Beiträge von Watch the watchmen

    Damasko bläst zur Attacke …

    Hatte ich schon in der Pipeline:

    Damasko DF10: weniger Manufaktur, mehr Fieldwatch fürs Geld?

    Damasko bringt die DF10 ab 14. September 2026 zusätzlich mit Sellita SW200. Wirklich „neu“ ist die Uhr damit allerdings nur bedingt: Gehäuse, Gestaltung und Grundkonzept bleiben erhalten; geändert wird vor allem das Werk.

    Die bisherige DF10 verwendet Damaskos Manufakturkaliber A26-1 und kostet derzeit rund 2.050 Euro. Die neue SW200-Version beginnt bei etwa 1.450 Euro. Bemerkenswert ist, daß dabei einige für den praktischen Nutzer relevante Eckdaten weitgehend erhalten bleiben: 28.800 A/h, etwa 42 Stunden Gangreserve, Sekundenstopp und – Damasko-typisch – ein eigenes Silizium-Ankerrad.

    Der eigentliche Unterschied steckt deshalb weniger in der Funktion als in der Konstruktion. Das A26-1 besitzt Damaskos eigenen Klinkenaufzug, einen eigenen Rotor mit keramischer Lagerung und wird in sechs Lagen reguliert. Das SW200 ist das uns bekannte Schweizer Großserienwerk; Damasko reguliert es nach eigener Angabe in drei Lagen und modifiziert es mit dem Silizium-Ankerrad.

    Für den technisch interessierten Sammler bietet das A26-1 zweifellos mehr Damasko. Für jemanden, der die DF10 vor allem als robuste Fieldwatch tragen möchte, wird die SW200-Version dagegen schwerer zu ignorieren sein.

    Rund 600 Euro weniger – bei sehr ähnlicher praktischer Grundfunktion. Man bekommt also weniger Damasko im Werk, aber nicht unbedingt weniger Uhr am Handgelenk.

    Ach Ru_di, jetzt hab' ich doch extra mal ganz bewußt meine persönlichen Befindlichkeiten außen vor gelassen:

    • das unsägliche Datumsfenster (halten die mich für blöd, daß ich nicht weiß welcher Tag gestern war oder morgen sein wird?)
    • der "Wall of Text" (da wäre auch noch Platz für das ein oder andere Kapitel aus dem Soldathåndboken gewesen)
    • der Sichtboden (die Uhr wird zum Instrument erklärt und bekommt dann auf der Hautseite ein Schaufenster)

    und nu' isses auch wieder nicht recht ;(

    Auch andere Mütter haben schöne Töchter:

    Micromilspec bezeichnet seine neue Fieldmaster 166e95e82842bd0c9f4971b12c942ffc3124b013-2700x2700.jpg?w=2048&h=2048&fit=crop&auto=formatals moderne professionelle Einsatzuhr, entwickelt nach den Anforderungen aktiver Militärangehöriger. Das ist zunächst eine jener Aussagen, bei denen etwas Vorsicht angebracht ist. „Developed with operators“ gehört inzwischen fast ebenso selbstverständlich zum taktischen Marketing wie schwarze Beschichtung und ein Photo mit Plattenträger.

    Bei der Fieldmaster steckt dahinter zumindest mehr als eine Gesprächsrunde mit einem Markenbotschafter. Micromilspec dokumentiert ein 2019 begonnenes Field Testing Unit Program mit dreißig Uhren für Angehörige der norwegischen Streitkräfte. Nach Herstellerdarstellung lief es bis 2022; die neue Fieldmaster soll die daraus gewonnenen Anforderungen in eine Serienuhr übersetzen.

    Ein veröffentlichter militärischer Testbericht, Teilnehmeraussagen oder Versuchsprotokolle liegen allerdings nicht vor. Interessant ist deshalb weniger, daß Soldaten gefragt worden sein sollen, sondern welche konstruktiven Konsequenzen daraus gezogen worden sein sollen.

    Die klassische Field Watch noch einmal von vorne

    Die traditionelle militärische Field Watch folgt einer alten Aufgabe: möglichst einfach, robust und gut ablesbar die Zeit anzeigen. Viele heutige „Field Watches“ übernehmen vor allem die optische Sprache ihrer Vorgänger.
    Micromilspec fragt dagegen: Wenn man heute mit heutigen Materialien und Arbeitsumgebungen neu beginnen würde – was wäre tatsächlich wichtig?

    Nach Herstellerangaben lauteten einige Antworten: gute Ablesbarkeit, wenig Gewicht, lange Gangreserve und Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern.

