... mit der:
Tutima M2 Seven Seas
Die Geburt einer Marke
Quelle: https://tutima.com/de/Wir schreiben das Jahr 1927. In ganz Europa liegt Aufbruch in der Luft. Unzählige technische Neuerungen, junge Künste wie der Film und die Fotografie, unerhörte Musik wie Jazz machen aus dem Jahrzehnt die Golden Twenties.
Auch in Glashütte, als Stadt der Uhren seit dem 19. Jahrhundert ein Ort von Weltrang, ist der Glaube an das Morgen spürbar. Und so entstehen hier, mitten in der Krise, zwei Firmen: die Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG, UROFA, und die Uhrenfabrik Glashütte AG, kurz UFAG. Beide werden von Dr. Ernst Kurtz geführt, einem Juristen, der schnell erkennt, dass nicht der damals noch weit verbreiteten Taschenuhr, sondern vielmehr der Armbanduhr die Zukunft gehören wird. Schnell brauchen seine besten Modelle den Vergleich auch mit den Schweizer Marken nicht zu scheuen. Wegen ihrer besonderen Halt- und Belastbarkeit erhalten sie den Titel „Tutima“, abgeleitet vom lateinischen Wort für „sicher“. Eine Marke ist geboren.
Ja, die Geschichte von Tutima war schon etwas bewegter als dieser kurze Ausschnitt preisgibt. Wikipedia verrät hier mehr, wie ich es kaum besser zusammenfassen könnte:
[...] Einen Tag vor der Zerstörung des Werkes durch sowjetische Bomber am 7. Mai 1945 flüchtete Kurtz, der Geschäftsführer der UROFA und UFAG, mit einigen Mitarbeitern in den Westen. Er begann zunächst in Memmelsdorf, Oberfranken mit einer Uhrenfertigung unter seinem Namen mit aus Glashütte stammenden Teilen. Später kamen selbst entwickelte hochwertige Armbanduhrkaliber hinzu, die unter der Marke Glashütter Tradition verkauft wurden. 1951 verlagerte er die Produktion in das niedersächsische Ganderkesee.
1956 wurde die Firma Kurtz zahlungsunfähig und ging an andere Besitzer über. Nachdem diese die Uhrenrohwerkeproduktion aufgaben, setzte Dieter Delecate, ein früherer Mitarbeiter von Kurtz und seinem Nachfolger, Anfang 1960 die Uhrenfabrikation fort unter Zukauf fremder Rohwerke. Kurz darauf setzte Delecate als erster in Westdeutschland wieder den Namen Tutima auf Uhren. Dieser war unter Ernst Kurtz während einer kurzen Partnerschaft mit Werner Pohlan aus Glashütte bereits in der Vertriebsfirma Tutima Uhren – Glashütter Tradition aufgelebt. 1970 wurde der Name Tutima beim Deutschen Patentamt zum Schutz angemeldet.
2008 wurde begonnen, die Produktion nach Glashütte zu verlagern. Seit Mai 2011 werden in dieser neuen Manufaktur Uhren mit selbst entwickelten und selbst hergestellten und mit modifizierten zugekauften mechanischen Werken produziert. In Erinnerung an den Vater der Marke Tutima, Ernst Kurtz, wurde die Hommage Minute Repeater präsentiert. [...]
Tutima ist bei den deutschen Uhrenmarken durchaus ein bekannter Name, allerdings würde ich die Glashütter "Wiederkehrer" auf jeden Fall hinter Sinn, Lange, Nomos und gar Mühle Glashütte und Stowa einordnen - zumindest was die öffentliche Wahrnehmung bei zeitgenössischen und internationalen Uhrenfans angeht.
Für mich gehört Tutima auf jeden Fall zu den Glashütter Traditions-Uhrmachern, die (wie viele Konkurrenten) eine bewegte Geschichte hinter sich haben. Wie ihr ja wisst, bin ich ja seit ein paar Monaten auf der Reise, die dt. Marken und Firmen ein wenig zu stärken. Lange habe ich eher im Schweizer Umfeld und vor allem nach bekannteren Marken geschaut... bis ich gemerkt habe, dass die deutschen Uhren mit oft praxistauglichen und robusten Designs eigtl. genau meinen persönlichen Geschmack ansprechen! Und da neben Sinn & Co. eben ein wenig Abwechslung ins Haus soll, habe ich mich auch ein Mal nach einer Tutima umgesehen.
Tutima bedient den Markt zwar auch prinzipiell in der typischen "Mittelklasse", allerdings finden sich hier auch einige wirklich exquisite Uhren, wie die schon im Wikipedia-Artikel angesprochene Minutenrepetition namens "Hommage":
Auch Sinn hat ja mit der 6200 WG MEISTERBUND I ein heißes Gerät im Sortiment, aber eine Minutenrepetition im eigenen Hause zu fertigen, ist für eine kleine dt. Manufaktur schon eine ordentliche Leistung!
