Liebe Sinn-Uhren Bekloppte,
ich habe die Tage wieder mal was „ausgegraben“, von dem ich denke dass es der Ein oder Andere noch nicht kennt bzw. zumindest teilweise von Interesse ist!
Autobiografische Infos, aber diesmal nicht über den Firmengründer Helmut Sinn, sondern über Lothar Schmidt, der wie Ihr alle wisst letztes Jahr sein 30-Jähriges Sinn-Jubiläum feiern konnte. ![]()
Beim Aufräumen bin ich auf ein Buch gestoßen, welches ich mir bereits vor Jahren mal aus Neugier im Internet bestellt hatte: ![]()
Kinder der Quarzrevolution - Lucien F. Trueb von 2008
MUSÉE INTERNATIONAL D'HORLOGERIE
La Chaux-de-Fonds
EDITIONS «INSTITUT L'HOMME ET LE TEMPS»
ISBN-13 : 978-3898963510 (aktuell nicht mehr lieferbar)
Ich kanns aber empfehlen, evtl. gebraucht oder Antiquariat? SchuechternKichern
Im Spätsommer 1967 wurden völlig unabhängig voneinander am Centre Electronique Horloger in Neuchâtel (Schweiz) und am Forschungszentrum der Seiko in Kami-Suwa (Japan) die ersten Quarzarmbanduhren in Betrieb genommen. Ihre vor allem in Japan vorangetriebene Kommerzialisierung löste in der Schweizer Uhrenindustrie die größte Krise aus, die sie je durchzustehen hatte. Sie saldierte sich mit dem Untergang Hunderter von Unternehmen und dem Verlust von ca. 60 000 Arbeitsplätzen.
Der Autor hatte das Privileg, diese dramatischen Vorgänge als Wissenschaftsjournalist aus nächster Nähe zu verfolgen. Dreißig Jahre später und in einem völlig neuen Umfeld führte er gut fünf Dutzend Gespräche mit Urhebern und Opfern der elektronischen Zeitmessung. Sie wurden 2006 in seinem Buch 'Zeitzeugen der Quarzrevolution' veröffentlicht (ATHENA, ISBN 978-3-89896-255-1).
In der Folge fand Lucien F. Trueb immer wieder neue, faszinierende Gesprächspartner. So entstand das Projekt eines Folgebandes, in dem die 'Kinder der Quarzrevolution' zum Zuge kommen – eine Revolution, die notabene ihre Kinder nicht verschlungen hat. Sie wurden in vier Gruppen aufgeteilt: Zeitzeugen der Krise, Architekten des Übergangs sowie Manager der neuen Generation und Virtuosen der Mikromechanik.
Marketingspezialisten und Uhrenkonstrukteure der Spitzenklasse vollbrachten seit den 1980er Jahren wahre Wunder. Sie brachten die Schweizer Uhrenindustrie wieder auf Vordermann und entkoppelten die komplizierte (und entsprechend kostspielige) mechanische Uhr weitgehend von ihrer Funktion als Zeitmesser. Als Uhren getarnt, verkauft man heute exklusiven Schmuck, raffiniertes Spielzeug und Statussymbole, die man ständig am Handgelenk tragen kann. Das Buch zeigt in Form von sechsundsechzig rein subjektiven Selbstdarstellungen, wie es dazu kam.
Im 3. Teil wird in Kapitel 49 von Seite 284 bis 288 über Lothar Schmidt als einem der „Manager der neuen Generation“ berichtet!
Dank der Iphone Worterkennung kann ich Euch nun an den Ausführungen teilhaben lassen, durchaus in einigen Punkten neu bzw. recht interessant!
Lothar Schmidt
Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1960 war das Saarland von Frankreich besetzt. Dort wurde Lothar Schmidt 1949 geboren, und zwar in Neunkirchen, eine mittelgrosse Stadt ca. 20 km nordöstlich von Saarbrücken.
Vom Saarland in die Juraberge
Nach der Volksschule begann Lothar Schmidt bei Bosch in der Nachbarstadt Homburg eine dreieinhalb Jahre dauernde Lehre als Werkzeugmacher. Parallel dazu bereitete er sich an der Abendschule auf das technische Abitur vor. Schon im letzten Jahr der Lehre arbeitete er im Konstruktionsbüro für Werkzeuge und blieb dann noch bei Bosch, bis er in Saarbrücken das achtsemestrige Maschinenbaustudium beginnen konnte; den Abschluss machte er 1972.
