Beiträge von Watch the watchmen

    Watches of Espionage hat am 17. September eine Tudor Pelagos FXD vorgestellt, die für gegenwärtige und ehemalige Angehörige des Maritime Security Response Team West (MSRT-W) der US Coast Guard angefertigt wurde.

    Das ist redaktionell interessanter als eine übliche militärisch inspirierte Sonderedition: Nach Darstellung des Magazins entstand eine Serie von 28 nummerierten Uhren über Tudors Unit-Watch-Programm. Zugleich enthält der Bericht ausdrücklich den Hinweis, daß die Darstellung weder als Position noch als Empfehlung der US Coast Guard zu verstehen ist.

    Damit ist die erste Trennung wichtig: Die Uhr ist für Angehörige einer realen Einsatzorganisation entstanden und wird nach Angaben des Organisators von Berechtigten privat bestellt. Das ist eine Unit Watch. Für die Einordnung, gerade auch des Sammlerwerts, genügt die Feststellung, daß eine offizielle Coast-Guard-Beschaffung oder dienstliche Ausgabe damit nicht belegt ist.

    MSRT-W ist keine erfundene Kulisse

    Die Einheit selbst läßt sich sauber einordnen. Die Coast Guard führt Maritime Security Response Teams als Deployable Specialized Forces für erhöhtes Risiko bei Strafverfolgungs- und Antiterroroperationen. MSRT-West wurde 2017 offiziell aus MSST-91109 gebildet. Noch im August 2026 nahm die Einheit an PANAMAX 2026 teil; die Coast Guard dokumentiert gemeinsame Übungen und maritime Interdiction- beziehungsweise Boarding-Ausbildung mit internationalen Partnern. Im März trainierte MSRT-W außerdem Hubschrauberinsertionen mit MARSOC.

    Der militärisch-taktische Bezug der Sonderausführung muß deshalb nicht aus einem Logo hergeleitet werden. Die Frage ist vielmehr, wie die Uhr zur Einheit kam.

    Privat organisiert, vom Hersteller umgesetzt

    Watches of Espionage stützt seine Darstellung auf den Organisator des Projekts, einen Coast-Guard-Veteranen mit 30 Dienstjahren, der im Artikel nur als „MC“ anonymisiert wird. Er habe zunächst innerhalb der Einheit Interesse abgefragt und sei dann über einen Tudor-Händler in Colorado mit dem internen Unit-Watch-Team der Marke in Verbindung getreten. Tudor habe das Projekt geprüft; vom ersten Kontakt bis zur Auslieferung sei ungefähr ein Jahr vergangen.

    Bestellberechtigt waren dem Bericht zufolge aktive Angehörige von MSRT-W sowie frühere Angehörige, die ehrenhaft ausgeschieden waren. Der Organisator führte und prüfte die Liste. Die Serie umfaßt 28 einzeln nummerierte Exemplare.

    Das ist mehr als eine beliebige Custom-Uhr mit nachträglich bedrucktem Zifferblatt: definierter Benutzerkreis, vom Hersteller geprüfter Zugang und eine kleine, nummerierte Serie. Für Sammler ist diese Provenienz interessanter als irgendein militärisches Motiv auf einer frei verkäuflichen Uhr.

    Die Sinn-Parallele: K212 ist nicht 212 KSK

    Für Leser des Sinn-Uhrenforums liegt ein Vergleich nahe. Zum 20jährigen Bestehen des Kommando Spezialkräfte entwickelte die Gemeinschaft Deutscher Kommandosoldaten e.V. 2016 gemeinsam mit Sinn die „K212 Kommando Spezialkräfte“. Sinn dokumentiert sie als auf 70 Stück limitierte, nicht frei verkäufliche Sonderedition ausschließlich für Mitglieder des KSK.

    (Davon zu unterscheiden ist die 212 KSK. Sie war die auf 300 Stück limitierte, frei verkäufliche Variante, deren Gestaltung sich an die K212 anlehnte. Gerade bei der Sammlereinordnung ist diese Unterscheidung wesentlich: Wer von „der KSK-Uhr“ spricht, kann zwei Uhren mit ähnlicher Gestaltung, aber grundverschiedener Zugänglichkeit meinen.)

    Die MSRT-W-Pelagos folgt eher der Entstehungslogik der K212 als jener der 212 KSK: Ein definierter Kreis aus der Einheit stößt ein Projekt an, der Hersteller setzt eine begrenzte Sonderausführung um, und der Zugang hängt an der Zugehörigkeit beziehungsweise früheren Zugehörigkeit zur Einheit. Mehr Gleichsetzung wäre aber falsch; die organisatorischen und rechtlichen Hintergründe sind verschieden.