Preislich kann man sich das hingegen im Vergleich zur Sinn komplett in die Haare schmieren - die "Hommage" kostet ungefähr 12x so viel wie die auch schon nicht ganz günstige Meisterbund. Wie sagt man heutzutage Neu-Deutsch: Eine "Halo" Uhr, die nur dazu dient, die technische Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Genau dieser Anspruch an sich selbst mach Tutima für mich aber auch zu etwas besonderem. Auf den ersten Blick viel mir nie eine Uhr ins Auge, die mich sofort begeistert hat. Nach kurzem Umschauen habe ich dann aber schnell gefunden, was mein Herz erwärmt hat:
Die
Tutima M2 Seven Seas!

Die Seven Seas ist eine klassische Taucheruhr mit 500m Druckfestigkeit und satten 45mm Durchmesser. Ein Klopper, der rein von den Maßen erst ein Mal nichts für mich wäre. ALLERDINGS ist die Uhr komplett aus Titan gefertigt, inkl. Armband und Schließe. Dazu kommt das mit 13mm echt recht schlanke Gehäuse, was sich in der Praxis gefühlt nochmal mindestens 1-2mm niedriger trägt. Klingt nicht viel, aber wer schon mehr als zwei Uhren hatte und sich mit den Maßen mehr beschäftigt hat, weiß, dass das ein großer Unterschied sein kann.
Ich bin ja auch ein großer Fan der Farbe blau. Allerdings habe ich mich in letzter Zeit eher ein wenig von blauen Ziffernblättern getrennt, weil mir die Farbtöne vieler Uhren dann einfach nicht so zugesagt haben (wie z.b. bei meiner Tudor Pelagos). Die Tutima war hier anders. Ich finde den Farbton wirklich toll und er ist sogar auf der Homepagewirklich gut getroffen!
Brauche ich eine weitere Taucheruhr? Eigtl. nicht. Aber ich wollte eine Tutima in meiner Sammlung und ich habe auch schnell gemerkt, dass mir die Uhr einfach super gefällt. Das liegt vor allem an der Leichtigkeit des Gehäuses, was in der Praxis meiner Meinung nach einfach perfekt komfortabel zu tragen ist. Das Titan fühlt sich sehr leicht an, vom Gesamteindruck ist die Uhr aber noch schwer genug, dass sie sich noch wertig anfühlt. Das Titan fühl sich allerdings nicht nur gut an, sondern passt wie ich finde auch perfekt zum gewählten Blauton - die Uhr wirkt durch die gedämpfteren Farben des dunkleren Titans und der ZB-Farbe nicht aufdringlich, sondern trotz ihrer massiven Erscheinung recht dezent.
Auch die Größe mit 45mm lässt sich aufgrund des geringen Gewichts und des recht flachen Gehäuses sehr gut tragen - stört mich keineswegs. Wer also kleinere Handgelenke hat, aber prinzipiell auch gerne größere Uhren tragen möchte, ist hier mit der Tutima M2 Seven Seas gut beraten.
Meine persönliche Meinung zur Uhr - Pro's & Con's
Wie oben bereits geschrieben, gefällt mir die Sven Seas wirklich gut! Ein paar Sachen möchte ich allerdings hervorheben, die mir besonders aufgefallen sind.
PRO
- Das Gewicht. Die Uhr ist durch das Titan nicht nur leichter, sie trägt sich einfach viel angenehmer. Ein Faktor, der dazu führt, dass ich meine Seven Seas in letzter Zeit öfter mal spontan ans Handgelenk geschnallt habe, als die meisten anderen meiner Uhren, die so in meiner Wohnung rumfliegen...
- Die Ziffernblatt-Details. Die Seven Seas hat ein klares Auftreten - wir Sinn-Freunde kennen und lieben den Look. Allerdings hat die Uhr ein paar nette Details. Nicht nur die Zeiger-Ansätze sind in der gleichen Farbe wie das ZB, sondern sogar die Tag / Datum Scheibe! So etwas finde ich bei "farbigen" Uhren immer toll. Viele Hersteller, auch in ganz anderen Preissegmenten, machen dies nicht!
- Die Krone! Für mich ein GANZ wichtiger Faktor, wo meine auf dem Papier so hochgelobten Omega-Uhren oft abstinken. Die Krone der Tutima sieht nicht nur gut aus, sondern lässt sich perfekt bedienen. Der Grip ist hervorragend, genau so - und das ist für mich der wichtigste Punkt - das Gefühl, wie sich die Krone heraus- und wieder reinschrauben lässt. Einfach ein Traum! Der Widerstand und das Gefühl sind einfach perfekt. Auch lässt sich die Krone sauber zudrehen, so dass das Tutima-Logo immer schön nach oben zeigt. Take notes, Rolex!
- Die Gehäuseform. Das Gehäuse wirkt auf den ersten Blick recht unspektakulär. Auch das Band sieht sehr nach einem Standard-Sinn-H-Link-Armband aus. Aber bei genauem Hinsehen zeigt sich auch hier Eigenständigkeit - die einzelnen Glieder sind sehr dünn und auf der Oberseite schön abgerundet. Das sieht man auch im Gehäuse - die Flanken sind nicht hoch und flach (wieder, hallo Rolex Submariner...) sondern teilweise schön angefast oder abgerundet. Und das in einer nicht wirklich symmetrischen Art und Weise, was der Uhr einen besonderen Look verleiht. Optisch ein Highlight ist hier vor allem die eingelassene Lünette, die einfach cool aussieht!
