Uhren aus Pforzheim. WIeder im Kommen ?

  • Danke Claus für deinen Impuls, hier der eigene Faden:

    Seit geraumer Zeit habe auch ich das Gefühl, dass aus Pforzheim wieder gute, schöne und auch preislich attraktive Uhren kommen.

    Es scheint so, als hätte Glashütte das Vorrecht auf edelste deutsche Uhren gepachtet (wer mal eine Werksbesichtigung bei Lange & Sohne gemacht hat, weiss was ich meine). Wobei Glashütte auch in Pforzheim eine Produktionsstätte besitzt, die im Moment gerade geschlossen wird. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube dass dort die Zifferblätter produziert werden.
    In Pforzheim gab und gibt es gute und v.a. bezahlbare Uhren, die sich viele Leute leisten können. Es sind meist traditionsreiche Marken, die teilweise schon seit 100 Jahren Uhren produzieren.

    Mir gefällt, dass sich die Pforzheimer Marken wieder ihrer Stärken und ihrer Tradition besinnen. Während über "Crowdfunding" , also einer Schwarmfinanzierung Einzelunternehmer mit nicht viel mehr als guten Ideen und unternehmerischem Mut es schaffen, erfolgreich neue Marken und neue Uhren in den Markt zu bringen, die irgendwo auf der Welt günstig montiert werden, haben viele alte Marken
    im Dämmerschlaf verbracht und die Chancen der Internet-Vermarktung nur wenig genutzt.

    In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass bei Stowa, Laco, Archimede und Ickler oder auch so kleinen Marken wie Circula gerade viel Neues entsteht.


    Was meint Ihr, sehr ihr das auch so ?

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • Also ich habe den Eindruck - kann es aber mangels ausführlicher Beschäftigung mit dem Thema nicht belegen - dass in den letzten 1, 2 Jahren, die Pforzheimer deutlich an Profil gewinnen. Tolle, authentische Uhren, die sich nicht in einer Nerd-Nische verstecken müssen und auch international (insbes. LACO, EZA) erfolgreich zu sein scheinen.

    Ich habe zwar keine PF-Uhr, finde das aber sehr positiv für alle Beteiligten.

    Watches are the only jewelry men can wear, unless you're Mr. T
    Gordon Bethune

  • An Pforzheimer Uhren kenne ich die Marken LACO, STOWA (Engelsbrand für die Korinthenka... unter uns), ARCHIMEDE (Ickler) und ARISTO.

    Insbesondere die beiden zuerst genannten Hersteller stellen imo eine sehr gute Alternative für SINN-Fans dar. Die Qualität meiner ersten LACO (Friedrichshafen) als auch die Kundenfreundlichkeit der Leute dort, hat mich unlängst 100%ig überzeugt : doppelt Daumen hoch ! Das P/L-Verhältnis ist im Gegensatz zu SINN heute sehr fair.

    Meine erste STOWA (Marine Original arabisch) ist auf dem Weg zu mir. Bis dato habe ich einen ebenso guten Eindruck von STOWA. Der Verkauf lief etwas holpriger, aber dies soll an der derzeitigen Corona-Notbesetzung liegen. Ich freue mich jedenfalls auf eine qualitativ hochwertige Uhr mit einem einmalig stringenten Marinedesign : doppelt Daumen hoch ! Das P/L-Verhältnis ist imo geringfügig schlechter als bei LACO, aber wer weiß, vielleicht bin ich in Kürze qualitativ total geflasht :P . STOWA hat im Gegensatz zu LACO hauptsächlich Uhren mit kleinerem Durchmesser (bis 41mm) im Programm.

    ARCHIMEDE ist preislich und qualitativ darunter angesiedelt. Die Uhrwerke sind ohne jegliche Überarbeitung, die Preise dafür sehr zivil. Imo eher ein Aufstieg für Leute, die von STEINHART kommen. Die Sporttaucher in Bronze mit blauem Zifferblatt finde ich sehr lecker : doppelt Daumen hoch ! Ebenfalls liegt wie bei STOWA der Fokus auf Uhren mit kleinerem Durchmesser.

    Zu ARISTO mag ich nix schreiben. Deren Uhren sind für mich uninteressant.

    PS: Alles meine persönliche Meinung und nicht böse gemeint, es soll sich bitte niemand auf den berühmten Schlips getreten fühlen ;) !

