächlich. Das rechtfertigt die Beschäftigung mit der Uhr eher als Logo, Limitierungsnummer oder Geheimdienstgeschichte.

    Kein Tritium – absichtlich

    Ebenso auffällig ist, was fehlt. Marathon ist gerade für seine Tritiumgasröhrchen bekannt. Die W.O.E.-SAR verzichtet darauf und verwendet applizierte, schwarz eingefaßte Indizes mit einer verbesserten Version von MaraGlo.

    Nach Angaben von Watches of Espionage soll dieses Material in der Helligkeit Super-LumiNova X2 entsprechen und länger nachleuchten. Eine unabhängige Messung liegt nicht vor. Der grundsätzliche Unterschied ist bekannt: MaraGlo muß Licht aufnehmen und gibt diese Energie anschließend mit abnehmender Helligkeit wieder ab; Tritium leuchtet ohne vorherige Aufladung kontinuierlich.

    Dafür altert Tritium von Anfang an. Seine Halbwertszeit liegt bei rund 12,3 Jahren; nach dieser Zeit steht physikalisch nur noch etwa die Hälfte der ursprünglichen Aktivität zur Verfügung, nach rund 25 Jahren ungefähr ein Viertel. Marathon selbst spricht für seine Tritiumbeleuchtung von einer Nutzungsdauer von bis zu 25 Jahren.

    Damit stehen sich zwei unterschiedliche Konzepte gegenüber. Tritium bietet über lange Dunkelphasen Ablesbarkeit ohne vorherige Lichtladung, verliert aber über die Jahre zwangsläufig an Leuchtkraft. MaraGlo muß immer wieder geladen werden und verliert über Stunden zunehmend an Helligkeit, kennt dafür aber keine radioaktive Halbwertszeit.

    Welche Lösung sinnvoller ist, hängt vom Einsatzablauf und vom betrachteten Zeitraum ab. Für lange Phasen ohne jede Lichtexposition spricht viel für Tritium; bei einer über Jahrzehnte genutzten Uhr ist dessen begrenzte Lebensdauer ein realer Nachteil.

    Der sprichwörtliche CIA-Operator mag nach 25 Jahren bereits hinter einem Schreibtisch in Langley sitzen. Die Tritiumröhrchen sind dann jedenfalls schon näher am Ruhestand.

    Da W.O.E. für die angekündigte Serienversion ausdrücklich wieder eine „tritium tube-equipped GSAR“ aus Titan nennt, dürfte der Verzicht spezifisch für die Kooperation sein. Gerade dadurch wird die kommende Serienuhr für manchen interessanter: Sie könnte das leichtere Titangehäuse wieder mit Marathons klassischer Tritiumbeleuchtung verbinden. Ob auch das SW200-2 mit 65 Stunden Gangreserve übernommen wird, sagt die bisherige Ankündigung nicht.

    Vier rote Minuten und ihre Grenzen

    Die ersten vier Minuten der Minuterie sind rot gedruckt. Watches of Espionage erklärt dies mit einem Vier-Minuten-Zeitfenster, das CIA Case Officers bei konspirativen Treffen mit Quellen verwendet hätten. Dazu kommen ein roter W.O.E.-Schriftzug bei sechs Uhr und das Spearhead-Zeichen auf der Krone.

    Das ist zunächst die vom Kooperationspartner erzählte Herkunft der Gestaltung. Vier farblich markierte Minuten können als visuelle Referenz für ein entsprechendes Zeitintervall dienen, mehr nicht. Die Uhr startet keinen Countdown und erzeugt keine Warnung; für andere Intervalle bleibt die 60-Minuten-Lünette.

    Hier zeigt sich ein Unterschied zum Sinn EZM 19. Dort wurde die Anzeigegeometrie gezielt um einen konkreten Arbeitsablauf herum konstruiert. Bei der Marathon markieren vier rote Minuten einen erzählten Anwendungskontext, während die eigentliche Zeitmeßfunktion unverändert bleibt. Das ist nicht nutzlos, aber keine neue Komplikation.

