Zitat von HappyDay989Sorry, aber Diskussionen über Kritik gehören nunmal nicht in einen Uhren-Thread. Und darüber, daß solche Diskussionen nicht hierhin gehören, wird hier auch nicht diskutiert. :roll: Meinetwegen kannst Du gerne einen entsprechenden Thread "Kritik und Selbstkritik" unter Forumsregeln & News & FAQ & Anregungen eröffnen.
Zum Thema: Wer sich den Aufbau des Magnetfeldschutzes der 856/857 (656/657/756/757/900 dazu analog) ansehen möchte: S. 16f. des SINN-Katalogbuch 2007 erklären ihn ausführlich und auch anhand von Abbildungen. Unter diesen befindet sich auch eine sehr anschauliche Schnittzeichnung durch ein Gehäuse mit Magnetfeldschutz. Gut zu erkennen: Der Teil des weichmagnetischen Schutzkäfigs, der das Werk zum Gehäuseboden abschirmt, ist nicht Teil des Gehäusebodens, sondern ein separater Zwischenboden. Weichmagnetisches Material ist nämlich fast immer sogen. Reineisen, und das ist derartig weich, daß es für exponierte Gehäuseteile erheblich zu empfindlich und zu leicht zu verformen wäre. Die Erklärung, daß der Gehäuseboden aus einer nickelfreien Legierung besteht, die besseren Schutz vor Nickelallergie bietet als das Grundmaterial des übrigen Gehäuses, ist absolut zutreffend. Es handelt sich bei dem tegimentierten (=kolsterisierten) Material nämlich um den Austenit 904 L, der gegenüber der im Uhrenbau üblichen Legierung 316 L eine höhere Grundhärte, Korrosionsbeständigkeit und leider eben auch einen erheblich höheren Nickelanteil mitbringt. Die sogen. Nickellässigkeit (Abgabe von Nickel an die Haut) ist bei der Legierung 904 L ebenfalls höher als bei 316 L, daher ist 904 L zwar wunderbar geeignet, um daraus mittels Oberflächenhärtung gegen Kratzer weitgehend unempfindliche Gehäuse zu bauen. Aber er ist eben nicht geeignet, um daraus Gehäuseböden zu bauen, die direkten Hautkontakt haben. Rolex baut übrigens sämtliche Stahluhren samt Bändern aus 904 L, und "erstaunlicherweise" kommt es immer wieder zu Berichten über allergische Reaktionen bei einigen Uhrenträgern, die nach dem Ablegen der Uhr mit dem Krönchen nachlassen und nach einiger rolexfreier Zeit auch wieder völlig abklingen.
Dies ist wohl auch der Grund, warum SINN für den Gehäuseboden seiner magnetfeldgeschützten Gehäuse eben keinen tegimentierten 904 L einsetzt, sondern eben eine andere, hautfreundlichere Legierung. Der Magnetfeldschutz ist aber eine davon zu trennende Angelegenheit, da sämtliche weichmagnetischen Teile des Schutzkäfigs keinen Kontakt "zur Außenwelt" haben.
Nachtrag: Ich frage mich nur gerade, ob die tegimentierten Massivbänder nicht auch aus 904 L bestehen. Denn auch hier wäre ja direkter Hautkontakt gegeben. Nun liegen Bänder i. d. R. nicht derartig dicht an wie ein Gehäuseboden auf der Haut sitzt, von daher wäre die gegenüber 316 L höhere Nickellässigkeit von 904 L bei Bändern vielleicht nicht so dramatisch wie bei Gehäuseböden, die ja ständigen Hautkontakt haben. Aber da müßte vielleicht doch einmal ein echter Materialexperte zu Rate gezogen werden. :?
Hallo Olaf,
habe gerade bei Sinn den folgenden Text gefunden:
"Die Stärke der Nickellässigkeit wird nicht etwa durch den Nickelgehalt eines Metalls bestimmt, sondern durch seine Korrosionsbeständigkeit. Nur im Zuge von Korrosionsprozessen kann Nickel in Form von Ionen oder Komplexen eine Stahlstruktur verlassen. In sehr korrosionsbeständigen Stählen bleibt Nickel daher auch im Falle eines relativ hohen Nickelgehalts stabil im Stahl gebunden. So wird auch in der medizinischen Implantat-Technik ein nickelhaltiger Edelstahl (Gehalt 12,5% - 15%) verwendet, ohne dass hierbei allergische Reaktionen beobachtet würden. Bei Sinn verwenden wir diesen Stahl ebenfalls (DIN 1.4435). Seine Nickellässigkeit liegt um einen Faktor 50 unter dem von der EURO-Norm 1811 zulässigen Wert. Das entspricht 2%. Im Falle von Tegiment-Gehäusen wird die Korrosionsbeständigkeit dieser Stahlsorte sogar noch erhöht."
Damit ist der Nickelgehalt an sich nicht entscheidend.
Viele Grüße,
Gaucho, mit der 856 am Arm