Frage zum Stoppmechanismus

  • Hallo zusammen,

    ich habe mal ne Frage:

    Wenn ich bei meinem Chrono (V 7750) den Stoppmechanismus mitlaufen lasse, dann verändert sich die Gangreserve (wird kleiner) - ist klar.
    Kann man sagen in welchem Verhältnis das steht?

    Die Uhr stoppt maximal 12 Stunden, wenn der Stoppmechanismus aber über 12 Stunden geht, was passiert dann? Bleibt die Uhr stehen?

    Merci!

    Grüße Euer Shorty (Markus)

  • 1. Der Chrono beeinflußt m. E. nicht die werkseitig angegebene Gangreserve. Ohne mitlaufenden Chrono ist die Gangreserve aber etwas höher als offiziell angegeben, ich weiß aber nicht genau, wie viel das ausmacht.

    2. Wenn der Chrono 12 Stunden gelaufen ist, läuft er einfach weiter und fängt einfach wieder bei Null an mit dem Zählen. ;) Er bleibt nicht stehen.

  • Zu 2:

    Das war das erste, was ich bei meinen Chronos ausprobiert habe. Stoppfunktion gestartet und über einen Zeitraum von mehr als 12 h laufen lassen.

    Klar, sie läuft einfach weiter. Probiert habe ich das, um zu sehen, ob die Zeiger auch dann noch die Indices treffen oder ob es da Ungenauigkeiten beim Zeigersetzen gegeben hat.

    Zu 1:

    Straft mich, wenn ich jetzt nur Halbwissen weitergebe:
    Das 7750 ist schon als Chrono konstruiert und es spielt meiner Meinung nach keine Rolle für die Gangreserve, ob der Chronomechanismus nun mitläuft oder nicht. Ich stelle mir das laienhaft so vor, daß die Umdrehungen des kleinen Sekundenzeigers die gleichen sind, ganz gleich, ob da jetzt noch etwas eingeklinkt ist oder nicht.

    Viele Grüße, Daniel

  • Genau das ist auch der Grund, Daniel, warum es die Lebensdauer (MTBF = mean time before failure, also die vom Hersteller angegebene durchschnittl. Lebenserwartung eines solchen Werks) nicht negativ beeinflusst, wenn man den Chrono ständig mitlaufen läßt.

    Allerdings wirkt es sich positiv aus, dies nicht zu tun, denn es verlängert die Lebenserwartung natürlich über die vom Hersteller angegebene MTBF hinaus, wenn man das Werk "schont."

    Ich vermute mal, dass sich das Mitlaufenlassen des Chronos in etwa so auf die Gangreserve auswirkt wie der Betrieb einer modernen Klimatisierungsautomatik auf den Durchschnittsverbrauch eines Pkw. Da ist auch zwischen "praktisch nicht messbar" und "Verbrauchserhöhung bis 5 %" so ziemlich alles drin. ;)

  • Es wirkt sich nicht auf die Gangreserve aus. Siehe auch: Chronographenfunktion
    Olafs Erklärung mit der Klimaanlage kommt dem Sachverhalt am nächsten, nur mit dem Unterschied, dass die "gefressene" Kraft beim Chronobetrieb durch eine niedrigere Amplitude quittiert wird.
    Nach 12 Stunden läuft der Chrono einfach weiter.

    Gruß Gero

  • Genau das ist auch der Grund, Daniel, warum es die Lebensdauer (MTBF = mean time before failure, also die vom Hersteller angegebene durchschnittl. Lebenserwartung eines solchen Werks) nicht negativ beeinflusst, wenn man den Chrono ständig mitlaufen läßt.

    Allerdings wirkt es sich positiv aus, dies nicht zu tun, denn es verlängert die Lebenserwartung natürlich über die vom Hersteller angegebene MTBF hinaus, wenn man das Werk "schont."

    Das ist aber widersprüchlich, ist es nicht?

