• Sinn collector schreibt in einem anderen thread (https://www.sinn-uhrenforum.de/index.php?page…&threadID=14736) ein interessantes statement:

    "Wenn das Thema UHRENREVISION bzw. die genannten Zeitintervalle auftauchen, bin ich immer wieder versucht, meine in über 40 Jahren als Uhrenliebhaber und -sammler gemachten Erfahrungen einzubringen, sowie die Aussagen von mehreren befreundeten Uhrmachermeistern zu wiederholen, unter denen auch vereidigte Gerichtssachverständige sind. Bei knapp 400 Uhren in meiner Sammlung hat es mit meiner Art des Umgangs mit Revisionen noch nie Probleme gegeben. Keine meiner Uhren hat irgendwelche mechanischen Schäden davon getragen, wenn dann irgendwann mal eine Revision erforderlich wurde.

    Ich trage meine Uhren üblicherweise max. 2 Tage, dann wird gewechselt. Ich kenne das Laufverhalten der am häufigsten getragenen 200 Uhren recht genau und solange dieses keine Auffälligkeiten aufweist, bekommt die Uhr auch keine Revision. Das können im Einzelfall mehr als 20 Jahre sein. In dem Moment, in dem eine Uhr plötzlich deutliche Zeitabweichungen im MINUSBEREICH aufweist, wird sie aussortiert und geht beim nächsten Aufenthalt in der alten Heimat in die Revision zum Uhrmachermeister meines Vertrauens. ALLE über die Jahre durchgeführten Revisionen waren unauffällig, es wurden jeweils die üblichen Verschleißteile ersetzt und alles andere gemäß Uhrmacherstandard bearbeitet.

    Die weiter oben zitierten Fachleute bestätigen bei jedem Gespräch einvernehmlich, dass Hersteller, Konzessionäre und freie Uhrmacherwerkstätten einen Großteil ihrer Umsätze und Gewinne mit Revisionen machen und deshalb seit vielen Jahren Gebetsmühlen ähnlich feste Zeiträume für Revisionsintervalle propagiert werden, die absolut unnötig sind.

    Grüße aus dem fernen Brasilien und bis bald beim Forenstammtisch im September,

    Uli

    P.S.: Wenn der eine oder andere dieses heiße Thema mit mir diskutieren möchte, können wir dies gern beim Stammtisch aufgreifen."


    Wie sieht's in der communitiy aus? "Serviceheft" mit der Gefahr, dass der Wecker "übergepflegt" wird und man Geld verbrennt? Oder habt Ihr eigene Kriterien und nehmt z.B. das Risiko in Kauf, dass später mehr zu tun ist, als gedacht?

    Ihr habt die Uhren - wir haben die Zeit

    (Afghanisches Sprichwort)

  • Mit meiner bescheidenen »Sammlung« halte ich es schon immer so – und im Lichte der derzeitigen Knappheiten erst recht:

    Erst zur Revi, wenn ich nicht mehr mit leben kann.

    Ok, dann muss vielleicht (!) mehr gemacht werden, aber beim Service (ggf. Versand, Annahme, Wartezeit, etc.) ist sie ja ohnehin; wenn dann noch das eine Rädchen oder der andere Hebel mehr gemacht werden muss, fällt das finanziell*) und insbesondere zeitlich nicht mehr in's Gewicht.


    *) Achtung: Nur Vermutung basierend auf dem vermuteten Verhältnis Arbeits-/Teilekosten

    Watches are the only jewelry men can wear, unless you're Mr. T
    Gordon Bethune

  • Ich habe vor einiger Zeit mal einen Spruch gelesen, welcher im Rettungs bzw. Notaufnahmen Bereich gilt.

    Wann geht man in die Notaufnahme?

    "Wenn etwas drinnen ist, was draußen sein sollte,
    Wenn etwas ab ist, was dran sein sollte,
    Wenn garnichts mehr geht. "

    Ungefähr in diesem Wortlaut ging der Spruch.

    Genauso handhabe ich es mit Uhren.
    Nur dass dort noch eine zu starke Abweichung ( im Minus Bereich) oder komische Geräusche hinzukommen.

    Bei den Gründen ist, für mich, eine Revision fällig.

    Lieben Gruß

  • Wann geht man in die Notaufnahme?