    Warum die Sekunde aus dem Weg muß

    Die Fieldmaster besitzt keine zentrale Sekunde; sie läuft in einem kleinen Hilfszifferblatt. Micromilspec nennt dafür einen funktionalen Grund: Stunden- und Minutenzeiger sollen beim Ablesen möglichst wenig von einem weiteren Zeiger überlagert werden.
    Wenn Stunden und Minuten die primäre Information sind, ist ein Sekundenzeiger zusätzliche Bewegung auf genau jener Anzeige, die möglichst schnell erfaßt werden soll. Dasselbe Prinzip erklärt die großen Lumicast-Indizes und Zeiger.
    Ob der Unterschied gegenüber einer guten herkömmlichen Einsatzuhr praktisch groß ist, läßt sich bislang nicht unabhängig quantifizieren.

    Die Logik ist dennoch nachvollziehbar: Was für die primäre Information nicht gebraucht wird, soll ihr möglichst wenig im Wege stehen.

    Und deshalb gibt es auch keine Drehlünette

    Die Fieldmaster besitzt keine drehbare Lünette. Micromilspec begründet auch das mit Rückmeldungen aus dem Feldtest: Eine nicht benötigte Funktion sei zusätzliche Information, zusätzliches Bauteil und mögliche Fehlerstelle.

    Bei einer Taucheruhr ist eine Drehlünette ein Werkzeug. Bei einer Uhr, deren Benutzer sie nicht benötigt, ist sie zunächst nur ein bewegliches Teil.
    Nicht fragen, welche weitere Funktion man unterbringen kann, sondern welche Funktion man weglassen darf.

    Titan löst kein militärisches Problem – Gewicht schon

    Das 40-mm-Gehäuse besteht aus Titan, ist 11,2 mm hoch und bis 200 Meter wasserdicht. Titan macht eine Uhr nicht automatisch militärisch zweckmäßig. Micromilspec begründet das Material aber mit geringerem Gewicht.
    Wer viele Stunden Ausrüstung trägt, weiß, daß sich kleine Gewichte addieren. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Titan „taktisch“ ist, sondern ob es dieselbe Aufgabe bei geringerem Gewicht erfüllt.

    Vier Tage Gangreserve sind keine Komfortfunktion

    Im Inneren arbeitet ein gemeinsam mit Horage spezifiziertes K3-Automatikwerk. Horage gibt dafür 100 Stunden Gangreserve, Siliziumhemmung, Siliziumspirale und eine Regulierung von –4 bis +6 Sekunden pro Tag an.
    Eine lange Gangreserve wird gewöhnlich als Komfortmerkmal verkauft: Freitag abgelegt, Montag wieder angezogen, Uhr läuft noch. Micromilspec begründet sie funktionaler: Im Testbetrieb habe es mehrtägige Tragepausen gegeben. Läuft die Uhr danach noch, muß sie nicht neu gestellt werden.

    Ob gerade diese Nutzung zur Entscheidung für 100 Stunden führte, bleibt mangels veröffentlichter Testdaten Herstellerangabe.
    100 Stunden Gangreserve sind nicht deshalb interessant, weil vier Tage beeindruckender klingen als zwei, sondern weil sie eine typische Nutzungslücke überbrücken.

    Magnetfelder: das modernere Problem einer mechanischen Einsatzuhr

    Klassische militärische Uhrenspezifikationen entstanden in einer technisch deutlich überschaubareren Umgebung. Heute arbeitet militärisches und technisches Personal regelmäßig in der Nähe von Elektromotoren, Funktechnik, Generatoren oder Sensoren.
    Eine mechanische Uhr mit Stahlspirale kann auf starke Magnetfelder empfindlich reagieren. Das K3 verwendet deshalb Silizium für Spiralfeder und Teile der Hemmung. Horage beschreibt diese Komponenten als nicht ferromagnetisch.

    In Micromilspecs Produktvorstellung wird einem Horage-Verantwortlichen zudem die Aussage zugeschrieben, entsprechende Komponenten behielten ihre Genauigkeit auch bei 15.000 Gauß und darüber hinaus.
    Das sollte man sauber einordnen: Die Siliziumkomponenten sind dokumentiert; eine 15.000-Gauß-Prüfung der kompletten Fieldmaster ist damit aber nicht belegt. Bei einer zertifizierten antimagnetischen Uhr wird die fertige Uhr unter definierten Bedingungen geprüft, nicht nur einzelne Werkskomponenten.