  • Wenn man einmal schaut, was aus der Gegend alles kommt, dann finde ich diese Region mega interessant:

    Stowa
    Laco
    Archimede
    Limes
    Autran und Viala
    Defakto
    Aristo
    Circula
    Benzinger

    Und wenn man dann weiter in den Südschwarzwald geht, gibt es noch mehr:

    Hanhart
    Lehmann
    Temption
    Rieber
    Und andere

    Beste Grüße
    Axel

    Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.

  • EZA ist entfernt auch weiterhin aus Pforzheim (die Montage geschieht wohl dort)

    Und, nicht Uhr aber dann doch passend, Staib.

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    Gordon Bethune

  • Bei EZA bin ich wirklich zwiegespalten. Eine alte Pforzheimer Marke, von einem Niederländer aufgekauft, den Firmensitz in die Schweiz verlegt und die Webseite nur auf Englisch und Russisch. Da ist mir ehrlich gesagt auch egal, ob in Pforzheim produziert wird.

    Beste Grüße
    Axel

    Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.

  • Bei EZA bin ich wirklich zwiegespalten. Eine alte Pforzheimer Marke, von einem Niederländer aufgekauft, den Firmensitz in die Schweiz verlegt und die Webseite nur auf Englisch und Russisch. Da ist mir ehrlich gesagt auch egal, ob in Pforzheim produziert wird.

    Da bin ich persönlich auch etwas skeptisch / vorsichtig. Auch bei den "Großen", die oft eine Jahrzehnte- oder gar Jahrhunderte-lange Geschichte zu haben scheinen, wird oft nicht ganz mit der Wahrheit geworben. Viele dieser Firmen wurden über Jahrzehnte geschlossen und wurden erst in den 90ern / 2000ern wiederbelebt - oft ist dabei lediglich der Markenname übrig geblieben.

    Generell bin ich allerdings ein großer Fan der Pforzheimer : doppelt Daumen hoch

    Laco und Stowa sind meine zwei Lieblinge und wohl gleichzeitig zwei der größten / bekanntesten Firmen aus der Region. Beide haben eine echte, langjährige Geschichte und bauen bis heute tolle Uhren mit gutem P/L-Verhältnis. Stowa liegt besonders bei der Werksveredelung meiner Meinung nach nochmal deutlich über Laco, auch wenn diese in letzter Zeit ziemlich Gas gegeben haben :yeah: Besonders in Sachen original Flieger- bzw. B-Uhren für mich die einzige Marke, die in Frage kommt : doppelt Daumen hoch

    Für mich ein wenig mehr authentisch als Glashütte, wo sich ein paar Marken nur des guten Namens wegen rumtreiben (Bruno Söhnle z.B.) oder viele "lediglich" die Fertigung dort haben, aber die ganze Vorarbeit / Design / Markteting z.B. in Berlin stattfindet (z.B. Nomos). Auch der absolute Primus, A. Lange & Söhne lässt (wenig bekannt) Teile wie z.B. Zeiger bei anderen kleinen Manufakturen fertigen. Damit wirbt man natürilich nicht prominent, weil besonders letztere große Marke dafür bekannt ist, alles selbst zu entwickeln und zu produzieren. Stimmt aber eben oft nur bis zu einem gewissen Grad ;) Von der entsprechenden Manufaktur, die u.a. Zeiger für Lange fertigt, erwarte ich übrigens mein Goldstück :shock: :whistling:

    Passend dazu: Es ist eben nicht alles Gold was glänzt. Die Pforzheimer sind allerdings auf einem guten Weg und ich hoffe, dass aus dieser Region bald noch viel mehr kommt Top1

    Besten Gruß,
    Daniel

  • Interessant, dass Pforzheim auch eine lange Tradion hat im Bezug auf Design. Die viel später erscheinende Firma Nomos hat das bekannte Bauhaus-Design aufgegriffen und später für sich in Anspruch genommen, ich meine mich zu erinnern, dass es damals auch Rechtsstreitigkeiten gab.

    Hier ein lesenswerter Beitrag von Hr. Schauer / Stowa:


    Warum gleicht das Design der STOWA Antea so dem Design der Nomos Uhr ?