    Die Basisuhr paßt ungewöhnlich gut zum Zweck

    Technisch ist die Wahl der Pelagos FXD nachvollziehbar. Die reguläre schwarze Referenz M25717N-0001 besitzt ein 42 Millimeter großes Titangehäuse, fixierte Bandstege, Saphirglas, 200 Meter Wasserdichtigkeit und eine einseitig drehbare 60-Minuten-Lünette. Das automatische Tudor-Kaliber MT5602 ist COSC-zertifiziert und bietet ungefähr 70 Stunden Gangreserve.

    Die fixierten Bandstege sind dabei mehr als Gestaltung. Bei der FXD sind die Stege Bestandteil des Gehäuses; verwendet werden entsprechend Durchzugsbänder. Eine mögliche Schwachstelle fällt damit weg. Gerade bei Klettern, Abseilen, Fast-Roping, Boarding oder Arbeit an Ausrüstung kann das ein plausibler konstruktiver Vorteil sein, ohne daraus eine Unverlierbarkeitsgarantie zu machen: Band, Schließe und Material bleiben Teile des Gesamtsystems.

    Auch die einseitig drehbare Lünette ist für die Messung von Zeitintervallen unmittelbar brauchbar. Anders als die blaue, für Unterwassernavigation entwickelte ursprüngliche Pelagos FXD besitzt die schwarze US-Navy-inspirierte Version eine klassische Lünette für verstrichene Zeit und entspricht laut Tudor ISO 6425:2018. Die Unit Watch erfindet also keine neue Einsatzfunktion. Sie nimmt eine bereits auf robuste maritime Nutzung ausgelegte Serienuhr und versieht sie mit einer Einheitsidentität.

    Auffällig unauffällig

    Die eigentliche Sonderausführung bleibt entsprechend zurückhaltend. Nach dem Bericht steht der vollständige Einheitsname bei sechs Uhr schwarz auf schwarz auf dem Zifferblatt und ist aus der Entfernung kaum zu erkennen. Auf dem Gehäuseboden befinden sich Einheitsabzeichen, das Motto „Nox Noctis est Nostri“ sowie die individuelle Nummer innerhalb der 28er-Serie.

    Das ist gestalterisch konsequenter als ein großes farbiges Verbandswappen auf dem Zifferblatt. Für die Zeitablesung bleibt die serienmäßige Kontrastlogik weitgehend unangetastet; die Zugehörigkeit ist vorhanden, drängt sich aber nicht vor die Funktion. Gerade bei einer Uhr, die laut Organisator im Dienst getragen werden soll, ist das die interessantere Lösung.

    Was „im Dienst getragen“ tatsächlich sagt

    Watches of Espionage zeigt und beschreibt Angehörige von MSRT-W beim Training mit der Uhr und berichtet, daß mehrere Exemplare bereits auf Einsätze gingen. Damit ist die Uhr jedenfalls nicht bloß ein Erinnerungsstück, das nach der Übergabe in einer Box verschwindet.

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    Für die redaktionelle Bewertung ist das der interessantere Befund: Eine Unit Watch kann aus privater Initiative entstehen und trotzdem im realen beruflichen Umfeld getragen werden. Die beiden Aussagen widersprechen einander nicht.

    Fazit

    Die Tudor Pelagos FXD für MSRT-West ist keine frei erfundene „Special Forces Edition“ für den Handel, sondern eine kleine, zugangsbeschränkte Serie für aktive und ehemalige Angehörige einer realen taktischen Coast-Guard-Einheit. Nach der öffentlich vorliegenden Darstellung wurde das Projekt von einem Angehörigen beziehungsweise Veteranen initiiert, über Tudors Unit-Watch-Struktur umgesetzt und von den einzelnen Berechtigten bestellt.

    Technisch bringt die Sonderausführung gegenüber der regulären Pelagos FXD keine neue Fähigkeit. Ihre Relevanz liegt in der Kombination aus einer für harte maritime Nutzung plausibel konstruierten Werkzeuguhr, einem tatsächlich definierten Benutzerkreis und einer nachvollziehbaren Entstehungsgeschichte.

    Die Gravur macht hier also nicht aus einer zivilen Uhr plötzlich militärische Ausrüstung. Interessanter ist das Gegenteil: Die Benutzer waren schon da, bevor ihr Name auf dem Zifferblatt stand.

    Einordnung

    Die technischen Daten der Pelagos FXD stammen aus der Herstellerdokumentation. Die Existenz und Aufgabe von MSRT-West sowie aktuelle Übungen der Einheit sind durch Veröffentlichungen der US Coast Guard und DVIDS belegt.

