Leuchtzeiger - Leuchtfarbe & Mehrfachbelegung

  • Wie genau funktionieren Leuchtfarben, welche Unterschiede gibt es (warum leuchtet Superluminova besser, verschiedene Leuchtfarben..), was bringt Mehrfachbelegung von Zeigern und Indizies ... alles was euch dazu einfällt!!! Danke :king:

  • Den ersten Einsatz an Uhren von Zinksulfid, welches mit Radium angereichert war und daher ständig leuchtete, war die Idee von Ernest Lipmann (LIP Uhrenfabrik in Besancon). Das war um 1902 (Die LIP-Uhr wurde durch ihr Design in den 70ern bekannt -Plastikuhr mit kugelförmigen Drückern-).
    Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Radium durch Tritium ersetzt. Tritium ist die überschwere, sehr schwach radioaktive Form des Wasserstoffs. Wenn es zu Helium zerfällt, emittiert Tritium keine Gammastrahlen, sondern lediglich Elektronen geringer Energie. Zinksulfidpulver mit tritiumhaltigem Polystyrol-Lack gemischt war bis zu dem "Verbot für radioaktive Leuchtmittel für nicht-militärische Anwendungen" in vielen Ländern der verwendete Leuchtstoff für Zeiger und Zifferblätter. Die amerikanischen "Traser" Uhren verwenden in der heutigen Zeit eine Tritium Gaslichtquelle. Diese Technik beruht auf Glasröhrchen, deren Innenfläche mit kobalt- oder kupferdotiertem Zinksulfid beschichtet ist und mit tritiumhaltigen Gas gefüllt sind. Sie geben ein hundertmal stärkeres Licht ab, als gewöhnliche Leuchtstoffe und fallen nicht unter das o. a. Verbot.

    Superluminova wurde in den 60ern, im Zuge der Leuchtstoff-Forschung für Bildschirmröhren, entdeckt. Es handelte sich um das mit Spuren des Seltenerdmetalls Europium dotierte Strontiumaluminat, welches man zusätzlich mit Dysprosium dotierte. Es handelt sich salopp ausgedrückt um ein Energie (in Form von Licht)- Speichermetall, welches "aufgenommenes" Sonnenlicht (heute auch Kunstlicht) langsam wieder abgibt.
    Strontiumaluminat-Leuchtpigmente wurden ursprünglich von der Schweizer Firma RC Tritec AG unter dem Namen "SuperLite" hergestellt und erstmals 1993 in Swatch-Uhren eingesetzt. 1994 wurde erstmals von Seiko "Lumibrite" (Patent von Nemoto), ein Nachfolgeprodukt des in Japan verbreiteten Leuchtmittels Promethium 147 (Tritium wurde in Japan nicht sehr geschätzt, da es der Zünder für Wasserstoffbomben ist und diese für den Tod vieler japanischer Fischer im Rahmen der amerikanischen Tests im Pazifik verantwortlich ist).

    Aus "SuperLite" und "Lumibrit" wurde 1998 durch den Zusammenschluss von Tritec und Nemoto zur Lumi-Nova AG das Produkt "Super-Luminova".
    welches bis zum heutigen Tage so weit verbessert wurde, dass es auch von Kunstlicht anstatt Sonnenlicht aufgeladen wird, die Farbe des emittierten Lichts kann grünlich oder bläulich sein und die Farben des Leuchtstoffes können seit 2007 von Weiß über den ganzen Regenbogen bis Schwarz (z.B. bei Hublot Big Bang All Black) gewählt werden.

    Lt. ISO-Norm wird für Zifferblätter eine Lichtstärke von 36 nCd (Nanocandela pro Quadratmillimeter) und für Zeiger 10 nCd gefordert.
    Ein mit Sonnenlicht aufgeladenes Superluminova ist Anfangs heller als Tritium und sinkt innerhalb von 2 Stunden auf Tritium-Intensität und nach weiteren 6 Stunden auf 7 nCd (sichtbare Grenze für das menschliche Auge: 3,2 nCd). Diese Werte werden jedoch bei Uhren nicht so umgesetzt,
    da hier die Schichtdicke und beschichtete Fläche je nach Hersteller variiert.
    Dies erklärt auch die unterschiedlichen Nachleucht-Eigenschaften der verschiedenen Uhrenmodelle.

