Ianos Amfivios: Die OYK-Konstruktion mit integriertem Bandkanal wird zivil

  • Der neue Ianos Amfivios ist eine seltene Umkehrung der üblichen Militärgeschichte einer Uhr. Hier wurde nicht erst ein ziviler Taucher mit taktischer Erzählung versehen. Ausgangspunkt war der Ianos Ο.Υ.Κ., eine 2025 in 300 Exemplaren gefertigte Uhr für Angehörige der griechischen ΔΥΚ, des Underwater Demolition Command. Die Exemplare wurden von der Athanasios C. Laskaridis Charitable Foundation finanziert und am 8. Juli 2025 in Skaramangas an Personal der Einheit übergeben. Nun folgt mit dem Amfivios die zivile Fassung.

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    Das ist mehr als „military inspired“, aber kein staatlicher Beschaffungsauftrag. Ianos bezeichnet den Ο.Υ.Κ. als gemeinsam mit Angehörigen der Einheit entwickelt; einen dokumentierten militärischen Erprobungsstandard oder eine formelle Abnahme nennt der Hersteller nicht.

    Technisch interessanter als diese Provenienz ist eine konstruktive Besonderheit, die der Amfivios vollständig übernimmt: ein in das Monobloc-Gehäuse integrierter Kanal für das einteilige Kautschuk-NATO-Band. Er verhindert, daß das Durchzugsband die Uhr wie sonst bei festen Stegen um seine Materialstärke vom Handgelenk anhebt.

    Das Band läuft durch das Gehäuse

    Der Amfivios besitzt ein 41-Millimeter-Monobloc-Gehäuse aus gestrahltem Titan Grade 2, 49 Millimeter Lug-to-lug, 300 Meter Wasserdichtigkeit, verschraubte Titankrone, gewölbtes Saphirglas und feste Bandstege. Zwischen ihnen läuft das einteilige Kautschukband durch den in die Gehäuseunterseite eingelassenen Kanal.

    Damit verbindet Ianos die Verlustsicherheit fester Stege mit einer ungewöhnlich flachen Bandführung. Der Hersteller nennt 14,68 Millimeter Gesamthöhe einschließlich Glas, aber nur 11,45 Millimeter vom Glas bis zur Oberkante des Bandkanals. Ein Teil der nominellen Gehäusehöhe nimmt also das Band auf, statt zusätzlich auf ihm zu stehen.

    Das ist der eigentliche konstruktive Kniff der Uhr: Feste Stege und ein einteiliges Band werden nicht mit der sonst typischen zusätzlichen Bauhöhe erkauft.

    Vom Ο.Υ.Κ. zum Amfivios

    Diese Konstruktion stammt bereits vom Ο.Υ.Κ. Auch 41 Millimeter Durchmesser, 49 Millimeter Lug-to-lug, 300 Meter Wasserdichtigkeit, verschraubte Krone und das automatische Sellita SW360-1 wurden übernommen.

    Technisch bleibt die Uhr damit weitgehend unverändert. Das SW360-1 arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, 31 Steinen und rund 56 Stunden Gangreserve. Stunden und Minuten werden zentral angezeigt, die kleine Sekunde separat; das Datum sitzt bei 12 Uhr. Eine Chronometerzertifizierung nennt Ianos nicht.

    Das verbreitete Industriewerk erleichtert grundsätzlich Wartung und Ersatzteilversorgung. Gerade bei einer Uhr, die aus einer militärischen Sonderanfertigung hervorgegangen ist, ist das zweckmäßiger als ein proprietäres Kaliber.

    Demilitarisiert wird vor allem die sichtbare Identität. Der Ο.Υ.Κ. trägt ein dunkelblaues Zifferblatt, Einheitszeichen und eine entsprechend individualisierte Rückseite. Der Amfivios ist mattschwarz und verzichtet auf diese Insignien. Ianos übernimmt damit die Konstruktion, nicht die zuvor Angehörigen der Einheit vorbehaltene Symbolik.

    Die Taucheruhr bleibt funktional dieselbe

    Auch die Bedienlogik bleibt weitgehend erhalten. Breite Zeiger, leuchtende Stundenmarkierungen, kleine Sekunde und das in die Zwölf-Uhr-Position integrierte Datum stammen vom Ο.Υ.Κ. Beim Amfivios sind zusätzlich Minuterie und zahlreiche Beschriftungen lumineszierend ausgeführt. Fratello beschreibt Grün für primäre Zeit- und Tauchzeitinformationen sowie Blau für sekundäre Elemente.

    Die kleine Sekunde erfüllt als sichtbare Laufanzeige eine sinnvolle Funktion; ob sie unter Wasser besser ablesbar ist als ein zentraler Sekundenzeiger, bleibt eine Frage der konkreten Nutzung.

