• Lieber Uhrenfreunde,

    hier nun eine Fortsetzung meiner Darstellung historischer Uhren. Zunächst kurz etwas zur Firmengeschichte: Die obige Firma wurde 1866 in Saint - Imier gegründet. 1891 meldete diese ihr erstes Chronographenwerk zum Patent an. Ab den dreißiger Jahren stellte sie dann eine breite Palette von Kurzzeitmessern und Chronographenalibern her. Unter anderem auch für Zenith und Girard- Perregaux. 1984 dann die Einstellung der Firma.
    Natürlich belieferte die Firma wie so viele auch den militärischen Bereich. Bei der hier vorgestellten Uhr handelt es sich um ein Zeitmessgerät für die Messung von Torpedolaufzeiten aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Das heißt, explodierte das Torpedo innerhalb der errechneten Laufzeit war es ein Treffer. Erfolgte erst eine Detonation außerhalb der errechneten Laufzeit war es auch kein Treffer. Hier kam dann ein Selbstzerstörungsmechanismus ( besonders bei neuer entwickelter Technik ) des Torpedos zum Einsatz, damit dieses nicht in die Hände des Gegners fallen konnte.
    Das beschriftete Fach unten rechts beinhaltet verschiedene Ersatzteile, wie Schrauben und Federn. So konnte ein geschickter Mechaniker im Fall eines Defektes die Uhr vor Ort wieder reparieren.
    Kleiner Nachtrag : Die Schweizer Uhrenfirmen belieferten während des 2. Weltkrieges munter beide Seiten, so kamen wichtige Kleinteile für die damalige Uhrenindustrie in Glashütte per Diplomatengepäck nach Deutschland. Des Weiteren lieferten die Schweizer mechanische Waffenteile, Sanitätsmaterial , verschiedene Chemikalien und Turbinen in das damalige Deutsche Reich.
    Nun aber die Bilder zur Uhr :

  • "Verdammt lange Laufzeit" Lothar Günther Buchheim, Das Boot

    Vielen lieben Dank fürs Zeigen ! : like

    Ganz lieben Gruß

    Ru_Di

    Expect no quarter, expect no mercy, expect total hell

  • Eigentlich ein echt Gruseliges Werkzeug (die Verwendung).
    Aber mechanische Zeit-Messung war damals unglaublich Wichtig.

    Man schätzt 50-70% alles Bombenabwürfe gingen daneben weil die Uhren
    einfach zu ungenau waren (ca. 6 Sekunden verkehrt waren damals fast 1 km daneben).

    Leider trafen so viele Brand und Sprengbomben große teile der Zivilbevölkerung ungewollt.

    Ich komme vom Kurs ab (auch mit genauer Uhr).
    Will sagen : Deine Uhr ein traumhaftes Stück Zeitgeschichte : doppelt Daumen hoch

    Danke fürs Vorstellen,Gruss Lasse

    Schäfchen zählen,pah ich leg mir meine Uhr aufs Ohr :zzz:

  • Danke fürs Zeigen !

    Der zentrale Zeiger macht also pro Minute eine Umdrehung, richtig ?

    Dann wäre der kleine Totalisator für die Anzeige von 30 Minuten, wobei die ersten drei besonders hervorgehoben sind.

    Aber jetzt geht die äußere Skala ja bis 10, also 100 Sekunden, nicht 60.

    Verdammt, ich steh auf dem Schlauch. Hilfe !

    Viele Grüße, Daniel

  • Ich denke, das ist eine Tachymeter-Skala.
    Außen: 1km in der Stopzeit = Rote Ziffer in km/h.
    Dann (mehr als 1Min pro km) = schwarze Ziffer in km/h
    Dann (mehr als 2Min pro km) = blaue Ziffer in km/h.

    D.h. Du kannst mit der Uhr Geschwindigkeiten zwischen 3000 und 20 km/h messen in dem Du die Zeit stoppst, die Du für 1km benötigst...

    ciao

    dirk

  • Ja danke euch für die weiter gehenden Erläuterungen. Die Thematik mit den Wasserbomben hatte ich in meinem Beitrag vergessen.

    Mal schauen, ob ich heute dazu komme. Ich werde dann mal eine kleine Beispielsübersicht hier rein stellen, wieviel Uhren und zu welchem Zweck einzelne Kampfschiffe an Bord haben mussten. Wenn man das einmal hochrechnen würde beispielsweise bis zu den ganz großen Pötten, den damaligen Schlachtschiffen, dann kam man sich ausrechnen , was für gute Geschäfte einzelne Uhrenfirmen mit dem Militär tätigten. Und da haben wir noch gar nicht von der Luftwaffe, dem Heer und speziell der Artillerie gesprochen.

  • So, hier nun die angekündigte Aufstellung an Hand der Vorschriften Stand 1. September 1939 in der Reihenfolge der obersten Zeile:


    Seechronometer, Stoppuhr, Beobachtungsuhr, Wanduhr

    Schlachtschiffe: 1, 6, bis zu 30 , bis zu 64

    Kreuzer: 1, 6, bis zu 18, bis zu 42

    Zerstörer: 1, 5, bis zu 6, 16

    Schnellboote: ohne Seechronometer an Bord , 2, 1, 3

    Die Kriegsmarine hatte zu diesem Zeitpunkt alleine an Dickschiffen 7 Schlachtschiffe und 11 aktive Kreuzer in ihrem Bestand. Das macht schon mal per se insgesamt 18 Seechronometer, 108 Stoppuhren, 408 Beobachtungsuhren und maximal 910 Wanduhren aus.

    Dazu kämen noch ca. 1200 gebaute U-Boote bis zum 8.Mai 1945 sowie die ganzen Begleitschiffe / Hilfsschiffe wie Hilfskreuzer Handelszerstörer, Sperrbrecher und sonstige Beobachtungs und Flugsicherungsschiffe der Luftwaffe.

    Quelle : "Die Schiffe der Deutschen Kriegsmarine und Luftwaffe 1939 - 1945 und ihr Verbleib" , von Erich Gröner, München 1954

    2 Mal editiert, zuletzt von Nürnberger Ei (8. Mai 2021 um 07:16)

  • Danke für‘s Erklären und


    auch für die Hintergründe!!

    So kann man auch abschätzen was es bedeutet, wenn einem ein Seechronometer begegnen sollte aus der Zeit.

    Viele Grüße, Daniel

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