    "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." (Alexander von Humboldt)

  • Das ist aber widersprüchlich, ist es nicht?

    Nein, eine Verlängerung des "Kaliberlebens" ist etwas anderes, als eine Verkürzung. Bei ständigem Mitlaufen des Chronos erreicht das Kaliber sein "natürliches" Alter. Jede Nichtbenutzung stellt eine Verlängerung des Lebens dar.
    Beispiel: Wenn du in deinem Leben jeden Tag eine Möhre isst, wirst du 80 Jahre alt. Wenn du nur jeden zweiten Tag eine Möhre isst, wirst du 120 Jahre alt; wenn du überhaupt keine Möhre isst, wirst du 160 Jahre alt. Aber ein Hase ist nun mal zum Möhrenessen gebaut, also ist es nicht natürlich, keine Möhren zu essen. Es verlängert daher auf unnatürliche Weise dein Leben, wenn du als Hase keine Möhren isst. Wenn du hingegen jeden Tag eine Möhre isst und dazu ein Bier trinkst, wirst du hingegen nur 70 Jahre alt. Damit verkürzt das Bier dein Leben auf unnatürliche Weise (kein Hase trinkt Bier) um 10 Jahre. :D

    Gruß Gero

  • Du hast recht: "ist es nicht." :D

    Wenn Du den Chrono permanent laufen läßt, hat das keine negativen Auswirkungen auf die vom Hersteller angegebene durchschnittliche Lebensdauer des Werkes, die sogenannte MTBF.

    Wenn Du auf den Betrieb des Chronos verzichtest (aber warum kaufst Du Dir dann überhaupt einen?), verlängerst Du aber die Lebensdauer des Werkes über die vom Hersteller angegebene durchschnittliche Lebensdauer hinaus.

    Das ist wie bei einem Automotor: Auch wenn man ständig Vollgas fährt, wird der Motor eine bestimmte, vom Hersteller angegebene Laufleistung erreichen. Fährt man schonend, wird die praktisch erreichte Laufleistung wahrscheinlich höher ausfallen, aber das ändert nichts daran, daß auch bei ständigen Vollgasfahrten die vom Hersteller angegebenen MTBF-Werte erreicht werden. ;)

    Gero hatte das doch schon vor längerer Zeit mal hier beschrieben, guckst Du hier: Chronographenfunktion.

  • Es wirkt sich nicht auf die Gangreserve aus. ...


    Hallo allerseits,

    ich behaupte, dass eine Uhr mit eingeschaltetem Chronographen eine kürzere Gangreserve aufweist als mit ausgeschaltetem Chronographen.
    Begründung: Ein Uhrwerk läuft so lange, bis zwischen der vom Federhaus kommenden, langsam abnehmenden Kraft und den durch Reibung entstehenden Verlusten im Uhrwerk (in Lagern, an Zahnrädern und durch Luftwiderstand) ein Gleichgewicht eingetreten ist. Da bei eingeschaltetem Chronograph die Anzahl bewegter Teile und damit die "Verlustkraft" höher ist, müsste die Uhr zwangsläufig früher stehenbleiben. Das im Federhaus verbleibende Drehmoment sollte dann höher sein als bei ohne Chronograph abgelaufener Uhr. Oder kurz gesagt: Von nix kommt nix.
    Ich werde das mit meiner Guinand, die gerade Tragepause hat, mal ausprobieren und mich an dieser Stelle wieder melden.

    Schönes Wochenende!

  • ich behaupte, dass eine Uhr mit eingeschaltetem Chronographen eine kürzere Gangreserve aufweist als mit ausgeschaltetem Chronographen.


    Nein, da die Angabe der Gangreserve bei lfd. Chrono erfolgt und eine Mindestzeit darstellt.