    Die Entstehung der 28 Exemplare, Bestellberechtigung, Projektlaufzeit, Gestaltung und Aussagen zur Nutzung beruhen im Kern auf dem Bericht von Watches of Espionage und dessen Gespräch mit dem anonymisierten Organisator. Die Angaben zur K212 Kommando Spezialkräfte und zur frei verkäuflichen 212 KSK stammen aus Sinns eigener Dokumentation.

    Wenn Du den internen Link

    nicht: https://sinn-uhrenforum.de/forum/thread/30136-unterrichtsstunde-zu-unserem-forum/

    sondern: https://www.sinn-uhrenforum.de/forum/thread/30136-unterrichtsstunde-zu-unserem-forum/

    schreibst, rendert ihn die Forumssoftware als externen Link .

    Nicht praktisch, aber's funktioniert — außer, wenn Dir auf'm Touchscreen

    >externer Link:<-
    Sinn-Uhrenforum

    die Markierung verrutscht (aber das ist wieder eine andere Baustelle …).

    Da ich mich gerade damit befasse, wie mit vertretbarem Aufwand Texte als Forumsbeitrag zu formatieren sind:

    ergibt:

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    Zitat

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    Großer Text

    Roter Text

    • Punkt eins
    • Punkt zwei

    Bulova bringt mit der A-11 Jimmy eine neue mechanische Field Watch, deren Herkunft ungewöhnlich konkret ist.

    Die historischen A-11 waren keine Uhren, denen nachträglich ein militärisches Image angeheftet wurde. A-11 bezeichnete eine US-amerikanische militärische Spezifikation des Zweiten Weltkriegs; Bulova gehörte neben Elgin und Waltham zu den Herstellern entsprechender Uhren.

    Die neue Referenz 96A354 greift schwarzes Zifferblatt, weiße arabische Ziffern, deutlich abgesetzte Minuterie, zentrale Sekunde und gerändelte Gehäuseelemente wieder auf. Das 37-Millimeter-Edelstahlgehäuse enthält ein automatisches Miyota 9039 mit Sekundenstopp und rund 42 Stunden Gangreserve. Dazu kommen 50 Meter Wasserdichtigkeit und ein beiges Textilband. Bulova nennt die Uhr auf seiner amerikanischen Produktseite eine „perfect recreation of a timekeeping icon“.

    Die militärische Geschichte stimmt. „Perfekte Reproduktion“ ist trotzdem etwas anderes.

    A-11 war eine Spezifikation, nicht bloß ein Modellname

    Der historische Kern läßt sich unabhängig von Bulovas heutiger Werbung belegen. Das National WWII Museum beschreibt die A-11 als eine der gebräuchlichen militärischen Armbanduhren des Zweiten Weltkriegs und weist auf den entscheidenden begrifflichen Unterschied hin: A-11 war ursprünglich die Bezeichnung einer Spezifikation, nicht der Eigenname einer einzelnen Uhr.

    Erhaltene Bulova-Exemplare tragen Kennzeichnungen wie „TYPE A-11“ sowie Spezifikations-, Serien-, Teile- und Auftragsnummern. Dokumentierte Exemplare besitzen ungefähr 32 Millimeter große Gehäuse und Bulovas Handaufzugswerk 10AKCSH mit zentraler Sekunde und Sekundenstopp. Die Verbindung zwischen Bulova und militärisch beschafften A-11-Uhren ist also keine nachträglich konstruierte Heritage-Erzählung.

    Interessanter ist, was davon die neue Uhr funktional übernimmt.

    Der Sekundenstopp ist mehr als historische Dekoration

    Die wichtigste übernommene Funktionsidee steckt im Begriff „Hack Watch“. Beim Ziehen der Krone bleibt der Sekundenzeiger stehen. Mehrere Uhren lassen sich dadurch präzise auf dieselbe Referenzzeit stellen.

    Heute ist ein Sekundenstopp bei mechanischen Werken alltäglich. Bei der ursprünglichen A-11 gehörte er zur Werkzeuglogik: Eine gut ablesbare Uhr sollte sich kontrolliert mit einer gemeinsamen Zeitreferenz abgleichen lassen. Das Miyota 9039 der neuen Bulova beherrscht genau diese Funktion; hinzu kommen Automatikaufzug, Handaufzugsmöglichkeit und rund 42 Stunden Gangreserve.