    Die eigentlich interessante Uhr kommt möglicherweise danach

    Die W.O.E.-SAR kostet 2.250 US-Dollar und ist auf 200 Exemplare begrenzt. Eine reguläre 41-mm-GSAR mit Kautschukband steht auf Marathons US-Seite derzeit mit 2.000 US-Dollar. Ein unmittelbarer Preisvergleich ist wegen anderer Ausstattung und Vertriebswege nur eingeschränkt aussagekräftig. Für 250 Dollar Differenz bekommt man zuerst einmal zwei Millimeter Gehäusedurchmesser weniger, dafür aber zumindest Grade-5-Titan, das neue 65-Stunden-Werk und die abweichende Leuchttechnik.

    Für den Einsatzuhrenmarkt ist die angekündigte Serienfortsetzung trotzdem interessanter als die 200 nummerierten Exemplare. Wenn Marathon das Titangehäuse in eine reguläre GSAR überführt, stellen sich die entscheidenden Fragen neu: tatsächliches Gesamtgewicht gegenüber der Stahl-GSAR, Preisaufschlag, Tritiumanordnung, verwendetes Kaliber und dessen Gangreserve. Diese Daten liegen noch nicht vollständig vor.

    Fazit

    Die Marathon x W.O.E. Titanium SAR ist mehr als eine Farb- und Logoedition. Grade-5-Titan, SW200-2B mit 65 Stunden Gangreserve, echtes No-Date-Kaliber und MaraGlo statt Tritium verändern Gewicht, Werk und Ablesekonzept materiell. Nicht jede Änderung ist automatisch eine Verbesserung; gerade bei der „Beleuchtung“ stehen sich zwei unterschiedliche Prioritäten gegenüber.

    Interessanter als die Limitierung auf 200 Stück ist deshalb die angekündigte reguläre Titan-GSAR mit Tritiumröhrchen. Sollte sie auch das neue Werk übernehmen, kämen geringeres Gewicht, Ablesbarkeit ohne vorherige Lichtladung und deutlich mehr Gangreserve zusammen.

    Die limitierte Uhr ist damit vor allem deshalb interessant, weil ihre technische Folge voraussichtlich nicht limitiert bleiben wird.

    Einordnung

    Die Daten der regulären GSAR stammen von Marathon, die Angaben zum SW200-2 Power+ von Sellita. Technische Daten und Gestaltung der Titanium SAR sowie die angekündigte spätere Titan-GSAR stammen derzeit von Watches of Espionage als Kooperationspartner und Verkäufer; eine eigene Marathon-Produktseite war zum Recherchezeitpunkt noch nicht auffindbar. Die Geschichte der vier roten Minuten ist deshalb als Gestaltungserzählung des Kooperationspartners, nicht als unabhängig belegte Einsatzdoktrin behandelt.

    … So sehr ich das Modell Pelagos mag und auch selbst die LHD besitze, …

    In der Summe heißt das für mich:

    • FXD flacher: check
    • FXD feste Bandstege: mit Fremdmarkenbändern kann man den „Zwang“ zu Durchzugsbändern umgehen (die gerade die geringere Bauhöhe wieder ad absurdum führen): check
    • FXD ohne Datum: check für die Pelagos
    • FXD für Spezialkräfte und dann die Krone auf drei Uhr (ich weiß, es sind alle Vollidioten außer mir): check für die Pelagos LHD
    • FXD „nur“ 20 bar druckfest: (wenn ich mal unter 200 Metern, über 200 Metern oder mehr als 200 Meter zu Fuß operieren soll, ist bei den „six Ps“ schon was schiefgelaufen): check

    Also: Eine Pelagos LHD, 200 m wasserdicht und etwa 12,8 mm hoch, mit welchen Bandstegen auch immer, wäre die interessante „Einsatzuhr“ – und ich käme mit Tudor ins Geschäft …