Total anderes Armband für den R500 selbst herstellen

  • Hallo an alle, speziell aber die R500 Besitzer,

    in einem anderen Themenbereich wurde schon so schön auf das eher unpassende Band an dem Rennstopper R500 eingegangen. Auch ich finde, dass das original Band mit seinen durchgängigen 24mm viel zu prominent ist für den durch die fehlenden Hörner relativ klein wirkenden R500. Dazu kommt noch, dass die Drücker und Krone in Bandrichtung angebracht sind, was die Silhouette viel schmaler erscheinen lässt als 42mm. Ein wenig enttäuscht war ich von der sehr einfach gehaltenen Dornschließe - für den Preis hätte Sinn wirklich mal eine Faltschließe spendieren können.

    Egal, jedenfalls wurde ich durch mein ästhetisches Bewusstsein angetrieben, ein völlig anderes Band zu montieren und habe ich mir dann ein Lederband mit grüner Naht bestellt (24/20mm), um es umzubauen und passend zu machen.

    Wen die einzelnen Arbeitsschritte nicht interessieren :zzz:, bitte runterscrollen.

    Ablauf:
    1) Mit einem Skalpell das Band dort, wo sonst der Federsteg reinkommt aufschneiden und ca. 5-7mm weiter aufschneiden - dabei die Nähte nicht verletzen. Mit einer kleinen scharfen Schere dem Bandende schon jetzt die grobe Form des Original Bandes verpassen.
    2) Dann die beiden Schichten wieder mit 2k Kleber verkleben. Man muss 2k Kleber nehmen, damit die Bohrlöcher (Schritt 5) nicht so schnell ausreißen. Ich glaube, das Ende der original Sinn Bandes ist auch mit Epoxy o.ä. verstärkt.
    3) Den 2k Kleber antrocknen lassen und kurz bevor er aushärtet die letzten 5 mm zwischen zwei Metallplatten auf 2mm Stärke pressen. Dafür habe ich mir 2 Aluscheiben mit 42mm Durchmesser hergestellt und dann einfach in den Schraubstock gesteckt.
    4) Nach dem Aushärten kann das Bandende nach Original Vorbild mit Skalpell, Dremel, Schere, etc bearbeitet werden. Zwischendurch immer wieder mal testen, ob es gut in die Öffnung an der Uhr passt.
    5) Wenn die Form stimmt, das Band in die Öffnung an der Uhr stecken (so tief wie möglich) und dann durch die Schraubenlöcher mit einem kleinen Schraubendreher die Stellen für die Löcher markieren. Ich habe mich schon sehr gewundert, wie nahe die Löcher am Rand des Bandes sind - deshalb auch der 2k Kleber für die Stabilität. Jetzt können die Löcher mit einem 1,2mm Bohrer gesetzt werden.
    6) Im letzten Schritt wird das Band gesäubert, eingesetzt und mit den 2x2 Schrauben befestigt. Ich habe mich auch hier für eine 20mm Faltschließe entschieden.

    Ich empfehle für diese Art Anpassung ein extra langes Lederband zu nehmen, da man ca. 2x 10m durch die fehlenden Hörner verliert und auch durch die Tatsache, dass das Band noch 2x 5mm in die Uhr hineinragt. Ein Armband in Standardlänge war für meinen 19cm HGU gerade so eben ausreichend. Beim nächsten Mal nehme ich ein längeres, aber generell bin ich erstmal sehr zufrieden mit dem Umbau - das neue, etwas unauffälligere Band gibt dem Chronographen etwas mehr Raum auf den Betrachter zu wirken.

    Anbei noch ein paar Bilder vom den Maßen den Original Bandes und vom fertigen Produkt im Vergleich zum Original.