    Bulova reproduziert also nicht das historische Werk, wohl aber einen seiner für den damaligen Gebrauch wesentlichen Bedienvorgänge. Das ist die sinnvollere Form von Heritage: nicht dieselbe Technik um jeden Preis, sondern dieselbe Funktion dort, wo sie noch einen Zweck hat.

    Die neue A-11 ist deutlich moderner, als sie aussieht

    Beim Gehäuse endet die Reproduktion schnell. Historische Bulova-A-11 sind mit ungefähr 32 Millimetern dokumentiert; die neue Uhr mißt 37 Millimeter. Aus dem historischen Handaufzugskaliber wird ein modernes Automatikwerk, dazu kommen moderne Leuchtmasse und 50 Meter Wasserdichtigkeit.

    Letzteres macht die Uhr alltagstauglicher als ein empfindliches Original aus den vierziger Jahren, aber nicht zu einer besonders wasserfesten modernen Werkzeuguhr. Für eine Field Watch sind 5 bar brauchbar; aus der militärischen Herkunft sollte man keine darüber hinausgehende Robustheit ableiten.

    Beim Glas widerspricht Bulova sich selbst

    Ausgerechnet bei einem einfachen technischen Bauteil wird die Quellenlage kompliziert. Die englischsprachige US-Produktseite der Referenz 96A354 nennt ein doppelt gewölbtes Mineralglas. Die spanischsprachige Fassung derselben offiziellen Bulova-Produktseite nennt dagegen gewölbtes Saphirglas mit Antireflexbeschichtung. Auch aktuelle Fachberichte beschreiben die Uhr mit Saphirglas.

    Welche Angabe stimmt, läßt sich aus den öffentlich zugänglichen Herstellerseiten derzeit nicht zweifelsfrei bestimmen. Das ist praktisch nicht belanglos, weil Saphir- und Mineralglas sich insbesondere bei Kratzfestigkeit und Bruchverhalten unterscheiden. Vor allem zeigt es, daß selbst eine einfache technische Herstellerangabe überprüft werden sollte, wenn die Primärquelle sich selbst widerspricht..

    Historische Gravuren sind keine neue Beschaffung

    Der Gehäuseboden übernimmt die Optik historischer militärischer Kennzeichnungen. Bei Originalen hatten Spezifikations-, Teile-, Serien- und Auftragsangaben einen administrativen Zweck: Sie gehörten zu tatsächlich für staatliche Stellen gefertigten Uhren. Bei der neuen A-11 Jimmy sind solche Markierungen historische Gestaltung.

    Für eine aktuelle militärische Beschaffung oder Ausgabe der Referenz 96A354 werden sich dagegen wohl keine Quellen finden lassen. Bulova präsentiert sie als historisch inspirierte Field Watch für den heutigen Markt, nicht als neue Dienstuhr. Die Neuauflage wird zusätzlich mit „Jimmy“, einem Film über James Stewart, verbunden, der im Zweiten Weltkrieg als Pilot diente.

    Diese Ebenen sollte man nicht vermischen. Bulova hat tatsächlich A-11-Uhren für militärische Zwecke gefertigt. James Stewarts militärische Laufbahn ist real. Beides macht die heutige 96A354 nicht zur Issue Watch.

    Was von der alten Werkzeuglogik übrigbleibt

    Am Handgelenk ist die interessanteste Eigenschaft der neuen A-11 nicht die Gravur auf der Rückseite, sondern die Einfachheit auf der Vorderseite. Drei Zeiger, keine Datumsanzeige, große arabische Ziffern, klar gezeichnete Minuterie und ein Sekundenzeiger, der sich zum Stellen anhalten läßt: Stunden, Minuten und Sekunden sind unmittelbar vorhanden, und die Uhr läßt sich präzise mit einer Referenzzeit abgleichen.

    Dazu kommt moderne Super-LumiNova an Zeigern und Markierungen. Auch hier ist die neue Uhr funktionale Übersetzung statt exakter Kopie. Originales Werk, originales Glas und historisches Leuchtmittel wären authentischer – als täglich benutzte Werkzeuguhr aber nicht automatisch besser.

    Wo die „perfekte Reproduktion“ endet

    Die A-11 Jimmy besitzt gegenüber vielen Uhren mit militärischem Marketing einen Vorteil: Ihre Herkunft muß nicht aus einer Kooperation, einem Tarnfarbton oder einem Foto am Handgelenk irgendeines Soldaten konstruiert werden. Bulova war tatsächlich Hersteller militärischer A-11-Uhren.