    Erklärung zum Design der STOWA Antea
    Da es immer wieder kleine Missverständnisse wegen dem Design der STOWA Antea gibt, möchten wir hier an dieser Stelle einige Dinge dazu erklären. Emotionslos gesagt ist die ganze Sache viel einfacher als viele denken.
    In den dreissiger Jahren kauften selbst bekannte Uhrenfabriken aus Glashütte Ihre Zifferblätter in Pforzheim ein! Z.B kaufte Lange in Pforzheim Zifferblätter, die zufällig Merkmale von Bauhaus und Werkbund aufwiesen. (Quelle ist das Nomos Buch von Hans Irrek, Design Klassiker, „Die Tangente von Nomos Glashütte“-Seite 18 - zweites Drittel).
    Dieser Umstand wurde STOWA auch von mehreren Leuten (u.a. dem Sohn und langen Geschäftsführer der damals größten Zifferblattfabrik der Welt) bestätigt. Damals und noch weit in die achtziger Jahre hinein gab es nur ganz wenige Firmen, die sich Ihre Gestaltung von Uhren überhaupt schützen ließen! (ich erinnere mich immer wieder an meine Besuche bei einer Pforzheimer Zifferblattfabrik, die mir immer Zifferblätter zum Kauf anbot, die mit Markennamen aller möglichen Firmen bedruckt waren - anfang der Neunziger war da wohl noch niemand so sensibel wie heute). Erst in den Neunziger Jahren und durch den Boom im Uhrenmarkt haben immer mehr Firmen erkannt, dass eigenständiges Design sehr wertvoll ist und geschützt gehört (was wir bei STOWA auch völlig in Ordnung finden). Trotzdem gibt es immer wieder Firmen, die ein altes Design ausgraben und für sich schützen. Ansich könnte man meinen, dass dies verwerflich ist, dem ist aber nicht so. Der Gesetzgeber sieht z.B vor, dass Dinge, die in „Vergessenheit“ geraten sind, sehr wohl wieder neu entdeckt und geschützt werden können. Einzigst die Frage:„Wann ist etwas in Vergessenheit geraten“ stellt alle vor ein großes Problem. Es gibt aber Fälle in der Rechtsprechung die solchen Anträgen auf Geschmacksmusterschutz positiv eingestellt waren. Andere Fälle waren da keinesfalls eindeutig und eben nicht in „Vergessenheit“ geraten. Dies wird aber immer eine schwierige Entscheidung des Rechtsprechers sein. Da ich weiter in der Sache der Herkunft von z.B genau den Zifferblättern um die es geht recherchiere, kann man irgendwann mal sehr gespannt sein, wer nun die Zifferblätter die bei uns oder anderen Uhren zur Verwendung kommen, tatsächlich entworfen hat.
    Es geht eigentlich weniger darum, welche Firma diese Blätter entworfen hat, den es ist schlichtweg kein exklusives Design irgendeiner Firma, sondern vielmehr eine Epoche in der Pforzheimer und Schweizer Zifferblattindustrie gewesen.
    Ich gehe etwas tiefer hinein in die Materie - ich recherchiere seit Monaten um den wirklichen Schöpfer oder Zeichner dieser Blätter zu finden. Irgendwo in Pforzheim muss er gelebt und gearbeitet haben. Es bleibt spannend! Im übrigen war die Arbeitsweise vieler existierender und früherer Zifferblattfabriken meist gleich. Man hatte eine Abteilung mit Entwerfern/Designern, die den Uhrenproduzenten Ihre Zifferblattkollektionen jedes Jahr mehrmals vorlegten. Der Uhrenproduzent (darunter auch heute sehr erfolgreiche Marken) suchte sich seine Blätter raus und bestellte sie mit seinem Namen und evtl. kleinsten Abweichungen beim Zifferblattherste ller. Somit muss man ganz klar sagen, dass ehemalige Entwerfer/Designer in den Zifferblattfabriken den Trend - zumindest im Uhrenbereich - gemacht haben. Erst heute ist die Gestaltung der Uhren und Zifferblätter zu einem ganz besonders wichtigen und großen Teil der Uhrenindustrie geworden. Ich hoffe, dass meine Erläuterungen das Thema etwas objektiviert haben. Es gibt noch viele Dinge die in diesem Zusammenhang gesagt werden müssten. Viele Uhrensammler kennen aber auch die zahllosen Uhren aus den dreißiger Jahren , die sich alle der gleichen Formensprache bedienten und heute vielen Firmen als Grundlage für neue Modelle dienen.

    Quelle:
    https://www.stowa.de/Haeufig+gestellte+Fragen/

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • Ein interessanter Beitrag.

    Mir war überhaupt nicht bewusst, dass Jörg Schauer mittlerweile Geschäftsführer bei STOWA ist !?

