Kauf- und Erfahrungsbericht meiner Sinn 903 ST BE II
Ein wenig Vergangenheit…
Die Breitling Navitimer war die erste „Luxusuhr“, mit der ich in Berührung gekommen bin. Als Kind hatte ich den Traum, Pilot zu werden, einen Airbus A340 um die Welt zu fliegen und eine Navitimer am Handgelenk zu tragen. Realistisch war das damals nicht: Weder war eine Navitimer in Reichweite, geschweige denn die Pilotenlizenz.
Jahre später war ich dann an einem Punkt, an dem sich dieser Kindheitswunsch zumindest teilweise erfüllt hat: Die Privatpilotenlizenz war geschafft. Kein Airbus A340, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Mit dieser neuen Freiheit kam der Gedanke: eine Uhr als verlässlicher Begleiter – etwas, das man nicht nur besitzt, sondern das einen Abschnitt im Leben „markiert“. Wieder stand gedanklich sofort dieselbe Uhr im Raum: die Navitimer.
Durch Zufall fiel dann ein Name in einem Gespräch, der im deutschsprachigen Raum fast schon wie ein Gütesiegel für Toolwatches ist: Sinn Spezialuhren aus Frankfurt. Jemand sagte sinngemäß, dort würden „die besten Fliegeruhren der Welt“ gebaut. Kurze Zeit später war ich schon mitten im Katalog.
Dort habe ich sie dann gefunden: die 903 ST B E. Genau die Navitimer-DNA, aber mit eigener Handschrift. Je tiefer ich mich eingelesen habe, desto mehr haben mich aber die typischen Sinn-Themen abgeholt: technische Lösungen für Alltag, Einsatz und Langlebigkeit. Besonders hängen geblieben sind mir dabei die Ar-Trockenhaltetechnik und die DIN 8330, die erste Norm für Fliegeruhren. Long story short: Meine erste Sinn wurde keine 903.
Als die neue 903-Reihe herauskam, ging das Hin und Her wieder los: Blau oder Schwarz? Beides stark, beides anders – und verfügbar war ohnehin kaum etwas bei den Depots, erst recht nicht zum direkten Vergleichen.
Eigentlich war mein Fokus schon auf die 105 gerichtet. Ich habe davon zwei Uhren zur Ansicht in das Depot meines Vertrauens bestellt, da es einen schönen Anlass gab, eine Uhr zu kaufen. Dann stand sie dort: die 903 am braunen Vintage-Leder. In diesem Augenblick war die Entscheidung gefallen: Blau, mit genau diesem Band. So ist es am Ende doch die 903 geworden.
Proportionen und Tragekomfort
Am Handgelenk wirkt die Uhr präsent, aber nicht klobig – eigentlich wie ein feines Instrument zum Rechnen oder Messen. In Videos oder auf Bildern kann die 903 recht unbeholfen wirken. In der Realität empfinde ich sie jedoch überraschend filigran. Die Bauhöhe fällt am Arm kaum ins Gewicht, und bei meinem Handgelenkumfang von ca. 19,5 cm sitzt sie stimmig und sehr komfortabel.
Sie passt gut unters Hemd und lässt sich problemlos zum Anzug tragen. Am Lederband wirkt die Uhr deutlich dezenter als am Massivband, das zwar präsent, aber nicht aufdringlich ist. Positiv fällt mir außerdem auf, dass man den Rotor im Alltag praktisch nicht wahrnimmt – trotz des einseitigen Aufzugs und der frei drehenden Gegenrichtung, wie man es von einigen 7750-Uhren kennt.
Design
Das Zifferblatt ist für mich der Kern der 903: technisch, aber trotzdem sauber und gut ablesbar. Das Blau ist ein tiefes, mattes Blau und hat keinen Sonnenschliff wie bei der schwarzen Variante. Trotzdem „spielt“ das Blatt mit dem Licht: Mal wirkt es heller, mal wieder tief und satt. Insgesamt sehr gelungen. Richtig cool finde ich die Hybridkeramik-Indizes. Die Leuchtkraft ist tatsächlich enorm. Ich kann nicht sicher sagen, ob das an der Leuchtmasse oder an Form und Größe der einzelnen Indizes liegt. Ein Bild mit einem Lumenshot ist unten zu sehen.
Was mir außerdem besonders gefällt, sind der galvanisch versilberte Drehring und die Totalisatoren. Auch diese Flächen schimmern je nach Lichteinfall in einem schönen, dezenten Silber, was die Uhr insgesamt deutlich edler wirken lässt – ohne „Bling-Bling“-Effekt.
In Summe wirkt das Design sehr stimmig. Den kleinen Absatz bzw. die „Stufe“ zwischen drehbarer Lünette und Zifferblatt finde ich überhaupt nicht störend – das ist sehr dezent gelöst. Auch die etwas „tooligeren“ Indizes (oder wie böse Zungen sagen: „Legosteine“) finde ich gut. Sie verleihen dem Blatt eine schöne 3D-Optik. Am Anfang habe ich mich damit ein bisschen schwergetan, besonders wenn man sie auf Fotos sieht.
