Hallo Jungs und Mädels,
holt Euch Kaffee und Keks (für Bier und Nüßchen ist es noch etwas früh!) es könnte länger werden! ![]()
Meine erste Uhr bekam ich mit 14.
Vorher brauchte ich keine.
Mama hat mich morgens geweckt, die Schulbimmel, oder später in der Sekundarstufe der Gong, hat mich von den endlos langen Stunden befreit, und nach der Schule gab es klare Regeln:
wenn die Kirchglocke XXXX läutet oder die Strassenlaternen an gehen, bist Du zu Hause. Notfalls wurde auch ein „ Miiiiichiiiii“ durchs Viertel gebrüllt.
Zur Konfirmation gab es dann eine goldene Uhr von Papa. Ich war stolz wie Bolle, muss aber dazu sagen, dass ich aus einfachem Stall abstamme.
Papa trug eine Timex ( mit der konnte man, um die Faust gelegt, eine Glascheibe zertrümmern, wie uns die Werbung damals suggerierte) später hatte er eine Seiko.
Meine goldene Uhr war, Altersgenossen können sich gut an den Ausdruck erinnern, von einem LKW gefallen.
Ende der 70iger, Anfang der 80iger haben sich alle immer mit Sachen, die vom LKW gefallen sind, eingedeckt.
Jeder kannte jemand, der einen kannte, dem was vom LKW gefallen war!
Ergo war das Gold von der Uhr ab, als ich in die Lehre kam.
Mit den Worten: „ mit so einer vergammelten Uhr kannst Du nicht bei der High Society auftauchen“,
hat Mama sich mühsam vom spärlichen Haushaltsgeld was abgespart und mir eine Dugena gekauft.
Alles nicht sehr förderlich, um eine Uhrenleidenschaft zu entwickeln.
Anders als mit meiner 2- und 4-Rad Begeisterung. Die hat schon mit 5 Jahren und in Oppas himmelblauer BMW Isetta angefangen, wenn wir samstags zum Angeln gefahren sind.
Oder später, wenn mein Vater zum Brötchen holen ging, und mit einem neuen Auto nach Hause kam.
Aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Zeit.
Meine erste Uhr habe ich wahrgenommen auf einer Modemesse in Mailand. Das war die Breitling Navitimer.
Ein wunderschöner Mann, leider ein schwules Modell, trug so eine. Aber ich war eh nur an der Uhr interessiert und so hat er mir erzählt, dass er sich die Uhr vom ersten Job gekauft hatte.
Er war so alt wie ich, und ich bekam so um die 280 D-Mark Lehrgeld im Monat! Ich war beeindruckt, aber damit rückte die Uhr in weite Ferne.
Aber in dieser Zeit, unter all diesen reichen Menschen entstanden so einige Begehrlichkeiten, der Blick für das Besondere, auch meine Leidenschaft für Hermes, Montblanc und Louis Vuitton entstand dort.
Aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Zeit.
Damals trugen alle Rado, Ebel, Seiko, Scheeschär le Coultre (jaaa,ich habe im Werk im Jura gelernt, dass der Name so ausgesprochen wird!) und Rolex.
Ich hatte mir mal einen Blender von Rolex mitbringen lassen, 180 D-Mark hat sie gekostet und war nach 2 Wochen hinüber. Das war teures Lehrgeld, und seit dem habe ich nie wieder einen Fake in der Hand gehabt.
1987 habe ich dann meinen Mann kennen gelernt. Er trug ganz stolz seine erste Sinn, doch ich kannte diese Marke nicht. Mit leuchtenden Augen hat er mir von der Manufaktur erzählt und von Helmut Sinn vorgeschwärmt.
Und weil ich ihn so liebte, und endlich etwas mehr Geld verdiente, bin ich am 17.06.1991 mit Mama und Baby von Dörnigheim nach Rödelheim gefahren, um ihm zum Geburtstag seine 2. Sinn zu kaufen.
Wir haben 2 Stunden gebraucht, es war Stau und Sperrung wegen irgend einem Ereignis in Frankfurt, und als Helmut meinen Sohn auf den Arm nahm, war sein ganzer Sakko-Ärmel nass, weil die Windel nicht dicht gehalten hatte.
Das ist mir heute noch peinlich…
Ich hatte dann in einem dicken Rätselbuch die Seiten ausgeschnitten, damit die 142 da rein passte. Ich werde dieses entsetzte Gesicht niemals vergessen, als er das Rätselbuch sah.
Er hat nie Rätsel gemacht, und hatte sein Überraschungsgeschenk schon ungeöffnet zur Seite gelegt….
Da hatte ich das erste Mal Spass und Freude mit/an einer Uhr, dem Kauf und dem schenken! Danach waren wir etliche Male bei Helmut, und Gerd hatte schon eine große Leidenschaft für Uhren,
aber ich war nur dabei, und wenn mir eine Uhr gefallen hat und das Budget hat es zugelassen, habe ich die eine oder andere Uhr mitgenommen.
