Hat sich im Forum der Kommunikationsfluß verändert?

  • Mir ist in den letzten Monaten aufgefallen, daß sich das Forum für mich anders „anfühlt“ als früher – ohne das zunächst bewerten zu wollen.

    Dabei habe ich inzwischen den Eindruck, daß es vielleicht gar nicht so sehr um einen grundsätzlich anderen Ton geht. Viele langjährige Mitglieder schreiben aus meiner Sicht noch ziemlich ähnlich wie früher: mal knapp, mal ausführlich, mal sachlich, mal mit Humor.

    Auch kurze Beiträge, spontane Einwürfe, schnelle Antworten oder kleine Gesprächsschleifen sind keineswegs neu. Solche Passagen lassen sich auch in deutlich älteren Fäden finden.

    Was sich möglicherweise verändert hat, ist eher deren relative Häufigkeit und Verteilung.

    In manchen eigentlich sachorientierten Fäden entstehen recht schnell kleine Mehrpersonengespräche. Dort besteht die Diskussion stärker aus kurzen, unmittelbar aufeinanderfolgenden Beiträgen, Nachträgen, Einwürfen und kontextabhängigen Antworten.

    Sprachwissenschaftlich könnte man das wohl als Verschiebung in Richtung „konzeptioneller Mündlichkeit“beschreiben: geschrieben wird, aber in einer Form, die stärker einer spontanen mündlichen Unterhaltung ähnelt.

    Das begünstigt Satzfragmente, syntaktische Brüche und unbemerkte Tippfehler. Nicht unbedingt, weil jemand „schlechter“ schreibt, sondern weil zwischen Gedanke und Absenden weniger „redaktioneller Abstand“ liegt.

    Interessant finde ich auch, daß diese Form offenbar nicht gleichmäßig über alle Teilnehmer verteilt ist. Bei einer kleinen Stichprobe über verschiedene sachorientierte Fäden hinweg waren einige Mitglieder – gemessen an ihrer gesamten Beitragszahl in denselben Fäden – deutlich häufiger an solchen Gesprächsschleifen beteiligt als andere.

    Das soll ausdrücklich keine Bewertung einzelner Mitglieder sein. Im Gegenteil: Dieselben Teilnehmer können in stärker strukturierten Fäden ausgesprochen diszipliniert und sachbezogen schreiben. Es scheint also eher ein Zusammenspiel aus Thema, Situation und Teilnehmerkonstellation zu sein.

    Auch die neue Forensoftware könnte einzelne Aspekte verstärken – etwa Vollzitate oder unmittelbare Antworten. Sie kann aber nicht die alleinige Ursache sein, denn schnelle und dialogische Folgen gab es auch schon vorher.

    Vielleicht ist deshalb die eigentliche Frage gar nicht:

    „Ist der Ton heute anders?“

    Sondern eher:

    „Nehmen dialogisch verdichtete Gesprächsschleifen heute in Fäden, die eigentlich einem Sachthema dienen, mehr Raum ein als früher?“

    Das würde zumindest erklären, warum sich das Forum stellenweise „chatartiger“ anfühlt, obwohl die einzelnen Kommunikationsformen an sich gar nicht neu sind.

    Wie nehmt Ihr das wahr?

    tl;dr: Vielleicht hat sich weniger der Ton verändert als die Form der Kommunikation: mehr kleinteilige Einwürfe, mehr zerfaserte Anschlußreaktionen und mehr chatartige Gesprächsschleifen als früher – und vielleicht prägen bestimmte Teilnehmerkonstellationen diesen Eindruck stärker als einzelne Mitglieder für sich.c

    I don't judge people based on race, creed, color or gender.
    I judge people based on spelling, grammar, punctuation and sentence structure.

  • Ich weiß nicht, Tobias, ob es am Forum liegt. Ich denke eher, dass es ein allgemeines Phänomen ist, was zu beobachten ist.

    Ob sich mein persönlicher Stil verändert hat, kann ich selbst nicht beurteilen. Wenn mich jemand darauf ansprechen würde, hätte ich zumindest ein paar Ideen, an was das liegen könnte. Gruebeln

    Aus meinem persönlichen Umfeld kann ich beobachten, dass Textnachrichten übers Mobiltelefon aus dem engeren Freundeskreis oft ohne Anrede und Begrüßung, ohne Namensnennung gestartet werden. Eine Verabschiedung erfolgt oftmals auch nicht, was ich relativ befremdlich finde. Berufsbedingt bin ich einfach gewohnt, durch zehntausendfach Briefe schreiben Begrüßungsformel und Schlussformel aufzuführen und eine gewisse Form zu wahren.