Dann musste er zur Bundeswehr, wo er bei den Grenadieren eingeteilt wurde. Anschliessend wollte er noch als Freiwilliger den Leutnant machen - eine Familientradition. Er musste aber feststellen, dass die Ausbildung der Panzergrenadier-Offiziersanwärter viel Herumkriechen im Dreck umfasste. Zu allem Überfluss wurden während dieser Zeit die Spielregeln verändert, er hätte bis zur Brevetierung weitere 12 Monate Soldat bleiben müssen:
Das war eindeutig zu viel.
Während eines Praktikums, noch vor der Zeit im Militär, hatte Schmidt in Stuttgart seine künftige Frau kennen gelernt; sie war aus La Chaux-de-Fonds zum Deutschlernen dorthin gekommen. Nach Abschluss des Wehrdienstes folgte er ihr Anfang 1975 in die Heimatstadt, wo er eine Stelle bei Voumard Machines gefunden hatte; die weltbekannte Spezialität dieser Firma sind Innenschleifmaschinen. Doch die Anstellung bei Voumard war zeitlich befristet. Er nahm darum eine weitere temporäre Stelle als Werkzeugbauer beim Uhrgehäusefabrikanten Bräuchi an, weiterhin in La Chaux-de-Fonds.
Bräuchi war kurz zuvor, an Wong in Hongkong verkauft worden, der als Manager den sehr fähigen und polyglotten Norweger Clarin Mustad einstellte. Schmidt erhielt das sehr verlockendes Angebot, eine Produktionslinie für wasserdichte Uhrgehäuse auf die Beine zu stellen. Damit war Schmidts Schicksal besiegelt, er war nun definitiv mit dem Uhrenvirus angesteckt. Für die neue Aufgabe war er eher überqualifiziert, galt es doch vor allem, sonst überall gängige Verfahren einzuführen. Bisher hatte man nämlich bei Bräuchi Gewinde ohne Normen geschnitten und Kalkulationen wurden Pi mal Handgelenk ausgeführt.
Doch diese Zeiten waren nun vorüber: die Schweizer Uhrenindustrie wurde von den Japanern mit qualitativ hochwertigen Quarzuhren zu konkurrenzlosen Preisen frontal angegriffen, die mehr als 10 Jahre dauernde «Quarzkrise» nahm ihren verheerenden Lauf. Schmidt musste nun die drei Betriebe der Gruppe zur Firma Varac SA in Les Geneveys sur Coffrane zusammenlegen. Schmidt bot man nun die Position des technischen Direktors an: So blieb er weiterhin in La Chaux-de-Fonds.
VDO-Tochter IWC
Kurz vor Schmidts Beförderung hatte Wong die Firma ihrem Manager verkauft. Obwohl der Betrieb sehr rentabel lief, gab es ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Schmidt fand relativ spät heraus, dass die Schuldenlast untragbar war: Mit den erwirtschafteten Gewinnen konnten nicht einmal die Zinsen bezahlt werden. So konnte es nicht weitergehen: Schmidt bewarb sich bei der Firma VDO in Frankfurt, die für ihre Armaturenbrett-Instrumente weltbekannt ist.
VDO wurde damals vom uhrenbegeisterten einstigen Uhreningenieur Albert Keck geleitet, der 1978 für wenig Geld die schwer angeschlagenen Firmen Jaeger-LeCoultre in Le Sentier, IWC in Schaffhausen und mehrere Uhrenfirmen in Frankreich (Yema, Cupillard-Rième, Jaz, Bayard) erworben hatte. Dabei genoss er die volle Unterstützung der Konzerninhaberin Liselotte Schindling-Rheinberger, die als Weltmeisterin im Dressurreiten bekannt wurde und eine umfangreiche Uhrensammlung besaß.
VDO bot Schmidt an, als freier Mitarbeiter bei IWC eine Gehäusefabrikation aufzuziehen; dazu wurde 1981 ein einjähriger Vertrag unterzeichnet. IWC hatte damals die eigene Fabrikation aufgegeben: Die Maschinen liefen nicht mehr, im Estrich standen unzählige Kisten mit Uhrenteilen. Man kaufte nun alles von aussen ein - die Werke von der ETA, die Ausstattung von darauf spezialisierten Firmen; in Schaffhausen beschränkte man sich auf das Assemblieren von Fertiguhren.
Titan fürs Porsche-Design
Es gab eine Ausnahme: Als Schmidt seine Stelle antrat, hatte man kurz zuvor die Fertigung von Titangehäusen für den ersten Porsche-Design Chronographen aufgenommen. Titan war für die Uhrenindustrie totales Neuland und man konnte keine Lieferanten finden, die sich für dieses Projekt hätten gewinnen lassen. Dies erzwang eine eigene Fabrikation, doch erwies sich das Prägen der Gehäuse und Armbandteile als äusserst mühsam - entsprechend sahen die Ergebnisse aus.