Da die Uhren von Helmut ja alle sehr maskulin sind, habe ich während der Finanzkrise noch zwei Uhren zu sensationellen Preisen geschossen, eine Cartier Panthere 3 Reihen Gold und eine schlichte Vintage Rolex.
Alle meine Uhren habe ich immer gerne getragen, nach Gerd`s Tod seine mit Stolz, und ich war mir der Besonderheit der Frankfurter Uhren schon immer bewusst.
Was danach kam, wisst Ihr: ich habe mich hier angemeldet, um Uhren zu verkaufen. Und nun hat sich das Blatt gewendet.
Nun ja, das mag auch damit zusammen hängen, dass ich kaum das Haus noch verlassen kann, und mehr Zeit im Forum verbringe.
Trotzdem hat mir die Zeit hier, die Zeit mit Euch, virtuell und persönlich, die Zeit mit meinen Uhren und eine neue Sichtweise darauf, eine neue, intensive Leidenschaft beschert.
Ich musste das gestern am eigenen Leib erfahren. Ich habe gezittert wie Espenlaub, so aufgeregt war ich.
Hier im Forum kam mir der Navitimer wieder vor Augen. Und ich war sofort wieder verliebt und in Mailand. Breitling/Sinn, da bin ich dann doch Lokal-Patriotin und greife zu Sinn.
Zwei, drei Personen hier, können ein Lied davon singen, wie verrückt, unsicher, hin und her gerissen ich war. Und das ist einzig meiner Unkenntnis geschuldet, was man beim sicheren Uhrenkauf alles zu beachten hat.
Dankbar bin ich, und DANKE möchte ich sagen, für Eure Hilfe, Eure Geduld, Eure Einschätzung und Eure Ratschläge!
Der Preis war nicht das Thema, eher die Geduld, auf das richtige Modell zu warten, und dann ist doch wieder ein Haken an der Geschichte. Keine Papiere, keine Box, ect. pp.
Ganz wuschig von den vielen Modellen, Ratschlägen und Eindrücken, habe ich mich Mittwoch zu Sinn ins Füldchen geschlichen.
Habe zwei Uhren zur Revision abgegeben (12-17 Wochen!!!!!!) und mir den Navitimer mit blauem Ziffernblatt angesehen.
Blau musste es sein, blau war der erste Navitimer, den ich gesehen hatte, und blau ist so schön Maritim, wie die Navy (Big Ben
).
Eine Nacht drüber geschlafen, morgens die vorletzte Vorrätige zurück legen lassen und ab zum freundlichen Bankberater, Kohle holen.
Wieder beim Helmut vorbei geschlichen, diesmal hat er mich erwischt. Ich habe gelogen, gesagt, ich gehe zum Zahnarzt ,
leide nun unter permanentem schlechten Gewissen und bete abends vorm schlafen gehen um die Vergebung meiner Sünden
.
Das Kauferlebnis waren die, sagen wir mal 350 Euro Differenz mehr von gebraucht zu neu, allemal wert.
Alle Papiere, Box, Garantie, einmal im Jahr kostenfreie Prüfung der Wasserdichtheit, Schoki, Kalender, Sekt , lachende Gesichter, weiche Knie, Freude und ein Gefühl, fast so gut wie Sex….
Und die Geschichte der Uhr wird jetzt neu geschrieben, ist aber auch nochmal ganz was anderes, als die Historie eines Oldtimers.
Ich habe eine, da könnte ich 10 Seiten zu schreiben, aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Zeit.
Den Heimweg habe ich dann über einen Umweg genommen, um Helmut nicht wieder zu begegnen. Und ich bitte hier eindringlichst, dicht zu halten
!
Nun hatte ich dieses Erlebnis, und habe natürlich auch eine Rechtfertigung.
Ich brauche eine Rechtfertigung für mich, damit ich mich besser fühle, denn es ist ja nicht so, dass ich das Geld einfach so raushauen kann.
Im Gegensatz zur AS Flieger, die ich im vorbei gehen gekauft habe, weil die Uhr und ihre Entstehung einfach der Hammer ist, habe ich mir mit dem Navitimer einen lange vergessenen Traum erfüllt,
der jetzt einfach fällig war.
Zur Belohnung für Überstandenes, für die wunde Seele, für die kommende Zeit zu zweit allein zu Hause, und vielleicht auch zum Osterfest.
Ich werde dieses Erlebnis noch etwas zelebrieren, vielleicht trage ich die Uhr am Ostersonntag, aber jetzt werde ich sie für Euch dann doch schon mal auspacken.
Danke fürs Lesen, fürs Hiersein dürfen, für Eure Anteilnahme!
Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein schönes Osterfest!
Eure
Michaela