Hallo zusammen,
nachdem ich meine U1 heute zu meinem Händler gebracht habe (läuft ca. 5 Min. innerhalb von 2-3 Wochen nach), war es mir danach meinen damaligen Kaufentscheid und Erfahrungen der ca. 2 letzten Jahre kundzutun. Auch ich stand damals vor der Frage welche Uhr es werden soll und wo die Unterschiede etc. liegen.
Da ich mich in diesem und anderen Foren ausführlich und unabhängig von herstellerseitigen glänzenden Prospekten und Fotos informieren konnte, möchte ich mit meinem Erfahrungsbericht ebenfalls einen Beitrag zu praxisnahen, ungeschminkten Erfahrungen und Berichten für kommende Sinn´ler leisten.
Wie ich zu der U1 kam bzw. die Frage U1 oder U2?:
Da meine bisherigen Uhren mich in Sachen Tragekomfort, Qualität und Haptik nicht überzeugen konnten und erst recht nicht an meine damalige Citizen Promaster Aqualand (die mir nach 10 Jahren gestohlen wurde) heran kamen, wuchs in den letzten Jahren der Wunsch nach einer qualitativ hochwertigeren Uhr.
Ein Wunschkandidat war u. a. eine Tutima Military in Stahl. Da diese aber nur noch in Titan hergestellt wird, war sie bei mir durch, da die Uhr bezahlbar bleiben und neu sein sollte.
Durch Zufall traf ich einen Bekannten der eine U2 mit Stahlarmband besitzt. Diese konnte ich während ein paar Bierchen probetragen und schnell war mir klar, dass es diese bzw. eine Sinn werden soll.
Nach vielen Recherchen verschiedener Modelle und Bilder schauen war nur noch die Frage zu klären in welcher Ausführung ich die U2 ordern werde. Die U1 ist mir natürlich auch aufgefallen, aber von den Bildern her hat sie mir mit Ihren komischen Zeigern gar nicht zugesagt…damals!
Optik, Haptik und deren Unterschiede:
Mein jetziger Konzi hat mir die U2 mit Stahlband zurecht gelegt und beim Anziehen der Uhr fühlte man direkt wieder diese tolle Haptik und den Tragekomfort. Auch präsentierte er mir die Sondermodelle U212 SDR und die U212 Hour Glass/Ultimate U - aber ich blieb bei der U2.
Jedoch wollte ich auch unbedingt das Silikonband testen, was aber ohne Umbauarbeiten „nur“ an einer U1 möglich war. Mir war es egal, da die Gehäuse beider Uhren gleich sind und bevor ich mich umsah, war es um mich geschehen! Das Silikonband mit der großen Faltschließe schmiegte sich samt Uhrengehäuse an mein Handgelenk, fesselte mich und gab mir ein Tragegefühl, welches mir noch nicht mal meine geliebte damalige Citizen geben konnte!
Die komischen Zeiger sahen auch gar nicht mehr so komisch aus. Nein, sie waren eigenständig und wundervoll – besonders auf diesem matten Ziffernblatt! Zudem hat die U1 zu der U2 ein flaches Glas, wodurch sich die Uhr nochmals von der U2 abhebt! Ich war von dem Erscheinungsbild der U1 sowas von überrascht und begeistert, dass es gar keine Frage mehr war welche ich nehmen soll. Die U1 wirkt auf mich persönlich im Gesamtbild aufgeräumter, übersichtlicher, frecher aber dennoch erwachsener als die U2.
Dies alles ist natürlich reine Geschmackssache! Ich finde die U2 immer noch toll, rate aber jedem sich beide Uhren real anzuschauen!
Zudem kam zu meiner Entscheidung noch die Tatsache, dass die U1 nicht über diese Trockenkapseltechnik verfügt und somit noch ein Stück pflegeleichter bzw. Wartungsärmer ist - und eine Dichtigkeit bis 1000m sollte für mich ausreichen sein ![]()
Tegimentiert oder nicht?
