Nennt mich kleinkariert, aber zu diesem Dokument Schweizer Uhrwerke - Vergleich der üblichen Verdächtigen_via MS CoPilot_Satnd 2026-08-31_v1.1.pdf möchte ich doch meine sprichwörtlichen 10 ct einwerfen:
- Die Aufzugsrichtungen beim ETA 2824-2 und beim LJP G100 sind vertauscht.
ETA 2824-2 = beidseitiger Aufzug, LJP G100 = einseitiger Aufzug. Das ist schlicht falsch dargestellt. - Das Kapitel zum ETA 2892-A2 ist weitgehend falsch zugeordnet.
Nach der Einleitung zum 2892-A2 werden im wesentlichen erneut Alternativen aus der 2824-Klasse behandelt. - Das eigentliche Sellita-Pendant zum ETA 2892-A2, das SW300-1, fehlt, obwohl es mit seinen 3,60 mm Bauhöhe geradezu der naheliegende Vergleich wäre.
- Auch das Soprod A10/M100 als weiteres echtes 2892-Substitut fehlt.
- Beim SW200-2 wird die Trägheit der Unruh fälschlich als „Trägheit der Hemmung“ bezeichnet. Sellita schreibt in der eigenen Änderungsdokumentation ausdrücklich: „Unruh … Anpassung der Trägheit und kleinerer Durchmesser“. Das Hemmungsrad wird im selben Dokument separat behandelt. Unruh und Hemmung sind technisch unterschiedliche Baugruppen.
- Die Bezeichnung des SW200-2 als „neueste Generation (2026)“ ist zumindest erklärungsbedürftig. Sellitas eigene technische Dokumentation zur „Entwicklung SW200-1 → SW200-2“ trägt bereits das Datum 04.06.2025. Sollte „2026“ als Einführungsjahr gemeint sein, wäre das nicht haltbar; sollte lediglich „Stand 2026“ gemeint sein, ist die Formulierung mißverständlich.
- Beim Ronda R150 werden später „identische Einbaumaße“ behauptet. Zuvor nennt der Text selbst korrekt 4,4 mm Bauhöhe gegenüber 4,6 mm beim ETA 2824-2. Ronda bestätigt 4,40 mm. Die Bauhöhe ist also gerade nicht identisch.
- „Kenissi gehört zu Tudor/Rolef/Chanel“ ist ebenfalls unsauber. „Rolef“ dürfte wohl Rolex heißen. Kenissi wurde 2016 von Tudor gegründet; 2018 folgte die industrielle Allianz mit Chanel, das mit 20 % an Kenissi beteiligt ist. Die Schrägstrich-Konstruktion „Tudor/Rolef/Chanel“ bildet diese Verhältnisse jedenfalls nicht vernünftig ab.
- COSC und METAS werden bei den Kenissi/Tudor-Kalibern zu pauschal zusammengeworfen. Das normale MT5402 ist beispielsweise als Uhrwerk COSC-zertifiziert. Bei den Master-Chronometer-Modellen mit entsprechenden -U/-1U-Kalibern kommt dagegen die METAS-Zertifizierung der fertigen Uhr hinzu. COSC und METAS sind also nicht dasselbe: Die COSC-Zertifizierung des Uhrwerks ist bei Tudor vielmehr eine Voraussetzung dafür, daß die komplette Uhr anschließend die METAS-Prüfung zum „Master Chronometer“ durchlaufen kann.
- Beim ETA 7750 werden etwa 48 Stunden Gangreserve genannt. ETA selbst gibt für das aktuelle 7750 inzwischen typisch 54 Stunden an.
Dazu kommen einige grundsätzliche methodische Probleme:
Unter der Überschrift „2824-Plattform“ werden Werke zusammengefaßt, die überhaupt keine 2824-Drop-ins sind. Ausstattungsmerkmale einzelner Varianten werden teilweise auf ganze Werkfamilien übertragen. Und aus technischen Einzelmerkmalen werden ohne erkennbare Bewertungsmethode Wertungen wie
„ein bis zwei Klassen besser“,
„Speerspitze“,
„Benchmark“,
„makellos“ oder
„technologisch weit überlegen“
abgeleitet.
Was dabei „besser“ oder „Qualität“ eigentlich bedeuten soll – Gangstabilität, Robustheit, Magnetfeldresistenz, Wartbarkeit, Teileversorgung, Wirkungsgrad, Bauhöhe, Finissierung oder etwas anderes –, wird nirgends definiert …