    Einen unabhängigen Laborbericht zur fertigen Fieldmaster bei 15.000 Gauß habe ich bislang nicht gefunden. Die technische Argumentation ist plausibel; die konkrete Zahl bleibt eine Aussage aus dem Herstellerumfeld.

    Die Gangreserveanzeige sitzt hinten

    Das K3 kann eine Gangreserveanzeige besitzen. Micromilspec hat sie verwendet – aber auf der Rückseite. Die Information bleibt verfügbar, befindet sich jedoch nicht ständig auf dem Zifferblatt.

    Das ist Informationshierarchie statt Funktionsverzicht: Die Funktion bleibt, nur ihre Anzeige muß nicht ständig um Aufmerksamkeit bitten.

    Vom Testprogramm zur Serienuhr

    Micromilspec sagt, daß dreißig aktive Militärangehörige zwischen 2019 und 2022 Testuhren getragen und Rückmeldungen geliefert hätten. Das ältere Field Testing Unit-Modell ist dokumentiert; die Geschichte eines militärischen Feldtests ist also nicht erst mit der heutigen Fieldmaster-Kampagne aufgetaucht.
    Ein unabhängiger Beweis für sämtliche Details ist das aber nicht. Weder ein Abschlußbericht noch die einzelnen Rückmeldungen sind veröffentlicht; damit läßt sich nicht nachvollziehen, ob kleine Sekunde, fehlende Drehlünette, Titan oder lange Gangreserve unmittelbar auf bestimmte Testerfahrungen zurückgehen.

    Man kann deshalb drei Dinge trennen: Daß Micromilspec seit Jahren Uhren für militärische Einheiten entwickelt, ist dokumentiert. Daß der Hersteller seit 2019 ein Testprogramm mit dreißig Uhren beschreibt, läßt sich anhand älterer Unterlagen nachvollziehen. Daß exakt dreißig aktive Militärangehörige drei Jahre lang testeten und die heutige Fieldmaster unmittelbar das Ergebnis dieser Rückmeldungen ist, bleibt Herstellerangabe.

    Daraus folgt auch nicht, daß die Fieldmaster offiziell von einer Streitkraft beschafft, eingeführt oder ausgegeben wurde.
    „Von Militärangehörigen mitentwickelt“, „im militärischen Umfeld getestet“ und „als dienstlich gelieferte Ausrüstung bereitgestellt“ sind drei verschiedene Aussagen.

    Ist das nun die moderne Field Watch?

    Micromilspec bezeichnet die Fieldmaster selbstbewußt als modernen Referenzpunkt für eine professionelle Field Watch.

    Das ist Marketing.
    Bzw.: Kleinsttruppendiensttaugliche Felduhr würde schließlich auch deutlich weniger international klingen.

    Interessanter ist, daß sich mehrere Entscheidungen aus einer gemeinsamen Funktionslogik erklären lassen: große Zeiger und Indizes für Ablesbarkeit, kleine Sekunde statt zusätzlicher Bewegung im Zentrum, keine Drehlünette ohne erkennbare Aufgabe, Titan für weniger Gewicht, lange Gangreserve für mehrtägige Tragepausen, Siliziumkomponenten gegen Magnetfelder und die Gangreserveanzeige auf der Rückseite.

    Keine einzelne dieser Eigenschaften ist revolutionär. Interessant ist ihre Kombination – und die Begründung dahinter. Technisch ist vieles nachvollziehbar; daß diese Entscheidungen tatsächlich in genau dieser Form aus einem dreijährigen militärischen Feldversuch hervorgegangen sind, läßt sich öffentlich derzeit nicht belegen.

    Fazit

    Die Micromilspec Fieldmaster ist keine militärische Uhr, weil sie schwarz ist, aus Titan besteht oder der Hersteller Einheiten aufzählt.
    Interessant wird sie dort, wo sich konkrete Konstruktionsentscheidungen auf konkrete Nutzungssituationen zurückführen lassen.
    Die Uhr kann nicht mehr Zeit anzeigen als eine wesentlich billigere mechanische Uhr. Sie besitzt keinen Kompaß, kein GPS, keinen Höhenmesser und keine taktische Software.