    Da bei eingeschaltetem Chronograph die Anzahl bewegter Teile und damit die "Verlustkraft" höher ist, müsste die Uhr zwangsläufig früher stehenbleiben


    Das stimmt, aber die Gangreserve gibt ja nicht die Zeit an, wann das Werk stehen bleibt, sondern in der das Werk innerhalb der angegebenen Parameter noch funktioniert.

    Gruß Gero

  • Ok, wir diskutieren hier also über eine Definitionsfrage. Dann habe ich das missverstanden und nehme meinen Einwand zurück. Ich habe Shortys Frage in Bezug auf tatsächliche Laufzeiten und nicht auf Herstellerangaben interpretiert. Nichtsdestotrotz lasse ich meinen Versuch mit der Guinand mal weiterlaufen; interessiert mich selber, was dabei rauskommt. :)

    Schöne Grüße!

  • Ich schätze, es handelt sich dabei um Werte, die bei ca. 60 Minuten liegen. Bin mal gespannt, ob ich da richtig liege.

    Gruß Gero

  • Ich habe einen Test mit 2 neuen 356 gemacht. Eine mit eingeschalteter Stoppuhr und eine ohne. Laufzeit mit Stoppuhr 49 Stunden und 28 Minuten. Laufzeit ohne mitlaufenden Stopper 51 Stunden und 15 Minuten. Also 1 Stunde und 47 Minuten länger. Ich würde aber sagen, daß sich dieses Ergebnis nicht unbedingt auf alle anderen 7750 übertragen läßt.


    Mit freundlichen Grüßen


    Sinndepot Nürnberg

  • Herzlichen Dank für diese Info. :thumbup: :hatoff:

    Damit hält auch die getestete 356 mit mitlaufendem Chrono eindeutig die Gangreserve ein, die vom Hersteller mit ca. 40 Stunden angegeben wird. Setzt man die von der Feder abgegebene Energie vom Vollaufzug bis Stillstand des Werkes mal auf 100 % (ich weiß, daß die Feder immer noch eine Menge Energie gespeichert hat, wenn sie auch nicht mehr dazu ausreicht, das Werk anzutreiben), dann werden bis zu dem Moment, in dem die Gangwerte allmählich außerhalb der Spezifikationen laufen, in ca. 40 Stunden ca. 80 % der Federkraft abgegeben. Mit den letzten 20 % (weitere 8 Stunden) läuft das Werk erfahrungsgemäß nicht mehr sicher innerhalb der Spezifikationen.

    Das paßt also! :)

  • Ich habe einen Test mit 2 neuen 356 gemacht. Eine mit eingeschalteter Stoppuhr und eine ohne. Laufzeit mit Stoppuhr 49 Stunden und 28 Minuten. Laufzeit ohne mitlaufenden Stopper 51 Stunden und 15 Minuten. Also 1 Stunde und 47 Minuten länger. Ich würde aber sagen, daß sich dieses Ergebnis nicht unbedingt auf alle anderen 7750 übertragen läßt.


    Besten Dank! :thumbup:

    Gruß Gero

  • Danke für den Test !!!

    Nur so als Zusatz:
    Ich habe die Gangreserve meiner 103 Ti auch anfangs mal getestet (ohne laufenden Chrono). Von Vollaufzug bis Stillstand (abgelegt mit Zifferblatt oben in der Box) bin ich auf tatsächlich 54 h gekommen.
    Es scheint da also auch eine Streuung unter den 7750ern zu geben.

    Viele Grüße, Daniel

  • Was sagen denn die Insider zum Thema Datums- und Wochentagsweiterschaltung?
    Ich habe gerade drei Uhren mit 7750 "auslaufen" lassen, und alle drei blieben mit teilweise weitergeschaltetem Datum stehen.
    Könnte es sein, daß es einen Unterschied macht, ob die Feder bei besagten "ca. 80%" gerade an der "Datumsgrenze" ankommt oder nicht (und dann z.B. an der Datumsweiterschaltung bei 49 Stunden aufhört, sonst aber bis z.B. 54 Stunden käme)?