    "Wenn etwas drinnen ist, was draußen sein sollte,
    Wenn etwas ab ist, was dran sein sollte,
    Wenn garnichts mehr geht. "

    Oha, das kann aber riskant sein. Es gibt tatsächlich aber immer wieder Leute, die zu Fuß mit einem Herzinfarkt in die Notaufnahme gehen. (Je nach HI kann das ganz, ganz schnell zum Exitus führen.)

    Ich weiß auch nicht, wie man das am besten handhaben soll. Speziell dann, wenn es Massenwerke wie z.B. einem VJ7750 sind, könnte es im Extremfall maximal auf einen kompletten Werkstausch hinauslaufen und die Uhr rennt wieder. Bei Manufaktur- oder Vintagewerken könnte das aber mit empfindlichen Mehrkosten bis hin (bei fehlenden Ersatzteilen) zum Totalschaden verbunden sein. Und die modifizierten Werke sind vermutlich irgendwo dazwischen.

    Aber wenn man die Uhr erst dann einschickt, wenn man mit dem Stethoskop innen drin schon Knirschgeräusche hört, ich glaube, das könnte reichlich spät sein.

    Daniel

  • Ich halte es da mit dem schönen Spruch, never touch a running system.

    Mein EZM 1.1 wird nächstes Jahr fünf Jahre alt, also bereit zur Revision beim Hersteller. Der übereinstimmende Konsens der Hersteller ist alle 5-7 Jahre ein Besuch im Service.

    Finde ich völlig übertrieben, aber das kann jeder halten wie er will.

    Ich habe jetzt acht Sinn Uhren, gleichmäßig verteilt beim Tragen sind das 40 Jahre Ruhe vor dem Service. Je mehr es werden, desto mehr Zeit habe ich. :D

    Ja ich weiß, Inspektion und so beim Auto machst Du doch auch. In der Tat, das mache ich. Wird aber auch anders beansprucht in meinen Augen.

    Meine Uhren gehen zur Revision bevor ich sie einmal verkaufen werde, dies wird in den nächsten 10-15 Jahren sicher der Fall sein, wenn sie genug Wertzuwachs erhalten haben.

    Habe niemand zum Vererben, also wird alles vorher verpraßt :D

    Ganz lieben Gruß

    Ru_Di

    Expect no quarter, expect no mercy, expect total hell

  • Letztenendes wird es so sein wie bei vielen anderen Themen.
    Jeder wird eine andere Antwort bzw. Routine diesbezüglich haben.

    Lieben Gruß

  • ...das trifft natürlich bestimmt zu - andererseits hat Uli aka Sinn-Collector eine heiße Diskussion vorhergesagt, und dafür ist doch ein Forum (unter anderem) da, od'r?

    Und: oftmals ziehen "stille Mitleser" für sie passende Informationen aus den Beiträgen. Das stellt für den einen oder anderen (m/w/d), der hier postet, eine gewisse Motivation dar. Nicht schlimm, das - finde ich...

    Wie hältst Du es denn? "Serviceheft" oder "risk of life"?

    Wenn ich schon beim Tippen bin: etwas hinken tut der Vergleich mit dem Auto. Hier stehlen sich die Hersteller schnell aus der Haftung für Ihren allfälligen Murks, wenn man kein "lückenloses Serviceheft" vorweisen kann :beleidigt:

    Ihr habt die Uhren - wir haben die Zeit

    (Afghanisches Sprichwort)

  • Es gibt einen absolut gravierenden Unterschied zum Auto. Wenn die Uhr stehen bleibt, bleibt sie eben stehen, und ich lese die Zeit auf dem Handy ab. So what. Wenn es beim Auto Probleme gibt, können das schlimmstenfalls auf einer kurvigen Bergstrecke die Bremsen sein. Da würde mir auf die Schnelle keine alternative Lösung einfallen. Das ist einer der Gründe, warum ich die Inspektion beim Auto mit anderen Augen sehe als die Revision bei der Uhr.

    Ansonsten halte ich es wie viele hier: meine Uhr geht zur Revi, wenn ich erste Veränderungen im Gangbild sehe. Bei meiner U1 war das nach knapp zehn Jahren. Meine 103, die ein halbes Jahr älter ist, läuft aktuell absolut problemlos, und daher plane ich dort noch keine Revision.