    Statt dessen versucht sie etwas Unspektakuläreres: weniger Gewicht, weniger unnötige Bewegung auf dem Zifferblatt, weniger überflüssige Bauteile, weniger Empfindlichkeit gegenüber Magnetismus und eine geringere Wahrscheinlichkeit, daß sie nach einigen Tagen im Gepäck neu gestellt werden muß.
    Das ist kein neuer militärischer Zeitstandard. Es ist eine Einsatzuhr, bei der offenbar jemand vor dem Zeichnen gefragt hat, was der Benutzer eigentlich braucht.
    Die militärischen Kundenbeziehungen von Micromilspec sind dokumentiert, das Testprogramm wird seit Jahren beschrieben. Nicht unabhängig nachvollziehen lassen sich jedoch dessen vollständige Durchführung, die einzelnen Rückmeldungen und die Behauptung, praktisch jede konstruktive Entscheidung sei unmittelbar daraus entstanden.

    Das ist weniger spektakulär als ein unabhängiger Erprobungsbericht, aber vermutlich die sauberere Aussage.

    P.S.: Keine juristische Neuheitsbewertung: aber technisch kann man die Konzepte gut gegenüberstellen.

    Mount-West-Patentanmeldung bei Google Patents

    Der wesentliche Unterschied liegt für mich weniger in der grundsätzlichen Idee der Teilkopplung als in der Bedienarchitektur:

    • Mount West: Im wesentlichen ein äußerer Bedienring; die Drehrichtung entscheidet mechanisch darüber, ob einer oder beide Ringe bewegt werden.
    • Dieses Gedankenspiel: zwei unmittelbar greifbare, höhenversetzte Bedienebenen – außen/unten STD, innen/oben MIN. Damit entscheidet bereits der Handgriff mit darüber, welche Funktion verstellt wird.

    Auch funktional ist die Zielsetzung eine andere. Mount West versteht die Doppellünette als möglichst universelles System für unterschiedliche Skalen und Anwendungen. Hier wäre die Zuordnung dagegen bewußt eng und eindeutig:

    Zitat

    MIN: Wie lange läuft es schon?
    STD: Wie lange bleibt noch?

    Auch die Kombination aus Count-up und Countdown wäre für sich genommen nichts Neues; die Mount-West-Anmeldung sieht solche unterschiedlichen Skalen ausdrücklich vor. Der eigentliche Gedanke liegt daher eher in der Verbindung aus direkt greifbaren Höhenebenen, haptischer Funktionszuordnung und einer klaren MIN-/STD-Semantik.

    Kurz gesagt:

    Zitat

    Nicht „zwei Lünetten mechanisch koppeln“, sondern die Mechanik so gestalten, daß die Bedienlogik möglichst schon durch Form und Handgriff verständlich wird.

    Genau darin sehe ich den interessantesten Unterschied zu Mount West – und auch den eigentlichen Zweck dieses Gedankenspiels.

    Ich möchte hier keine Diskussion über geistige Schöpfungshöhe lostreten – das ist nur ein öffentliches Gedankenspiel dazu, wie sich bekannte Doppellünetten-Ideen zu einem möglichst intuitiven MIN-/STD-Konzept weiterdenken ließen.

    Wenn Sinn so etwas irgendwann aufgreifen sollte, hätte der Gedanke seinen Zweck bereits erfüllt.

    Doppellünetten im Vergleich – SportStop, Mount West und ein mögliches EZM-Konzept

    In meiner Uhrenbox und durch den Hinweis von DivingDoud bin ich auf zwei bereits existierende Konzepte gestoßen, die jeweils einen Teil meiner Idee vorwegnehmen: die Jörg Schauer SportStop und die Dual Uni-Directional Bezel von Mount West.

    Beide Lösungen sind technisch interessant, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Der folgende Vergleich soll deshalb keine Bewertung sein, sondern die jeweiligen Konzepte und ihre Unterschiede herausarbeiten.


    1. Jörg Schauer SportStop – zwei unabhängige Zeitskalen als Chronograph-Ersatz

    Die SportStop verfolgt einen sehr eleganten Ansatz: Zwei konzentrische, unabhängig verstellbare Lünettenringe ersetzen gewissermaßen einen Chronographen.

    Der äußere Ring trägt eine 12-Stunden-Skala, der innere Ring eine 60-Minuten-Skala. Vor Beginn einer Messung werden beide Ringe separat auf die aktuelle Stellung der Zeiger ausgerichtet:

    • Die 12 des Stundenrings wird auf den Stundenzeiger gestellt.
    • Der Nullpunkt des Minutenrings wird auf den Minutenzeiger gestellt.
    • Danach läßt sich die verstrichene Zeit unmittelbar an beiden Skalen ablesen.

    Die SportStop beantwortet damit im Grunde eine einzige Frage:

    Zitat

    Wie lange ist seit dem Start vergangen?

