Hallo zusammen,
gestern ist meine 757 UTC mit Stahlarmband angekommen.
Ich möchte euch hier gerne meine ersten Eindrücke schildern und ein paar Fotos präsentieren, die ich gleich nach dem Auspacken gemacht habe.
Ihr kennt das sicher, dass alles voller Spannung erwartete Neue mit einer bestimmten Vorstellung verbunden ist, die dann beim Auspacken entweder erfüllt oder sogar übertroffen wird, aber vielleicht auch einer gewissen Enttäuschung weicht, wenn man das lang ersehnte Produkt dann das erste Mal in den Händen hält und ausgiebig begutachtet.
Mein ganz persönlicher erster Eindruck von der Sinn 757 UTC ist folgender:
Wow, die Uhr macht mich an (wusste ich vorher, sonst hätte ich sie nicht gekauft). Dieses extrem klare, kontrastreiche Zifferblatt- und Zeigerlayout kenne ich sonst nur von Flugzeuginstrumenten, an die mich die Uhr bei jedem Blick erinnert. Das beidseitig entspiegelte Glas trägt mit zu dieser enormen Klarheit bei.
Der grellgelbe Zeiger für die zweite Zeitzone und der „UTC“-Schriftzug auf dem Zifferblatt geben der Uhr einen willkommenen „Farbklecks“ neben der eigentlichen Funktion, für die ich mich bewusst entschieden habe, weil ich sie nutzen werde.
Gehäuse, Band, Lünette, Krone und Drücker sind tadellos verarbeitet und haben ein hochwertiges Oberflächenfinish. Abweichungen zueinander in Beschaffenheit oder Farbton kann ich nicht erkennen. Prima.
Optisch erweckt der tegimentierte Edelstahl den Eindruck, als würde es sich um eine Titanlegierung handeln. Durch die Perlstrahlung ist die Oberfläche erfreulicherweise sehr unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken.
Die Verbindung der entnehmbaren Armbandglieder mittels Gewindehülsen und Schrauben mit Innensechskant sowie die Justierung der Lünette über die kleinen Gewindestifte mit Schlitz gefallen mir, denn sie unterstreichen den instrumentellen Charakter dieses Zeitmessers, der so ein ordentliches Stück „Maschinenbau“ darstellt.
Die Längen-Feinverstellung des Armbands hat drei Positionen, deren Spreizung zwar ausreicht, weil sie gut auf eine Gliedlänge abgestimmt ist. Allerdings hätte ich vier enger zusammenliegende Positionen bei gleicher Spreizung besser gefunden, um eine Anpassung in etwas feineren Schritten vornehmen zu können.
Die in Scharnierform ausgeführte Taucherverlängerung des Armbands ist sogar massiv und aus dem Vollen gefräst. Ich benötige sie zwar nicht, aber wer die Uhr mal über der Kleidung tragen möchte/muss, wird sich über die einfache Möglichkeit freuen.
Die griffig gerändelte Krone ist perfekt dimensioniert und ordentlich verschraubt. Der Gewindeanfang lässt sich mühelos finden und die Rastpositionen sind klar definiert.
Die Drücker besitzen einen ausreichend markanten Druckpunkt und lassen sich somit zuverlässig bedienen.
Die drehbare Lünette hat radial etwas und in ihren Rastpositionen reichlich zu viel Spiel. Das fühlt sich „billig“ an und ist einer Uhr für weit über 3000,- Euro nicht würdig!
Ich besitze zwei Seikos für jeweils nur etwa ein Zehntel des Preises. Bei diesen lässt sich die Lünette schön „satt“ und spielfrei und mit genau dem richtigen Maß an Selbsthemmung drehen. Das fühlt sich deutlich wertiger an als bei der Sinn 757, die in diesem Punkt eine herbe Enttäuschung ist.
Dass die Aufnahmebohrungen für die Federstege an den Bandanstoßhörnern nicht als Sackloch ausgeführt sondern durchgebohrt und somit von
außen sichtbar sind, gefällt mir nicht. Bei einer preiswerten Uhr habe ich dafür ja Verständnis, aber in dieser Liga nicht. Zumal ich keinen Vorteil/Nutzen dieser Lösung z.B. für häufigen Bandwechsel erkennen kann. Der "Vorteil" liegt lediglich in einer etwas günstigeren Fertigung, was bei der ambitionierten Preisgestaltung für diese Uhr aber kaum ausschlaggebend sein dürfte. Aber es ist leider so und das wusste ich ja vorher. ![]()
Das Zifferblatt ist auf den ersten Blick sauber und mit sattem Farbauftrag bedruckt – solange man es mit dem bloßen Auge betrachtet. Mit einer 8-fach-Lupe sollte man nicht allzu genau hinsehen, aber das macht ja auch keiner. ![]()
Das gilt auch für die Zeiger. Nicht alle sind makellos lackiert bzw. mit Leuchtmasse belegt. Bei meinem Exemplar sieht man mit der Lupe auf dem Zeiger für die Dualzeit eine in der Lackierung eingeschlossene Verunreinigung. Ich bilde mir ein, dass ich diesen kleinen Makel jetzt, wo ich ihn mit der Lupe entdeckt habe, auch mit bloßem Auge erkennen kann, wenn ich aus der Nähe ganz genau hinschaue.
Die Stellung aller Zeiger ist in allen Positionen ausreichend exakt. Damit kann ich gut leben.
Die Datumsanzeige ist wider Erwarten trotz ihrer geringen Größe problemlos ablesbar, was sicher auch daran liegt, dass sie schön flach direkt unter dem Zifferblatt liegt.
Der Rotor des verwendeten Kalibers Valjoux 7754 ist laut und hört sich „kratzig“ an. In bestimmten Situationen spürt man sogar die Unwucht am Arm. Dafür höre ich die Ankerhemmung nicht ticken, selbst wenn ich die Uhr direkt an mein Ohr halte. Eine neue Erfahrung, die ich von meinen anderen Automatik-Uhren so nicht kenne.
Das Gewicht dieser Sinn knackt als einzige Uhr in meiner Sammlung die 200 g-Marke. Sie bringt mit zwei entnommenen Bandgliedern satte 202 g auf die Waage – ein echt schwerer Brocken. Keine Frage, man merkt jederzeit deutlich, dass man „da was am Arm“ hat… ![]()
Trotzdem empfinde ich den Tragekomfort als noch akzeptabel, woran sicher auch die aus meiner Sicht stimmigen Proportionen ihren Anteil haben.
Abends einmal kräftig mit einer Lichtqualle angestrahlt, leuchten die mit Leuchtmasse belegten Bereiche bis zum nächsten Morgen in mehr als ausreichender Intensität. Warum Sinn bei den Ziffern dieses Modells lediglich die „12“ mit Leuchtmasse belegt, erschließt sich mir allerdings nicht.
Die Gangabweichung laut einer ersten Beobachtung liegt bei etwa +4 Sekunden am Tag. Das ist aufgrund der Beobachtungskürze und des Vollaufzugs von Hand direkt nach dem Transport natürlich kein belastbarer Wert, deutet aber schon mal in eine gute Richtung.
Soweit mein erster Eindruck. In wieweit sich dieser dauerhaft bekräftigt oder noch verschiebt und welche ergänzenden Eindrücke noch hinzukommen, wird sich zeigen.
Nun will ich euch aber eine Auswahl der Fotos, die ich gestern gemacht habe, nicht vorenthalten.
Gruß
mabel