    Gerade deshalb braucht die Neuauflage keine Übertreibung. 37 statt ungefähr 32 Millimeter, Automatik statt historischem Handaufzug, moderne Leuchtmasse, 50 Meter Wasserdichtigkeit und eine derzeit sogar widersprüchlich dokumentierte Glasausführung sind Anpassungen an eine heutige Uhr. Zifferblattprinzip und Sekundenstopp bleiben funktional nachvollziehbar; die militärischen Gravuren sind Reproduktion.

    „Perfect recreation“ beschreibt diese Mischung schlechter als „moderne Interpretation“.

    Fazit

    Die Bulova A-11 Jimmy ist keine moderne Militäruhr, deren Einsatzgeschichte erst durch Marketing erzeugt werden muß. Ihr Vorbild war tatsächlich militärisches Gerät, und Bulova gehörte zu dessen Herstellern.

    Die neue Uhr übernimmt davon vor allem die richtige Seite: klare Ablesbarkeit, zentrale Sekunde und Sekundenstopp. Gleichzeitig macht sie daraus eine 37 Millimeter große automatische Field Watch für den heutigen Käufer. Das ist technisch vernünftiger als historische Reinheit um ihrer selbst willen.

    Problematischer ist die Genauigkeit der Darstellung. Eine „perfekte Reproduktion“ ist die 96A354 erkennbar nicht. Und solange Bulovas eigene Produktseiten sich nicht einmal darüber einig sind, ob über dem Zifferblatt Mineral- oder Saphirglas sitzt, sollte man auch bei den modernen Spezifikationen genauer hinsehen.

    Die alte A-11 mußte Soldaten auf dieselbe Zeit bringen. Bei der neuen wäre es fürs erste schon hilfreich, wenn Bulovas Produktseiten auf dieselbe Spezifikation kämen.

    Squale hat am 15. September gemeinsam mit DRASS Galeazzi die Galeazzi Artiglio vorgestellt.

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    Die auf 500 Exemplare limitierte mechanische Taucheruhr verbindet ein 39,5-Millimeter-Gehäuse mit einer vom Hersteller angegebenen Wasserdichtigkeit von 600 Metern, einem ETA 2824-2 Elaboré und einem Detail, das zunächst beinahe widersprüchlich wirkt: Bei sechs Uhr sitzt ein Wet Indicator, der Feuchtigkeit im Gehäuse sichtbar machen soll.

    Eine Taucheruhr für 600 Meter, die anzeigt, wenn sie naß geworden ist?
    Gerade darin steckt der interessante Teil.

    600 Meter sind eine Eigenschaft – der Wet Indicator ist eine Zustandsanzeige

    Der Wet Indicator setzt dort ein, wo die Abdichtung nicht mehr das getan hat, was sie tun sollte.
    Squale bezeichnet ihn als Wiederbelebung historischer Wet-Indicator-Technik. Beschrieben wird ein interner Feuchtigkeitsindikator, der seine Farbe verändert, sobald Feuchtigkeit ins Gehäuse gelangt. Details zu Indikatorchemie, Ansprechschwelle und Farbwechsel veröffentlicht Squale derzeit nicht.

    Die Grundidee ist eindeutig: Die 600-Meter-Angabe beschreibt, welchem äußeren Wasserdruck das intakte Gehäuse widerstehen soll. Der Wet Indicator zeigt dagegen an, ob sich Feuchtigkeit dort befindet, wo sie nicht hingehört.
    Das eine ist Konstruktionsangabe.
    Das andere Warnung.

    Der Wet Indicator war ursprünglich kein nostalgisches Zifferblattdetail

    Bei militärischen Taucheruhren der fünfziger Jahre war eine Feuchtigkeitsanzeige nicht bloß ein hübsches Erkennungsmerkmal. Die Entwurfsanforderungen der US Navy für eine submersible wrist watch von 1955 verlangten ausdrücklich einen sichtbaren Moisture Indicator. Blancpain beschreibt, daß daraus die bekannte zweifarbige Anzeige der Fifty Fathoms MIL-SPEC entstand.

    Der Grund wird verständlich, wenn man den damaligen Nutzerablauf betrachtet. Eine Taucheruhr war nicht unbedingt persönlicher Besitz des Tauchers. Sie konnte zusammen mit anderer Ausrüstung vor einem Einsatz ausgegeben und anschließend zurückgegeben werden. Der nächste Benutzer wußte damit nicht zwangsläufig, wie die Uhr beim vorherigen Einsatz behandelt worden war.
    Der Feuchtigkeitsindikator beantwortete deshalb eine einfache Frage: Ist Feuchtigkeit in dieser Uhr, bevor ich mich bei der Zeitmessung unter Wasser auf sie verlasse?