    Auch die einseitig drehbare Titanlünette mit 120 Rastungen wurde übernommen. Ianos bezeichnet sie als Countdown-Lünette. Sie setzt eine verbleibende Zeitspanne gegen den Minutenzeiger; für geplante Zeitfenster ist das brauchbar, für die klassische Kontrolle verstrichener Tauchzeit weniger unmittelbar.

    Titan Grade 2: sinnvoll, aber nicht unverwundbar

    Titan Grade 2 paßt zur maritimen Nutzung: leicht, hautverträglich und gegenüber Salzwasser sehr korrosionsbeständig. Seine Oberfläche ist allerdings vergleichsweise weich und nimmt Gebrauchsspuren leichter an als härtere Titanlegierungen oder oberflächengehärteter Stahl. Eine zusätzliche Härtung nennt Ianos nicht.

    Auch 300 Meter Wasserdichtigkeit sind eine robuste Reserve, aber kein Nachweis militärischer Tauchqualifikation. Eine Zertifizierung nach ISO 6425 oder einen militärischen Prüfstandard weist Ianos nicht aus.

    Die Bandauswahl ist Teil des konstruktiven Kompromisses. Zweiteilige Standardbänder lassen sich an festen Stegen nicht ohne weiteres verwenden. Wer häufig zwischen Metall-, Leder- und zweiteiligen Kautschukbändern wechselt, verliert Flexibilität; wer feste Stege wegen ihrer Verlustsicherheit möchte, bekommt dafür eine ungewöhnlich konsequente Lösung.

    Was „für ΟΥΚ entwickelt“ tatsächlich bedeutet

    Die militärische Vorgeschichte ist ungewöhnlich konkret dokumentiert. Nach Angaben von Ianos wurde der Ο.Υ.Κ. gemeinsam mit Angehörigen der Einheit entwickelt. Die Athanasios C. Laskaridis Charitable Foundation gab 300 Exemplare in Auftrag; am 8. Juli 2025 wurden sie bei der ΔΥΚ in Skaramangas übergeben. Kathimerini berichtete ebenfalls über 300 nummerierte Uhren für das Personal. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis nahm an der Übergabe teil und bezeichnete sie als Geschenk der Stiftung.

    Damit ist die Verbindung zur Einheit belastbar, ihre institutionelle Bedeutung aber begrenzt: Die Uhren waren eine privat finanzierte Spende, kein nachgewiesener staatlicher Beschaffungsauftrag. Aus der gemeinsamen Entwicklung folgt weder eine militärische Zertifizierung noch ein dokumentiertes Abnahmeverfahren.

    Ianos schreibt, die Uhr sei für anspruchsvolle Bedingungen entwickelt und getestet worden. Ohne Angaben zu Verfahren, Grenzwerten und Prüfstelle bleibt das eine Herstellerangabe; eine MIL-SPEC-Einstufung oder bestimmte militärische Tauchqualifikation läßt sich daraus nicht ableiten.

    Vom Dienstgeschenk zum Serienmodell

    Der Amfivios übernimmt die Konstruktion des Ο.Υ.Κ. nahezu vollständig und entfernt vor allem Merkmale der Zugehörigkeit: ΟΥΚ-Insignia, ΔΥΚ-Gravur, individuelle Nummerierung und das spezifische Blau.

    Gerade deshalb ist der Bandkanal wichtiger als die militärische Herkunft. Er ist weder Hoheitszeichen noch Marketingzitat, sondern eine eigenständige technische Lösung, die auch in der zivilen Uhr ihren Zweck behält.

    Der Amfivios kostet 2.050 Schweizer Franken ohne Steuern. Die ersten 100 nummerierten Exemplare gingen laut Fratello über eine private Subskription an bestehende Ianos-Kunden; weitere 200 nicht nummerierte Stücke bilden den zunächst verfügbaren Produktionslauf. Formal ist die Uhr nicht limitiert, weitere Produktion soll von der Nachfrage abhängen.

    Die Demilitarisierung entfernt beim Amfivios im wesentlichen die Insignien. Der konstruktive Kniff bleibt.

    If you are agitated or confused my job here is done.

  • Tolle Uhr, vor allem das Zifferblatt und hier speziell die Lume Blöcke.
    Sogar die Minuten Indexe aus Lume Blöcken.

    Dazu zwei Farben Lume und dicke Sekunde und Zeiger sowie Indexe.
    Das Datum auf der Zwölf ist auch was Besonderes, habe ich so noch nie gesehen.

    Gefällt mir außerordentlich gut : like

    Danke Dir fürs Teilen

    FUBAR

  • Danke für diesen Bericht!

    Ich finde die Uhren von Ianos schon seit der ersten (Schwammtaucher) klasse und diese macht keine Ausnahme.

    M. E. eine völlig unterbeachtete Marke.

    Watches are the only jewelry men can wear, unless you're Mr. T
    Gordon Bethune

  • Die gefällt mir mal so richtig gut, danke fürs teilen : Applaus Mannschaft.

