Aufgrund der hier: Beratung U1, U2, UX oder UX GSG 9...Brauche Dringend Beratung und auch schon andern Orts aufgetauchte Diskussion über die Notwendigkeit und den Zeitabstand von Revisionen möchte ich diese Betrachtung hier mal genauer durchführen.
Znächst einmal ist hier die Frage der Begriffbestimmung der "Revision". Eine Revision bedeutet das komplette Zerlegen der Uhr, die Überprüfung der Funktionsteile, die Reinigung, die Schmierung ggf. Ersetzen der defekten Teile und die Montage mit Reglage mit anschließender Dichtheitsprüfung. Einige polieren auch noch das Gehäuse auf und ersetzen zerkratzte Gläser.
Ich möchte hier nicht jeden Handgriff und jedes technische Detail erläutern, sondern mal mehr auf die finanzielle Betrachtung eingehen.
Diese steht in engem Zusammenhang mit dem Kaliber. Ein ETA-Großserienwerk wurde so gefertigt, daß zur einwandfreien Funktion im Sinne des Erfinders in gewissen Zeitabständen gereinigt, geschmiert und justiert werden sollte. Das hat dieser Hersteller mit allen anderen Herstellern gemeinsam. Es gibt jedoch erhebliche Unterschiede in den Zeitabständen und den Teile-Preisen. Die Unterschiede in den Entgelten für die geleistete Arbeit resultieren zum einen aus dem unterschiedlichen Zeitaufwand durch die Technik des zu revisionierenden Kalibers und zum anderen aus den regionalen Kalkulationsfaktoren.
Es gibt nun die Möglichkeit, den Empfehlungen des Herstellers zu folgen und ca.alle 3 Jahre (Beispiel ETA) eine Revision durchführen zu lassen. In 10 Jahren sind das 3 Revisionen zu je 350,- € (Beispiel für mittleren Durchschnitt). Insgesamt also 1.050,- €. Bei einem teureren Kaliber und 5 Jahres-Intervall sind das 2 Revisionen zu je 600,- €; also 1.200,- €.
So groß sind die Unterschiede über einen längeren Zeitraum gesehen also nicht.
Effekt: Ich habe eine Uhr, auf die ich mich ständig verlassen kann und die (im Normalfall) nicht im ungünstigsten Augenblick aufgibt.
Da dies natürlich eine Summe ist, die man nicht "unnütz" ausgeben möchte, stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit.
Wählen wir dazu ein anderes Extrem: Ich gebe die Uhr erst dann zur Revision, wenn sie den dienst versagt.
Das ETA-Kaliber: Nach ca. 7-8 Jahren bleibt die Kiste stehen (nur ein Beispiel; manche laufen länger, anderer kürzer). Durch die nicht vorhandene Wartung sind die Verschleißteile (Hauptfeder, einige Lager usw.) reif zum Austausch. Kosten der Revisionsreparatur: ca. 700,- €. Immerhin eine Ersparnis von rund 350,-€!
Die teureren Kaliber: Nach ca. 10-12 Jahren ist auch hier der oben beschriebene Zustand erreicht. Kosten hier: ca. 1.200,- (in meinem Beispiel für eine Breitling mit Schaltradkaliber). Keine wirkliche Ersparnis.
Effekt: Ich spiele eine Art "russisch Roulette", in dessen Verlauf ich ständig mit einer auftretenden Störung rechnen muss.
Es gibt auch hier einen Mittelweg: Man gibt das ETA-Kaliber nach 5 Jahren zur Revision. Das sind in 700,- € in 10 Jahren. Für die teureren Kaliber würde ich 8 Jahre ansetzen. Die werden mit 600,- € in 10 Jahren dann noch günstiger als die Großserienwerke.
Bei dieser Methode habe ich weder ein unnütz großes "Risiko" der 2. Methode noch die hohen (unnützen) Kosten der 1. Methode.
Keine Frage, zu welcher Methode ich tendiere.
Die Frage "Warum sollte ich ein Werk, welches seit 10 Jahren funktioniert, denn überholen lassen? Was sollte dann besser funktionieren?" läßt sich in etwa so beantworten: " Wer garantiert denn, das dies nach 10 Jahren und einem Tag immer noch so ist?" und "einfach alles!".
Ich habe bei meinem Beispiel natürlich auch nicht evtl. Dichtheitsprüfungen aufgeführt, da hier ja wohl niemand mehr der Ansicht ist, dass dies ein unveränderlicher Zustand ist.
Die tadellose Funktion eines Kalibers ist ohne Wartung auch kein unveränderlicher Zustand. Ob man nun damit wartet, bis es nicht mehr anders geht oder ob man einen anderen Weg wählt, ist somit -neben dem finanziellen Aspekt- reine Nerven- und Geschmacksache, aber keine Frage der technischen Notwendigkeit.