    Die beiden Ringe stellen lediglich unterschiedliche Größenordnungen derselben Information dar.Interessant ist dabei die unterschiedliche Rastung:

    • Der äußere Stundenring rastet zwischen 12 und 3 Uhr 21-mal, entsprechend wohl einer 84er-Rastung über den Vollkreis.
    • Der innere Minutenring rastet klassisch jede Minute.

    Die Rastung des Stundenrings muß hier also kein bestimmtes Zeitintervall darstellen, sondern vor allem eine ausreichend genaue Ausrichtung der 12 auf den Stundenzeiger ermöglichen.


    2. Mount West Dual Uni-Directional Bezel – richtungsabhängige Teilkopplung

    Mount West geht einen anderen Weg. Hier werden zwei konzentrische Ringe mechanisch miteinander gekoppelt, aber abhängig von der Drehrichtung unterschiedlich bewegt.

    Die grundlegende Idee:

    • Gegen den Uhrzeigersinn bewegen sich beide Ringe gemeinsam.
    • Im Uhrzeigersinn bewegt sich nur der äußere Ring, während der innere stehenbleibt.

    Mount West – Bezel Guide

    Damit entsteht die Möglichkeit, beide Skalen zunächst gemeinsam zu positionieren und anschließend relativ zueinander zu verschieben.

    Der wesentliche Unterschied zur SportStop liegt damit in der Bedienmechanik:
    Die SportStop besitzt zwei unabhängig verstellbare Ringe.

    Mount West arbeitet dagegen mit einer richtungsabhängigen Teilkopplung.

    Dabei wird im wesentlichen der äußere Bedienring gegriffen; der innere Ring besitzt keine eigene unmittelbar greifbare Bedienebene. Welche Skala mitbewegt wird, entscheidet die Drehrichtung beziehungsweise die dahinterliegende Mechanik.

    Das macht das System sehr universell. Je nach Skalierung und Interpretation lassen sich damit Zeitintervalle, zweite Zeitzonen, Count-up-/Countdown-Anwendungen und weitere Timing-Aufgaben darstellen.

    Die Stärke liegt also vor allem in der mechanischen Flexibilität.


    3. Gedankenspiel: eine zweigeteilte, teilgekoppelte Lünette für MIN und STD

    Wohl mit der SportStop irgendwo im Hinterkopf entstand die Idee einer anders aufgebauten Doppellünette.

    Der entscheidende Punkt wäre:
    Nicht ein Bedienring für zwei Funktionen, sondern zwei sichtbare Ringe mit zwei eindeutigen Handgriffen.

    Die Lünette bestünde aus zwei konzentrischen, unterschiedlich hohen Ebenen:

    • Der äußere, tieferliegende STD-Ring trägt eine gegen den Uhrzeigersinn laufende Stunden-Countdown-Skala.
    • Der erhöhte innere MIN-Ring trägt eine im Uhrzeigersinn laufende Minutenskala.

    Die unterschiedliche Höhe wäre dabei nicht ein gestalterisches Element, sondern zugleich eine haptische Information:

    • Außen/unten = Stundenfunktion
    • Innen/oben = Minutenfunktion

    Die Bedienlogik wäre denkbar einfach:

    Zitat

    Außen gegen den Uhrzeigersinn → beide Ringe gemeinsam.

    Innen im Uhrzeigersinn → nur MIN separat.

    Damit könnte zunächst ein gemeinsamer Null- beziehungsweise Ausgangspunkt gesetzt werden. Anschließend ließe sich die Minutenreferenz unabhängig verschieben, während der Stunden-Countdown unverändert bleibt.

    Die beiden Ringe würden dabei bewußt zwei unterschiedliche Fragen beantworten:

    • MIN: Wie lange läuft es schon?
    • STD: Wie lange bleibt noch?


    4. Mechanische Überlegung

    Der besondere Reiz liegt für mich darin, daß keine dritte sichtbare Bedieneinrichtung nötig wäre.
    Die mechanische Raffinesse bliebe weitgehend verborgen:

    • Der äußere STD-Ring könnte zugleich als Träger des inneren MIN-Rings dienen.
    • Eine richtungsabhängige Mitnahme beziehungsweise Freilauf-/Klinkenmechanik würde die gemeinsame Bewegung ermöglichen.
    • Der erhöhte innere MIN-Ring könnte anschließend unmittelbar und separat verstellt werden.

    Für den äußeren STD-Ring wäre beispielsweise eine 144er Rastung denkbar.

    360° / 144 ergeben 2,5° pro Rastschritt; ein Rastschritt damit exakt fünf Minuten.

