Vintageuhren bis 1960: Radium, Radon, Innenräume !!!

  • Hallo in die Runde,

    vor zehn Jahren kaufte ich eine sehr schöne Eterna Kontiki von 1958, mit "BIRKS"-Aufdruck über Ebay aus Kanada.

    Ich liess sie gleich revidieren, aber weil ich Probleme hatte, das Gay-Freres-Gliederband zu kürzen, ohne was kaputt zu machen, blieb sie in der Schublade.

    Vor einigen Tagen fand ich endlich ein perfekt passendes Lederband zur Uhr, montierte es und war verliebt: tolle Uhr, lief sofort an und war dazu recht genau.

    Heute schaute ich mal wieder mit der Lupe aufs Zifferblatt, weil ich mal checken wollte, wie das mit der Leuchtmasse so ist. Die Dots waren komplett und unbeschädigt, wie das der Vintageliebhaber so mag.

    Aha, "SWISS". Bei Google eingegeben und dies gefunden:

    https://chrononautix.com/radium-uhren-gefaehrlich/


    Kurz: bei verschiedeneren getesteten Vintageuhren mit Radium-Leuchtmasse, fand man heraus, dass sich in einem geschlossenen Raum, in dem man eine solche Uhr aufbewahrt innerhalb von sechs Tagen eine Menge Radon als Zerfallsprodukt des Radiums anreichert, die zu einer Strahlenbelastung von bis zu 10.000 Becquerel führt. 50 wären erlaubt.

    Die Uhr lag also zehn Jahre im Schreibtisch, im Nebenraum meines Schlafzimmers. Damit euch das nicht auch passiert, lest euch den Bericht bitte gut durch und prüft, ob ihr noch vom Opa irgendwelche Altbestände an Uhren habt und passt auf euch auf.

    Die getesteten Uhren wurden meines Wissens nicht zerlegt. Die Belastung entstand schon durch die Leuchtmasse im eingebauten Zustand (Glas davor, etc.)

    Viele Grüße,

    Bernd

    P.S.: Meine anderen Uhren haben alle maximal Tritium.

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  • Hmmmmm, morgen wollte ich die sehr alte Uhr meines Vaters (die vorher einem französischen Soldaten gehört hatte) zur Überholung bringen …
    Das war mir so nicht klar … ich war auch der Meinung "hinter Glas nicht weiter wild"…

    Was mach' ich jetzt damit? :ratlos:

    Watches are the only jewelry men can wear, unless you're Mr. T
    Gordon Bethune

  • Also meine lagert jetzt erst einmal auf dem Dachboden, was auch nicht ideal ist. Wo sie schlussendlich hinkommt, weiß ich noch nicht.

    Da ich kein Chemiker bin, kann ich nicht beurteilen, ob das Verwahren in einer luftdichten Box, ggf. mit etwas Silicagel, Abhilfe bringt. Ggf. laufen die Prozesse anders ab, als ich mir das so vorstellen kann.

    Grüße,

    Bernd

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  • Wer ein paar Uhren mit Radium sein eigen nennt, und diese in einem Schrank mit Glastüren (nicht hermetisch dicht) in einem Raum 12-15 QM aufbewahrt, der nicht gelüftet wird, sieht einer schädlichen Belastung entgegen.

    Ganz lieben Gruß

    Ru_Di

    Expect no quarter, expect no mercy, expect total hell

  • Silicagel bringt dir da relativ wenig da es sich um Zerfallsprodukte handelt und zwar die Uran-Radium-Reihe und die besagt Radium zefällt zu Radon ob man mag oder nicht. Aber nicht verzweifeln entweder Lüften oder warten Radon zerfällt auf irgendwann. SchuechternKichern Irgendwann hast du dann Blei. :weglachen2 . Bleibt dir eigentlich nur ein Gasdichtes Behältnis. Da beide Elemente aber Alpha Strahler sind ist der Stress nicht relativ groß die Strahlung kommt nicht weit. Die Eindringtiefe ist etwas abhänging vom Luftdruck in Luft beträgt die in etwa 10cm. Für meinen Geschmack etwas viel Panik in dem Artikel.

    E tonoa ana koe kia mauria mai tō riri, tō kore whakamā me ō pātai, engari ina haere koe, mauria mai te rangimārie, te atawhai me te whakahoahoa.

  • Erst dachte ich, interessant zu lesen - aber mich betrifft‘s ja nicht.
    BIS mir dann einfiel - ich hab‘ ja noch (seit ca. 50 Jahren!) die alte
    Konfirmationsuhr von meinem Opa (so ca. BJ. 1923/24; die Uhr,
    nicht der Opa). Die hab‘ ich damals beim Uhrmacher (muss so um
    1973/74 rum gewesen sein) mal etwas revidieren lassen, so dass
    sie wieder lief. Das Zifferblatt blieb aber original - mit Radium???
    Da Taschenuhr, habe ich sie einige Zeit (so ein/zwei Jahre) in der
    HOSENTASCHE getragen!
    Danach immer irgendwo tief unten in diversen Schränken gelagert,
    wo sie vermutlich (wenn radiumbeschichtet) alles kontaminiert
    haben dürfte… : omg
    Seit einigen Jahren zum Glück in gut belüftetem Keller verstaut…
    TraurigWinken

    Gruss

    Christian :hatoff:

    Niveau ist keine Creme und Stil nicht das Ende eines Besens.