    Beste Grüße
    Axel

    Wenn ich alt bin, möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.

  • Meine Uhren gehen ebenfalls zur Revi, wenn es irgendwelche Auffälligkeiten gibt ( Gangreserve, Gangverhalten etc.)

    Wenn ich jetzt bei einer 5 Jahre alten Uhr z.B. einen verrutschten Zeiger oder eine ungenaue Nullstellung beim Chrono etc., also einen Fehler, der nix mit einer Revi zu tun hat, würde ich diese gleich mitmachen lassen.

    Liebe Grüße

    :alexhai:


    Alex

    Alles bleibt gut

  • Meine 903 aus den 80ern habe ich vor 2 Tagen beim ortsnahen Uhrmacher zur Revision abgegeben, da die Uhr auf dessen Zeitwaage Unregelmäßigkeiten aufgezeigt hat. Er meinte das es auf Trockenheit hinweisen könnte, und da ich nicht weiß ob bzw. wann die mal zur Revision war, habe ich sie dort gelassen.

  • Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem...

    Auch ich orientiere mich an der Funktion der Uhr und denke mir: zwischen "sie geht nimmer g'scheit" und "Houston, wir haben ein Problem!" liegt dann genug Zeit, sodass alles reparabel bleibt.

    Hmmmm, nix mit "heißer Diskussion" bislang, alle sind sich einig... Oder findet sich nicht doch jemand, der eine andere Position vertritt? Fülleich einer der Uhrmacher hier?

    Ihr habt die Uhren - wir haben die Zeit

    (Afghanisches Sprichwort)

  • Eine Spur in Richtung "Service ohne Grund" kann dann vielleicht ich beitragen.

    Meine alte GMT von Rolex hab‘ ich tatsächlich ohne Fehler oder Anzeichen nach 15 Jahren zur Revi ohne Gehäusebearbeitung gegeben.

    Grund:
    Ich wollte keinen Wasserschaden riskieren - den 15 Jahre alten Dichtungen mochte ich im Meer einfach nicht mehr trauen.

    Und im Urlaub muss sie mit ins Wasser dürfen.

    Einen Dichtungswechsel ohne Revi fand ich auch unsinnig. Gruebeln

    Viele Grüße, Daniel

  • Ich halte es wie BigBen.
    Erst bei Auffälligkeiten geht sie zum Service. Ebenso bei Problemen: Wenn bei einer Uhr das Gehäuse geöffnet werden muss und damit ein WD-Test und eine neue Kapsel fällig wird, dann mach ich i.d.R. die Revi gleich mit.
    Ansonsten stell ich mir die Frage, was denn Irreparabel beschädigt werden soll, wenn man bei einem aktuellen Standardwerk zu lange wartet ?
    (alte seltene Werke bzw. Werksumbauten, bei denen die Ersatzteilversorung ein Problem werden könnte, mal ausgenommen).

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • Ein Uhrmachermeister meines Vertrauens hat mir Folgendens zum Thema Revisionaintervall gesagt:

    Ja die Hersteller geben oftmals 5 Jahre bis zur nächsten Revision an.
    Aber er hat deutlich gemacht, dass eine Revision nur erforderlich ist, wenn sich Veränderungen im Gang ergeben..


    Dementsprechend habe ich meine neue Uhr zu Beginn in einen Uhrenbeweger gesetzt und alle 24 Stunden die Zeit mit der Funkzeit verglichen. Das ist dann meine Referenzungenauigkeit. Wenn ich dann feststelle, dass es zu Abweichungen von dieser Norm kommt. wäre für mich der Zeitpunkt der Revision gekommen.

    Es ist sicherlich jedem hier klar, dass jemand der täglich mit dem Presslufthammer arbeitet und dann auch noch meint, seine Uhr dabei tragen zu müssen, schneller seine Uhr zur Revision abgeben muss, als jemand, der tagsüber im Büro arbeitet.Zu berücksichtigen ist natürlich auch, dass die synthetischen Öle sich im Laufe des Gebrauchs verflüchtigen. Ich vermute, dass sich das auch in Änderungen im Gangbild auswirkt.

    Diese Sichtweise scheint mir einleuchtend und ich werde, denke ich werde auch danach handeln.
    Beste Grüsse
    Justares

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!