    Das ist keine nostalgische Komplikation. Das ist Zustandskontrolle.

    Historisch passend – aber nicht eigentlich Galeazzi-Technik

    Die Galeazzi Artiglio erscheint zum hundertsten Jahrestag eines Patents von Roberto Galeazzi aus dem Jahr 1926 für eine druckfeste sphärische Struktur für Unterwasseranwendungen. Squale und DRASS Galeazzi erzählen dazu die Geschichte Galeazzis, der Bergungsunternehmen mit der Artiglio und der Entwicklung technischer Systeme für große Tiefen.

    Name und Jubiläum haben damit einen realen historischen Bezug. Für den Wet Indicator dokumentiert Squale dagegen keinen direkten Ursprung bei Galeazzi. Die Technik gehört vielmehr zur späteren Geschichte professioneller und insbesondere militärischer Taucheruhren.

    Squale hat also nicht einfach ein historisches Logo aufs Zifferblatt gedruckt, sondern ein altes Funktionsprinzip aus derselben technischen Welt wieder aufgenommen. Man sollte nur nicht aus zwei passenden Geschichten automatisch eine einzige machen.

    Erstaunlich kompakt für 600 Meter

    Das Gehäuse aus 316L-Edelstahl mißt 39,5 Millimeter im Durchmesser, 47 Millimeter über die Bandanstöße und 12,6 Millimeter in der Höhe beziehungsweise 13,2 Millimeter einschließlich Saphirglas. Squale gibt 60 ATM beziehungsweise 600 Meter Wasserdichtigkeit an; Krone und Gehäuseboden sind verschraubt.
    Damit steckt die erhebliche Druckfestigkeitsangabe nicht in einem Gehäuse, das schon optisch als Tauchgewicht durchginge.

    Die einseitig drehbare Lünette besitzt einen K1-Glaseinsatz. Zeiger und Indizes tragen Super-LumiNova BGW9; der orange Minutenzeiger hebt die für die Zeitkontrolle entscheidende Anzeige hervor. Konventionelle Taucheruhrenlogik – und daran ist nichts auszusetzen.

    Das ETA 2824-2 ist hier wohltuend unspektakulär

    Im Inneren arbeitet ein ETA 2824-2 No Date in Elaboré-Ausführung mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und 42 Stunden Gangreserve.
    Das gewinnt keinen Wettbewerb um die längste Gangreserve und liefert dem Marketing keine aufregende Kaliberbezeichnung. Für eine mechanische Werkzeuguhr kann genau das ein Vorteil sein: Das 2824-2 ist seit Jahrzehnten bekannt und muß hier vor allem zuverlässig Stunden, Minuten und Sekunden liefern.

    Bei rund 1.890 Euro kann man fragen, ob 42 Stunden Gangreserve im Jahr 2026 besonders beeindruckend sind.
    Beeindruckend sind sie nicht — für die Funktion der Uhr sind sie aber auch nicht der interessante Punkt.

    Braucht man 2026 überhaupt noch einen Wet Indicator?

    Nicht in derselben Weise wie ein militärischer Taucher der fünfziger Jahre.
    Eine privat getragene Uhr wechselt nicht ständig den Benutzer, und moderne Taucher verwenden elektronische Instrumente; die mechanische Armbanduhr ist eher Rückfallebene als zentrale Tauchcomputerplattform. Damit verliert der historische Anwendungsfall an Bedeutung.

    Die Funktion verschwindet dadurch nicht. Dichtungen altern, Kronen können falsch bedient werden, nach einem Eingriff kann eine Dichtung fehlerhaft sitzen. Gelangt anschließend Feuchtigkeit ins Gehäuse, ist ein sichtbarer Indikator eine brauchbare Information.
    Allerdings muß man genau sagen, was er leistet: Der Wet Indicator erkennt keinen bevorstehenden Defekt. Wenn er reagiert, ist Feuchtigkeit bereits dort angekommen, wo sie nicht sein sollte.

    Gerade deshalb paßt er zu einer mechanischen Werkzeuguhr: kein Menü, kein Sensorwert, keine Batterie, keine Bluetooth-Verbindung. Nur eine sichtbare Zustandsinformation.

    Und die 600 Meter?

    Für fast jeden Käufer sind 600 Meter konstruktive Reserve und kein realistisches Reiseziel des Handgelenks. Interessanter ist die Kombination aus kompakten Abmessungen, verschraubter Konstruktion, Taucherlünette, gut erkennbarer Minutenanzeige und Feuchtigkeitsindikator.