Schmidt begann mit der Industrie und mit Hochschulen Fäden zu knüpfen, um möglichst viel über die Verarbeitung von Titan zu lernen. Er fand überall offene Türen, denn jedermann liebt Uhren und IWC war keine Konkurrenz. So konnte Schmidt herausfinden, wie Titan und seine Legierungen geprägt, gelötet, geschweisst, spanabhebend verarbeitet und poliert werden können.
Damit es überhaupt fabrizierbar wurde, musste die Konstruktion des geplanten Gehäuses weitgehend modifiziert werden, das bisher verwendete Reintitan ersetzte Schmidt durch die Legierung Ti6AI4V, die präzisionsgegossen und heiss isostatisch gepresst werden kann. Innerhalb des vereinbarten Jahres lief die Produktion, der Porsche Design Chronograph wurde ein blendender Erfolg.
Als weiterer Schritt wurde das schwarze Gehäuse aus Zirkoniumdioxid-Keramik für die Da Vinci von IWC konzipiert; die wichtigen Vorarbeiten hatte das Forschungslabor der Alusuisse (heute Alcan) in Neuhausen gemacht. Besonders lehrreich war für Schmidt die Entwicklung des Titangehäuses für die IWC-Taucheruhr Ocean 2000, die tatsächlich bis 2000 m (und weit darüber) wasserdicht war. Um den verschraubten Boden abzudichten, wurden O-Ringe aus Silber verwendet, die nur einmal verwendet werden konnten. Zudem musste man die Gewinde versilbern, damit sie sich wieder lösen liessen - unter Einsatz eines riesigen Schlüssels.
Wiedergeburt von A. Lange & Söhne
Während der ersten sechs Jahren bei IWC wohnte Schmidt weiterhin in La Chaux-de-Fonds, wo er aber meist nur Samstags und Sonntags war. Doch schliesslich gelang es ihm, seine Frau zu überzeugen, in die Nähe von Schaffhausen und Zürich umzuziehen, nämlich nach Winterthur.
Die Stadt an der Eulach ist heute noch Sinns Wohnsitz und es gefällt ihm dort ausnehmend gut; er hat sich auch längst als Schweizer einbürgern lassen. Die Tätigkeit als freier Mitarbeiter bei IWC behagte ihm sehr, doch um die Prokura zu erhalten und im Unternehmen mitentscheiden zu können, liess er sich 1988 doch fest anstellen.
Nach der politischen Wende von 1989 und der Schaffung der neuen Bundesländer im Osten Deutschlands, begann auch für IWC ein neues Zeitalter. Zusammen mit Walter Lange, dem Urenkel des Firmengründers Adolf Lange, wurde die Firma A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte neu gegründet. Schmidt erhielt den Auftrag, neben der laufenden Arbeit bei IWC - wo man nun auch wieder Uhrwerkteile fertigte - die Produktion in Glashütte neu aufzubauen. Dazu gehörte die Ausbildung der Lange-Leute in Schaffhausen und die Beschaffung des neuen Maschinenparks.
Der Ingenieur als Unternehmer
Als 1993 in der neuen Lange-Manufaktur die Produktion des Uhrenmodells Lange 1 anlief, machte Schmidt mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Schritt in die Selbständigkeit. Doch der damals gebotenen Gelegenheit, die Uhrenfirma Sinn Frankfurt zu erwerben und zu führen, konnte er nicht widerstehen. Den Gründer Helmut Sinn, einen früheren Luftwaffepiloten, Fluglehrer und Rallyfahrer, hatte Schmidt schon 1983 kennen gelernt. Durch seine Tätigkeit als Blindflug-Instruktor war es Sinn klar geworden, wie wichtig die präzise Zeitmessung beim Fliegen ist.
Nach dem Krieg, begann Sinn damit, äusserst robuste und perfekt ablesbare technische Uhren mit seinem Namen als Marke in der Schweiz fertigen zu lassen. Mit ihrem schwarzen Zifferblatt, weissen Ziffern und Indexen sowie ebenfalls weissen Zeigern sahen sie aus wie Flugzeuginstrumente und waren es auch. Die von einem Profi-Piloten für Piloten konzipierten Uhren erwarben einen hervorragen Ruf und wurden natürlich auch von vielen Möchtegern-Piloten erworben. Sie waren vorwiegend mit ETA-Werken, zum Teil auch mit Werken von Lemania ausgerüstet. Der Vertrieb erfolgte ausschliesslich über den Direktversand, was ein unschlagbar günstiges Preis-Leistungsverhältnis zur Folge hatte.