  • Guten Morgen,

    als Besitzer einer R500 fühle ich mich besonders angesprochen. Danke für deinen Beitrag und deine Mühe.
    Was mir ehrlich gesagt fehlt, ist der bebilderte Schritt der Anpassung des Gehäuseanstoßes beim Alternativband. Vielleicht kannst du das noch nachreichen. Top1
    Gerade dies ist die Achillessehne :rofl: der Bandkonstruktion. Im Prinzip garantieren zwei Minischräubchen den Halt der Uhr am Handgelenk oder den Aufschlag auf die Küchenfliesen.
    Ich habe eine der ersten ausgelieferten Modelle und musste nach kurzer Tragezeit das Band ersetzen lassen, da dieses an den Schräubchen eingerissen war.
    Von daher finde ich deinen Ansatz mit 2k Kleber und Metallblättchen ganz interessant.

    Übrigens wurde mein Band natürlich auf Kulanz ersetzt, der Hersteller hatte wohl eine schlechte Charge geliefert. Das aktuelle sitzt bombenfest.

    Für deinen Beitrag habe ich mich bedankt, auch wenn ich das Resultat nicht nachahmen werde. Besonders die Rückseite beim Bandanstoß sieht eher nach Macgyver aus. Sry
    Bringst mich da aber auf Ideen. Mein Bekannter ist ein Begnadeter im Umgang mit Leder. Der macht das so gut das er damit Geld verdient. :D (Kürzlich präsentierte er ein grünes Pferdeleder Natostrap, was wirklich hinreißend aussieht.) Den werde ich mal kontaktieren….

    Du warst enttäuscht, dass es serienmäßig keine Faltschließe gab? Ok, ist mir jetzt wo du es sagst noch nie aufgefallen, aber das scheint generell nur eine Option zu sein.
    Da die R500 eh schon kein Ergonomiemonster ist, denke ich, wird es mit einer gegenüberliegenden und aufbauenden Faltschließe eher noch schlimmer, als besser.

    Gruß Mark

    Nur die Zeit ist unbestechlich

    Einmal editiert, zuletzt von Lemanianer (16. Dezember 2022 um 09:19)

  • Sehr interessant.

    Ich war bisher davon ausgegangen, daß sich das Band durch das Gehäuse zieht und zusätzlich mittels Schräubchen fixiert wird.

    So kann man sich täuschen. Ich würde mal sagen, aus der Entfernung, ist das nicht die übliche Sinn Ingenieur Lösung.

    Aber wenn es hält ist ja alles gut :D

    Ganz lieben Gruß

    Ru_Di

    Expect no quarter, expect no mercy, expect total hell

  • Ich war bisher davon ausgegangen, daß sich das Band durch das Gehäuse zieht und zusätzlich mittels Schräubchen fixiert wird.

    Das war auch mein erster Gedanke und ich war schon ziemlich neugierig und auch überrascht, wie knapp die ganze Geschichte mit den Schräubchen gelöst ist. Ich habe das Band nicht ganz so stramm eingestellt, um ein Ausreissen vorzubeugen.

  • Was mir ehrlich gesagt fehlt, ist der bebilderte Schritt der Anpassung des Gehäuseanstoßes beim Alternativband. Vielleicht kannst du das noch nachreichen.

    Das was ein sehr schwieriger Schritt, besonders weil ich nicht die richtigen Werkzeuge hatte, um das sauber auszustanzen, also musste ich mir mit Schere, Skalpell und Dremel helfen. Die ersten Versuche sahen entsprechend aus - die habe ich dann nicht noch für die Nachwelt festgehalten : zu spät Wenn man den Schritt mit dem 2k-Kleber und dem anschießenden Pressen auf 2mm gut hinbekommt, sollte ein Dremel eigentlich die beste Wahl sein.

    Von daher finde ich deinen Ansatz mit 2k Kleber und Metallblättchen ganz interessant.

    Von Metallblättchen habe ich zwar nichts geschrieben, ist aber eine gute Idee ein dünnes Blech zur Verstärkung in den 2k-Kleber einzugießen - das hält dann sicher bombenfest - man muss nur darauf achten unter 2mm zu bleiben.