    Damit ergäbe sich eine klare Hierarchie:

    • STD-Ring: Langzeitplanung in 5-Minuten-Schritten.
    • MIN-Ring: Kurzzeitmessung in 1-Minuten-Schritten.


    tl;dr

    Die drei Konzepte lösen unterschiedliche Aufgaben:

    • SportStop: Zwei unabhängig einstellbare Zeitskalen messen gemeinsam die seit einem Start vergangene Zeit – gewissermaßen als Chronograph ohne Chronographenwerk.
    • Mount West: Eine richtungsabhängige Teilkopplung erlaubt es, zwei Skalen zunächst gemeinsam und anschließend relativ zueinander zu verstellen.
    • Zweigeteilte MIN-/STD-Lünette: Verbindet beide Gedanken mit zwei unmittelbar greifbaren Höhenebenen und einer bewußten funktionalen Trennung von Minuten-Count-up und Stunden-Countdown.


    Der eigentliche Gedanke dahinter ist also nicht, möglichst viele Funktionen auf einer Lünette unterzubringen, sondern die Bedienung möglichst eindeutig zu machen:

    Zwei sichtbare Ringe, zwei eindeutige Handgriffe – und möglichst wenig gedankliche Übersetzung.

    Keine Behauptung, damit das Rad neu erfunden zu haben – lediglich die Frage, wie man bekannte Lösungen so kombinieren und weiterdenken könnte, daß aus mechanischer Raffinesse eine möglichst intuitive Bedienung wird.

    Unerträglich IMHO!

    1996 hätte das Rumgerappe wenigstens noch den mildernden Umstand der Innovation gehabt. 2026 ist Sprechgesang akustische Tapete – und für mich weniger erfreulich als ein Laubbläser im Wohnzimmer.

    „Streets of Frisco“ ging problemlos am Stück. Sobald keiner im Takt deklamiert, wird aus Geräusch wieder Musik.

    Wenn wir hier auf AndiS' Anregung Dieter Rams’ zehn Thesen abklopfen, würde ich beim EZM 19 nicht überall vorbehaltlos zustimmen – aber gerade das macht die Betrachtung interessant.

    Innovativ? Ja, durchaus. Nicht mechanisch, sondern im Bedien- und Ablesekonzept: Ein einziger Drehring bildet zwei unterschiedliche Zeitskalen sinnvoll ab.

    Brauchbar? Für den vorgesehenen Zweck ja – allerdings sehr spezialisiert. Eine normale Lünette kann vieles davon ebenfalls, nur eben mit mehr gedanklicher Übersetzung.

    Ästhetisch? Für mich inzwischen erstaunlich stimmig. Gerade die Leuchtkeramik paßt hier erstmals wirklich zum instrumentellen Charakter der Uhr.

    Verständlich? Nur bedingt. Hat man das Prinzip verstanden, ist es sehr logisch. Selbsterklärend ist es aber nicht – die Diskussion hier zeigt ja gerade, wieviel Erklärung zunächst nötig war.

    Unaufdringlich und ehrlich? Weitgehend ja. Die Gestaltung folgt erkennbar der Funktion und versucht nicht, technische Komplexität vorzutäuschen. Gerade die in englischsprachigen Foren kritisierten Abkürzungen „STD“ und „MIN“ empfinde ich als konsequent: Die Uhr ist für einen deutschen Einsatzkontext gedacht und bezeichnet ihre beiden Zeitskalen entsprechend eindeutig. Das erinnert an die 212 KSK mit ihrer Kompaßlünette mit deutschen Himmelsrichtungen – internationale Gefälligkeit wird hier der funktionalen Herkunft untergeordnet.

    Langlebig? Als Gestaltung vermutlich eher ja: keine modische Farb- oder Formenspielerei, sondern eine ziemlich sachliche Instrumentenästhetik. Ob sie tatsächlich zeitlos wirkt, wird man naturgemäß erst später wissen.

    Konsequent bis ins Detail? Fast. Genau hier bleibt für mich die Krone auf 3 Uhr der Bruch. Wenn Streßreduktion, Gewöhnung und Einsatzergonomie Leitgedanken sind, erscheint mir links oder wenigstens 4 Uhr innerhalb der bisherigen EZM-Logik konsequenter.

    Umweltfreundlich/nachhaltig? Bei einer mechanischen Uhr halte ich „umweltfreundlich“ eher für ein zeitgeistig angeheftetes Designkriterium als für eine ernsthaft unterscheidende Eigenschaft.