    Die Integrierten Stege kennt man ja schon von der Tudor Pelagos X Marine Nationale seit 2021.

    Der Ianos sieht man den tooligen Charakter noch mehr an als der Tudor.

    Tolle Uhr .

    Schöne Grüße aus dem Münsterland
    THE HOLY FUGGERFOX FrecheFratze

  • Spannend ! Es gibt immer wieder was neues zu entdecken! : Danke002

    Aber Kaufen? Da mach ich den Ru_di, aber interessant ist sie auf jeden Fall und eine Bereicherung in der Uhrenwelt.

    Gruß

    AndiS

    Alles hat seine Zeit.

  • Naja, "den Rudi machen" … das ist bei mir tägliches Programm^^; sooo viele Uhren – wie auch diese – würde ich gerne kaufen. :D

    Aber die ist schon auf der Liste (wenn auch recht weit unten).

    Watches are the only jewelry men can wear, unless you're Mr. T
    Gordon Bethune

  • Och für ZweiZwei kann man das durchaus mal riskieren, wenn 43mm.
    Obwohl die Uhr auch in 41mm groß daher kommt.
    Immerhin die griechischen Seals bzw. UDT nutzen sie.

    Für Toolwatch Fanatics genau das Richtige und kein Stolen valor.

    FUBAR

  • Danke für die Klasse Recherche und die Informationen.

    Coole Uhr. Als Liebhaber der griechischen Militärs bestimmt eine schöne Abwechslung. Ohne eine Verbindung für mich aber weniger begeisternd. Schade, dass keine Testverfahren beschrieben wurden oder ein Nachweis darüber geführt wird. Das würde sie spezieller machen.

    Die Bandführung ist auf jeden Fall etwas besonderes. Das Kaliber sicher passend zum Thema. Da ist trotzdem für mich die Qualitätsstufe immer interessant.

    Bei der großen Vielfalt an Divern in ähnlicher Ausführung ist der Preis schon eine Ansage.

    Ich finde es Klasse, dass Du die Uhr vorgestellt hast. Man bekommt viel zu wenig von solchen Sonderproduktionen mit. DANKE DIR

    Ich gehe mal zur HP...

    Viele Grüße !
    ursinn


    In der Ruhe liegt die Kraft

  • Der Bandkanal mag gerade für das vorgesehene, relativ kräftige Gummi-Durchzugsband ergonomisch sehr sinnvoll sein – feste Stege, Schrägen und Kanal bilden hier ein schlüssiges Gesamtsystem.
    Aber fällt nur mir auf, daß der Kanal den Höhennachteil eines Durchzugsbandes gar nicht beseitigt, sondern nur in das Gehäuse verlagert?

    Die Amfivios mißt 14,68 mm; bis zum Bandkanal sind es 11,45 mm. Das Band verschwindet zwar innerhalb der vorhandenen Gehäusekontur – aber diese Kontur ist dafür rund 3,2 mm höher.

    Zum Vergleich: Die Pelagos FXD hat ebenfalls feste Bandstege und baut 12,75 mm. Mit einer zweiteiligen Bandlösung trägt sie folglich ungefähr diese 12,75 mm auf; die Amfivios weiterhin 14,68 mm.
    Oder für hier: Die U50 ist bei 500 m Druckfestigkeit nur 11,15 mm hoch.

    Der konstruktive Kniff lautet daher wohl nicht: „Das Durchzugsband kostet keine zusätzliche Höhe.“ Sondern: Seine zusätzliche Bauhöhe steckt bereits im Gehäuse.

    If you are agitated or confused my job here is done.

  • Und wie verhält es sich mit dem Gehäuseboden. Man kann kaum erkennen ob der verschraubt ist, wovon ich jetzt mal stark ausgehe. Liegen die Einkerbungen zur Werkzeugaufnahme unter dem Band ?

    Schöne Grüße aus dem Münsterland
    THE HOLY FUGGERFOX FrecheFratze

  • Danke für die Vorstellung! Ich gebe zu, dass ich die Marke IANOS bisher nicht kannte. Spannend -- auch Griechen machen schöne Uhren!

    Die AMFIVIOS ist jetzt nicht so mein Ding, liegt primär an der Lunette. Ich kann mich mit den Relief-Ziffern auf mattem/texturiertem Hintergrund nicht anfreunden, ging mir schon bei der Seamaster so, als Omega damit rauskam.

    Dafür gefällt mir die AVYSSOS umso besser, bin anscheinend momentan auf dem Heritage-Retro-Trip. Da es sie leider nicht mehr neu gibt, werde ich mal schauen, ob ich mal eine in einer Bucht sehe, und dann vielleicht nach ihr tauchen :diver:

    Gigahertz are for computers. Fine watches run at 4 Hz.

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