    Besonders die Rückseite beim Bandanstoß sieht eher nach Macgyver aus. Sry

    Das war mein erster Versuch, aus einem normalen Band eine Bandwechselalternative für den R500 zu basteln - da ist natürlich noch Luft nach oben. Ich habe da so einige andere Fehler gemacht, z.B. (a) das Band sollte keine so starke Polsterung haben, (b) ich habe eine seitliche Naht verletzt, (c) Bohrlöcher falsch markiert, (d) den 2k Kleber zu lange trocknen lassen, etc, um nur einige zu nennen. Aber hat Spaß gemacht! Top1

    Da die R500 eh schon kein Ergonomiemonster ist, denke ich, wird es mit einer gegenüberliegenden und aufbauenden Faltschließe eher noch schlimmer, als besser.

    Da bin ich aber anderer Meinung. Dadurch dass das Band so dick und steif ist, ist eine Faltschließe die eleganter Lösung, bei der das Leder nicht noch 2-fach gebogen wird, wie bei einer Dornschließe. Ist natürlich Geschmackssache.

    Wie der Zufall das will, habe ich gerade auf Ebay Kleinanzeigen eine Anzeige gesehen, wo eine Sinn Audi R8 verkauft wird (Link 1 ) und auf Uhrenforum.de habe ich auch einen gefunden (Link 2 ). Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Gehäuse dem vom R500 sehr ähnlich, nur um 90 Grad gedreht. Vielleicht tun sich da ja Bandalternativen auf...

    Einmal editiert, zuletzt von dndesign (16. Dezember 2022 um 11:18)

  • Hallo liebe Sinn-Gemeinde, speziell mal wieder die R500 Besitzer!

    Kleiner Nachtrag zu diesem Thema.... Ich habe mal wieder was gebastelt für meinen R500.

    Wie weiter oben zu lesen, hatte ich das mir persönlich zu prominente Banddesign des R500 angesprochen und mir daher ein eigenes Band gebastelt, damit der Fokus eher auf den Chrono und nicht auf dem Band liegt. Das war schon eine Menge Arbeit und daher habe ich beschlossen, dass eine andere Lösung her muss, damit ich jedes Band benutzen kann, ohne jedes Mal zu basteln.

    Also habe ich eine Art Adapter hergestellt. Erst einen Prototypen mit 20mm Stegbreite und dann ein fortgeschritteneres Model mit 22mm Stegbreite.

    Der Prototyp war sehr einfach, aber hatte seinen Zweck erfüllt, dass er jedes beliebige Band aufnehmen konnte. Ich habe mal ein paar Bilder angehangen. Ich habe mit daraufhin ein 2mm dickes Titanblech bestellt und angefangen zu sägen und zu feilen. Im Prinzip folgt die Form dem original Bandanschluss:

    Immer wieder checken, wie es passt und dann schonmal die Löcher bohren:

    Andere Seite auch schon vorbereiten (wird später getrennt):


    Die beiden Adapter trennen und weiter die Stege ausfeilen:


    Löcher für die Federstege bohren und schon sind sie fertig:

    Ein paar Eindrücke mit Band und montiert an der Uhr:

    Was mich jedoch am Prototyp störte, war das gerade Design und dass ich eigentlich 22mm Stegbreite erreichen wollte, damit es von den Proportionen her besser zu dem Gehäuse passt.

    Für die nächste Entwicklungsstufe musste ich das Design etwas verändern, damit genügend Material für die Bandaufnahme zur Verfügung steht. Auch hier habe ich ein paar Bilder angehangen, damit man sich es besser vorstellen kann. Die einzelnen Schritte habe ich hier nicht nochmals detailliert bebildert – im Prinzip war es nur sägen und feilen, wie beim Prototyp:


    Ich bin mit diesem Design ziemlich zufrieden und stelle fest, dass ich den Chrono jetzt viel lieber trage, weil er angenehmer und unauffälliger am Arm sitzt – ist aber alles Geschmackssache und ich will hier niemanden überzeugen, doch am Ende kommt für mich auf die Tragezeit der Uhren an, die ich besitzte.
    Die Türen stehen jetzt offen für alle Bänder mit 22mm Breite - sogar Natostraps kann ich verwenden.


