Betriebsbesichtigung / Werkführung bei Sinn

  • Hallo zusammen,

    ich möchte euch heute kurz von der heutigen Führung / Betriebsbesichtigung bei Sinn in Frankfurt berichten.
    Im Forum hatte ich bereits davon gelesen, dass Sinn hier Führungen anbietet - also im Frühjahr per Mail nachgefragt und den heutigen Termin wahrgenommen.

    Die Führung begann im 2. OG, bekannt von der vergangenen Präsentation der Neuheiten, die ebenfalls dort stattgefunden hat.
    Begrüßt und durchs Haus geführt wurden wir durch die Öffentlichkeitsarbeit. Zum Start wurde ein interessanter Image-Film mit Meilensteinen der Firma gezeigt.
    Auch Michelle und Andi waren hier cinematographisch "vertreten" und im Gespräch zu sehen. Weiter ging es mit einem Blick in die Produktion (Urlaubsbedingt wenig Mitarbeiter vor Ort) und Infos zu Werken, Zulieferern, Uhrenmontage, ... durch den langjährigen (vormaligen) Ausbildungsleiter, der auch den Arbeitsplatz eines Uhrmachers nebst Werkzeugen erläuterte. Spannend, wie dick die Gläser an Taucheruhren sind. Die Werke kommen heute bekanntermaßen weitestgehend von Sellita, Concepto und ... (Nr. 3 habe ich leider vergessen) und werden üblicherweise mit den ggf. erforderlichen Umbauten / Modifikationen bereits fertig bestellt, so dass eigentlich gar nicht mehr im Haus umgebaut wird. Auch die Ganggenauigkeit ist mit den Vorlieferanten vereinbart. Ziel ist, dass die Uhr immer im Plus läuft, im Bereich von bis zu 10 sec./Tag ist das Ziel. Bei anderen Werten "am Arm" kann nachreguliert werden.

    Bei der Wareneingangsprüfung, die wir uns im "Labor" anschauen durften, wurden u.a. Werke und Zifferblätter geprüft. Dies findet stichprobenartig statt. Wenn z.B. mehrere Werke einer Charge in einer Stichprobe negativ auffallen, gehen diese an den Hersteller zurück und werden neu reguliert oder ersetzt. Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es somit für alle Teile bei Wareneingang eine Stichprobenprüfung. Ist diese ok, laufen die Werke alle durch. Dass später nochmal 100% der Uhren länger auf Gangverhalten geprüft wird habe ich jetzt nicht entnehmen können.

    Manufakturwerke sind finanziell uninteressant. Marken wie die mit der Krone mit einer Jahresstückzahl von 850.000 - 1.200.000 Uhren können sich dies leisten,
    für Sinn mit 16.000 Uhren p.a. passt das nicht.

    Spannend war auch das Prüfgerät für die WaDi von Taucheruhren bis 1.600 bar. Herr Schmidt will die Gehäuse "zerstörend" prüfen können. Dies ist testweise bei 1.200 bar der Fall bei einem SUG Gehäuse der U-Modelle. Die Diapal-Modelle werden ja alle in Kälte und Hitze geprüft, vor allem auch, da die Zeiger sich am Ende nach oben und unten biegen können und ggf. aneinander hängenbleiben oder die Uhr andere Problemchen zeigt. In diesem Fall geht die Uhr zum Uhrmacher, der sie gebaut hat... und dann zum nächsten Test.

    In der Ausbildungswerkstatt waren wir auch und konnten unseren Forumskalender an der Wand bewundern und vieles über die Projekte der Azubis hören.

    Ein großer Part war noch der Bereich "Hydro" zu dem ein Experte dazukam. Über das Öl wurde natürlich kein Geheimnis gelüftet. Es wurde weiterentwickelt, wird nicht mehr gelb, behält seine Viskosität und ist fast wie Wasser und sorgt durch seinen Brechungsindex für die tolle Ablesbarkeit der Uhr unter Wasser. Eine Uhr wurde zur Veranschaulichung gefüllt und ein gefülltes und ein ungefülltes Modell konnten unter Wasser begutachtet werden. Die Batterielebensdauer beträgt im Maximum 8-10 Jahre, 5 Jahre wird garantiert - je nach Nutzung der Uhr also in diesem Bereich. Am wichtigsten ist es, die Uhren sorgfältig zu reinigen und laaaaangsam zu befallen, damit sich alle Zwischenräume im Werk auch gefüllt haben - sonst kommt der Kunde mit der Uhr incl. Luftblasen schon bald wieder und das will ja keiner. Wenn trotzdem etwas Schmutz oder Staub verblieben ist, bleibt nur alles nochmal zu machen. Mit dem Risiko muss man leben - daher wird hier auch nur im Reinraum gearbeitet und mit technischem Gerät immer eine größere Anzahl Uhren gleichzeitig gefüllt. Dies dauert pro Uhr ca. 1,5 Stunden.

    Vieles ist natürlich bekannt, aber die Einblicke und Informationen waren wirklich spannend. Das ETA-Quarzwerk in den Hydro-Modellen kostet übrigens genauso viel wie ein hochwertiges mechanisches Werk heißt es. Das war mir auch neu. Die 2 Stunden (natürlich noch etwas überzogen...) waren wirklich klasse. Am Ende hatten wir noch das Thema der Oberflächen. Hier durfte wer wollte sich mit dem "Einsatzzeitmesser" an der UX-S des "Guides" versuchen. Er trägt die Uhr oft und gerne schon seit 10 Jahren und das Messer konnte der Hartstoffbeschichtung nichts anhaben. Trifft allerdings Hartstoff auf Hartstoff, haben wir im Forum ja schon anderes gesehen. Und natürlich im Büro die Arbeitsplatten mit Korund in der Lackierung. Das hält keine Beschichtung auf Dauer aus. Harte Treffer auf spitze Untergründe könnten auch Spuren hinterlassen, aber Tegiment ggf. in Kombi mit Hartstoff kann schon vieles ab.

    Vielen Dank an Sinn, dies anzubieten und Gruppen die Gelegenheit zu geben, mal hinter die Kulissen zu schauen.

    Ich hoffe, nicht zuviel vorweg genommen zu haben, aber die Führung lohnt sich auf jeden Fall.

    Vielleicht wäre es auch etwas als Aktivität im Forum?

    Fotos gibt´s übrigens keine - ich habe auch nicht gefragt, aber da niemand fotografiert hat, bleibt eben das Gesehene in Erinnerung.

    Viele Grüße

    Chris

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