Selbstbauprojekt : Régulateur

  • Selbstbauprojekt : Régulateur

    Still ist es geworden um den Grounded Pilot seit seinem letzten Selbstbauprojekt : Fliegeruhr.

    Ist wohl Corona zu verdanken : wenn man schon zu Hause festgenagelt ist, darf das auch ruhig in der heimischen Uhrenwerkstatt sein.

    Ich hab ein neues Projekt aufgemacht – aber diesmal, ohne mich vorher aus dem Fenster zu lehnen und das anzukündigen, wie bei den Fliegeruhren.

    Das war auch gut so, denn der Erfolg war diesmal mehr als fragwürdig – mehrfach hatte ich aufgegeben, aber doch immer wieder anders angefangen.
    Nun, da es sich abzeichnet, als könnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden, lasse ich euch mal wieder mit einem Baubericht teilhaben.

    Teil 1 : Der Plan

    Als in den 80er Jahren Chronoswiss erstmals eine Regulator-Bauform als Armbanduhr herausbrachte, war ich spontan fasziniert von dem Teil.
    Damals, für mich als Student, unerschwinglich.

    Nun bin ich durch Zufall wieder auf dieses Thema gestoßen – in einem ganz anderen Zusammenhang.
    Ganz in meiner Nähe, im Nachbarort, gibt es eine Uhrmacher-Meisterin, die dort zusammen mit einem Kompagnon eine Werkstatt betreibt. Eben dieser Kompagnon hat seinerzeit bei Sinn gelernt und noch länger, nachdem er sich mit der Kompagneuse selbstständig gemacht hat, Service für
    Sinn/Chronosport/Guinand betrieben.
    Nachdem sie nun offiziell diesen Service eingestellt haben, stoßen sie ihr gesamtes, noch existierendes Sinn-Teilelager ab.

    Und da gab es eben genau diese beiden Teile im Angebot : Régulateur-Gehäuse und Zifferblatt für modifizierte Unitas 6325 Uhrwerke.

    „Klick“ hat’s gemacht und die alte Faszination war wieder da.

    Aber jetzt baue ich das Ding selber.

    Nach dem Erfolg mit meinen selbstgebauten Fliegeruhren (sogar mit selbstgemachten Leuchtzifferblättern) wollte ich einen Schritt weitergehen und mich an meinen ersten Uhrwerks-Umbau wagen.
    Erst mal theoretisch mit dem Thema auseinandergesetzt – nirgends auch nur der geringste Hinweis zu finden, wie die Profis diesen Umbau bewerkstelligen – irgendwie muss die Stunde aus dem Zentrum hoch zur Zwölf verlegt werden. Also, einen eigenen Umbau-Plan gemacht.

    Bilder vom Unitas 6325 bei Ranfft aus dem Archiv geladen. Die Idee war einfach :

    Da gibt es ein Stundenrad, welches bereits eine Umdrehung pro 12 Stunden macht und von der Zifferblatt-Seite aus zugänglich ist.
    Der Stundenzeiger bleibt weg, dafür kommt das gleiche Rad mit abgefrästem Zeigertubus huckepack oben drauf.

    Damit ist eine neue Ebene für den Aufbau eröffnet.

    Das gleiche Stundenrad auf einen Zapfen an der Position wo die Stundenanzeige später liegen soll, damit gibt’s schon mal keinen Huddel mit der Übersetzung, die ist dann 1:1 – es braucht lediglich noch ein Wechselrad als Verbindung zwischen den beiden Rädern, damit die Drehrichtung wieder stimmt – Größe spielt keine Rolle, geht in die Übersetzung nicht ein, lediglich die Module der Räder müssen passen.
    Sieht ganz einfach aus : entweder geht das als Aufbau in einer 2ten Ebene, oder es lässt sich in Taschen in die Platine einfräsen, dann braucht’s auch das Huckepack-Stundenrad nicht.

    Aber bevor das losgehen kann, muss ich meine Bearbeitungs-Möglichkeiten in der Werkstatt noch etwas aufstocken.

    Bisher habe ich ja nur Werkhalteringe gedreht, um irgendwelche Werke in irgendwelche Gehäuse zu verpflanzen – jetzt muss das alles viel feiner werden.

    Eine 4-Achsen (X-Y-Z + Rotation) Trimming-Plattform für die Fräsmaschine hat mir schon lange in der Nase gesteckt.

    Gefunden in 60 x 60 mm mit jeweils 12 mm Verfahrweg und Auflösung 1/100 mm über Micometer.

    Noch die Spannvorrichtung für Uhrwerke dazu gebaut : perfekt !