    Die 600-Meter-Angabe stammt von Squale. Einen unabhängigen Druckprüfbericht für das konkrete Serienmodell habe ich nicht gefunden. Auch die genaue Auslegung und Ansprechcharakteristik des Wet Indicators beschreibt Squale öffentlich nur begrenzt.

    Und dann gibt es noch Sinn

    Wer sich, das soll hier vereinzelt vorkommen, länger mit deutschen Einsatzuhren beschäftigt, wird beim Wet Indicator zwangsläufig an Sinn denken – dort wird das Feuchtigkeitsproblem von der entgegengesetzten Seite angegangen.

    Die Ar-Trockenhaltetechnik muß ich hier kaum erklären. Interessant ist der Gegensatz: Squale zeigt an, wenn Feuchtigkeit im Gehäuse angekommen ist; Sinn versucht mit Trockenkapsel, Schutzgasfüllung und EDR-Dichtungen, Feuchtigkeit möglichst gar nicht erst zum Problem werden zu lassen.

    Der Wet Indicator ist damit vor allem Zustandsanzeige nach dem Eindringen von Feuchtigkeit, während Sinn präventives Feuchtigkeitsmanagement betreibt. Zwei Antworten auf dasselbe Problem – aber an unterschiedlichen Punkten der Ereigniskette.

    Fazit

    Die Galeazzi Artiglio ist natürlich eine limitierte Jubiläumsuhr. Sie besitzt historische Logos, eine Sammlermedaille und ausreichend Geschichte für mehrere Seiten Marketingtext. Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Heritage-Modellen sitzt aber bei sechs Uhr: Der Wet Indicator ist keine Simulation einer historischen Funktion und kein aufgedrucktes militärisches Symbol. Er soll tatsächlich anzeigen, wenn Feuchtigkeit ins Gehäuse eingedrungen ist.
    Sein praktischer Wert ist heute kleiner als bei einer aus einem militärischen Gerätepool ausgegebenen Taucheruhr der fünfziger Jahre – aber er ist nicht null.
    Der Vergleich mit Sinn zeigt zugleich seine Grenze: Man kann Feuchtigkeit anzeigen, nachdem sie zum Problem geworden ist. Man kann aber auch versuchen, sie vorher möglichst konsequent aus dem System herauszuhalten.

    Vor allem zwingt die Artiglio zu einer interessanten Unterscheidung: Wasserdichtigkeit ist kein ewiger Zustand einer Uhr, sondern hängt von Dichtungen, Montage und Zustand des Gehäuses ab.
    Eine 600-Meter-Uhr mit Feuchtigkeitsanzeige ist deshalb weniger widersprüchlich, als es für Leser außerhalb des Sinn-Kosmos zunächst klingen mag. Die eine Zahl sagt, was das Gehäuse können soll. Der kleine Indikator sagt, wann man besser aufhört, sich darauf zu verlassen.

    Einordnung

    Squale ist Primärquelle für Konstruktion, Abmessungen, Werk, 600-Meter-Angabe, Limitierung und Wet Indicator. Einen unabhängigen Langzeit- oder Drucktest der neuen Galeazzi Artiglio habe ich nicht gefunden.

    Die historische Funktion solcher Feuchtigkeitsanzeigen ist gut dokumentiert. Für eine direkte historische Verbindung zwischen Galeazzis Unterwassertechnik und dem Wet Indicator selbst habe ich keine Primärquelle gefunden; der Jubiläumsbezug ist dokumentiert, der Wet Indicator gehört zur breiteren Geschichte professioneller und militärischer Taucheruhren.

    Mein linkswokes Lieblingsportal Telepolis erweitert heute dankenswerterweise die Grenzen der Botanik:

    Es gibt demnach nicht nur Kaffee, sondern auch Getreidekaffee, Dinkelkaffee, Malzkaffee, Lupinenkaffee, Zichorienkaffee und Eichelkaffee.

    Nun ist Kaffee aber zuerst einmal eine Pflanze. Deren Samen röstet und mahlt man, extrahiert das Mahlgut mit Wasser, und das Ergebnis heißt ebenfalls Kaffee. Soweit ist die Sache erfreulich übersichtlich.

    Röstet man dagegen Dinkel, Gerste, Lupinen oder Eicheln, hat man gerösteten Dinkel, geröstete Gerste, geröstete Lupinen oder geröstete Eicheln. Daraus kann man zweifellos ein wohlschmeckendes Getränk herstellen. Man darf es meinetwegen auch Kaffeeersatz nennen: Es soll Kaffee ersetzen.