    Und „so wenig Design als nötig“? Im Grundsatz ja. Die Uhr ist nicht dekorativ, sondern funktional gestaltet; auch die Beschriftungen auf der Lünette erklären unmittelbar deren zwei unterschiedliche Zeiteinheiten. Gerade diese sprachliche und funktionale Konsequenz gehört für mich eher zum Konzept, als daß sie es überfrachtet.

    Ich starte dafür lieber einen eigenen Faden, damit der Vorstellungsfaden des EZM 19 nicht gekapert wird.

    Tomas hatte zur Schreibweise der Datum/Zeit-Gruppe sinngemäß angemerkt, daß im NATO- und Stabsbereich die eindeutige Form verwendet werden sollte, die Zeitzone in Mitteleuropa aber meist vernachlässigt werden könne.

    Genau an diesem Punkt würde ich aus militärischer Sicht widersprechen. Die Zeitzone ist Bestandteil der Information und sollte gerade dann nicht entfallen, wenn eine Zeitangabe eindeutig und organisationsübergreifend verwendbar sein soll. Selbst die zulässige Kurzform, wenn Monat und Jahr – womöglich auch der Tag – eindeutig sind, enthält die Zeitzone: 0955Z. Ob lokal dann mit A/B oder gemeinsam mit Zulu gearbeitet wird, ist dabei eine andere Frage.

    Das brachte mich auf eine Idee für eine tatsächlich stabsdienstspezifische Zusatzfunktion:

    Keine klassische GMT-Anzeige mit zusätzlichem Zeiger, sondern eine eigene Zeitzonenanzeige.

    Ein GMT-Zeiger beantwortet die Frage:
    „Wie spät ist es gleichzeitig in einer zweiten Zeitzone?“

    Für eine militärische Datum/Zeit-Gruppe ist aber zunächst eine andere Information wichtig:
    „Auf welche Zeitbasis bezieht sich die angezeigte Uhrzeit?“

    Dafür würde ein einzelner Buchstabe genügen: Z, A, B, C …

    Mechanisch ließe sich das ähnlich wie eine Wochentagsanzeige lösen. Die 25 militärischen Zeitzonenkennungen sollten dabei kein grundsätzliches Problem darstellen – eine Datumsscheibe rastet schließlich auch 31mal.

    Beim EZM 19 würde sich die Position bei 6 Uhr geradezu anbieten: eine eigene, unabhängig verstellbare Zeitzonenscheibe innerhalb der Datumsscheibe, mit einem kleinen Fenster unmittelbar oberhalb des Datums.

    Also beispielsweise:

    Die beiden Anzeigen wären optisch zu einer Einheit zusammengefaßt, mechanisch aber vollständig getrennt einstellbar.

    Damit hätte man auf einen Blick:

    Datum – Uhrzeit – Zeitzone

    und damit bereits den wesentlichen Kern einer Datum/Zeit-Gruppe, ohne das Zifferblatt mit einem weiteren Zeiger zu belasten.

    Gerade beim EZM 19 fände ich das schlüssig. Die Uhr würde dann nicht einfach eine zweite Ortszeit anzeigen, sondern tatsächlich die Zeitbasis der angezeigten Zeit kennzeichnen.

    Das paßt für mich auch gut zum eigentlichen EZM-19-Gedanken: möglichst wenig mentale Übersetzung, dafür unmittelbar lesbare Information.

    Eine kleine Zeitzonenanzeige oberhalb des Datums wäre deshalb für mich eine sehr naheliegende Ergänzung für einen „Einsatzzeitmesser für den Stabsdienst“.

    Aus der Beschäftigung mit der Lünette des EZM 19 ist mir die Idee gekommen, Minuten- und Stundenzeiten auf zwei konzentrischen, unterschiedlich hohen Ringen gleichzeitig nutzbar zu machen – ohne eine zusätzliche Bedieneinrichtung.

    Der äußere, tieferliegende STD-Ring trägt die gegen den Uhrzeigersinn laufende Stunden-Countdown-Skala; auf ihm sitzt der erhöhte innere MIN-Ring mit der im Uhrzeigersinn laufenden Minutenskala. Wird der äußere Ring gegen den Uhrzeigersinn gedreht, bewegt sich die gesamte Einheit, also STD und MIN gemeinsam. Der innere MIN-Ring kann anschließend im Uhrzeigersinn unabhängig verstellt werden, während der Stundenring stehenbleibt.

    Die Bedienlogik wäre damit denkbar einfach:

    Außen gegen den Uhrzeigersinn → beide Skalen gemeinsam.
    Innen im Uhrzeigersinn → nur die Minutenskala.

