Redux SCOUT: Dreimal 28 Millimeter und eine lange Anlaufstrecke

  • Ru_dihat gerade eine Kombination gezeigt, die ziemlich gut erklärt, was Redux mit der SCOUT ursprünglich vorhatte: Automatik, Digitalmodul und Kompaß gemeinsam an einem Band. Jedes Instrument ist 28 Millimeter breit. Drei mal 28 sind 84 Millimeter – und damit ist die SCOUT für mich dann doch etwas groß.

    Tatsächlich ist sie bewußt klein, modular und als Instrumentensystem gedacht. Für die automatische SCOUT nennt Redux 28 x 33 Millimeter, Grade-5-Titan, 12,75 Millimeter Höhe, Seiko NH05, 40 Stunden Gangreserve und 20 ATM; dazu kommen Digital- und Kompaßmodule.

    Vom zu kleinen COURG zur COURG42

    Redux verfolge ich schon wesentlich länger. Mit Elbert Chu bin ich in Kontakt, seit er die erste COURG vorgestellt hatte. Die 39 Millimeter waren mir zu klein, und auf meine Frage nach einer größeren Fassung stellte er irgendwann eine entsprechende Version in Aussicht. In der Wartezeit kamen seine oft eigenwilligen Newsletter weiter.

    Aus dieser Idee wurde später die COURG42. Redux beschreibt den Schritt heute ähnlich: Viele Nutzer hätten nach einer größeren COURG gefragt, bloßes Hochskalieren sei aber zu wenig gewesen. Die zusätzliche Fläche wurde deshalb für eine zweite, innenliegende Drehlünette genutzt. Die fertige COURG42 mißt 42 x 49 Millimeter, ist 12 Millimeter hoch, besteht aus Grade-5-Titan, besitzt zwei Drehlünetten, 20 ATM und ein Miyota 9015 beziehungsweise 90S5 ohne Datum.

    Meine COURG42 ist längst angekommen und macht genau das, was sie soll. Ich bin mit ihr völlig zufrieden. COURG42

    Zwischen dem Versprechen einer größeren COURG und der ausgelieferten Uhr lag allerdings eine Kickstarter-Geschichte, die wesentlich komplizierter verlief.

    Vier Uhren gleichzeitig waren mindestens drei zuviel

    Am 27. April 2021 startete Redux auf Kickstarter nicht eine neue Uhr, sondern gleich vier Modellfamilien: HONNR, VALOR, SCOUT und COURG42. Die Resonanz war enorm. Bis zum 27. Mai kamen 430.916 US-Dollar von 1.104 Unterstützern zusammen; das Finanzierungsziel hatte gerade einmal 10.000 Dollar betragen. Worn & Wound berichtete schon während der Kampagne positiv über die ungewöhnlich preiswert angebotenen Titanmodelle.

    Die Komplexität lag nicht nur in vier Gehäusen. Dazu kamen verschiedene Zifferblätter, Datum oder No-Date, DLC oder Titan, unterschiedliche Werke und bei der SCOUT mehrere Funktionsmodule. Worn & Wound schrieb damals sinngemäß, man habe bei den Varianten irgendwann aufgehört mitzuzählen. Geplante Auslieferung: Dezember 2021.

    Die Warnung stand rückblickend sogar in der Kickstarter-FAQ. Redux hatte zusätzlich einen ENDUR vorbereitet, legte ihn aber auf Eis, weil bereits vier Modelle gleichzeitig das Reward-System überlasteten.

    Im Mai 2024 räumte Redux selbst ein, daß die Entscheidung für vier neue Modelle mit zu vielen Optionen das Projekt unnötig kompliziert und die Verzögerungen vervielfacht habe. Zu diesem Zeitpunkt liefen bei COURG42 und SCOUT noch zusätzliche QA/QC-Arbeiten: zu lange Kronenwellen bei Teilen der COURG42, ungleichmäßige DLC-Beschichtungen, nachzuarbeitende Gewinde an DLC-SCOUT-Gehäuseböden und zuvor korrigierte Sekundenzeiger der analogen SCOUT.

    Das ist ungewöhnlich offene Selbstkritik – und eine ziemlich genaue Erklärung dafür, warum erfolgreiche Finanzierung noch keine erfolgreiche Serienfertigung ist.

    Die Resonanz nach dem Erfolg

    Entsprechend gemischt fiel die spätere öffentliche Resonanz aus: zufriedene Besitzer auf der einen, Berichte über lange Wartezeiten, einzelne Qualitätsprobleme und schwer erreichbaren Support auf der anderen Seite. Daraus läßt sich keine Defektquote ableiten.

    Meine eigene Erfahrung setzt einen anderen Datenpunkt daneben: Die COURG42 hat lange gebraucht, ist aber angekommen, und mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Die Kampagne war deshalb weder glatter Erfolg noch bloßes Scheitern. Das Geld war schnell da. Die Produkte brauchten Jahre.