    Dann noch jede Menge Bohrer , Reibahlen und Gewindeschneider für Uhrmacherzecke – oh, oh, das wurde teuer – aber bisher war ich nie gezwungen, mich unterhalb von M2 zu bewegen – jetzt bin ich ausgerüstet bis runter auf 0,3 mm, Zeigerlöcher sogar bis 0,05.

    Genial – mit jedem Projekt wird meine Werkstattausrüstung perfekter.

    Dann Material zum Basteln.
    Armbanduhren mit den in Frage kommenden Werken gibt es vereinzelt in Ebay immer mal wieder.
    Hier funktioniert eigentlich alles, was unter dem Namen „Wehrmachtswerk“ Kursiert – wie da wären :

    Unitas 6310, mit 18000 a/h, 6325 und 6376 mit 21600 a/h, dann noch 6410, 6425, 6450, die gleichen Werke, aber mit Datums-Aufsatz,
    und dann noch sämtliche AS 1130 Derivate (auch die hat Helmut damals zwischendurch statt Unitas eingebaut) alle mit identischen Abmessungen.

    Also gesteigert, dazu noch jede Menge Stundenräder und Werksplatinen-Ersatzteile, das war dann mein Basismaterial

    Fortsetzung folgt !

  • Sensationell. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.


    : applaus

    Grüße

    Gregor :aetsch:


    my brain is my castle - but sometimes it becomes a prison

  • Auch wenn ich ja sonst eher der Typ für ein Modell 'Querulateur' bin ;)
    Das ist/wird ja gaaaaaaanz großes Kino, was Du wieder mal ablieferst!

    Contradictions do not exist. Whenever you think that you are facing a contradiction, check your premises.

  • Das ist ja wirklich mal ne Ansage, gefällt mir, deine Ausstattung. Besonders der kleine zusätzliche Tisch. Hat der einen toten Gang? Oder ist der Verfahrweg über eine Kugelspindel gesteuert? Was machst du wenn du z.B. einen Lochabstand von mehr als 12mm herstellen willst? Dann mit einer kleinen Fräsmaschine mit Teilapparat (von Deckel, oder so? ). Ne kleine Drehbank hast du dann bestimmt auch, oder? Sehr geil, würde mich sehr über Bilder bei der Arbeit freuen.
    M2,5 hab ich auch schon geschnitten, aber nicht kleiner? Ich glaub, da merkt man keinen Widerstand mehr, also nach fest kommt dann direkt ab ;)
    Gehst du beispielsweise beim Kernloch von M1mit einer Reibahle durch? Oder hast du genaue und stabile Bohrer aus Hartmetall? Da bleibt ja extrem wenig Material zum Gewindeschneiden stehen?

    Meinen allergrößten Respekt
    Wünsche dir viel Spaß und Erfolg

    Gruß Carsten

    - gesendet mit Tapatalk -

  • : AlterSchwede ....... : wie geil !!

    :respekt: für Idee, Ehrgeiz, Mut, Durchhaltevermögen - ich bin schon gespannt auf das Endergebnis !

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • Mein Respekt vor dem neuen Projekt, lieber Grounded Pilot :respekt:
    Ein Regulateur ist schon eine ganz besondere Uhr, welche man kaum noch findet, obwohl doch ganz passabel ablesbar finde ich Top1
    Ich hatte genau so einen Guinand Regulateur noch bei Helmut Sinn gekauft und ihn dann aber abgegeben, da mir die Uhr einen Tick zu klein und zu fein war und ich sie einfach nicht getragen habe.
    Deine Guinand Teile stammen wohl genau von diesem Modell, die (nennen wir mal Ross und Reiter) von der Uhrenwerkstatt Huneke verhökert werden.
    Das ist deren gutes Recht da es Teile sind welche sie damals bei Schliessung der alten Fa. Guinand als Ersatzteile übernommen hatten.
    Das man sie aber nun verkauft, um damit den Bau von Uhren, privat oder wie auch immer zu ermöglichen, finde ich etwas grenzwertig.
    Es wird sicher niemand etwas sagen wenn Du als Privatmann damit eine Uhr zusammen zimmerst.
    Sollte die Uhr aber jemals auf einem Marktplatz für Uhren auftauchen, werden ganz sicher Markenrechte gegenüber der Firma Guinand verletzt, da diese ja weiterhin besteht.
    Das ist dann ganz dünnes Eis das solte dir zumindest bewusst sein!
    In letzter Zeit sind bei Ebay und Co einige Uhren nachweislich mit eben solchen Teilen aufgetaucht und verkauft worden.