    Gruß
    mabel

    Ist er ja auch erst fast 25 Jahre SchuechternKichern

    Schäfchen zählen,pah ich leg mir meine Uhr aufs Ohr :zzz:

  • Ja, Jörg Schauer hat sich schon mehrfach zum Thema "Bauhaus-Design" geäußert bzw. die Ähnlichkeit der Antea Klassik zur aktuellen Nomos Tangente erklärt.

    Ich würde es sogar noch einfacher und un-emotionaler zusammenfassen: Stowa hat damals (und damit meine ich in den 30ern) bereits nachweislich Uhren in exakt diesem Stil gebaut. Und da eben dieses Design nicht geschützt war / ist, sollte auch niemand Anspruch darauf erheben, da es eben aus dieser Epoche stammt und mit vielen unterschiedlichen Firmennamen bedruckt wurde. Wenn heutzutage rechtlich jemand das für sich beanspruchen kann, ist das eine Sache - historisch gesehen hat Stowa aber meiner bescheidenen Meinung nach absolut den Anspruch diese Designs heute wiederzuverwenden, auch wenn das den Glashüttern von Nomos nicht gefallen hat. Ich mag Nomos als Marke sehr gern, den Bauhaus-Stil-Streit fand ich aber damals schon lächerlich, als das Thema vor vielen Jahren aufkam. Da hatte sich Jörg Schauer persönlich sogar in Uhren-Foren dazu geäußert.

    Ich finde es übrigens klasse, dass Stowa viele alte Bilder und Geschichten zu den Uhren auf der Website hat, z.B. lässt sich eine kleine Historie auch direkt auf der Übersichtsseite der Antea-Homepage herauslesen: https://www.stowa.de/Antea/

    Einfach runterscrollen, dann findet sich z.B. das:

    Besten Gruß,
    Daniel

  • Pforzheim war mir bisher nur aus zwei Gründen bekannt.

    Als Zentrum der Schmuckindustrie, sowie aus historisch-technischem Interesse als eine der Städte in Deutschland, die einen Feuersturm zu erleben hatten. (neben ua Frankfurt, Hanau und Darmstadt).

    Umso erstaunlicher ist es für mich, daß sich hier eine Menge Schmuck & Uhrenhersteller angesiedelt haben, von denen viele allerdings in den Neunzigern abgewandert sind.

    Umso schöner, daß ein paar unserer Lieblingsmarken dort angesiedelt ist. Vielen lieben Dank für alle Beiträge die mir helfen mein doch beschränktes Uhren Wissen auf breitere Beine zu stellen. : like

    Ganz lieben Gruß

    Ru_Di

    Expect no quarter, expect no mercy, expect total hell

  • Ja, Jörg Schauer hat sich schon mehrfach zum Thema "Bauhaus-Design" geäußert bzw. die Ähnlichkeit der Antea Klassik zur aktuellen Nomos Tangente erklärt.

    Ich würde es sogar noch einfacher und un-emotionaler zusammenfassen: Stowa hat damals (und damit meine ich in den 30ern) bereits nachweislich Uhren in exakt diesem Stil gebaut. Und da eben dieses Design nicht geschützt war / ist, sollte auch niemand Anspruch darauf erheben, da es eben aus dieser Epoche stammt und mit vielen unterschiedlichen Firmennamen bedruckt wurde. Wenn heutzutage rechtlich jemand das für sich beanspruchen kann, ist das eine Sache - historisch gesehen hat Stowa aber meiner bescheidenen Meinung nach absolut den Anspruch diese Designs heute wiederzuverwenden, auch wenn das den Glashüttern von Nomos nicht gefallen hat. Ich mag Nomos als Marke sehr gern, den Bauhaus-Stil-Streit fand ich aber damals schon lächerlich, als das Thema vor vielen Jahren aufkam. Da hatte sich Jörg Schauer persönlich sogar in Uhren-Foren dazu geäußert.

    Ich finde es übrigens klasse, dass Stowa viele alte Bilder und Geschichten zu den Uhren auf der Website hat, z.B. lässt sich eine kleine Historie auch direkt auf der Übersichtsseite der Antea-Homepage herauslesen: https://www.stowa.de/Antea/

    Diese (für mich damals völlig neuen) Hintergründe waren für mich der Grund, statt der eigentlich geplanten Nomos doch eine Stowa Antea zu kaufen.

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