Als Willy Breitling 1979 sein Unternehmen dem Uhrenfabrikanten Ernest Schneider verkaufte, erwarb Sinn die Werkzeuge für die Fertigung des Navitimer-Modells mit eingebauter Rechenscheibe und einer verwirrenden Vielzahl von Skalen auf dem Zitterblatt. Dieses Modell ist so gefragt, dass es als Sinn Modell 900 heute noch produziert wird - in modernisierter Form. Beim Modell 903 findet man sogar die klassisch gewordene, geriffelte Drehlünette mit Rechenscheibenfunktionen auf dem Réhaut.
Einen Kaufvertrag für Sinns Uhrenfirma hatte Schmidt schon 1989 notariell aufstellen lassen, doch der 1916 geborene Sinn war damals noch nicht reif zur Abgabe seines Unternehmens. Erst 1992 beschloss er, sich nun «definitiv» auf das Altenteil zurückzuziehen und Schmidt den Stab zu übergeben. Die Firma machte damals einen Jahresumsatz von 3 Millionen DM. Im September 1993 begann Schmidt seine Tätigkeit bei der Sinn Spezialuhren, zuerst als freier Mitarbeiter mit einer Beteiligung von 25 Prozent. Doch weil es mit dem früheren Besitzer Probleme gab, übernahm Schmidt mit Hilfe von Bankkrediten bis im September 1994 die Firma zu 100 Prozent.
Schweizer Uhren «Made in Germany»
Die Sinn-Kollektion bestand damals primär aus Fliegeruhren und Taucheruhren, die als optimal funktionelle Instrumente konzipiert waren. Daneben waren aber zahlreiche Modelle im Katalog, die diesen Kriterien nicht entsprachen. Schmidt liess sie allesamt auslaufen und beschränkte sich fortan auf rein technische Uhren.
Auch begann Schmidt gleich, das Design der Ausstattung, insbesondere der Gehäuse zu überarbeiten. Er liess bei Donzé-Baume in Les Breuleux (Kanton Jura) eigene Prägewerkzeuge fertigen und verbesserte u. a. die Abdichtung radikal. Manche Modelle sehen zwar auf den ersten Blick immer noch etwa gleich aus wie früher, weisen aber eine wesentlich verbesserte Konstruktion auf. Seit 1999 bezieht Schmidt auch Gehäuse von der Firma SUG (Sächsische Uhrentechnologie GmbH, Glashütte), die er mitbegründete.
Leider wurde die SUG 2002 von der grossen Elbeflut stark im Mitleidenschaft gezogen und stand zeitweise 1,6 m unter Wasser, alles war völlig verschlammt. Als sich der wichtigste Teilhaber zurückzog, übernahm Schmidt 2003 weitere 50 Prozent der Firma, die ihm nun zu 74 Prozent gehört. Sie produziert vor allem Stahl- und Titangehäuse, die durch Implantation von Kohlenstoffionen oberflächlich stark gehärtet werden, was sie weitgehend kratzfest macht.
Sinn bezieht 50 Prozent der Gehäuse aus der Schweiz, während die Werke zu 100 Prozent schweizerisch sind. Das Einschalen der Chronographen besorgen die Firmen Horlogerie Allène in Alle sowie Mercier in Les Breuleux, beide im Kanton Jura. Für das Assemblieren der einfacheren Dreizeigeruhren ist die Firma S&S in Schweina südlich von Eisenach in Thüringen verantwortlich. Die Endregulierung und die Kontrollen vor der Freigabe für den Verkauf werden vollständig bei Sinn in Frankfurt durchgeführt.
Sinn-Uhren können somit nicht als «Swiss made» deklariert werden, obwohl die meisten Kriterien des Labels erfüllt sind. «Made in Germany» sind sie sicher!
Instrumentelle Chronographen
Das «Core Business» von Sinn sind instrumentelle Chronographen, denen man die Berufung als funktionelle Zeitmesser von weitem ansieht; es gibt davon rund 40 verschiedene Modelle. Zur Wahl stehen Stahl- oder Titangehäuse und sogar die selten gewordenen Acrylgläser. Schmidt entwickelte auch zahlreiche neue Modelle. Alles begann mit dem Modell 142 Ti (Anm. war das nicht die 244?) von 1994, ein bis 100 m wasserdichter Titan-Chronometer.