Was mir besonders gut gefällt, ist das aufgesetzte, polierte Sinn-Logo. Das ist ein wirklich schönes Detail und macht mir Freude beim Ansehen.
Das Gehäuse finde ich ebenfalls gelungen. Durch die satinierten Seiten bleibt die Uhr etwas dezenter und dabei weniger anfällig für sichtbare Kratzer. Die Hörner und der Drehring sind poliert, was schön aussieht, aber leider auch anfällig für Kratzer ist.
Qualität, Verarbeitung und Kritik
Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut. Die Uhr fühlt sich hochwertig an. Am Gehäuse gibt es keine scharfen oder unangenehmen Kanten. Die Satinierung ist sauber und gleichmäßig ausgeführt. Auch der Druck auf dem Zifferblatt ist ordentlich – ich konnte diesbezüglich keine Mängel feststellen.
Der Chronograph hat ein schönes, definiertes Drückergefühl und nullt sauber. Am Anfang war ich verwirrt und fest davon überzeugt, dass der große Chrono-Sekundenzeiger nicht sauber nullt. Wie sich später herausstellte, war das jedoch nur eine optische Täuschung: Er sitzt genauso sauber wie die anderen Zeiger. Das Datum schaltet bei meiner Uhr etwa eine Minute nach 12; auch hier gibt es nichts zu beanstanden.
Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik: Die drehbare Lünette ist teilweise wirklich schwer zu bewegen. Man muss sich mit den Fingernägeln regelrecht „reinkrallen“, um sie vernünftig zu drehen. Dadurch ist ein präzises Verstellen der Rechenschieberlünette manchmal herausfordernd. Zudem habe ich den Eindruck, dass es auch etwas von der Außentemperatur abhängt: An sehr kalten Wintertagen (z. B. um -8 °C) lässt sich die Lünette nach einem längeren Spaziergang deutlich schwerer verstellen. In der warmen Wohnung geht es dann wieder etwas leichter. Das scheint aber bei vielen 903-Modellen so zu sein, vor allem wenn die Uhren neu sind. Mittlerweile läuft der Drehring bei meiner etwas besser.
Zusätzlich habe ich eine kleine Ungenauigkeit am Sekundenzeiger an der roten Spitze festgestellt: Wenn man von der Seite genau hinschaut, ist dort ein kleiner weißer Fleck zu sehen. Vermutlich wurde die rote Farbe an dieser Stelle nicht ganz sauber aufgetragen.
Leider musste ich auch schon einen Garantiefall beanstanden. Die Uhr ist einfach stehen geblieben. Als ich versucht habe, sie aufzuziehen, ist sie nicht angelaufen. Zudem blockierte der Aufzugsrotor. Ich habe sie im Depot abgegeben und hatte schon die Befürchtung, dass ich nun zwei bis drei Monate warten muss, da sie nach Frankfurt geht. Allerdings war die Uhr bereits nach zehn Tagen wieder abholbereit.
Nach Aussage des Depots hatte sich eine Platinenschraube teilweise herausgedreht und dadurch den Federtrieb blockiert (ich gebe hier nur wieder, was mir gesagt wurde – ich bin kein Uhrmacher). Die Schraube wurde wieder fixiert, Gang und Wasserdichtigkeit wurden kontrolliert, und damit war das Thema erledigt.
Natürlich ist es trotzdem ärgerlich, wenn eine vier Monate alte Uhr schon wieder geöffnet werden muss, da das Öffnen natürlich Spuren hinterlassen kann. Das Sinn-Depot hat hier aber wirklich einen sehr guten Job gemacht: keine sichtbaren Spuren am Gehäuseboden, alles in Ordnung. Die Gangwerte liegen bei meiner Uhr im Bereich von +2 bis +4 Sekunden pro Tag – also auch hier wunderbar.
Zu guter Letzt bleibt der Preis: Ich finde ihn in Ordnung. Die Uhr hat viel zu bieten (Optik, Qualität, Geschichte), und wenn sie einem wirklich gefällt, ist eine Preisdiskussion ohnehin obsolet.
Der Gesprächsfaktor
Ein Punkt, den ich vorher unterschätzt habe, ist der „Gesprächsfaktor“ der 903. Die Uhr fällt auf – und zwar nicht nur bei Sinn-Fans. Durch die typische Rechenschieber-Optik erkennen viele sofort, in welche Richtung es geht. Ich wurde tatsächlich schon mehrfach darauf angesprochen, unter anderem auch von dem einen oder anderen Breitling-Träger.
Spannend ist dabei, dass die Gespräche fast immer bei der Historie landen: bei den alten Referenzen, die im Grunde die Grundlage der heutigen 903 bilden. Genau diese Mischung aus ikonischem Design und eigener Sinn-Handschrift macht die Uhr für mich nicht nur am Handgelenk interessant, sondern auch im Austausch mit anderen.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden und habe nach wie vor viel Freude an der Uhr!
Ein Hinweis zu den Bildern: Das ist Alles was mein Smartphone hergab ![]()
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