Allerdings hat die M2 für mich auch zwei klare Nachteile, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
CON
- Der erste Punkt ist die oben zuletzt angesprochene Lünette. Der Grip ist ähnlich einer Omega Seamaster 300 Diver (die v.a. älteren Modelle) von Haus aus schon nicht so hervorragend. Die Riffelungen deuten optisch zwar auf einen super Grip hin, aber die Praxis sieht anders aus. Dazu kommt, dass sich meine Lünette nach einer halben bis dreiviertel Umdrehung regelrecht verklemmt?! Ich weiß nicht, ob hier die Fertigungstoleranzen ZU eng sind, dass hier an gewissen Hotspots zu viel Druck anliegt, aber ich kann dieses Verhalten reproduzieren. Mit viel Kraft und ein wenig Rütteln lässt sich die Lünette ganz gut drehen, aber manchmal hakt sie sich auch so fest, dass man wirklich stark hin und herr wackeln muss, bis sich das Ding auch wieder nur ein Stück bewegt. Ich müsste mal prüfen lassen, ob das nur bei meiner Version so ist oder ob alle M2 Lünetten solche Biester sind... besonders nach der tollen Krone hat mich das schon ziemlich ernüchtet. Zum Glück nutze ich die Taucher-Lünetten in der Praxis nicht wirklich. Ich spiele eher damit rum, wenn mir langweilig ist oder das Handy gerade nicht in Reichweite, wenn ich einen Timer für das Essen im Offen stellen muss. Von daher: Verschmerzbar.
- Der zweite Nachteil für mich ist die Leuchtmasse. Kein Beinbruch - recht hell und typisch grün. Allerdings scheint die Masse vom Gefühl keiner aktuellen Superluminova zu entsprechen, sondern eher einer eigenen oder älteren Mischung. Im dunklen sieht man leichte Fleckchen oder eher "Streusel" auf den Zeigern, als wäre die Leuchtmasse nicht dick oder ordentlich genug aufgetragen. Das ist wirklich nur minimal, allerdings ist auch die Leuchtkraft für eine Taucheruhr recht überschaubar im Vergleich zu vielen anderen Marken. Auch hier zum Glück keine große Sache - aber es ist schon schade, dass beide von mir aufgeführten Nachteile eigtl. genau praxisrelevant sind, wenn man die Uhr WIRKLICH zum Tauchen nutzen möchte. Daher finde ich das schon etwas schade.
Dennoch: Die Tutima M2 Seven Seas gefällt mir richtig gut und wird mich hoffentlich noch länger in meiner Sammlung begleiten!
Ach ja, bevor es zum Eingemachten geht...
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... noch ein Hinweis zur "Schließen-Problematik", die ich ja mal bei den Sinn-Schließen am Stahlband angesprochen habe. Auch meine SAR Rescue-Timer hatte ja ein ähnliches Problem, da die Bauweise praktisch identisch ist. Bei der Tutima ist das Problem NICHT da - der Grund ist recht offensichtlich. Der Bau der Taucherverlängerung ist zwar auch hier sehr ähnlich, allerdings kann sich die Schließe nicht von selbst öffnen, da sie eine Aktivierung über zwei gegenüberliegende Drück hat! Bei Sinn und Mühle sind die Schließen nur durch "Klick"-Mechanismen geschlossen, die einem gewissen Druck bzw. Zug nachgeben. Für mich also die deutlich elegantere Lösung. Wer keine Doppeldrücker-Schließen mag, kann sich hier an Rolex orientieren: Deren Schließe scheint ebenfalls ähnlich gebaut zu sein wie die von Sinn & Co. (mal von der Qualität und Materialstärke abgesehen). Allerdings ist hier die Öffnung wirklich nur mit der aktiven Bewegung des Fingers möglich, da an dieser Stelle dann der "Haken" zum Öffnen ausgehakt wird - die Schließe hält also nicht nur durch Druck geschlossen.
Und jetzt wie immer:
für's Lesen und viel Spaß beim Bilder gucken!
Beste Grüße,
Daniel ![]()
Ich habe euch hier noch ein paar Bilder meiner Tudor Pelagos angehängt. Diese Uhr ist ebenfalls komplett aus Titan und "nur" 41mm groß. Ich finde es interessant zu sehen, dass die Tutima nicht wirklich größer wirkt, schmaler ist und auch noch einen deutlichen Ticken leichter ist. Bei der Tudor hingegen erkennt man natürlich das deutlich hochwertigere und "schärfere" Finish des Titan, was vermutlich auch eine andere Legierung ist (Grade 5 vs. Grade 2 bei der Tutima?). Ich finde allerdings beide Uhren schön und die Tutima kommt mit ihrem "raueren" aber doch "weich" wirkenden Finish sehr cool rüber!
Aber jetzt ist Schluss, esst euer Popcorn auf und verlasst diesen Faden!
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