Da ich aus der Metallbranche komme, sind mir die verbauten Materialien Edelstahl und „U-Boot-Stahl“ sowie dieses Verfahren bzw. das Kolsterisieren/Tegimentieren sehr bekannt. Das Kolsterisieren ist im Prinzip ein gängiges Nitrierverfahren (dem oberflächlich betrachtet) „nur“ mehr Kohlenstoff als üblich beigefügt wird. Dies beherrscht eigentlich jede gute Härterei, darf es aber unter diesem Namen nicht vertreiben, da das Verfahren bzw. das Verfahren in Kombination mit dem Namen geschützt ist – und das lassen die sich natürlich auch üppig bezahlen wenn man die Aufpreise für das Tegimentieren zu den Kosten p. Nitriervorgang zzgl. Füllmenge pro Ofen sieht.
Soll meine Sinn bzw. das Gehäuse jetzt tegimentiert sein oder nicht. Für mich ein klares nein!
Technische Sicht und Nutzen:
Der sogenannte U-Boot-Stahl besitzt bereits vom Grundgefüge her eine so hohe Festigkeit, die der eines gängigen Edelstahls um mind. 130% übertrifft. Zudem wird ein Großteil der Uhr durch die bereits tegimentierte Lünette geschützt. An meiner Uhr bzw. dem Gehäuse ist bis heute nicht ein Kratzer dran! Die Uhr trage ich Tag und Nacht, beim Snowboarden, am Strand, beim Mountainbiken, Longboarden, Wandern, Bootstouren, Campen usw.
Anders verhält es sich natürlich bei der Faltschließe. Diese ist aus normalem Edelstahl und hat bei mir schon einige Gebrauchsspuren inne. Ich kann also die Leute verstehen, die Ihr Stahlband und Schließe mit der Tegimentierung vor Kratzern mehr schützen wollen. Aber auch hier sollte beachtet werden, dass Band und die Schließe nicht die Festigkeit/Härte des Gehäuses erlangen werden, da das Ausgangsmaterial anders ist, da „weicher“ Edelstahl für Schließe und Band vs. U-Boot-Stahl für das Gehäuse. Dennoch werden Band und Schließe resistenter gegen Kratzer sein als ohne Wärmebehandlung.
Optischer Anspruch:
Durch das Tegimentieren wird der Stahl um Nuancen dunkler. Dies sieht man bei ganz genauem hinsehen zwischen Lünette und nicht teg. Uhrengehäuse. Ich würde daher die Uhr nur teg. lassen wenn ich ein teg. Stahlband montieren möchte, da sonst der farbliche Unterschied sicherlich gegeben ist bzw. treffen zwei größere, farblich etwas abweichende Flächen aufeinander.
Was aber wiederum m. E. nicht auffallen würde, wäre eine teg. Schließe am Silikonband und nicht teg. Uhrengehäuse.
In der Praxis verhält es sich so, dass mich noch nie jmd. auf den farblichen Unterschied zwischen Gehäuse und Lünette angesprochen hat oder es jmd. beim genauen Hinsehen/Probetragen und „Zeig mal her“ aufgefallen wäre!
Fazit:
Für mich ist meine U1 (große Schließe und Silikonband) eine Uhr fürs Leben geworden. Wie bereits gesagt, trage ich Sie seit dem Kauf Tag und Nacht und zu jeder Gelegenheit. Auch nach knapp 2 Jahren schaue ich Sie immer noch sehr gerne an und bin von Ihrer Art immer wieder begeistert.
Trotz Ihrer hohen Robustheit und Sportlichkeit ist sie chic. Das matte Äußere lässt sie nicht sonderlich auffällig wirken und vor allem sieht man ihr den Kaufpreis nicht direkt an.
Anfangs dachte ich das mit dem Drehring etwas nicht stimmen würde, da er beim drauf Tippen klackert, was aber normal ist. Ob es an der Konstruktion selbst oder einem möglichen Verzug durch das Härten entsteht weiß ich nicht und stört mich nicht
Ich kann zu der Uhr rein gar nichts negatives sagen. Dass das Uhrwerk nun nachreguliert werden muss, gehört m. E. zu einer Automatikuhr dazu. Das verbaute ETA-Werk lief bis dato tadellos. Das Silikonband verliert irgendwann sein mattes äußeres, wird aber nicht wirklich glänzend und die Faltschließe funktioniert wie am ersten Tag.
Gerne hätte ich noch Bilder gemacht, aber meine Uhr befindet sich ja gerade beim Konzi ![]()
Ich hoffe dass ich Euch meine Eindrücke und Erfahrungen nachvollziehbar vermitteln konnte und dem ein oder anderen bei seiner Informationssuche hiermit etwas helfen kann.
Beste Grüße