    Dies alles lässt sich im Internet (Stichworte Tritec und Nemoto usw.) sowie in Chronos Sonderausgabe Sportuhren 2007 nachlesen. Da nicht jeder über diese Quelle verfügt, habe ich etwas ausführlicher geantwortet.

    Gruß Gero

  • Super - danke für die ausführliche Antwort!!!

    Aber wenn doch eine mehrfachbescichtung stärker leutet, warum machen das dann nicht alle Hersteller??

  • Nachtrag: Der Vorgang nennt sich Phosphoreszenz:
    Phosphoreszenz ist ein Vorgang der Quantenphysik. Wird ein phosphoreszierender Stoff mit Lichtquanten (Photonen) beleuchtet, so geben diese Photonen ihre Energie an die Elektronen des Stoffes ab.
    Die Elektronen vollziehen nun einen Quantensprung in ein höheres Energieniveau. Das Molekül geht vom Grundzustand in einen angeregten Zustand über. Einer Art Gesetz der Traegheit folgend, haben die Elektronen das "Bestreben", in den urspruenglichen Zustand zurueckzukehren. Die aufgenommene Energie wird also mehr oder weniger schnell in Form von Licht wieder abgegeben.

    Der Hersteller von derartiger Leuchtfarbe muss nun einen "Stoff" finden, dessen Elektronen moeglichst lange in diesem angeregten Zustand verweilen und dabei gleichzeitig viel Energie aufnehmen, so dass ein gleichmaessig langes und helles Nachleuchten gewaehrleistet ist.

    Quantenmechnik (Leistungskurs Pyhsik) hat mir damals einen aha Effect bescherrt in Chemie, als es um die verschiedenen Orbitalmodelle bzw das Bohrsche Atommodell ging. Ich hatte ernsthafte Schwierigkeiten zu verstehen, was mir der Chemielehrer (nicht unbedingt einer der besten) erklaeren wollte. Die Quantenmechanik hatte mir dann aber die Augen geoeffnet und das Kauderwelsch meines Chemielehrers wurde augenblicklich zu verstaendlichem Deutsch. Meinem Kumpel ging es genausso. War wie eine Erleuchtung.

    Gruss nach Dt.

    Cheers.

  • Zitat von Spencer

    (...) Aber wenn doch eine mehrfachbescichtung stärker leutet, warum machen das dann nicht alle Hersteller??

    Weil "Superluminova" als Qualitätsmerkmal und Verkaufsargument doch völlig ausreicht.
    Weshalb sollten denn die Hersteller sechs Schichten davon aufbringen, wenn das viel mehr Geld
    kostet und es beim Kauf keiner weiß und auch nicht sofort merkt???
    Eine Schicht ist doch viel billiger und einfacher für den Hersteller.

    Gruß

    Christopher

  • Trauriger Weise ist es haargenau so, wie Christopher es beschreibt!

    Dieses Phänomen taucht aber auch bei Sinn Uhren auf. Die 356er Modelle für Skoda haben im Vergleich zu den herkömmlichen 356ern erheblich schwächere Leuchtkraft, obwohl sie die gleichen Zeiger verwenden (bei den Zifferblättern hätte ich dies ja noch verstanden). Aufgefallen ist mir dies, als ich meine 356 Skoda im Dunkeln ablesen wollte. Der anschließende Vergleich mit der 356 Jubiläum und der 356Sa zeigte einen deutlichen Unterschied. Vielleicht ein Einzelfall?

    Gruß Gero

  • Ich finde das eigentlich schade - Gerade wenn Hersteller hochwertiger Uhren an der Ablesbarkeit im Dunkeln sparen ist das total absurd. Für mich ist Superluminova kein Argument mehr - da muss man mittlerweile schon selber testen und am besten mir einer eigenen Uhr im Dunkel vergleichen

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