  • Bernd,

    neben meiner Liebe zu Uhren, speziell zu alten Fliegeruhren, habe ich noch ein paar andere Hobbys. Seit dem Tschernobyl-Unfall gehört dazu auch die Strahlenmesstechnik.
    Das fing damals an mit einem einfachen Geigerzähler und gipfelt heute in einem ausgewachsenen Messplatz für Gamma-Spektralanalyse.
    Der Messplatz wird regelmässig kalibriert mit sogenannten "Prüfstrahlern" - und halt Dich fest, als Radium-Referenz benutze ich eine alte Taschenuhr mit Radium belegtem Zifferblatt und Zeigern.
    Ich glaube, durch die Jahrzehnte der Beschäftigung mit dem Thema auch einiges über die damit verbundenen Gefahren zu verstehen.

    Hier meine Meinung dazu:
    Der von Dir zitierte Artikel ist grundsätzlich richtig - nicht jedoch Deine Interpretation.
    Der Wert von 50 Bq/m³ stellt die durchschnittliche Radon-Aktivität eines normalen, unbelasteten Wohn- oder Schlafzimmers dar, nicht einen bautechnisch zulässigen Grenzwert.
    Es gibt in Deutschland seit dem 31.12.2018 erstmals einen Radon Grenzwert bei Neubauten, der bei einer Strahlenbelastung von 300 Bq/m³ liegt. Ab diesem Wert sieht der Gesetzgeber konkrete Maßnahmen vor, die vom Architekten bzw. Besitzer im Haus umgesetzt werden müssen. Der Richtwert der WHO beträgt 100 Bq/m³.
    Ja, ein Anstieg auf 10.000 Bq/m³ über 6 Tage durch eine einzige Uhr ist enorm - aber dabei bitte nicht vergessen - in einem abgeschlossenen, unbelüfteten Testraum.

    Wenn Deine Wohnung so dicht ist, dass Du mit Deiner Uhr über die 300 kommst, hast Du wahrscheinlich eher mit Schimmel in der Wohnung zu kämpfen.


    Je nachdem wo Du wohnst und wie dicht Dein Keller ist, bist Du da unten einer höheren Belastung ausgesetzt.In der freien Natur ist die Konzentration von Radon für den Menschen nicht gefährlich. Das Edelgas verflüchtigt sich nämlich im Kontakt mit der Umgebungsluft und erreicht nur noch Werte von 1 bis 30 Bq/m³. Radon dringt allerdings durch undichte Stellen über den Keller in den Wohnraum ein und sammelt sich in den geschlossenen Räumen an. Die Konzentration von Radon im Keller ist also um ein Vielfaches höher als in der freien Natur und kann im Extremfall Werte von mehreren Tausend Bq/m³ in der Luft erreichen.

    Siehe dazu die Risiko-Gebiets-Karte des BfS für Radon Ausgasung in der Bodenluft :


    Übrigens gibt es noch einen hervorragenden Beitrag zu genau diesem Thema von unserem Forums-Freund Peter (1.Wart F-104G):
    https://www.sinn-uhrenforum.de/index.php?page…1790#post181790

    Also, wegen der einen Uhr solltest Du Dir keinen Kopf machen, wenn Dein Herz dran hängt - fertig !


    Anders sieht es natürlich anders aus, wenn Du die Uhr öffnest. Nicht wegen des Radons, das gast auch durch die geschlossene Uhr aus, sondern wegen des ursächlichen Radiums. Eine Aufnahme davon in den Körper (da reden wir auch über geringe Mengen von Abrieb) ist hochgefährlich.Ich wollte mal von der VEBEG ein Konvolut alter Bundeswehr-Fliegerchronos von Hanhart und Junghans kaufen - die wollten damals eine offizielle "Umgangs-Bescheinigung für Radium" haben.

    Helmut Sinn hat damals die Uhren bekommen - der hatte wohl so eine Bescheinigung.Gruss
    Lothar

    https://www.sinn-uhrenforum.de/index.php?page…1790#post181790

  • Zuerst einmal danke für eure zahlreichen Beiträge zum Thema.

    Ich habe gleich so ein Radon-Eye bestellt. Auch wegen unseres Kellers, in dem ich in der Tat eine Märklin-Anlage stehen habe und in der wir unsere Wäsche waschen.

    Dort wird nämlich nie gelüftet. Wir haben bisher alles mit dem Luftentfeuchter gesteuert, aber der hätte ja keinen Einfluß auf den Radongehalt.

    Viele Grüße,

    Bernd

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