    Aber „Dinkelkaffee“ ist ungefähr dieselbe Begriffsakrobatik, mit der ein Kräuteraufguß plötzlich zu „Kamillentee“ wird. Kein Blatt von Camellia sinensis weit und breit, aber heißes Wasser war beteiligt – muß also Tee sein.

    Die volkstümliche Getränkesystematik läßt sich offenbar auf zwei Lehrsätze reduzieren:

    Braun + geröstet + heißes Wasser = Kaffee.
    Pflanzenteile + heißes Wasser = Tee.

    Auch „koffeinfrei“ hilft bei der Begriffsrettung nicht weiter: Entkoffeinierter Kaffee ist Kaffee ohne Koffein. Dinkelkaffee dagegen ist Kaffee ohne Kaffee.

    Demnächst: Kartoffelburgunder und Hafercognac.

    Bis dahin bleibe ich bei Kaffee aus Kaffee und Tee aus Tee.
    Bei deren Zubereitung reichen Physik und Biochemie als Komplikation völlig aus.

    Minutenstoppzeiger mit Gegengewicht.
    Design oder technische Notwendigkeit ?

    Ich würde vermuten: beides – Design und technische Funktion, wobei das Gegengewicht bei einem solchen Zeiger durchaus einen technischen Sinn hat.

    Ich hatte MAT Watches einmal genau zu diesem Thema befragt. Es ging darum, bei einem Chronographen mit 7750 einen zentralen Stoppzeiger gegen einen anders geformten Pfeilzeiger auszutauschen. MAT lehnte das nach Rücksprache mit der Technik ab und schrieb:

    Zitat

    „L'aiguille d'origine est parfaitement équilibrée […] L'aiguille ‘flèche’, elle, est plus lourde au bout.“

    Entscheidend sei also weniger das bloße Gewicht als vielmehr dessen Verteilung:

    Zitat

    „le problème résulte dans la répartition du poids de l'aiguille“

    Das scheint mir bei der 717 durchaus übertragbar. Deren Minutenstoppzeiger ist ja kein kleiner Zeiger eines Hilfszifferblattes, sondern ein langer zentraler Stoppzeiger, von den Dimensionen her vergleichbar mit den zentralen Sekundenstoppzeigern anderer Chronographen. Dazu kommt beim SZ01, daß er springend fortschaltet und beim Nullstellen wieder in die Ausgangslage zurückgesetzt wird.

    Ein Gegengewicht kann einen solchen langen Zeiger so ausbalancieren, daß sein Schwerpunkt möglichst nahe an der Drehachse liegt. Das vermindert einseitige Belastungen von Zeigerrohr bzw. Welle bei Bewegung, Erschütterungen und insbesondere beim Rückstellen.

    Der technische Nutzen liegt also in der günstigeren Massenverteilung um die Zeigerachse.

    Damasko bläst zur Attacke …

    Hatte ich schon in der Pipeline:

    Damasko DF10: weniger Manufaktur, mehr Fieldwatch fürs Geld?

    Damasko bringt die DF10 ab 14. September 2026 zusätzlich mit Sellita SW200. Wirklich „neu“ ist die Uhr damit allerdings nur bedingt: Gehäuse, Gestaltung und Grundkonzept bleiben erhalten; geändert wird vor allem das Werk.

    Die bisherige DF10 verwendet Damaskos Manufakturkaliber A26-1 und kostet derzeit rund 2.050 Euro. Die neue SW200-Version beginnt bei etwa 1.450 Euro. Bemerkenswert ist, daß dabei einige für den praktischen Nutzer relevante Eckdaten weitgehend erhalten bleiben: 28.800 A/h, etwa 42 Stunden Gangreserve, Sekundenstopp und – Damasko-typisch – ein eigenes Silizium-Ankerrad.

    Der eigentliche Unterschied steckt deshalb weniger in der Funktion als in der Konstruktion. Das A26-1 besitzt Damaskos eigenen Klinkenaufzug, einen eigenen Rotor mit keramischer Lagerung und wird in sechs Lagen reguliert. Das SW200 ist das uns bekannte Schweizer Großserienwerk; Damasko reguliert es nach eigener Angabe in drei Lagen und modifiziert es mit dem Silizium-Ankerrad.

    Für den technisch interessierten Sammler bietet das A26-1 zweifellos mehr Damasko. Für jemanden, der die DF10 vor allem als robuste Fieldwatch tragen möchte, wird die SW200-Version dagegen schwerer zu ignorieren sein.

    Rund 600 Euro weniger – bei sehr ähnlicher praktischer Grundfunktion. Man bekommt also weniger Damasko im Werk, aber nicht unbedingt weniger Uhr am Handgelenk.