    Heute stehen HONNR, VALOR, SCOUT und COURG42 tatsächlich im Redux-Programm. Die ursprüngliche Vier-Uhren-Idee ist also materiell geworden – nur wesentlich später als geplant.

    SCOUT: Das interessantere Konzept war immer das System

    Elbert Chu nennt als Ausgangspunkt der SCOUT die Seiko Fieldmaster 1421-0140, auch „Contra“ genannt. Deren Digital- beziehungsweise Kompaßmodul war austauschbar, konnte sich aber lösen. Chu beschreibt, wie ihm bei einer Fahrradfahrt sein Digitalmodul verloren ging; für die SCOUT wollte er dasselbe Grundprinzip so neu bauen, daß das Modul nicht wieder unfreiwillig abgeworfen wird.

    Das System kombiniert analoge Automatik, Digitalanzeige und Kompaß. Die Automatik besitzt Grade-5-Titan, Saphirglas, verschraubte Krone, einseitige Lünette und 20 ATM; das NH05 ermöglicht das kleine Format. Beim Digitalmodul war der Aufwand größer als „Casio-Modul in Titangehäuse“: Redux beschreibt eigene Prototypen, angepaßte Drücker und Piezoelemente sowie den Verzicht auf ein invertiertes Display, weil es aus schrägen Winkeln schlechter ablesbar war.

    Die SCOUT verteilt ihre Funktionen damit auf voneinander unabhängige Instrumente. Fällt die Automatik aus, bleibt der Kompaß ein Kompaß; ist die Digitalbatterie leer, läuft die mechanische Uhr weiter. Dafür muß man entscheiden, welche Module man tatsächlich tragen will.

    Ru_dizeigt, wie die vollständige Kombination am Handgelenk aussieht. Automatik, Digital und Kompaß hintereinander sind technisch schlüssig und optisch ziemlich kompromißlos.

    Rechnerisch bleiben es 84 Millimeter.

    Das Band gehört zur Funktionslogik

    An meiner COURG42 mag ich Redux’ Paratrooper Strap gerade deshalb, weil es dünn ist, als Durchzugsband kaum aufträgt und elastisch nachgibt. Nach dem Einstellen kann der etwas fummelige Verschluß geschlossen bleiben; die Uhr läßt sich einfach über die Hand ziehen.

    Für die vollständige SCOUT-Kombination dürfte ausgerechnet diese Elastizität weniger hilfreich sein. Drei getrennte Gehäuse auf einem gemeinsamen Band sollten sich möglichst wenig gegeneinander bewegen. Redux sieht für die SCOUT ein schwarzes Ballistic-Nylon-G10-Band mit Titanbeschlägen vor – eine formstabilere Lösung.

    Das Paratrooper Strap ist für mich damit ein sehr gutes Band für eine einzelne Uhr, aber nicht unbedingt das richtige für 84 Millimeter SCOUT.

    Fazit

    Die SCOUT ist heute interessanter, weil sie nicht mehr nur aus Renderings und Kickstarter-Versprechen besteht. Besitzer zeigen die Module tatsächlich in Kombination; die lange Entstehungsgeschichte gehört trotzdem dazu.

    Die Kickstarter-Kampagne bewies 2021, daß genügend Menschen die Ideen kaufen wollten. Die folgenden Jahre bewiesen, daß vier neue Uhrenfamilien mit zahlreichen Varianten gleichzeitig für eine kleine Marke etwas anderes sind als vier gute Entwürfe auf einer Kampagnenseite.

    Mit der COURG42 ist der Weg für mich inzwischen abgeschlossen: 39 Millimeter waren zu wenig, 42 passen, die Uhr ist da und gefällt. Bei der SCOUT liegt das Problem genau andersherum. Ein einzelnes 28-Millimeter-Instrument ist mir zu klein.
    Drei davon ergeben 84 Millimeter. Klotzen, nicht kleckern.

    Einordnung

    Technische Angaben und Entwicklungsgeschichte stammen überwiegend von Redux; Kampagnensumme, Unterstützerzahl und ursprünglicher Liefertermin aus Kickstarter und zeitgenössischer Berichterstattung. Die Verzögerungen und genannten QA/QC-Probleme werden aus Redux' eigenem Update von Mai 2024 wiedergegeben. Öffentliche Beschwerden zu Qualität und Support sind individuelle Nutzerberichte und keine repräsentative Fehlerquote.

    Ist es möglich, daß ich Gott bin?
    Auch ich bin jeden Sonntag fertig mit der Welt.

    7 Mal editiert, zuletzt von Watch the watchmen (26. September 2026 um 20:24)

  • Wieder einmal gebührt dir Dank für eine tolle Vorstellung !: like

    Ich war jetzt auch schon ein paar mal auf der Seite von REDUX und mir gefällt die Honnr A-9 richtig gut !

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