"Speedmaster"
Der Name hatte sich 1956/57 bei OMEGA scheinbar förmlich aufgedrängt, war der Konzern doch mit den Modellen "Railmaster" und "Seamaster" weltweit erfolgreich und bekannt geworden, so sollte die Speedmaster vorrangig zur Zeitnahme bei Motorsportrennen eingesetzt werden Die Geschichte der Speedmaster ist hinlänglich bekannt, 1957 entwarf OMEGA den ersten Speedmaster Chronographen Referenz CK 2915, 1959 wurd das Gehäuse von 39mm auf 40mm vergrößeret und die Uhr erhielt Dauphin-Zeiger Referenz CK 2998. 1962 wurde die Refernez auf 105.002 geändert. Zum besseren Schutz von Krone und Drückern wurde 1963 das Speedmaster-Gehäuse asymetrisch geformt, Referenz 105.012. Ab 1966 erneute Vergrößerung des Gehäuses auf 42mm und zur Würdigung ihres ersten Aufenthalt im freien All ( am Handgelenk von Ed White) erhielt sie den Zusatz "Professional". Referenz 145.012. Kaliber 321.
Es ist sehr stark davon auszugehen, dass die legendäre Moonwatch eine 145.012 Kaliber 321 (am Handgelenk von Buzz Aldrin) gewesen sein sollte, die Konstruktionsarbeiten für das Folgemodel Referenz 145.022. mit dem Kaliber 861 liefen zwar ab 1965, im März 1965 lagen aber erst die aufwendigen Prüfergebnisse verschiedener Chronographen-Hersteller für das Gemini III + IV Programm vor, in der die OMEGA Speedmaster Referenz 145.012 als einzige Uhr alle Tests (zwar nicht ohne Belssuren) aber bestanden hatte. Der Spaziergang im All am 3. Juni 1965 am Handgelenk von Ed White (Gimmini IV) steht dafür Pate und ein Wechsel auf das 1968 entgültig vorgestellte Kaliber 861 ist höchst unwahrscheinlich, da es erst sämtliche Testphasen hätte durchlaufen müßen.
Interessanter Punkt: OMEGA in Biel erfuhr erst im April 1966 von der erfolgreichen Kür ihrer Speedmaster, dass sie darauf mächtig stolz waren ist nachvollziehbar, immerhin war der Chronograph eines der ganz wenigen, sicherheitsrelevanten Objekte, die nicht eigens für die Raumfahrt entwickelt worden waren.
Fun Fact: Als Folge dessen, versuchte ein amerikanischer Uhrenhersteller die NASA unter Hinweis auf den besonderen Wert einheimischen Schaffens zum Erwerb seiner Produkte zu verpflichten ohne jedoch nennenswerte Erfahrungen im Bau von Chronographen zu verfügen. Vor dem US-Senat betonte der NASA Flight Direktor (D.K. Slayton) in einem Memoradum, dass die Notwendigkeit eines erfolgreich getesteten Armbandchronographen, der für den Einsatz in einer feindlichen Umgebung auf der Mondoberfläche, unabdingbar wäre und zur Sicherstellung der Apollo-Mission, es keine weiteren Einlassungen geben wird. Alle Astronauten wurden mit einer Speedmaster Professional ausgerüstet.
Kommen wir zurück zur Referen 145.022.
Durch die erfolgreichen Mondmissionen ab 1965 und der Zusatzbezeichnung "Professional" ab 1966, erzwang die stürmische Nachfrage eine Überarbeitung des Kalibers im Sinne einer konstuktiven Vereinfachung des Werks. Die ersten Kaliber 861 wurden im August 1968 montiert, neben der Chronographensteuerung hatte auch das Basiswerk eine Überarbeitung erfahren, die Frequenz wurde von 18.000 auf 21.600 Schwingungen erhöht und u.a. die Ganggenauigkeit verbesserte. Bis auf die veränderten Materialien (Rotgold bis 1992/ Gelbgold bis 1996 / Rhodiniert bis 1997 danach Änderung des Kaliber auf 1861/1863 verziert), arbeitet dieses Werk unverändert und höchst präzise seit numehr über 50ig Jahren - ein Meilenstein in der Uhrengeschichte.
Im Oktober vergangenen Jahres lag bei meinem Omega-Uhrmacher eine 145.022-69 - schnörkellos ohne Band, abgelegt in einer Vitrine. Sie gefiel mir auf Anhieb, ehrliche Tragespuren behutsam entstandene Patina und dem Augenschein nach alles im origina Zustandl. Ist gerade reingekommen, wäre zu verkaufen, dauert jedoch war sein Kommentar, Preis noch nicht verfügbar. Papiere sind leider keine mehr dabei, ich kann aber einen Auszug aus dem Archiv besorgen. Laut Serienummer 28.42x.xxx assembliert in 1968 oder 1969, kam noch hinterher
Das wars für mich, ich sagte direkt zu und wir vereinbarten einen Übergabetermin bis Juni 2021. (Das zum Thema Zeit bei Sinn SchuechternKichern ).
Quellen: "THE MOON WATCH" + "OMEGA SPEEDMASTER MONNWATCH Gerhard Standop"
Im Mai kam dann eine Mail mit dem Zertifikat von OMEGA und was stand da nun: Delivered to US-Army (Europen Exchange System) February 18,1970, somit gehört sie zur ersten Serie der 145.022-69 aus dem Jahr 1969. Ein interessanter Punkt, da es nur Militärangehörigen gestattet war, in diesen sogenannten PX-Shops (Post-Exchange) oder BX-Shops (Base-Exchange) einzukaufen. Der Army & Air Force Exchange Service, abgekürzt AAFES, ist eine Konsumgüterversorgungskette mit eigenen Ladengeschäften des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums, die der Versorgung der US Army und der US Air Force dient. So gesehen hat die Uhr keinen reinen zivilen Hintergrund und wurde entweder nach Dallas zum Hauptsitz oder in das mittelhessische US-Depot Gießen, das zentrale Warenverteilzentrum der in Europa stationierten US-Streitkräfte, ausgeliefert.
Die Uhr kam mit einer Box dem passenden Metallband 1171/633 Trapezlogo Rechnung, zeitgemäßer Dornschließe, Garantie und Zertifikat. Ein schönes Gesamtpaket.
Euch einen schönen Sonntag
VG Hexe
