Manchmal braucht eine Uhr sechs Jahre, bis eine Einsatzgeschichte öffentlich wird. Warren Halliwell, Senior Content and Campaign Manager bei Casio UK, hat WatchPro von einem zweiwöchigen Aufenthalt mit malaysischen Spezialkräften im südostasiatischen Dschungel berichtet. Dort sei er gewesen, um Angehörige der Einheit in die Handhabung der damals neuen G-SHOCK Mudmaster GG-B100 einzuweisen und zu beobachten, wie sich die Uhren unter dortigen Bedingungen verhielten. Angehörige des britischen Militärs seien ebenfalls dabei gewesen.
Das ist mehr als die übliche Geschichte von einer Uhr, die für ein paar Fotos mit Soldaten in den Wald getragen wird. Was genau dahinterstand, bleibt allerdings offen: Weder die malaysische Einheit noch die britischen Teilnehmer werden benannt, und eine unabhängige oder amtliche Dokumentation der Aktion ist nicht auffindbar. Ob es sich um eine vom Militär veranlaßte Erprobung, eine Produktschulung mit praktischer Erprobung oder etwas dazwischen handelte, läßt sich aus Halliwells Aussage nicht ableiten.
Zwei Wochen Dschungel
Halliwell beschreibt den Zweck recht konkret: „I was there to train them on the then-new MUDMASTER GG-B100“. Zugleich habe er aus erster Hand sehen können, wie die Uhren unter extremen Bedingungen funktionierten. Zeitlich läßt sich der Aufenthalt auf Anfang 2020 eingrenzen.
Interessanter als das Etikett „Special Forces“ ist seine Beobachtung zur Umgebung. Auf anderer Ausrüstung habe sich im feuchten Dschungel Bewuchs gebildet, der Feuchtigkeit hielt und Korrosion begünstigte. Die G-SHOCKs hätten dagegen weder Korrosion noch Fehlfunktionen gezeigt. Das ist die Aussage eines unmittelbar beteiligten Casio-Mitarbeiters und keine unabhängig dokumentierte Versuchsauswertung – aber ein konkreter Feldbefund.
Und er paßt zur Konstruktion der GG-B100. Ihr 92 Gramm schweres Gehäuse verwendet karbonfaserverstärktes Resin als tragende Struktur. Der Carbon Core Guard schützt das Modul; Filter an den Drückern sollen das Eindringen von Staub und Schlamm verhindern. Dazu kommen Stoßfestigkeit und 20 bar Wasserdichtigkeit.
Für den Dschungel ist daran weniger der Name „Carbon Core Guard“ interessant als die konstruktive Logik: Feuchtigkeit, Schlamm und Schmutz treffen auf Drücker, Dichtungen, Gehäusefugen und unterschiedliche Materialien. Die GG-B100 setzt dem eine weitgehend korrosionsunempfindliche Kunststoffverbundkonstruktion und geschützte Bedienelemente entgegen. Metall verschwindet nicht vollständig aus der Uhr, unter anderem besteht der Boden aus Edelstahl, aber das Konzept paßt ziemlich genau zum beschriebenen Einsatzumfeld.
Robuste Uhr, vernetzte Zusatzfunktionen
Die GG-B100 kombiniert digitalen Kompaß, Höhen-/Luftdruckmesser, Thermometer und Beschleunigungssensor. Diese Funktionen stehen direkt an der Uhr zur Verfügung. Anders sieht es bei Mission Log und Teilen der Standortfunktionen aus: Die Uhr besitzt kein eigenes GNSS, sondern nutzt über Bluetooth GPS-Daten eines Smartphones.
Für eine militärische Einordnung ist diese Trennung wichtiger als die lange Funktionsliste. Die GG-B100 kann als eigenständige Uhr samt Sensorik betrieben werden; wer GPS-basierte Aufzeichnung und entsprechende Standortfunktionen nutzen will, nimmt dagegen Smartphone und Funkverbindung in die Funktionskette auf. Robuste Hardware und taktisch unproblematische Elektronik sind zwei verschiedene Fragen.
Was die malaysischen Soldaten tatsächlich nutzten, sagt Halliwell nicht. Ebensowenig wissen wir, wie viele Uhren verwendet wurden, welche Belastungen vorgegeben waren oder ob Ergebnisse systematisch dokumentiert wurden. Einen Beleg für eine anschließende Beschaffung, offizielle Ausgabe oder militärische Freigabe gibt es bislang ebenfalls nicht.
„Mit malaysischen Spezialkräften im Dschungel verwendet und dort nach Aussage eines Beteiligten ohne Fehlfunktion“ trägt die Quellenlage. Mehr sollte man daraus nicht machen.
Was zwei Wochen beweisen – und was nicht
Gerade in dieser begrenzten Aussage liegt der technische Reiz der Geschichte. Die GG-B100 wurde nicht lediglich mit einer abstrakten Robustheitsbehauptung beworben, sondern offenbar von Soldaten über zwei Wochen in einer Umgebung benutzt, für deren Probleme ihre Konstruktion tatsächlich ausgelegt ist. Halliwells Bericht liefert dazu einen positiven Befund.
Über die Lebensdauer sagt er wenig. Auch die Mudmaster besitzt Dichtungen, Batterie und elektronische Komponenten mit endlicher Lebensdauer; Casio nennt für die CR2025 unter den zugrundegelegten Nutzungsbedingungen ungefähr zwei Jahre. Zwei problemlose Wochen im Dschungel sind deshalb weder ein Lebensdauertest noch eine definierte Korrosionsprüfung. Sie sind genau das, was Halliwell beschreibt: praktische Nutzung unter widrigen Bedingungen.
Einordnung
Das neue WatchPro-Interview macht aus der GG-B100 keine offiziell eingeführte Spezialkräfteuhr. Es dokumentiert aber die Aussage eines unmittelbar Beteiligten, daß Casio die damals neue Mudmaster rund zwei Wochen zu malaysischen Spezialkräften brachte. Das ist substantieller als eine bloße Marketinginszenierung; welchen offiziellen Status die Aktion hatte, bleibt unbelegt.
Technisch ist der Befund plausibel: Carbon Core Guard, schlammgeschützte Drücker, 20 bar Wasserdichtigkeit und die Materialwahl passen zum beschriebenen Umfeld. Gleichzeitig zeigt die Smartphone-Abhängigkeit einiger erweiterter Funktionen, daß die Eignung der robusten Uhr nicht automatisch auf jede Funktion des Gesamtsystems übertragbar ist.
Die vielleicht interessanteste Pointe liegt deshalb darin, daß Casio hier kein „MIL-SPEC“ braucht. Der belastbare Kern ist kleiner: Ein Casio-Mitarbeiter wies malaysische Spezialkräfte in die GG-B100 ein, die Uhren wurden zwei Wochen im Dschungel benutzt, und nach seiner Aussage funktionierten sie dort ohne Korrosion oder Fehlfunktion.
Für eine Mudmaster ist das eigentlich die interessantere Werbung.