Das entsprechende Stahlmodell ist mit einer inneren Magnetfeld-Abschirmung aus Weicheisen, Gummipuffern für die elastische Aufhängung des Uhrwerks und vom Gehäuse entkoppelter Krone versehen.
Die Sinn-Modelle der Reihe 203 sind typische Taucheruhren mit einseitig drehbarem, unverlierbarem Drehring. Sie sind bis 300 m wasserdicht, Krone und Drücker sind verschraubt. Für Luft- und Strassenpiloten bestimmt sind andererseits die Chronographen des Typs 256 mit beidseitig drehbarer Lünette bzw. Tachometerring. Auch bei der für Liebhaber schneller Wagen (60 bis 500 km/h) konzipierten Baureihe 303 ist der Tachometerring vorhanden.
Am erfolgreichsten sind heute die Sinn-Instrumentenuhren, mit vier übergrossen Leuchtziffern auf schwarzem Zifferblatt und sehr klaren Stunden- bzw. Minutenindizes. Dieses Zifferblattlayout ist direkt abgeleitet von der Navigationsborduhr 56/8; es gibt diese Armbanduhren auch mit einem völlig schwarzen, gesputterten oder PVD-behandelten, vorgängig durch lonenimplantation gehärteten Stahlgehäuse.
Diversifikationen
Erstaunlich ist, dass es für mechanische Borduhren immer noch einen Markt gibt:
tatsächlich ist eine solche Uhr in Helikoptern sogar vorgeschrieben (zusammen mit einem klassischen Kompass), als letzte Navigationshilfe, falls die Elektronik einmal total versagen würde. Ein besonderer Hit von Sinn sind die aus amagnetischem und hochgradig seewasserbeständigem Thyssen-Krupp U-Bootstahl 1.3964 gefertigten Taucheruhren U1, U2 und UX.
Auch weltraumtauglich sind Sinn-Uhren: Anlässlich der D-1 Mission von 1985 nahm der deutsche Astronaut Reinhard Furrer seine Sinn 142 St auf privater Basis ins Orbit im Spacelab mit und zeigte, dass sich eine Automatikuhr auch im schwerelosen Zustand problemlos von selbst aufzieht - was zuvor immer angezweifelt wurde.
Sinn gilt primär als Herrenuhr - durchaus zu Unrecht, denn für Damen (von denen sehr viele ohnehin grosskalibrige Zeitmesser tragen), gibt es eine Kollektion perfekt funktioneller und gleichzeitig eleganter Uhren. Das sehr erfolgreiche Modell 344 mit einem Durchmesser von 25 mm gibt es in Reintitan oder Stahl mit integriertem, durch Kugelstrahlen mattiertem Metallarmband. Für die Motorisierung sorgt ein Quarzwerk ETA 956.112 oder ein Automatikwerk ETA 2678. Auch diese Modelle sind bis 100 m wasserdicht und gegen Unterdruck gesichert.
Als Diversifikation fertigt Sinn für die Automarke Audi auch Uhren im Audi-Design aber mit der von Sinn entwickelten Technik. Im Gegensatz zur Marke Sinn wird die Marke Audi-Design von Uhren-Fachgeschäften geführt.
Vorrang der Technik
In den heutigen Sinn-Uhren steckt viel mehr Technik als das Äussere auf den ersten Blick verrät. Zum Beispiel der bei vielen Modellen eingeführte Magnetfeldschutz. Ausserordentlich wichtig ist die «Trockenlegung» durch Füllen der Uhren mit dem Edelgas Argon und einer Trockenkapsel mit porösem Metallfilter. Bei allen Sinn-Uhren laufen die Lager in einem speziellen Universalöl, das seine Schmierfähigkeit zwischen -45° C und +80° C bewahrt.
Eine Zeitlang experimentierte Schmidt mit Ankerpaletten aus Diamant anstelle von Stahl (sog. Diapal-Hemmung), doch erwies es sich als praktischer, das Ankerrad mit diamantähnlichem Kohlenstoff (DLC, Diamond-like carbon) zu beschichten. Diese Beschichtung hat sich seit dem Jahr 2000 sehr gut bewährt und führte zu keinem einzigen Ausfall.
Wie bereits oben erwähnt kommen in dem Buch auch noch viele andere bekannte Namen aus der Uhrenbranche vor:
Beispielhaft seien hier genannt: Gregory Breitling, Jörg Bucherer, Bernhard Gallet, Gerald Genta, Erwin Sattler, Henri Schneider, Gerd-Rüdiger lang, Richard Mille, Peter Peter (ehem. Fortis), Stephen Forsey, Paul Gerber, Franck Muller, Michel Parmigiani und einige andere…
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