    So läßt sich zunächst ein gemeinsamer Null- oder Ausgangspunkt setzen und danach die Minutenreferenz unabhängig verschieben, ohne den Stunden-Countdown zu verändern. Die unterschiedliche Bauhöhe trennt beide Funktionen zusätzlich haptisch voneinander.

    Für den äußeren STD-Ring wäre eine 144er Rastung sinnvoll: 360° / 144 ergeben 2,5° pro Rastschritt; da sich der Stundenzeiger pro Stunde um 30° bewegt, entspricht ein Rastschritt exakt 5 Minuten. Der innere MIN-Ring könnte weiterhin in 1-Minuten-Schritten rasten. Damit ergäbe sich eine klare Hierarchie: außen Langzeitplanung in 5-Minuten-Schritten, innen Kurzzeitmessung in 1-Minuten-Schritten.

    Der Reiz des Konzeptes liegt darin, daß die Mechanik zwar raffinierter wird, die Bedienung aber einfacher bleibt: zwei sichtbare Ringe, zwei eindeutige Handgriffe – möglichst wenig gedankliche Übersetzung.

    Der Ingenieur bekäme das sicher hin …

    Das macht den EZM 19 für mich konzeptionell deutlich interessanter als auf meinen ersten Blick.

    Vor allem das Bedien- und Ablesekonzept der Lünette ist schlüssiger, als ich zunächst dachte: kurze verstrichene Zeit in Minuten, danach der Stunden-Countdown bis zum nächsten Fixpunkt. Selbst die zunächst etwas willkürlich wirkenden 35 Minuten ergeben sich sauber aus der Aufteilung mit dem Vierstundenbereich. Man kann die Konstruktion beinahe rückwärts herleiten: Vier Stunden beanspruchen mit dem Stundenzeiger 120° bzw. 20 von 60 Minutenpositionen der Lünette. Es verbleiben 40 Positionen für die Minutenskala, deren letzte Fünferzahl vor dem Stundenbereich folgerichtig 35 lautet. Damit wirkt die zunächst bizarre „35 MIN / 4 STD“-Teilung plötzlich nicht mehr wie Marketing, sondern wie eine ziemlich elegante Ausnutzung eines einzigen analogen Drehrings für zwei verschiedene Zeitskalen.

    Der eigentliche Mehrwert liegt dabei weniger in zusätzlicher Funktion als darin, unter Belastung möglichst wenig umrechnen zu müssen. Auch die großen 4 und 8 verstehe ich inzwischen eher als visuelles Raster für Vier- und Achtstundenzyklen denn als eigentliche Meßfunktion.

    Nicht ganz folgen kann ich dagegen der Begründung für die Krone auf 3 Uhr. Gerade aus dem Einsatzbereich kennt mein Muskelgedächtnis eher das Gegenteil: Krone links (oder wenigstens auf 4 Uhr, damit sie nicht stört und nicht in den Handrücken drückt). Das war ja auch lange Teil der eigenen EZM-Logik. Der Verweis auf „Gentlemen, synchronize your watches“ wirkt auf mich eher etwas konstruiert. Zumindest militärisch ist die gemeinsame Zeitbasis eines Führungsverbundes heute in erster Linie ein Systemproblem – GNSS, Netzwerkzeit, Server, taktische Datenlinks usw. Auch dort, wo weiterhin „time synchronization“ oder „time hack“ verlangt wird, geht es längst nicht mehr zwingend um das gemeinsame Stellen mechanischer Armbanduhren.

    Sehr gelungen finde ich dagegen zum ersten Mal die Leuchtkeramik. Was ich bei anderen Modellen davon halte, habe ich ad nauseam ausgeführt; hier paßt sie für mich erstmals wirklich zum instrumentellen Charakter der Uhr und wirkt wie ein Funktionsbauteil statt wie Dekoration.

    Unterm Strich überzeugt mich das Konzept inzwischen deutlich mehr – mit der Kronenposition als größter verbleibender Inkonsistenz.

    Ein guter Einwurf, Axel!

    Zwischen persönlicher Adressierung und Leserorientierung würde ich allerdings immer noch unterscheiden: Eine Antwort kann sich ganz konkret an einen einzelnen Fragesteller richten und trotzdem so formuliert sein, daß ein unbeteiligter Dritter ihr problemlos folgen und vielleicht sogar etwas daraus mitnehmen kann.

    Und ja, den Wink mit den „sehr pointiert formulierten Aussagen“ habe ich verstanden …