    Ansonsten weiterhin viel Spaß beim Uhrenbauen wünsche ich Dir :hatoff:

    Gruß

    Selespeed

    Consul de Guinand (Markenbotschafter)
    Calendar Master (Sinn-Forumskalender)
    Stefan alias Selefan alias Sele-Blue alias Han-Sele alias For-Sele alias Cir-Sele :D
    -------------------------------------------------------
    Bevor isch misch uffreesch is mers liewer egaaal!

  • Berechtigter Hinweis Selespeed !

    Die Herkunftsvermutung ist auch richtig.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, hat man sogar versucht, die Teile an Guinand zurückzugeben (oder zurück zu veräussern - das weiss ich nicht), was aber angeblich abgelehnt wurde.
    Was meine Teile betrifft, da mach Dir mal keine Sorge - das Zifferblatt mit dem Guinand Schriftzug war nur ein Platzhalter während der Bauphase.

    Die Uhr wird definitiv nirgends in der Öffentlichkeit damit auftauchen - ich schmücke mich doch nicht mit fremden Federn.
    Eines von denen kommt drauf :


    Bei meinen Fliegeruhren habe ich mich sogar geweigert käuflich zu erwerbende Zifferblätter zu verwenden, nur weil da SWISS MADE draufstand.

  • Alles prima, der Plan ist klasse und ein eigenes Zifferblatt ist natürlich die Krönung! :pop:

    Zu dem Kauf/Verkauf der Guinand-Ersatzteile habe ich ein bisschen was aus unterschiedlichen Ecken „gehört“, kann und möchte es aber nicht weiter kommentieren. :pinch:
    Das geht uns auch eigentlich gar nix an FrecheFratze ! Wenn sich die beiden Parteien nun einigen ist es gut, wenn nicht dann eben nicht. WeisseFahne2
    Sorry dass ich mich dazu melden musste, aber als Markenbotschafter von Guinand sehe ich es quasi etwas als meine Pflicht… ^^

    Gruß

    Selespeed

    Consul de Guinand (Markenbotschafter)
    Calendar Master (Sinn-Forumskalender)
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    Bevor isch misch uffreesch is mers liewer egaaal!


  • Das geht uns auch eigentlich gar nix an. Wenn sich die beiden Parteien nun einigen ist es gut, wenn nicht dann eben nicht. WeisseFahne2
    Sorry dass ich mich dazu melden musste, aber als Markenbotschafter von Guinand sehe ich es quasi etwas als meine Pflicht… ^^

    Das find ich auch.
    In beiden Punkten bin ich da bei dir .

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • Ich mache mal einen Spoiler-Alarm.

    Eigentlich ist der Prototyp ja fertig und läuft – da fehlen nur noch die endgültigen Zeiger (wenn ich da jemals was halbwegs Passendes finde).

    Aber hier ist schon mal ein Bild von meinem Objekt der Begierde – etwas unscharf, da sind auf beiden Gläsern noch die Schutzfolien drauf und das Zifferblatt wird am Ende auch noch mal neu gemacht – aber jetzt ist das noch so wegen des dauernden „Auf – Zu – Rein -Raus“.


    Ursprünglich wollte ich das Teil ja heute auf den Stammtisch legen, aber damit warte ich lieber noch, bis alle Hinweise auf die Herkunft des Gehäuses unkenntlich gemacht sind. Entweder fräse ich das raus oder lasse es von meinem Graveur raus-lasern.
    Ich habe keinen Bock, wegen der anscheinenden Querelen zwischen einem ehemaligen Service-Partner der alten Firma Guinand und der jetzt neu aufgelebten, zwischen die Fronten zu geraten.

    Ähnliches gilt für die Fliegeruhren – die kommen auch noch nicht in die Öffentlichkeit, weil auf der Gehäuse-Unterseite, genau so wie hier, noch „Swiss Made“ graviert ist.

    Freue mich trotzdem auf den Stammtisch, die Selbstbauten sind dann vielleicht beim nächsten mal dabei.

    Der Baubericht wird aber trotzdem weitergehen, der hinkt halt der tatsächlichen Arbeit ein wenig hinterher.

    Und wenn wir schon beim „Spoilern“ sind : Der Querulateur, welchen watch the watchman da angesprochen hat, ist ein Abfall- oder Nebenprodukt meiner Machbarkeits-Studie. Er meinte sehr treffend : „in der Fischerei nennt man das Beifang“. : doppelt Daumen hoch

    Das Ding werde ich definitiv auch noch bauen – es ist ein Régulateur auf Basis des Unitas 6410, 6425 oder 6450, alles Werke mit Datums-Vorsatz.
    Den werde ich modifizieren zu einer 24 Std. Anzeige, damit wandert die Stunde ganz bescheuert rüber zur 10, deshalb Querulateur.




    Bis nachher beim Stammtisch :cheers:

    Gruss
    Lothar

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