    Weiteres Beispiel ist, dass sich durch die Einführung von Microsoft Teams auch auf der Arbeit der Kommunikationsstil verändert hat. Ähnliches ist hier zu beobachten. Erfolgte die interne Kommunikation vor einiger Zeit noch per E-Mail, erfolgt dies nun chatartig in Microsoft Teams. Es ist keine Seltenheit, dass stichwortartig kommuniziert wird, Anglizismen genutzt werden, Abkürzungen oder Emojis oder GIFs. :):(;):P;(Top1

    Man ist überall viel mehr involviert und äußert sich zu Themen in den unterschiedlichsten Gruppen. Überall wird man informiert, soll seine Meinung abgeben. Sei es die WhatsApp-Gruppe vom Junior vom Fußballtraining, die Elternbeirat-Gruppe in der Schule, das SINN-Forum, Kommunikationsplattformen im Beruf, bei Kunden, interne Fachgruppen und so weiter.

    Die Geschwindigkeit, mit der das heutzutage erfolgt, trägt seinen Übrigens dazu bei, dass sich der Stil ändert. Oftmals muss man schnell und kurz reagieren, bevor die nächsten Nachrichten eintrudeln und die Antwort, die man abgeben wollte, vielleicht schon nicht mehr passt.

    Und selbstverständlich läuft alles parallel, so wie bei mir jetzt... eigentlich arbeiten ich, aber trotzdem nehme ich mir immer wieder zwischendrin Minuten raus, wo ich mich privaten Dingen widme.

    Das wären meine Erklärversuche, warum sich ein Kommunikationsstil bei Personen und deren Umfeld oder einem Forum sich ändert. :ratlos:

    Grüße
    Ticker
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    ...warum bleibt am Ende des Geldes so wenig Uhr übrig... ? :wall:

  • Danke Dir für das Thema Bruder T.
    Dialogisch verdichtete Gesprächsstreifen mußte ich erst einmal nachschlagen.
    Hatten wir das hier jemals ? Ich bin erst seit 2019 an Bord und erinnere mich an einige großartige Fäden vor dieser Zeit, die ich so niemals mehr seitdem gesehen habe.

    Seit dem Wechsel auf die neue Weichware (und auch vorher) vermiße ich die tollen Neuvorstellungen, die wir hier hatten in der Vergangenheit. Auch einige beitragsstarke Teilnehmer schreiben deutlich weniger oder garnicht mehr.

    Eine Austausch nach diesem Modell nehme ich hier nicht wahr.

    Man schreibt zu den Themen, was grade einem grade durch den Kopf geht, oder was einem bei Uhren & Marken aufgefallen bzw. passiert ist. Ich finde es nicht schlimm, daß dies geschieht, ein lockerer Beitrag mit Situationskomik zB hellt die Stimmung auf, obwohl Off Topic.

    Ich hatte vor kurzem einen Austausch, bei dem es darum ging einen bestimmten Faden um alle Beiträge zu bereinigen, die nicht zum Thema gehörten. Dies habe ich ua aus dem oben geschriebenen Grunde abgelehnt. Mir gefällt es, wenn ich recht viele auch möglicherweise themenfremde Beiträge lesen kann, dies hier ist ein Forum und nicht Wikipedia.

    Ein Forum empfinde ich dann als perfekt, wenn sich Menschen wegen eines bestimmten Grundes zusammen finden und gemeinsam positiv daran arbeiten, daß sich alle wohlfühlen. Möglicherweise nehme ich das aber auch nur zu empfindlich wahr.

    Das Salz in der Suppe ist zwischenmenschlich sicher nicht ein Forum, sondern wenn man sich persönlich trifft. Grade dies ist in einer anderen Gruppe in der ich Mitglied bin das herausragende Merkmal. Im Forum ist garnix los, aber wenn man sich trifft sind alle brüderlich zueinander, als ob man zusammen aufgewachsen wäre, obwohl man eigentlich wildfremd ist.

    Ich schweife ab…..

    FUBAR

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