    Manche von Euch mögen (zu Recht) sagen, dass sie das Original Sinn Design bevorzugen – deshalb habe ich eine Lösung gewählt mit der ich immer zum Original zurückgehen kann, wenn ich denn will. Hier noch mal ein paar Impressionen an verschiedenen Bändern, die ich so gefunden habe:


    Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung 8)

  • : AlterSchwede ich bin begeistert von deiner Leidenschaft, wie du Dein Band erschaffst! :respekt:
    Ich mag den R500, ist er doch eine echte Spezialuhr, mit diesem Modell ist Sinn mal wieder -wie bei der 717- ihrem Anspruch an "Spezialuhren" gerecht geworden.
    Auf der Jagd nach einem eigenen Band wäre ich ganz einfach auf die Suche nach jemand gewesen, der eine Lösung findet für die bestehende Bandbefestigung.
    Aber die Idee, der Uhr eigene Bandanstösse zu schenken und damit maximale Flexibilität zu haben, darauf muss man erstmal kommen. :respekt:

    Übrigens gefällt mir das gerade Design der ersten Bandanstösse persönlich besser, weil sie schlichter sind und weniger von dem interessanten Gehäuse ablenken. Die Form erinnert mich an schlichte Anstösse der alten Fliegeruhren.

    Dir auf jeden Fall viel Spaß beim Weiterexperimentieren !

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • : AlterSchwede ich bin begeistert von deiner Leidenschaft, wie du Dein Band erschaffst! :respekt:
    Ich mag den R500, ist er doch eine echte Spezialuhr, mit diesem Modell ist Sinn mal wieder -wie bei der 717- ihrem Anspruch an "Spezialuhren" gerecht geworden.
    Auf der Jagd nach einem eigenen Band wäre ich ganz einfach auf die Suche nach jemand gewesen, der eine Lösung findet für die bestehende Bandbefestigung.
    Aber die Idee, der Uhr eigene Bandanstösse zu schenken und damit maximale Flexibilität zu haben, darauf muss man erstmal kommen. :respekt:

    Übrigens gefällt mir das gerade Design der ersten Bandanstösse persönlich besser, weil sie schlichter sind und weniger von dem interessanten Gehäuse ablenken. Die Form erinnert mich an schlichte Anstösse der alten Fliegeruhren.

    Dir auf jeden Fall viel Spaß beim Weiterexperimentieren !

    Ich schließe mich AndiS an - auch ich bin begeistert und solltest Du irgendwann eine kleine Serie der geraden Adapter auflegen wollen, wäre das für mich u.U. durchaus interessant. Ansonsten hat AndiS schon alles gesagt, ich brauche nichts mehr hinzu zu fügen.

    Grüße aus Brasilien,
    Uli

    "Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert" (Oskar Wilde)

  • :YoureTheMan :YoureTheMan
    Ich bin auch mehr als schwer beeindruckt : AlterSchwede - die handwerkliche Ausführung ist unglaublich gut ausgeführt. : wie geil
    Titan soll ja bekanntlich recht schwer zu bearbeiten sein.

    Diese Konstruktion kannst Du mal im Sinn HQ Hrn. Schmidt vorlegen - ich bin sicher, er wäre auch mehr als beeindruckt.

  • Ich bedanke mich herzlich für die netten Rückmeldungen : dankeschoen .
    Es ist immer gut, mal andere Meinungen zu hören - deshalb habe ich es auch hier, im Zentrum der Sinn-Expertise, gepostet.

    Mein bestelltes Titanblech gibt noch eine Version her. Ich glaube, das könnte eine Mischung aus dem Prototypen und der anderen Version werden, d.h. eine "gerade" Version mit 22mm Stegbreite.
    Eine Serienproduktion hatte ich eigentlich nicht vor - ich hätte auch gar keinen CNC-versierten Kumpel an der Hand, der das zum attraktiven Preis verwirklichen könnte. Die Feilerei war eigentlich mehr ein Hobby... und, zur Info, Titan lässt sich eigentlich sehr gut mit der Feile bearbeiten - also keine Scheu vor dem Material ;)

  • Sensationell : like

    Das sollte Sinn übernehmen bzw. Dir abkaufen als Design.

    Bin von so mechanischen Fertigkeiten immer schwer beeindruckt.

    :YoureTheMan

    Ganz lieben Gruß

    Ru_Di

    Expect no quarter, expect no mercy, expect total hell

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