  • Zum Thema Datumsschaltung beim 7750 ist zu berücksichtigen, daß nämliches Valjoux-Werk kein "Schnellschalter" ist, z. B. im Gegensatz zum 2824-2, 2892-A2 oder 2893-2. (Dieses Thema wurde hier übrigens schon mal behandelt.) Das bedeutet, daß ein 7750-Werk mindestens ca. 45 Minuten für den zu beobachtbaren Teil der Umschaltung benötigt, während die sogen. "Schnellschalter" das Datum von einer Sekunde zur nächsten umspringen lassen.

    Und natürlich ist es möglich, daß ein 7750 während dieser 45 Minuten (meine 144 GMT mit modifiziertem 7750 benötigt sogar über eine Stunde für den Datumswechsel!) stehenbleibt, wenn die Feder ihre Energie so weit abgegeben hat, daß es zum Betrieb (i. S. v. "Werk tickt noch") nicht mehr ausreicht. Das ist übrigens auch bei jedem anderen Werk mit einer Datumsschnellschaltung möglich, bloß bliebe dem Betrachter aufgrund eines technischen "Tricks" der Umstand verborgen, daß sich der Mechanismus für die Datumsschaltung bereits in Bewegung gesetzt hat. ;) Daher ja auch der Hinweis von Herstellern und Uhrmachern an die Kunden, während ca. 22 und 1 Uhr keine händischen Einstellungen am Datum vorzunehmen, denn während dieser Zeit ist der Datumsmechanismus "bei der Arbeit" und könnte durch manuelle Eingriffe beschädigt werden. Bei komplizierten Kalendarien sollte man sogar ab ca. 21 Uhr bis ca. 3 Uhr die Finger vom Einstellen eines mechanischen Kalenderariums lassen.

    Eine recht gut verständliche Erklärung der Datumsschaltung findet sich bei Watchtime.ch.

    Ich kann Dir allerdings nicht aufs Milliwatt genau sagen, wie viel Kraft für die Datumsumschaltung beim 7750 (oder bei anderen Werken) aufgewendet werden muß. :cl: Jedenfalls dürfte die dazu erforderliche Energiemenge für wenigstens eine Umschaltung bei der Angabe der Gangreserve wohl berücksichtigt worden sein.

  • Jedenfalls dürfte die dazu erforderliche Energiemenge für wenigstens eine Umschaltung bei der Angabe der Gangreserve wohl berücksichtigt worden sein.

    Ja, diese Angabe berücksichtigt den Betrieb ALLER Nebenantriebe des jeweiligen Kalibers.

    Gruß Gero

  • Hallo zusammen,

    Ich habe einen Test mit 2 neuen 356 gemacht. ...

    Diese Vorgehensweise halte ich für wenig wissenschaftlich, da die Werke natürlich streuen.
    Ich habe bei meinem Versuch dieselbe Uhr (Guinand 20.50-05LL, mit Kal. Val. 7750) verwendet und nacheinander in der gleichen Lage (Zifferblatt oben) am gleichen Ort (um evtl. Gravitations- oder Magnetfeldunterschiede auszuschließen) bei gleicher Temperatur ablaufen lassen. Vorher wurde sie jeweils voll aufgezogen sowie Datum und Uhrzeit gleich eingestellt (wg. Anzahl der Datumsumschaltungen und möglichen Unstetigkeiten der Verluste im Uhrwerk). Bleiben eigentlich nur zwei Unsicherheiten: Erstens, ob die Uhr beide Male wirklich genau gleich aufgezogen war, und zweitens der unterschiedliche Verschleißzustand beim zweiten Durchgang durch die längere Gesamtaufzeit. Beides kann man, denke ich, vernachlässigen.
    Das Ergebnis: Ohne Chrono 54:17 Std., mit Chrono 42:47 Std. Also 11,5 Stunden weniger, das sind etwa 20 %.

    Schöne Grüße!

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